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Das war einmal: Auf Krabbenfang an der Nordsee.
Das war einmal: Auf Krabbenfang an der Nordsee.(Foto: aus: Hausmannskost anno 1912)

Nicht nur Liebestöter: Mitgift war gestern

Von Heidi Driesner

Von den heutigen Teenies weiß wohl keiner mehr, was eine Aussteuer ist und wie wichtig sie für Uroma war. Und das ist auch gut so. Obwohl: Manche Stücke aus den einstigen Brauttruhen werden zum Objekt der Begierde, schaffen es sogar bis ins Museum. Es müssen ja nicht Omas Schlüpfer sein.

Jahrhunderte lang war festgelegt, wer was in die Ehe mitzubringen hatte: Acker und ein paar Kühe beziehungsweise eine Truhe mit der Aussteuer. Kinder gehörten übrigens nicht zur Mitgift. Was bringen Paare heute mit, wenn man "zusammenzieht"? Jeder seinen Laptop, iPod, Beruf und Bankkonto. Gerne auch Kinder - und das ist gut so. Dagegen haben Truhen der Braut und Brautgeld vom Bräutigam in unseren Landstrichen zum Glück keine Daseinsberechtigung mehr.

Typische Kate im Norddeutschen des vergangenen Jahrhunderts.
Typische Kate im Norddeutschen des vergangenen Jahrhunderts.(Foto: aus. Hausmannskost anno 1912)

Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein waren solche Brauttruhen mit Bett-, Tisch-, Haushalts- und Unterwäsche hierzulande durchaus üblich. Oft waren die Stücke selbst genäht oder zumindest verziert und mit Monogrammen versehen. Die Stoffe waren zumeist von guter Qualität, sie sollten schließlich lange im Gebrauch sein und halten. Und so findet sich mitunter noch heute Uromas selbst genähte und bestickte Tischdecke an - und macht unterm modernen Ess- oder Kaffeegeschirr einen durchaus guten Eindruck. Was man von anderen Stücken nicht sagen kann und auch nicht erwartet - denn wer will in Omas olle Buxen steigen?

Dass manch einer gerne in fremder Wäsche kramt, geht übrigens der US-amerikanischen Schauspielerin Renee Zellweger so auf die Ketten, dass sie ihre getragene Unterwäsche per Post nach Hause schickt. Zellweger mag es überhaupt nicht, wenn ihre Wäsche am Flughafen von Sicherheitsleuten durchwühlt wird. Sie werde beim Sicherheitscheck oft herausgepickt, weil sie berühmt ist: "Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie bei der Kontrolle vor meinen Augen meine Slips durchsuchen", verriet sie der britischen Zeitung "Sun". Deshalb sende sie die Unterwäsche lieber per Privatpost.

Wahre Männer tragen Beckhams

Nun trägt ja Zellweger garantiert keine "Liebestöter", obwohl sie als Bridget Jones da so ihre Probleme hatte. Dass Unterhosen keine Abtörner sein müssen, zeigt auch David Beckham, der sich offenbar nicht mal vor langen "U-Männern" fürchtet. Immerhin sei 18 Monate lang "geforscht" worden, hieß es Anfang des Jahres bei der Vorstellung von Beckhams Slips, Boxershorts, Unterhemden und -hosen-Serien. Passform, Funktion und Tragekomfort stünden im Vordergrund. Also nix, was vom Manne in den Hosen ablenken könnte.

Mitgift der Zarentochter Maria Pawlowna (1786-1859) war etwas wertvoller als Omas Wäsche.
Mitgift der Zarentochter Maria Pawlowna (1786-1859) war etwas wertvoller als Omas Wäsche.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Und der nächste Winter kommt bestimmt, bei dessen eisigen Temperaturen warme Hosen vor Ästhetik gehen. Gekauft werden lange Unterhosen für die Herren der Schöpfung übrigens zu 70 Prozent von Frauen - wer will schon einen Mann mit schmerzhafter Blasenentzündung zu Hause hocken haben? Das verhindert nämlich wirklich die Liebe. Und so sind die schützenden und wärmenden Unterhüllen stets dabei im zugigen Fußballstadion und beim Wintersport. Bundeswehrsoldaten bekommen drei Stück in Oliv (mit Eingriff) - die sie am Ende ihrer Laufbahn wieder in der Kleiderkammer abgeben müssen.

Vor Liebestötern ganz anderer Art warnt Jamie Oliver. "Es wird nachher garantiert nichts laufen, wenn man ein Riesen-Curry oder einen Eintopf mit Klößen gegessen hat", meint der britische Starkoch zu schwerem Essen beim Rendezvous. Erfolgversprechender seien eine Forelle oder ein Stück Lachs. Sehr verführerisch sei "interaktives Essen statt eines Tellergerichts", sagt Oliver in einem Interview des Magazins "Men's Health". "Einfach alles in die Mitte stellen - dann kann man sich nämlich auch mal berühren."

Es muss nicht immer ein Picasso sein

Krebse einsammeln war oft Arbeit für die Kinder.
Krebse einsammeln war oft Arbeit für die Kinder.(Foto: aus: Hausmannskost anno 1912)

Kramen Sie also mal im Keller bei den Asseln und auf dem Dachboden unter den Spinnweben, mitunter findet sich außer ollen Hosen auch ein gut erhaltenes Stück vom "Meissner". Dass ein Picasso unter den Fundstücken auftaucht, dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein. Aber vielleicht ein Kochbuch mit uralten Familienrezepten? In der schleswig-holsteinischen Stadt Marne wurde jetzt anlässlich der Dithmarscher Kohltage (18. bis 23. September) ein Kochbüchlein "Hausmannskost anno 1912" veröffentlicht. Die unscheinbare Kladde aus dem Nachlass des Marner Bürgers Hans-Peter Backens wäre bei der Haushaltsauflösung fast im Abfall gelandet. Seine Mutter Margarete Backens, geborene Schröder (1893-1991), hatte die Leibgerichte ihrer Lieben in dem kleinen Heft zusammengetragen. Die Zutaten stammten zumeist aus der Region und waren nur saisonal zu bekommen. Es kam in den Topf, was gerade auf dem Markt angeboten wurde, im Garten wuchs oder auf den umliegenden Bauernhöfen getauscht werden konnte - Hausmannskost eben. Nach dem Tode ihres Sohnes Hans-Peter wurde die Stadt Marne Eigentümer des Nachlasses und hat nun die Kochkunst aus dem Kaiserreich veröffentlicht.

Etliches dürfte sich nicht mehr auf den Mittagstischen in Marne finden, "Gefüllte Kalbsherzen" etwa, und auch an den "Kriegspudding" mag man nicht mehr denken. Aber vieles von dem, was Grete Backens auf den Tisch brachte, wird heute noch gern gegessen, wenn auch fett- und mengenmäßig "entschärft" und ein wenig modernisiert, zum Beispiel eine leckere Krabbensuppe. Zwischen Sylt und Büsum nimmt man dafür natürlich frische ungepulte Nordseekrabben, denn die schmecken am besten und die Schalen ergeben mit Wurzelwerk geröstet ein vorzügliches Suppenaroma. Aber wer zwischen Regensburg und Berlin hat schon ungepulte Nordseekrabben? Für alle diese Landratten hier ein einfaches Rezept - garantiert kein Liebestöter! - für eine nicht minder leckere

Nordseekrabben-Suppe

Zutaten (6 Pers):

500 g mehlig kochende Kartoffeln
2 Stangen Lauch
2 Möhren
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
½ Sellerieknolle
2 EL Öl
2 EL Krebsbutter
½ l Gemüsefond
¼ l trockener Weißwein
½ l Fischfond
400 ml Sahne
300 g Nordseekrabben (gepult)
1 Bd Dill
Salz, Cayenne, Paprika edelsüß

Zubereitung:

Kartoffeln schälen und würfeln. Zwiebeln, Möhren, Sellerie und Knoblauch putzen und würfeln. Ein Viertel des geputzten Lauchs in 2 - 3 cm lange Stücke schneiden, diese dann in dünne Stifte schneiden und beiseite stellen. Den Rest des Lauchs in Scheiben schneiden. Kartoffeln und Gemüse (bis auf die Lauchstifte) in heißem Öl anrösten. Krebsbutter zugeben und mit dem Gemüsefond und dem Wein ablöschen. Zugedeckt 20 Minuten sanft garen.

Dann alles in dem Sud pürieren, die Lauchstifte zugeben und nochmals etwa 5 Minuten köcheln. Sahne und Fischfond zugeben und aufkochen. Mit Salz, Cayennepfeffer und Paprikapulver abschmecken, bei Bedarf auch mit ein wenig Zitronensaft. Die Krabben hinzufügen und die Suppe noch einmal erhitzen, aber nicht mehr kochen. Die Suppe mit gehacktem Dill bestreuen und mit frischem Bauernbrot servieren. Sie kann noch zusätzlich mit einem Klacks geschlagener Sahne garniert werden.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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