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Der lange Weg nach unten: "Motor City" Detroit

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Das Autojahr beginnt traditionell in Detroit. Für den Besucher strahlt das Globo-Veranstaltungszentrum in der Kälte des Michiganer Winters eher Tristesse aus. (Foto: picture alliance / dpa)

Das Autojahr beginnt traditionell in Detroit. Für den Besucher strahlt das Globo-Veranstaltungszentrum in der Kälte des Michiganer Winters eher Tristesse aus.

Das Autojahr beginnt traditionell in Detroit. Für den Besucher strahlt das Globo-Veranstaltungszentrum in der Kälte des Michiganer Winters eher Tristesse aus.

Erst wenn man die Ausstellungshallen betritt, erstrahlt die automobile Zauberwelt.

Doch seit Jahrzehnten gibt es in der US-amerikanischen Auto-Stadt keine nennenswerte Automobilindustrie mehr.

Das ist in Metropolen wie Frankfurt, Genf oder Paris nicht anders, …

…. aber dort stehen auch keine Ruinen aufgelassener Fabriken als unheilvolle Warnung mitten in der Stadt.

Dabei war Detroit einst die Erfolgsgeschichte des Industriezeitalters. Als Henry Ford im Jahr 1903 seine Ford Motor Company gründet, …

… legt er den Grundstein für die US-amerikanische Autoindustrie.

Bereits seit 1902 wird der "Volkswagen" Amerikas, das legendäre "Modell T" von Ford, in Massenproduktion hergestellt.

1908 wird General Motors gegründet. Die industriellen Ansiedlungen bringen neue Arbeitskräfte, …

… frisches Geld und ansehnlichen Wohlstand in das aufstrebende Detroit.

Bis in die 1930er Jahre hat die Automobilindustrie nicht nur ihre eigene Infrastruktur errichtet, …

… sondern um sie herum eine "Great American City" mit Wolkenkratzern, luxuriösen Anwesen und Film-Palästen.

Detroit wird die "City Of Champions" und stellt selbst New York, Philadelphia und Chicago in den Schatten.

Von 1900 bis 1950 wächst die Bevölkerung um das Achtfache – mehr als 1,8 Millionen Menschen leben zur Blütezeit im engeren Stadtgebiet.

Alle großen Automobilhersteller haben in der wirtschaftlich gut gelegenen Grenzstadt zu Kanada ihre Hauptquartiere und Fertigungsanlagen errichtet.

General Motors, Chrysler und Ford - die "Big Three" - dominieren von Detroit aus den weltweiten Automarkt.

In dieser Zeit werden Autolegenden geschaffen. Benannt nach dem französischen Gründer der Stadt Detroit, Antoine Laumet, genannt Laumet de La Mothe, Sieur de Cadillac, wird die Marke "Cadillac" gegründet.

Der berühmte Unterweltboss Al Capone lässt sich in einen V8 Town Sedanin durch die Stadt chauffieren. In den 1950er Jahren ...

... wird die Marke zum Sinnbild für amerikanische Luxusliner. Einen der größten Erfolge feiert das Unternehmen 1958 mit dem Eldorado.

Auch die Marke Pontiac drängt auf den Markt und benennt sich nach einem berühmten Häuptling des Ottawa-Stammes, …

… der im sogenannten Pontiac-Aufstand (1763-1766) das Fort Detroit einnahm.

Zwischen 1915 und 1960 zieht die Stadt hunderttausend Immigranten an. Meist sind es ungebildete, …

… schwarze Arbeiter, die sich von der aufstrebenden Automobilindustrie lukrative Jobs versprechen.

Lange Zeit wird das Versprechen vom sicheren Job eingehalten. Doch mit der Zeit erweist sich die Ankunft der vielen schwarzen Zuwanderer als Pulverfass: …

… Die weiße Arbeiterschicht hat sich längst in Gewerkschaften zusammengeschlossen, …

… was vor allem Henry Ford ein Dorn im Auge ist. Er heuert frische Arbeitskräfte an, …

… was in den 30er Jahren zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen weißen "Streikenden" und schwarzen "Streikbrechern" führt.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg in den Werken immer mehr auf Automatisierung gesetzt wird, …

… fallen tausende Jobs dem Rotstift zum Opfer. Dennoch bleibt Detroit für Arbeitssuchende anziehend. Dank großzügiger Wohlfahrtsprogramme können sich …

… auch Arbeitslosen über Wasser halten.

Im Jahr 1967 erreichen die sozialen Spannungen ihren Höhepunkt. In Detroit kommt es zu den schwersten Rassenunruhen in der Geschichte der USA: ...

... 43 Menschen werden getötet, 342 verletzt und 1400 Gebäude durch Brandstiftung zerstört.

Das Ende ist eine immer ausgeprägtere Ghetto-Bildung: Die weiße Bevölkerung zieht aus der Stadt in die Vororte und …

… mit ihnen der Großteil der Infrastruktur. Heute zählt die Stadt Detroit kaum noch 700.000 Einwohner.

Weniger als die Hälfte aus dem Jahr 1950. Doch bis zum Beginn der Ölkrise in den 1970er Jahren, …

… bleibt Detroit das Zentrum der US-amerikanischen Autoindustrie und präsentiert alljährlich seine Innovationen …

… auf der North American International Auto Show. 1964 zum Beispiel den Pontiac Grand Prix.

Chevrolet überrascht 1965 mit der Corvette Sting Ray.

Pontiac zeigt 1968 den GTO. Eines der legendärsten Muscle Cars der USA.

Der Buick Riviera wird nach seiner Präsentation im Jahr 1965 zum Traumauto der US-Amerikaner.

Immer wieder entpuppt sich Detroit auch als ein Mekka von Innovationen und …

… präsentiert fantastische "Dream Cars".

Der Roadster "Wild Dream" schafft es 1964 sogar auf den Markt und ist für 8500 Dollar zu haben.

Mit der Ölkrise und dem Aufstieg japanischer Hersteller verlieren erneut Zehntausende in der Autoindustrie ihre Jobs. Wieder werden Fabriken geschlossen und …

… Arbeiter entlassen. Einen letzten Tiefschlag erfährt die Detroiter Auto-Stadt mit der Wirtschaftskrise im Jahr 2009.

GM vermeldet die schlechtesten Verkaufszahlen seit 50 Jahren. Allein im Dezember bricht der Absatz bei GM um mehr als 30 Prozent ein - …

… bei Chrysler gar um mehr als 50 Prozent.

GM und Chrysler hängen am Tropf milliardenschwerer Überbrückungskredite des Staates. Ohne die Finanzspritze hätten die beiden Autobauer womöglich in Insolvenz gehen müssen.

Nochmal muss massiv gekürzt werden. Für die Hersteller geht die Rechnung auf. Bis 2010 steigen die Verkaufszahlen und aufgelaufene Schulden werden zurückgezahlt.

Die Stadt selbst hat wenig davon. 40 Prozent der Einwohner leben weiter unter der Armutsgrenze und sind auf staatliche und karitative Hilfe angewiesen.

Darüber kann auch der Umstand nicht hinwegtäuschen, …

… dass Chrysler jetzt ein stillgelegtes Werk in Detroit wieder in Betrieb nehmen will und die Schaffung von weiteren 1250 Stellen in Aussicht stellt.

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