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Härter, untoter, besser"The Walking Dead" - und das Baby

24.10.2014, 07:48 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Rick bekommt es auch in der 4. Staffel von "The Walking Dead" mit jeder Menge Untoter zu tun. (Foto: WVG Medien)

Das Leben ist kein Ponyhof - erst recht nicht in der Zombieapokalypse. Da heißt es: Vertraue niemandem. Schwache landen unweigerlich auf dem Speiseplan der nimmersatten Untoten. In dieser Zeit ein Neugeborenes aufziehen? Keine Chance! Oder doch?

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Judith gilt es, am Leben zu erhalten. Das Neugeborene ist der Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft. (Foto: WVG Medien)

Wenn man keine Hoffnung hat, welchen Sinn hat dann das Leben? In einer Welt, in denen es mehr Zombies als Menschen gibt, in der eine kleine Wunde den Tod bedeuten kann, in der nichts mehr so ist, wie es früher einmal war – in dieser Welt ohne Regeln und Moral ruht die Hoffnung einer kleinen Gruppe Menschen auf dem Überleben eines Neugeborenen. Judith heißt der kleine Schreihals. Sie ist die Tochter von Rick Grimes und dessen verstorbenen Frau Lori - und die Schwester des Teenagers Carl. Sie ist aber auch der Augapfel vom Rest der bekannten Gruppe: von Hershel (Scott Wilson), dem trockenen Alkoholiker, Veterinär und Elder Statesman; von dessen Töchtern Beth (Emily Kinney) und Maggie (Lauren Cohan); von Glenn (Steven Yeun), Maggies Geliebtem, und von Carol (Melissa McBride) und Daryl (Norman Reedus). Judith beim Heranwachsen zuzusehen, hält den Lebenswillen aller aufrecht.

Und so richten sie sich in ihrem neuen Zuhause, einem verlassenen Gefängnis, so gut es geht ein. Sie verteidigen es gegen ihre Feinde, egal, ob Zombies oder feindlich gesinnte Menschen. Sie tun alles, um Judith am Leben zu erhalten. Sie stellen das Kämpfen und Töten weitgehend ein, legen einen Garten an, pflanzen Gemüse, halten Schweine und Hühner. Wären nicht die immer wieder an den Zäunen ihres Zuhauses rüttelnden Untoten, man könnte meinen, die Normalität sei eingekehrt bei "The Walking Dead". Die Geschehnisse von Woodbury, die Auseinandersetzung mit dem autokratischen Governor scheinen vergessen. Es menschelt. So langweilig kann der Weltuntergang sein.

Angriff an zwei Fronten

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Auch die 4. Staffel von "The Walking Dead" erscheint bei WVG auf DVD und Blu-ray. (Foto: WVG Medien)

Die vierte Staffel von "The Walking Dead", der erfolgreichsten Pay-TV-Serie aller Zeiten, braucht etwas, bis sie auf Touren kommt. Das Böse lauert dennoch und bricht sich irgendwann zum Glück dann umso lauter Bahn. Wieder sind es nicht die Zombies, die die zugegebenermaßen etwas unübersichtlich groß gewordene Gruppe dezimiert, es ist ein Virus. Ein in der normalen Welt leicht behandelbarer obendrein - aber in der Zombiekalypse tötet er umso schneller. Die Gruppe, geführt mittlerweile nicht mehr nur von Rick, sondern von einem mehrköpfigen Rat, reagiert: Quarantäne. Abgrenzung. Mord.

Und es kommt noch schlimmer. Der Bösewicht der dritten Staffel hat überlebt. Geläutert, wie es scheint, findet der einäugige Governor erst eine nette kleine Familie, die ihn aufnimmt, und dann eine größere Gruppe. Dort tötet er sich schnell und eiskalt an die Spitze, übernimmt die Kontrolle. Getrieben von seinem Hass auf Rick und blutrünstigen Rachegefühlen überredet er seine Gruppe, das Gefängnis anzugreifen. Ein fahrtüchtiger Panzer und zwei Geiseln liefern ihm die nötige Verhandlungsbasis. Es müsse kein Blut fließen, keiner müsse sterben, unterbreitet er Rick, einen Säbel am Hals des gefangenen Hershel.

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Rick versucht seinem Sohn Carl ein vergleichsweise normales Leben zu ermöglichen. (Foto: WVG Medien)

Rick, der Neu-Farmer, ist auf Frieden und Gemeinschaft aus. Aber als des Governors Klinge Hershels Kopf abtrennt, haben er und seine Gruppe keine Wahl: Kämpfen und Töten, um das eigene Überleben zu sichern, um Judith zu schützen und die Hoffnung am Leben zu erhalten. Erst jetzt beginnt die vierte Staffel von "The Walking Dead" richtig.

Der Kampf zwischen den beiden Gruppen ist blutig, kompromisslos, tödlich. Das Gefängnis fällt. Gewonnen haben die Zombies, die durch die niedergewalzten Zäune Einlass finden. Der Governor fällt. Rick ist schwer verletzt, seine Gruppe wird zerschlagen, die überlebenden Mitglieder fliehen in alle Himmelsrichtungen. Die junge Beth schließt sich dem Armbrustschützen Daryl an. Maggie muss Glenn zurücklassen, kann aber selbst entkommen, Rick und Carl ebenfalls. Nur Judith, das Baby, ist nirgendwo zu finden. Haben es die Beißer geschnappt?

Blutiger ist besser!

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Daryl und seine Armbrust sind beim Zombiekilling weiter das Maß der Dinge. Aber der harte Kerl zeigt neuerdings auch Gefühle. (Foto: WVG Medien)

Diese Frage muss an dieser Stelle unbeantwortet bleiben. Aber sie zeigt, dass die Macher der AMC-Serie, deren vierte Staffel mit 16 Episoden ab 27. Oktober bei RTL2 zu sehen ist und ab 4. November bei WVG Medien in Deutschland auf DVD und Blu-ray erscheint, die Latte höher gelegt haben. Deutlich sogar. "The Walking Dead" ist spürbar härter geworden. Die Kamera hält bei den Zombie-Tötungen deutlich länger drauf, geht näher ran als in den ersten drei Staffeln. Es fließt auch mehr Blut. Die Geräuschkulisse erscheint lauter und furchteinflößender.

Das alles macht die vierte Staffel auch besser. Auch deshalb, weil sie wegen der Härte ein wenig vom Mainstream-Hype verliert. Das dürfte eingefleischten Horror- und Genrefans gefallen, die nicht auf zwischenmenschliches Chichi stehen.

Es gibt noch viel zu tun ...

Was die Serie allerdings nicht einbüßt, sind jedoch auch die Schwächen der vorherigen Staffeln: Die Synchronisation könnte deutlich besser sein. Vor allem bei Carl wünscht sich der Zuschauer das. Und auch die Langsamkeit, die bei anderen Serien positiv auffällt, schlägt sich bei "The Walking Dead" weiterhin negativ nieder. Fast scheint es so, als ob die Macher ausprobieren wollten, wie weit sie gehen können. Der Plot, der in den 16 Folgen erzählt wird, hätte auch in deutlich weniger Episoden Platz gefunden. Richtig mitreißend sind vielleicht vier bis fünf.

Zu ihnen gehört - das ist wiederum positiv und eine altbekannte AMC-Stärke -, die Schlussepisode. Hier gibt es noch einmal Auseinandersetzungen satt: Mensch gegen Mensch und Mensch gegen Zombie; alle gegen einen und jeder gegen jeden. Der Cliffhanger kann sich sehen lassen, was vor allem daran liegt, dass er mehrere Fragen aufwirft, die das Kopfkino des Zuschauers in Gang halten werden, bis in einem Jahr die fünfte Staffel hierzulande erscheint.

Die geschaffene Schlusssequenz weckt Hoffnungen, dass "The Walking Dead" die Härte aus Staffel vier beibehält und vielleicht die eine oder andere bisher gezeigte Schwäche abstellt. Und hey: Was hätte das Leben ohne Hoffnung für einen Sinn?

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Quelle: ntv.de

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