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Pasta macht Spaß, vor allem zu zweit.
Pasta macht Spaß, vor allem zu zweit.(Foto: imago stock&people)

"Sie haben da was": Gut gewickelt ist halb gegessen

Von Heidi Driesner

Die älteste Nudel der Welt stammt aus China, sehr zum Leidwesen italienischer Pasta-Jünger; doch die Archäologen sind sich da sicher. Aber was sind schon Steinzeit-Spaghetti gegen die berühmteste Nudel der Welt? Die kommt nämlich aus Deutschland.

Ich muss etwas falsch machen in meinem Leben, zumindest beim Essen. Oder es liegt an den mir fehlenden italienischen Genen, dass Pasta bei mir völlig anders wirkt als bei Sophia Loren. In ihrem Buch "Rezepte & Erinnerungen" erzählt sie, in diesem Jahr unglaubliche 80 Jahre alt geworden, wie sie 1956 als 22-Jährige ihre Hollywood-Karriere begann: "Fast von Anfang an fragten mich Journalisten, welche Diät ich befolgte, um in Form zu bleiben. Es amüsierte mich, ihren Gesichtsausdruck zu beobachten, wenn ich antwortete: "Pasta". Das war nur eine ganz kleine Übertreibung, denn ich liebe Nudeln und esse sie fast jeden Tag." Und die Taille der Diva kann sich heute noch sehen lassen! Auch ich liebe Nudeln, doch meide ich noch zwei Tage nach einer "Spaghettata" beim Lieblings-Italiener wohlweislich die Waage.

Die mit 4000 Jahren ältesten Nudeln der Welt haben Forscher in China entdeckt. Zum Vergleich: Der weiße Strich rechts unten entspricht einem Zentimeter.
Die mit 4000 Jahren ältesten Nudeln der Welt haben Forscher in China entdeckt. Zum Vergleich: Der weiße Strich rechts unten entspricht einem Zentimeter.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nudeln sind vermutlich das Nahrungsmittel mit dem ältesten Globalisierungsgrad. Die Italiener behaupten gerne, in ihrem Land stehe die Wiege der Nudel an sich, denn schließlich sei Pasta die Krönung der italienischen Kreativität. In dieser Ausschließlichkeit stimmt das nicht, denn seit 2005 ist klar: Die weltälteste Nudel ist chinesisch. Archäologen entdeckten bei Ausgrabungen am Gelben Fluss in Nordchina die mit 4000 Jahren bis dato ältesten Nudeln der Welt. Die Hirse-Nudeln aus der Jungsteinzeit befanden sich in einer Schale unter einer drei Meter dicken Erdschicht. Was auf dem Foto so aussieht wie abgestandene Regenwürmer würden wir heute als Spaghetti bezeichnen: Die Teigfäden seien gelblich, über 50 Zentimeter lang und drei Millimeter dünn, berichtete das Fachmagazin "Nature" (Bd. 437). Auch das älteste überlieferte Rezept für die Herstellung von Nudeln stammt aus China. Nach der auf Pergament geschriebenen Anleitung wurden die Nudeln aus Mehl, Wasser und Eiern hergestellt und in einer Kombination mit Huhn serviert. An dem Grundrezept hat sich in all den Jahrhunderten ganz offensichtlich nichts geändert.

Lange hielt sich die Auffassung, dass Marco Polo im 13. Jahrhundert die Nudel aus China mitbrachte. Zu Recht wehrten sich die Italiener dagegen, erst nach Rückkehr des Weltreisenden nach Venedig das Pasta-Prinzip begriffen zu haben. Denn lange vor Marco Polo standen in der mediterranen Region Nudeln auf dem Speisezettel antiker Römer und Griechen. Grababbildungen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. zeigen, dass die Etrusker den Gebrauch von Mehlsack, Nudelbrett und Nudelholz, Teigzange und -rädchen beherrschten. Auch die Araber aßen damals schon Nudeln; die Ersten waren aber auch sie nicht. Ihnen gebührt aber das Verdienst, als Erste Nudeln haltbar gemacht zu haben, indem sie sie auf Wäscheleinen hängten und trockneten. Wie nun und mit wessen Hilfe die Teigwaren ihren Siegeszug durch die Schüsseln aller Herren Ländern antraten, bleibt unklar. Historiker haben zumindest die Region ausgemacht, von der aus die Pasta Europa eroberte: Sizilien. Die Methode der Trocknung brachten die Araber mit, als sie Sizilien besetzten. Als ziemlich sicher kann gelten, dass die Nudel an verschiedenen Orten und vermutlich fast gleichzeitig erfunden wurde.

Heute gibt es Nudeln nicht nur als lange Fäden (wie Spaghetti übersetzt heißen), sondern in etwa 600 verschiedenen Formen mit zum Teil lustigen Namen. So heißen besonders dicke Maccheroni respektlos "Priesterwürger", und Vermicelli sind "kleine Würmer". Viele italienische Nudeln verdanken die Bezeichnung ihrem Aussehen: Farfalle (Schmetterling), Penne (Schreibfeder), Lumache (Schnecke), Rotelle (Rädchen), Chonchiglie (Muschel), Creste di Gallo (Hahnenkämme) Orecchiette (Öhrchen). Tagliatelle bedeutet "Kleingeschnittene" und Canelloni sind große Röhren. Und dann gibt es noch Ravioli, Lasagne, Fusili, Bavette, Tortellini, Rigatoni ...

Immer wieder Nudeln - aber bitte mit Soße

Das ist nicht die feine italienische Art, Pasta zu essen.
Das ist nicht die feine italienische Art, Pasta zu essen.(Foto: imago stock&people)

Unangefochten stehen Spaghetti auf dem ersten Platz der Beliebtheitsskala, nicht nur in Deutschland, obwohl gerade der Verzehr der langen dünnen Nudeln einige Fertigkeiten verlangt. Was Kindern Spaß macht - die Schlängelei und Kleckserei - ist bei Erwachsenen nicht gerade beliebt, es sei denn, der Nudelesser hat sich in ein Laken gewickelt. Nur waschechte Italiener und Zirkusartisten bekommen es hin, die Teigfäden am Tellerrand gekonnt um die Gabel zu wickeln. Der Rest der Menschheit benötigt dafür die Hilfe eines Löffels. Und dann muss noch das Spiralwerk möglichst gekonnt in den Mund befördert werden, ohne allzu heftig und laut zu saugen, zu schlürfen und zu schmatzen, ohne dass die Tomatensoße an den Ohren klebt - und das alles, bevor das Kunstwerk wieder zurück auf den Teller klatscht. Das alles hat einen hohen Unterhaltungswert, lässt sich aber gut zu Hause üben. Am besten mit der Lieblingssoße aller Pasta-Fans: Bolognese.

Auch das Spaghetti-Essen mit Rudi Carrell und Beatrice Richter hat urkomische Augenblicke.
Auch das Spaghetti-Essen mit Rudi Carrell und Beatrice Richter hat urkomische Augenblicke.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Erstlingsanspruch sei den Chinesen gegönnt - Weltmeister im Nudelverzehr sind und bleiben ganz gewiss die Italiener. Dort werden pro Person etwa 30 Kilo jährlich verputzt. Obwohl auch die meisten Deutschen bekennende Nudel-Liebhaber sind, rangieren wir mit einem Pro-Kopf-Verzehr von knapp 8 Kilo eher auf den hinteren Rängen. Vermutlich auch, weil das mit der Pasta-Diät à la Sophia Loren bei den weiblichen Nudel-Fans hierzulande nicht so klappt. Hier aber kommt die weltberühmteste Nudel ins Spiel: Die Nudel im Gesicht ist ein absoluter Loriot-Klassiker. Wenn die angebetete Hildegard alias Evelyn Hamann leicht verzweifelt sagt: "Sie haben da was", und die Nudel im Gesicht des verliebten "zukünftigen Leiters einer Einkaufsabteilung" immer mal woanders klebt, dann bleibt kein Auge trocken.

Die Zutatenliste für einen Nudelteig liest sich bescheiden. 1547 hatte die Zunft der Genueser Nudelhersteller ein "Reinheitsgebot" beschlossen, das festlegte, dass der Pastateig ausschließlich aus Hartweizengrieß und Wasser zu bestehen hat. Bis heute ist dieser Beschluss für die italienischen "pastifici" bindend. Diese "pasta secca" (trockene Nudeln) wird in Form gestanzt und dann getrocknet. Sie hat mehr Bissfestigkeit als Trocken-Teigwaren, die aus Weichweizengrieß und Eiern hergestellt werden, wie es oft in Deutschland der Fall ist. Doch auch in Italien darf Pasta Eier enthalten; die "pasta fresca all‘uovo" (frische Eiernudeln) wird oft in kleineren Manufakturen produziert und frisch verkauft. Dabei wird mitunter auch Weichweizengrieß eingesetzt. Drei Viertel der in Italien konsumierten Pasta sind jedoch "pasta secca". Mit drei Millionen Tonnen jährlich ist Italien der größte Nudelproduzent, gefolgt von den USA und Brasilien.

Ob mit oder ohne Ei - das entscheidet zuletzt der persönliche Geschmack. Heutzutage werden Nudeln nicht mehr nur geschmacksneutral hergestellt: Sie werden scharf durch Chili, grün durch Spinat, schwarz durch Tintenfischtinte oder werden mit Trüffeln oder Steinpilzen aromatisiert. Und da ja alles im Jahr "seinen Tag" hat, darf natürlich die Nudel nicht fehlen: Der 25. Oktober ist Weltnudeltag. Eingeführt wurde dieser Tag 1995 von den Nudelherstellern. Grund genug, an diesem Samstag mal so richtig in die Vollen zu gehen. Wie wär’s mit "Pasta puttanesca" (Pasta nach Hurenart)? Sie müssen ja nicht übersetzen.

Pasta puttanesca

Zutaten (4 Pers):

300 g Spaghetti
400 g gewürfelte Dosentomaten
4 getrocknete Tomaten in Öl
2 EL Tomatenmark
4 EL Olivenöl
40 g entsteinte Oliven (am besten je 20 g grüne und schwarze)
40 g Kapern
4 Sardellenfilets
1 große rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 rote Chilischote
Salz und Pfeffer
etwas Petersilie

Zubereitung:

Knoblauchzehen, Zwiebel, Chili und Oliven fein hacken. Sardellen und eingelegte Trockentomaten gut abtropfen lassen; beides ebenfalls hacken. Das Öl in einem Topf erhitzen, Zwiebel-, Chili- und Sardellenstückchen zugeben und unter Rühren bei schwacher Hitze leicht bräunen. Knoblauchstückchen zugeben und kurz dünsten.

Dosentomaten und Tomatenmark zugeben, Hitze erhöhen und aufkochen. Die Hitze wieder reduzieren und alles 10 Minuten köcheln lassen. Oliven, Kapern und die getrockneten Tomaten zufügen und nur noch 3 Minuten köcheln. Die fertige Soße mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer abschmecken.

In einem genügend großen Topf Wasser zum Kochen bringen, dann Salz zugeben und darin die Spaghetti bissfest garen. Abgießen, dabei das Nudelwasser auffangen. Die Nudeln wieder in den Topf geben und die Soße darüber gießen. Gründlich vermengen. Sollte Ihnen die Soße zu dick sein, mit ein wenig Nudelwasser verdünnen; sie sollte aber keineswegs zu dünn werden. Nach Belieben mit gehackter Petersilie bestreuen.

Viel Erfolg und Spaß beim Wickeln und Genießen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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