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Donnerstag, 03. November 2011

Schlitten für Siegertypen: 100 Jahre Chevrolet

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rollt vor allem ein Gefährt durch die Straßen der USA: das T-Modell von Ford. (Foto: Wieck)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rollt vor allem ein Gefährt durch die Straßen der USA: das T-Modell von Ford.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rollt vor allem ein Gefährt durch die Straßen der USA: das T-Modell von Ford.

Konkurrenz gibt es kaum, der T-Ford behauptet seine Vorherrschaft auf dem Automobilmarkt bis in die 1920er Jahre hinein.

Doch dann bekommt Ford einen ernsthaften Rivalen: Die General-Motors-Marke Chevrolet bläst zum Angriff auf den Spitzenreiter.

1922 produziert Chevrolet erstmals mehr als eine Million Autos, 1927 verkauft die Marke in den USA ebenso viele Fahrzeuge und macht Ford die Marktführerschaft streitig.

Gegründet wird die Chevrolet Motor Car Company am 3. November 1911 von Louis Chevrolet (im Bild), einem Schweizer Rennfahrer, und dem US-Unternehmer William C. Durant, der 1908 bereits General Motors ins Leben gerufen hatte.

Louis Chevrolet ist ein talentierter Mechaniker, der sich schon als Elfjähriger in einer Fahrradwerkstatt verdingt. Der US-amerikanische Multimillionär und Rennfahrer William K. Vanderbilt holt ihn in die USA, nachdem Chevrolet sein Rad repariert hatte. In den Staaten arbeitet der Schweizer zunächst für die amerikanischen Filialen von De Dion-Bouton und Fiat.

Ab 1905 startet Chevrolet selbst seine Karriere als Rennfahrer und Konstrukteur von Sportwagen, aber auch als Ingenieur und Designer macht er sich einen Namen. So wird Durant auf ihn aufmerksam. Bis 1914 konstruiert und zeichnet Chevrolet alle Modelle, die seinen Namen tragen, selbst.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Firmengründern dauert jedoch nicht lange. Wegen Differenzen um die richtige Unternehmensstrategie gibt Chevrolet seine Anteile 1915 ab. 1918 holt Durant Chevrolet unter das Dach von General Motors, in den 1920er Jahren verliert er selbst die Unternehmensführung. (im Bild: William C. Durant)

Louis Chevrolet scheitert mit weiteren Unternehmensgründungen und stirbt 1941 als einfacher Mechaniker verarmt nahe Detroit.

Der erste Wagen der Marke, der "Classic Six", kommt 1912 auf den Markt. Das Auto kann fünf Personen transportieren und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 105 km/h.

1915 führt Durant den Chevrolet 490 zum Preis von 490 Dollar ein. Er kostet damit fünf Dollar weniger als ein T-Ford.

Nach bescheidenen Anfängen steigt Chevrolet schnell zur führenden Marke des General-Motors-Konzerns auf. Wie der Erzrivale Ford auch expandiert das Unternehmen und feiert auch in Europa Erfolge. (im Bild: Louis Chevrolet)

Nicht nur in den 1920er Jahren, auch in den folgenden Jahrzehnten liefern sich "Chevy" und Ford ein Dauer-Duell um die Spitze der Verkaufsstatistik.

Chevrolet setzt auf erschwingliche und robuste Modelle, die dennoch mit Innovationen aufwarten. So verbaut das Unternehmen als erstes serienmäßig Autoradios. Ein Sechszyliner-Benziner für Transporter (1929) oder die Modellreihe Suburban (1935), als Vorläufer moderner SUV und Minivans, sichern Chevrolets Erfolg auch während der Weltwirtschaftskrise.

Während des Krieges stellt Chevrolet die Produktion von Personenwagen ein und beginnt erst 1945 wieder damit. In den Nachkriegsjahren setzt die Marke weiter Trends, so 1950 mit der ersten Vollautomatik in Großserie, 1958 mit dem El Camino, dem ersten Crossover zwischen Pickup und Pkw, oder 1962 mit dem ersten Benziner mit Turboaufladung, der Corvair Monza Spyder. (im Bild: El Camino)

Auch unter der Haube spielt Chevrolet vorn mit - mit leistungsstarken, aber günstigen Antrieben: Der Small-Block-V-8 von 1955 ist einer der ersten robusten Hochleistungsmotoren und wird über 50 Jahre lang in Limousinen, Sportwagen, SUVs oder Trucks verbaut. (im Bild: Corvette Stingray)

Schließlich wird das Triebwerk auch zum Herzstück einer Motorsportoffensive. Seit den 1950er Jahren starten Chevrolets erfolgreich bei fast allen wichtigen Stock-Car oder Drag-Racing-Wettbewerben. (im Bild: Daytona, 1959)

Bei der NASCAR-Serie räumt Chevrolet mit Abstand die meisten Markentitel ab und auch den NHRA Pro Stock Manufacturers Cup gewinnen die Wagen öfter als jede andere Marke. In Europa erringt die Corvette insgesamt sechs Siege beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans. (im Bild: Corvette CR-5, Le Mans, 2002)

Doch nicht nur die Leistung der Wagen, vor allem das Design wird zum Erfolgsträger und lässt viele Modelle zu US-amerikanischen Automobilikonen werden.

Die 1953 vorgestellte Corvette ist ein Mythos und gilt noch heute als erster US-amerikanischer Sportwagen.

Die aufsteigenden Flügel des 1957er Chevy Bel Air symbolisieren den Optimismus des Jet-Zeitalters, …

… die 1963er Corvette Stingray zählt für viele zu den schönsten Autos aller Zeiten, …

… der 1967 eingeführte Camaro tritt erfolgreich gegen Fords Mustang an und erreicht eine für Coupés fast rekordverdächtige Gesamtauflage von bis heute rund fünf Millionen verkauften Wagen.

Zum Inbegriff US-amerikanischer Limousinen wird der mit 14 Millionen Exemplaren meistverkaufte Chevrolet aller Zeiten: ...

... der Impala.

Doch auch vor Rückschlägen ist der erfolgsverwöhnte Autobauer nicht gefeit: Das Heckmotormodell Corvair wird zu einem der größten Flops der Automobilgeschichte.

Verbraucherschutzanwalt und US-Präsidentschaftskandidat von 2000, Ralph Nader, bringt den 1959 vorgestellten Corvair 1965 in die Schlagzeilen.

In seinem Buch "Unsafe at any speed" beklagt er ein gefährliches Fahrverhalten des Modells, das damit zum Auslöser für die erste öffentlich geführte Debatte um Fahrzeugsicherheit wird.

Wegen dramatisch sinkender Nachfrage stellt Chevrolet 1969 die Produktion der Serie ein. Erst drei Jahre danach wird der Corvair für mindestens ebenso sicher erklärt wie die Wettbewerber.

Im Dezember 1971 kommt es zur größten Auto-Rückrufaktion aller Zeiten: Chevrolet ruft 6,7 Millionen Nova, Camaro und V8-Trucks wegen des Risikos undichter Benzinleitungen in die Werkstätten.

Anfang der 1970er Jahre muss sich Chevrolet gegen Importeure zur Wehr setzen, die, auch im Zuge der ersten Ölkrise, immer mehr Marktanteile in den USA gewinnen. Chevrolet stellt sich daraufhin globaler auf und antwortet mit Kompaktmodellen wie der Chevette, die sich ihre Plattform mit dem Opel Kadett C von 1973 teilt.

1982 startet der Chevrolet Cavalier als Opel Ascona in Deutschland, weltweit wird das Modell unter verschiedenen Namen vermarktet.

Chevrolet setzt jährlich mehr als 3,5 Millionen Fahrzeuge ab und ist in 130 Ländern vertreten - in Deutschland und Europa seit 2005 als Nachfolger der koreanischen GM-Tochter Daewoo.

Zum Jubiläum starten die US-Amerikaner ins Elektrozeitalter: Mit dem Volt will Chevrolet den Mythos der Marke wiederbeleben. (Text: mit sp-x)

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