Unterhaltung
Es kommt immer darauf an, was auf dem Teller liegt.
Es kommt immer darauf an, was auf dem Teller liegt.(Foto: picture-alliance / dpa)

Vollweib oder Zitronenfalter: Und ewig lockt das Weibliche

Von Heidi Driesner

Der Mensch ist ein Herdentier, behaupten böse Zungen, und könne sich dem Nachahmungstrieb nur bis zu einem gewissen Grad entziehen. Man muss aber nicht auf jeden Zug aufspringen. Und dass Glaube Berge versetzt, soll in der Praxis sehr selten vorkommen. Derjenige fährt immer noch am besten, der seinen eigenen Weg findet.

Es gibt keine Studien darüber, wie viele Abnehmwillige dem Diäten-Trommelfeuer vor allem nach den Weihnachts- und Neujahrsfeierlichkeiten sowie vor der sommerlichen Urlaubssaison folgen, darauf hoffend, dass der Plätzchen- und Gänsebratenschwimmgürtel um die Hüften über Nacht wie von Geisterhand verschwindet oder sich die "Bikini-Figur in nur fünf Tagen" tatsächlich noch vor dem Abflug einstellt. Studien, wie viel Prozent das tatsächlich und womöglich noch anhaltend geschafft haben, gibt es erst recht nicht.

Bühne frei für die reale Frau!
Bühne frei für die reale Frau!(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Das, was Mediziner und Ernährungswissenschaftler stets predigen, dass nämlich nur eine dauerhafte Umstellung auf gesunde Kost wirklich hilft, wissen wir eigentlich längst. Was uns an der Umsetzung hindert, ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Dazwischen hockt nämlich der innere Schweinehund. Jegliche Diät bedeutet Verzicht, doch wenn Verzicht nicht nur Einschränkung bedeutet, sondern absolutes Verbot, dann ist die Diät von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wer Kohl nicht ausstehen kann, dem dürfte schon beim Kochen der diätischen Kohlsuppe schlecht werden, noch bevor er den Löffel eingetaucht hat. Und wer sich beim Shaken eines sämigen Eiweißdrinks mehr schüttelt als den Becher, der entwickelt innerhalb kürzester Zeit einen derartigen Heißhunger auf einen herzhaften Brotkanten, dass ihm Low-Carb aber so was von schnuppe ist!

Klappen kann es nur, wenn man sich (zumindest manchmal) auch das gönnt, was man niemals ein Leben lang missen möchte. Es geht also um ein gesundes Maß, um Ausgewogenheit, die auch Genuss zulässt. Deshalb dürften alle Diäten, die bestimmte Lebensmittel von vornherein ausschließen, nicht funktionieren. Jedenfalls nicht auf Dauer - und was hat man schon von einer Crash-Diät, nach der irgendwann der berüchtigte Jo-Jo-Effekt alles nur noch schlimmer macht? Um beim gesunden Maß der Dinge zu bleiben: Es ist fraglich ob es gesund ist, sich aus einer Konfektionsgröße 48 in eine 34 zu hungern (das geht nämlich nur mit hungern) oder es eher besser ist, mit einer 44 oder 42 zufrieden zu sein. Dazu kommt, dass manch Vollweib nach der Abmagerungskur zum Zitronenfalter nicht mal mehr halb so lockt.

Nicht jeder kann ein Rohkost-Guru sein

Wilhelmine von Sylt lädt zum Bade.
Wilhelmine von Sylt lädt zum Bade.(Foto: Karl-Heinz Peters_pixelio.de)

Ich gestehe, auch ich bin nicht diätfrei. Geholfen hat der ganze Quatsch wenn überhaupt immer nur vorübergehend und das bei anhaltend schlechter Laune. Nach Auffassung meiner Freundin Fira muss man sich irgendwann im Leben entscheiden, ob man "Kuh" oder "Zicke" sein will. So einfach ist nicht mal das, denn ich kenne genügend zickige "Kühe". Und es ist auch nicht jedem gegeben, schon das Umdrehen von trockenen Salatblättern auf dem Teller so erotisch aussehen zu lassen, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Nicht jeder wird als Rohkost-Guru glücklich. Essen ist für viele Menschen mehr als nur Nahrungsaufnahme. Essen ist Geselligkeit und Genuss - und das ist auch gut so. Für die meisten Genießer unter uns ist es aber ungleich schwerer als für die Genügsamen, abzunehmen und/oder das Gewicht zu halten.

Die einzige "Diät", mit der ich mich anfreunden kann, ist die sogenannte  Mittelmeer-Diät, die eigentlich gar keine Diät ist, sondern eher eine Lebenseinstellung. Die Küche der Mittelmeerländer, seit 2010 zum Welterbe der Menschheit gehörend, hat laut Studien diverser Universitäten zudem einen lebensverlängernden Effekt. Wer nun allerdings glaubt, als Berliner, Münchner oder Düsseldorfer Büromensch nur wie ein Olivenbauer auf Kreta essen zu müssen, um genauso kernig zu werden und genauso lange zu leben, der irrt gewaltig.

Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein. Denn: Zu den vielen gesunden Lebensmitteln der Kost auf Kreta wie viel Fisch, reichlich frisches Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte gesellt sich zum Beispiel viel Weißbrot. Auch das wegen seiner ungesättigten Fettsäuren sehr gesunde Olivenöl wird oft in derart großen Mengen verwendet, dass es das Essen fettreich macht. Liebhaber des würzigen Schafkäses sollten zudem wissen, wie kalorienreich dieser ist. Und bei der akzeptablen Rotwein-Menge von einem Glas oder auch zweien bleibt es meistens nicht - oder? Auch ist das Leben zwischen den Mahlzeiten in Nord- und Mitteleuropa ein völlig anderes: Wir machen keine Siesta zur Mittagszeit, schlingen unser Essen viel zu schnell hinunter, arbeiten zumeist auch nicht körperlich hart an der frischen Luft.

Weltkultur auf dem Teller

Mindestens zwei Mal in der Woche sollte Fisch auf dem Speiseplan stehen.
Mindestens zwei Mal in der Woche sollte Fisch auf dem Speiseplan stehen.(Foto: picture-alliance / dpa)

Dennoch ist mehr Süden auf unserem Teller für eine Ernährungsumstellung zu empfehlen: Meeresfrüchte und unpanierter Fisch, dabei zwischen fettreichen Arten wie Sardinen und fettarmen wie Doraden wechseln, Gemüsesorten aus der Region und zwar dann, wenn sie Saison haben, nur einmal pro Woche Fleisch und dann wenig rotes und mehr weißes, keine Butter und wenig andere Milchprodukte, täglich frisches Obst, mehr frische Kräuter wie Salbei, Thymian, Rosmarin, Oregano und Basilikum und dafür mit Salz sparen, dünsten und dämpfen statt braten oder gar frittieren. Wem es gelingt, dazu noch die Dickmacher-Fußangeln der Kreta-Kost zu umgehen, ist auf dem besten Wege zu einer erfolgreichen Ernährungsumstellung: Vollkorn- statt Weißbrot und ohne Belag, das Olivenöl mit dem Teelöffel abmessen, den Feta-Käse auf den Salat krümeln anstelle großer Brocken, Pasta, Reis und Kartoffeln als Beilage zugeben und dafür lieber größere Gemüseportionen.

Eine solche Kost garantiert eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, die man ein Leben lang beibehalten kann - ohne zu hungern, ohne auf Genuss zu verzichten. Zumindest das Gewicht kann man so halten; um jedoch sichtbar abzunehmen müssen die Kalorien zusätzlich reduziert und außerdem Sport getrieben werden. Die "mediterrane" Kost" wie Gyros mit Fritten oder Schweinefilet in Metaxa-Sahnesoße "beim Griechen" hat übrigens mit der traditionellen Ernährungsweise im Mittelmeerraum nichts zu tun, ebenso frittierte Calamari oder die Riesen-Pizza mit Extra-Käse im Rand vom "Italiener".

Entscheiden Sie sich doch mal für eine Dorade. Die Dorade oder auch Goldbrasse ist ein grätenarmer Fisch mit festem weißen und sehr schmackhaften Fleisch. Sie ist schon seit dem Altertum einer der wertvollsten Mittelmeerfische und wurde von der griechischen Göttin Aphrodite als heilig angesehen:

Mediterrane Ofen-Dorade

Zutaten (4 Pers):

4 frische Doradenfilets
4 Tomaten
4 Knoblauchzehen
4 EL Sesam
4 EL Olivenöl
1 EL Zitronensaft
100 g entsteinte Oliven
100 g Parmesan
frischer Rosmarin, Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
Pergamentpapier, Backpapier

Zubereitung:

Den geschälten Knoblauch pressen. Von 2 Zweigen Rosmarin die Nadeln abzupfen und recht fein hacken. Wer keinen frischen Rosmarin hat, nimmt ersatzweise 1 TL gerebelten. Knoblauch, Rosmarin, Zitronensaft und Öl zu einer Marinade verrühren. Die Tomaten vom Stielansatz befreien und in Scheiben schneiden; Oliven ebenfalls in Scheiben schneiden.

4 große Bögen Pergamentpapier zurechtlegen. Den Fisch sparsam salzen, pfeffern und je ein Filet auf einen Bogen legen. Mit der Marinade beträufeln und mit den Tomaten- und Olivenscheiben belegen. In die Bögen einwickeln, dabei die Enden gut verschließen.

Den Herd auf 250 Grad vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier belegen und darauf die Doraden-Päckchen geben. 10 bis 15 Minuten garen. In der Zwischenzeit den Parmesan reiben und den Sesam ohne Fett in einer Pfanne unter Rühren goldig bräunen.

Die Fischpäckchen vorsichtig öffnen, die Filets mit dem gerösteten Sesam und dem geriebenen Parmesan betreuen und im Papier servieren. Dazu schmecken frisches Vollkornbaguette oder Pellkartoffeln.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen