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Sparen, sparen, sparen: Die Griechen drehen am Rad

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Griechenland wird in der Schuldenkrise immer mehr zum Pulverfass. Die Regierung kämpft an vielen Fronten. Der Finanzbedarf bleibt hoch. Auch das zweite Hilfspaket von 109 Mrd. Euro wird nicht ausreichen, wie die Euro-Gruppe feststellt. (Foto: REUTERS)

Griechenland wird in der Schuldenkrise immer mehr zum Pulverfass. Die Regierung kämpft an vielen Fronten. Der Finanzbedarf bleibt hoch. Auch das zweite Hilfspaket von 109 Mrd. Euro wird nicht ausreichen, wie die Euro-Gruppe feststellt.

Griechenland wird in der Schuldenkrise immer mehr zum Pulverfass. Die Regierung kämpft an vielen Fronten. Der Finanzbedarf bleibt hoch. Auch das zweite Hilfspaket von 109 Mrd. Euro wird nicht ausreichen, wie die Euro-Gruppe feststellt.

Gleichzeitig wächst im Inland der Unmut über den Sparkurs der Regierung. Die Bürger wollen dabei nicht mitspielen. Die Einschnitte tun weh.

Das Parlament verabschiedet ein Spargesetz nach dem anderen, aber der große Wurf ist das für das riesige Schuldenproblem des Landes nicht.

Die Menschen fühlen sich betrogen. Der Zorn über die Ausweglosigkeit der Situation entlädt sich immer heftiger.

Das jüngste vom griechischen Parlament verabschiedete Spargesetz sieht weitere Kürzungen bei den Sozialleistungen, ...

... Stellenstreichungen im Öffentlichen Dienst sowie eine Grundbesitzsteuer und einen Solidaritätszuschlag vor. Die Regierung in Athen ist zum Sparen verdammt.

Spielraum für Verhandlungen gibt es längst nicht mehr. Das Sparpaket ist unbedingte Voraussetzung für ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland. (Im Bild: Papandreou begrüßt Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker)

Während der abschließenden Beratungen der Regierung eskalieren vor dem Athener Parlament die Proteste.

Hunderte vermummte Randalierer gehen auf friedliche Demonstranten los. Ein Mensch kommt ums Leben.

Der zweitägige Generalstreik diese Woche ist die "Mutter aller Streiks", wie Zeitungen titeln. Zehntausende Arbeitnehmer versammeln sich auf der Straße.

Es ist der größte Streik seit Beginn der Schuldenkrise vor zwei Jahren. Das Leben ist zwei Tage lang lahmgelegt.

Im Flugverkehr geht zeitweise gar nichts mehr. Auch Häfen und die Eisenbahn werden bestreikt.

Seeleute legen die Arbeit nieder, so dass die griechischen Inseln vom Festland abgeschnitten sind. Raffinerien können nicht mehr mit Rohöl versorgt werden.

Streiks gehören mittlerweile zum griechischen Alltag. Aber diesmal bleiben selbst kleine Geschäfte für den täglichen Bedarf wie Bäckereien geschlossen, genauso Apotheken, Banken, Tankstellen.

Die Müllabfuhr in Griechenland streikt bereits seit zwei Wochen. Auf den Straßen der Städte stapeln sich mittlerweile Zehntausende Tonnen Dreck. Es wird Wochen dauern, diese Berge abzutransportieren.

Bei Ausschreitungen am Rande der Demonstrationen auf dem Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament werden 16 Teilnehmer verletzt. Einer von ihnen stirbt später im Krankenhaus.

Rund 500 zum Teil vermummte Randalierer greifen friedliche Demonstranten an und lösen Panik aus.

Es kommt zu schweren Zusammenstößen, ...

..., hauptsächlich mit kommunistischen Demonstranten, die den Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der Europäischen Union fordern.

Die Randalierer werfen Brandsätze auf Teilnehmer. Die Polizei setzt massiv Tränengas ein, um die aufgebrachte Menschenmenge aufzulösen.

Tausende Menschen fliehen in Panik vom Syntagma-Platz.

Augenzeugen zufolge geht der Protest ...

... durch alle Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen.

"Alle sind dabei", heißt es auf der Straße. "Wir sehen Maurer, Lehrer, Ärzte, Staatsbedienstete, Händler."

Viele fordern den Rücktritt der Regierung.

Die Polizei zeigt mit 5000 Einsatzkräften Präsenz.

2000 weitere stehen für den Ernstfall bereit.

Es scheint, als ob Griechenland unter den gegebenen Umständen nicht schnell zur Normalität zurückfinden wird.

Die Gewerkschaften laufen seit zwei Jahren gegen die Sparmaßnahmen Sturm, die von den internationalen Gläubigern verlangt werden.

Die Einschnitte haben die griechische Wirtschaft tief in die Rezession getrieben, das dritte Jahr in Folge, ...

... ohne dass der Schuldenstand abgebaut wurde.

Gleichzeitig steigt die Staatsverschuldung auf 162 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Gewerkschafter warnen vor der "Todesspirale", in die das Land hineinzugeraten drohe ,...

... sollte die Regierung ihren Kurs fortsetzen.

Sie fordern, dass die Regierung den Reichen mehr abverlangt ...

... und die Steuerhinterziehung bekämpft.

Ministerpräsident Giorgos Papandreou wendet sich mit Durchhalteparolen an das griechische Volk.

"Wir müssen durchhalten in diesem Krieg als Volk, als Regierung, als parlamentarische Gruppe, für das Land, um ihn zu gewinnen." Aber alle Appelle verhallen.

Papandreou scheut sich nicht, die Situation des Landes mit einer Art Kriegszustand zu vergleichen.

Aber Papandreou hält die Fahne hoch: "Wir werden für das Land siegen, wir werden durchhalten," so der Regierungschef weiter.

Griechenland muss harte Spar- und Reformauflagen erfüllen, im Gegenzug für Hilfen von EU und IWF. Ohne fremde Hilfe kann das Land seine Schulden nicht mehr bedienen.

Ein Zahlungsausfall aber könnte die gesamte Eurozone in eine tiefe Krise stürzen. Die Situation ist vertrackt.

Wegen der dramatischen Lage in Griechenland wollte Papandreou mit Oppositionschef Antonis Samaras (rechts) gemeinsam zum EU-Gipfel nach Brüssel reisen.

Der Chef der bürgerlichen Oppositionspartei Nea Demokratia (ND) lehnte das aber ab. In Athen sind bereits mehrfach Versuche gescheitert, angesichts der tiefen Krise eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden.

Beim EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel sollte ursprünglich eine Strategie für das weitere Vorgehen in der Schuldenkrise vorgestellt werden. Aber offenbar brauchen die Euro-Staaten mehr Zeit für umfassende Schritte gegen die Schuldenkrise. (Im Bild: EU-Komissionspräsident Jose Manuel Barroso)

Frankreich und Deutschland verständigten sich darauf, das Maßnahmenpaket erst einmal nur zu prüfen. (Im Bild: Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Sarkozy)

Bei einem zweiten Treffen spätestens am kommenden Mittwoch sollen dann die Staats- und Regierungschefs tatsächlich entsprechende Beschlüsse fassen. (Hier Vertreter von Euroländern mit IWF-Chefin Lagarde, unten links, auf dem Gipfel Ende Juli, als das Hilfspaket für Griechenland verabredet wurde.)

Strittig ist unter anderem die Frage, ob, und wenn ja, wie der 440 Milliarden Euro schwere Rettungsschirm EFSF über einen Kredithebel höhere Risiken eingehen kann. Deutschland und Frankreich haben da unterschiedliche Modelle ausgetüftelt.

Derweil rückt auch ein deutlicher Schuldenerlass für Griechenland näher. Bundeskanzlerin Merkel kündigt die Bereitschaft zu einem höheren Schuldenschnitt für Griechenland als bisher geplant an. Der Ausnahmezustand hält an.

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