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Frühling allerorten ...
Frühling allerorten ...(Foto: Peashooter_pixelio.de)

Versprecher im Bett: Nur nicht aufgeben!

Nicht alles, was man verspricht, kann Mann auch halten. An thessalischen Hexen und ihren Zaubertränken mangelt’s gewaltig in der Gegenwart, da ist guter Rat teuer. Doch göttlicher Beistand ist den Willigen gewiss, meint Paracelsus: "Der Corpus und sein Amt ist ein Ding".

Sie ist wieder da - die Sprossenfrucht, die fleischlos fleischliche Genüsse verspricht. Genauer gesagt: Es wird behauptet, dass Spargel Wollust und Trieb verlässlich provoziert. Wer Spargel isst, "wird stark zum Beischlaf werden", verkündete im 16. Jahrhundert Scheich Nefzaui in seinem für den Großwesir von Tunis geschriebenen Sex-Handbuch "Der duftende Garten".

Und das waren nicht die ersten Auslassungen über das Gemüse, dessen dreiste phallische Gestalt offenbar zu derlei Weissagungen animiert: Seit Jahrhunderten hält sich der Glaube, Spargel würde die Begeisterung erschöpfter Liebhaber wiederbeleben.

Untaugliche Wiederbelebungsversuche

Er kommt (auch 2012 wieder im brandenburgischen Beelitz)!
Er kommt (auch 2012 wieder im brandenburgischen Beelitz)!(Foto: picture alliance / dpa)

Den Grundstein für den Glauben an den himmlischen Ursprung der Aphrodisiaka legten bereits die alten Ägypter, denen die für ihre Liebestränke verwendeten "Pflanzen zur Begattung" heilig waren. Sieht man sich die Gewächse näher an, so bleibt "normales" Gemüse wie Spargel oder Sellerie übrig - oder aber sie entpuppen sich als Drogen. Im "Reich der Götter" am Nil ließ man sich unter anderem von der "kht"-Pflanze anregen und aufheitern - noch heute als "Kat" (oder Kath) bekannt und in etlichen afrikanischen und arabischen Ländern gekaut. Kat hat eine euphorisierende, dem Amphetamin nicht unähnliche Wirkung, bei der das Hungergefühl unterdrückt wird. Die Wirkstoffe Cathin und Cathinon werden beim mehrstündigen Kauen der Blätter freigesetzt und unterliegen hierzulande dem Betäubungsmittelgesetz, weil sie zu psychischer Abhängigkeit führen können. Seit 1998 ist Kat in Deutschland verboten.

Um den Göttern ein Stückchen näher zu sein, mampften die alten Ägypter nicht nur Kat, sondern sie schlürften auch einen Sud aus Schlafmohn - Opium - und nicht minder berauschende Tränke aus Nachtschattengewächsen wie Bilsenkraut, Stechapfel, Mandragora und Tollkirsche. Antike Römer und Griechen experimentierten mit potenzsteigernden Mitteln und mit der weiteren Erforschung der Flora wuchs auch die Zahl der brauchbaren Substanzen. Der Prager Philologe Theodor Hopfner nennt mehr als 500 verschiedene Pflanzen, die bei Griechen und Römern zur sexuellen Stimulierung Anwendung fanden.

War wohl nix?
War wohl nix?(Foto: S. Hofschlaeger_pixelio.de)

Das Verlangen, mehr zu können als man kann und die daraus resultierende Suche nach diversen Hilfsmitteln führte dazu, dass die menschliche Einbildungskraft auch vor keiner Tierart halt machte. Vermutlich erhöhte der Seltenheitswert den Glauben an die Wirkung (und auch den Preis) - man denke nur an "Dachshoden in Honig gekocht" im alten Rom. Leider hält der irrsinnige Glaube an derartige "Medizin" in vielen Ländern auch heute noch an, was Tausende Bären, Tiger und viele andere Tiere mit ihrem Leben bezahlen.

Der liebe Gott hat’s so gewollt

Im mittelalterlichen Europa machte die Kirche der Lust einen Strich durch die Rechnung und verteufelte erotische Reizmittel - es sei denn, sie dienten der Zeugung von Nachkommen. Albertus Magnus und andere Kirchengelehrte erklärten im 13. Jahrhundert, dass die Gestalt einer Pflanze die himmlische Kraft verrate, die in ihr steckt. 1584 schlussfolgerte Paracelsus’ in seiner mystischen Signaturenlehre, dass die Form der Ausdruck der Funktionen sei: "Der Corpus und sein Amt ist ein Ding".

Frei von allzu sündigen Phantasien: Grünspargel.
Frei von allzu sündigen Phantasien: Grünspargel.(Foto: Helene Souza_pixelio.de)

Um aber seine möglicherweise "göttliche" Wirkung entfalten zu können, müsste Spargel in Mengen zu sich genommen werden, die die Fassungskraft eines Menschen-Magens überschreiten, Nieren und Blase aber in Dauerlauf versetzen. Denn seine diuretische Wirkung entfaltet der Spargel bereits bei einer homöopathischen Dosis. Und das ist das wahre Geheimnis des "anämischen Phallus", wie Isabel Allende den Spargel nennt. Das Gemüse enthält reichlich Vitamin A, B1, B2 und C, Eisen, Kalium, Kalzium, Phosphor und Jod. Der hohe Gehalt an Kalium und Asparaginsäure ist es vor allem, der die harntreibende und entgiftende Wirkung des Spargels ausmacht. Schon eine halbe Stunde nach dem Essen macht sich der typische Geruch der Aminosäure auf der Toilette bemerkbar, das zeigt, wie schnell die Wirkstoffe die Nieren anregen. In "erotisierenden" Mengen genossen, dürften der starke Harndrang und der öftere Gang zum Örtchen den Bettzauber des Spargels allerdings trüben …

Grüner Spargel ist sogar noch gesünder als weißer, denn er enthält dadurch, dass er das Sonnenlicht erblickt, mehr Chlorophyll, mehr Vitamine, Carotin und Asparaginsäure. Er schmeckt "gemüsiger" als Bleichspargel - sieht allerdings weniger erotisch aus, macht sich aber ausnehmend gut in einem

Spargel-Risotto

Zubereitung:

Zutaten (4 Personen)

300 - 400 g Risottoreis
500 g grüner Spargel
400 ml Hühner- oder Gemüsefond (Glas)
100 ml Weißwein
50 g frisch geriebener Parmesan
80 g Butter
3 EL Olivenöl
2 Schalotten
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Die Schalotten schälen und fein würfeln. Den Spargel im unteren Drittel schälen, holzige Ende abschneiden. Die Spargelstangen halbieren: Die untere Hälfte in Stücke schneiden. Von den oberen Hälften die Köpfe abschneiden, die Stangen schräg in etwa 1 cm dicke Scheibchen schneiden.

Den Hühnerfond (Vegetarier nehmen Gemüsebrühe) je zur Hälfte in 2 Töpfe gießen und beides zum Kochen bringen. In dem einen Topf die Spargelköpfe bissfest garen, herausnehmen, in Eiswasser abschrecken und beiseite legen. Dann die Stücke der unteren Spargelstangen in diesen Topf geben und zugedeckt 10 Minuten köcheln lassen.

Das Öl in einer großen Stielpfanne erhitzen, die Schalottenwürfel dazugeben und glasig dünsten. Nun die schräg geschnittenen Spargelstückchen, die Hälfte der Butter und den Reis dazugeben und alles gut vermengen. 2 Minuten braten lassen und dann mit dem Weißwein ablöschen. Aufkochen lassen und umrühren. Nun nach und nach unter ständigem Rühren mit dem köchelnden Fond aus dem zweiten Topf (ohne Spargelstückchen) aufgießen: Sobald der Reis die Flüssigkeit aufgenommen hat, immer wieder etwas von dem Fond nachfüllen.

Im ersten Fond-Topf die Spargelstückchen mit dem Mixstab pürieren und durch ein Sieb geben. Wenn der Reis vollständig den Fond aufgenommen hat, nach und nach das Spargelpüree dazugeben. Nach insgesamt 20 Minuten ist der Risotto cremig und al dente gedünstet.

Den Parmesan einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die restliche Butter erhitzen, die Spargelspitzen darin schwenken und unter den Risotto heben.

Genießen Sie die Spargelsaison, wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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