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Alles beginnt im Sommer 1906. Damals lässt der französische Autobauer Alecandre Darracq auf einem Gelände in Portello, im Nordwesten Mailands, eine Autofabrik errichten.
Doch auf dem italienischen Markt ist dem Franzosen kein Erfolg beschieden, weil man eher zu Autos aus dem eigenen Land greift. So übernehmen Geschäftsleute aus der Lombardei im Juni 1910 das Werk. "A.L.F.A.", kurz für Anonima Lombarda Fabrica Automobili, ist geboren.
Schon im selben Jahr rollt das erste Modell der Firma vom Hof, der 24 HP. Von Beginn an setzt man auf hohe Motorleistungen und Geschwindigkeit.
Ein 42-PS-Motor mit vier Litern Hubraum und vier Zylindern treibt den Wagen auf bis zu 100 Stundenkilometer. Gegen den übermächtigen Konkurrenten aus Turin, Fiat, ist man auf dem Massenmarkt ohne Chance. Die einzige Möglichkeit der jungen Firma liegt im Bau sportlicher Automobile.
Und natürlich im Motorsport. Deshalb startet der 24 HP bereits bei zahlreichen Rennen, wie hier bei der Targa Florio im Jahr 1912.
Parallel dazu wird mit dem 15 HP Corsa 1911 ein kleineres Modell auf den Markt gebracht.
Das kleine Auto eignet sich geradezu ideal für den Rennsport. Keine 12 Monate nach der Gründung der Firma bestreitet Alfa damit den ersten Werkseinsatz beim Straßenrennen in Modena.
Das nächste Modell kommt 1913 und heißt 40-60 HP. Erstmals wird ein Motorblock aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Revolutionär ist die obenliegende Nockenwelle des sechs Liter großen Vierzylinders.
Wirtschaftlich ist Alfa jedoch nie rentabel. Einzig die beginnende Rüstungsproduktion im Vorfeld des aufziehenden Ersten Weltkriegs stützt das junge Unternehmen.
Mit dem 20-30 HP baut Alfa im Jahr 1914 aber noch einen echten Rennwagen. Kein Geringerer als Enzo Ferrari sollte im Jahr 1920 damit seine ersten Renneinsätze fahren. Premiere ist bei der Targa Florio, wo der Werksfahrer auf Anhieb Zweiter wird.
Wirtschaftlich jedoch hat man grobe Fehler gemacht. Bei Firmengründung hatte man Darraqc einen großen Teil der Aktien hinterlassen. Der verkauft diese an eine Bank, die Alfa im Jahr 1915 zum Konkurs anmeldet. Der Verwaltungsrat ist machtlos.
Doch die Regierung gründet die Firma unter dem Namen "Accomandita Ing. Nicola Romeo & Co." neu. Chef wird der aus Neapel stammende Ingenieur Nicola Romeo. Die Kriegsproduktion erhält die Firma am Leben und ermöglicht nach Kriegsende einen Neustart der zivilen Autoproduktion.
Nicola Romeo von der Produktion von Automobilen zu überzeugen ist allerdings gar nicht so einfach. Doch man nutzt den guten Namen von Alfa und machte sich mit den Gewinnen durch die aufstrebende Wirtschaft der Nachkriegszeit auf zu neuer Größe. Alfa Romeo wird einer der wichtigsten Autoproduzenten Italiens.
Der erste echte Alfa Romeo ist der 1921 präsentierte G1. Er trägt als erstes Modell den Namen des neapolitanischen Geschäftsführers, basiert technisch aber weitestgehend auf dem HP 20-30. Alfa will eine repräsentative Limousine im Programm haben. Wirtschaftlich wird der G1 allerdings nie ein Erfolg.
Der 1922 vorgestellte RL ist das erste Auto von Alfa mit einem Sechszylindermotor. Aus knapp drei Litern Hubraum werden 56 PS generiert.
Damals ist es noch üblich, die Fahrgestelle selbst zu produzieren und diese dann bei Karosseriebauern nach den speziellen Wünschen der Kunden fertigen zu lassen.
Weil der Motorsport Alfa berühmt gemacht hat, schickt man zunehmend Werksteams auch zu Rennveranstaltungen ins Ausland.
Vom RL abgeleitet erscheint 1923 der RM. Das kleinere der beiden Alfa-Modelle wird ebenso im Rennsport eingesetzt wie der große Bruder.
Und das nicht nur von Alfa Romeo selbst. Auch viele Kunden nehmen mit dem Auto an Straßenrennen teil. Bei der Targa Florio im Jahr 1923 entsteht auch das Quadrifoglio Verde als Glücksbringer für die besonders sportlichen Fahrzeuge der Marke.
Alfa Werksfahrer Ugo Sivocci bekam 1923 die Startnummer 13 bei der Targa Florio zugelost. Fast hätte er den Start abgesagt, doch ein Mechaniker malte ihm ein vierblättriges Kleeblatt auf sein Auto und Sivocci gewinnt. Wenige Monate danach verunglückt Sivocci bei Testfahrten tödlich. Sein Rennwagen war so neu, dass noch kein grünes Kleeblatt aufgemalt war. Fortan ziert jedes besonders leistungsstarke Modell der Marke das grüne, vierblättrige Kleeblatt.
Um die Rennsportkompetenz der Marke zu stärken, wirbt Nicola Romeo den jungen, begabten Ingenieur Vittorio Jano von Fiat ab.
Der liefert mit der Konstruktion des Rennwagens P2 einen Einstand nach Maß. Mit dem Conte Brilli Peri hinter dem Steuer des 140 PS starken Autos kann Alfa Romeo 1925 erstmals den Weltmeistertitel erringen.
Ab diesem Zeitpunkt umringt das Wappen ein Siegerkranz, der alle Automobile von Alfa Romeo fortan ziert. Neben Personenwagen produziert Alfa mittlerweile auch alle möglichen Arten von Nutzfahrzeugen, Dampflokomotiven, Straßenwalzen oder Triebwerke für Schiffe oder Flugzeuge. Es wird neben Mailand auch in Saronno, Neapel, Triest und Rom gefertigt.
Die von Alfa gebauten Autos gehören technisch stets zur Avantgarde. Diesen Anspruch unterstreicht mit dem 6C 1500 ein weiteres großes Modell der Zwischenkriegszeit.
Der Motor ist der erste in Serie produzierte mit obenliegenden Ventilen und wird ebenfalls von Vittorio Jano entworfen. Wahlweise wird er mit Kompressor oder ohne geliefert.
Auch im Motorsport bewährt sich der 6C 1500. Im zweiten Jahr der Mille Miglia im Jahr 1928 starten gleich acht Autos dieses Modells.
Alle erreichen das Ziel und der Sieg geht an Alfa Romeo.
In den Folgejahren ist es das Nachfolgemodell 6C 1750, an dem sich alle anderen messen müssen.
Damit beginnt eine Ära bei diesem Rennen, in der die Marke Maßstäbe setzen kann.
Personell gibt es aber eine Veränderung für Alfa. Der Rennleiter Enzo Ferrari gründet mitten in der Wirtschaftskrise 1929 die Scuderia Ferrari. Vorerst bleibt er verantwortlich für den Alfa Corse, die Motorsportabteilung des Konzerns.
Anfang der dreißiger Jahre kommt mit Tazio Giorgio Nuvolari ein ausgesprochen talentierter Rennfahrer zu Alfa. Er wird bereits zu seinen Lebzeiten zu einer Legende. Nach einem Zerwürfnis mit Enzo Ferrari geht er 1932 zwischenzeitlich zu Maserati, kehrt dann zurück und fährt später noch für Auto-Union einige Siege ein.
Abgeleitet vom 6C 1750 wird ab 1930 der 8C 2300 gebaut. Äußerlich sind die beiden Modelle nahezu identisch. Mit diesem Auto fährt vor allem die Scuderia Ferrari zahllose Rennsiege ein.
Der Hubraum des Autos ist auf 2336 Kubikzentimeter gewachsen, die Leistung liegt mittlerweile bei 142 PS. Zwei obenliegende Nockenwellen kennzeichnen den Motor und ein nicht synchronisiertes Vierganggetriebe überträgt die Kraft auf die Räder. Gebremst wird das Ganze von mechanischen Trommelbremsen - ein Gefährt für waghalsige Fahrten.
Verschiedendste Karosserien schmücken den Wagen, darunter formschöne Coupés und Roadster. Auch viertürige Limousinen werden als Derivate vom 8C 2300 gebaut. Zeitlos schöne Automobile, die heute zu den teuersten Oldtimern der Marke überhaupt gehören. Noch exklusiver ist der Vorgänger 6C 1750.
Der 8C 2300 stellt auch die Basis für die Weiterentwicklung des so erfolgreichen Rennwagens P2.
Der P3, auch Tipo B genannt, kann nahtlos an die Erfolge seines Vorgängers anknüpfen.
Holt der 8C 2300 schon Siege bei der Mille Miglia, der Targa Florio und viermal in Folge in Le Mans, ...
... so kann der P3 gegen die übermächtige Konkurrenz von Mercedes und Auto-Union einige GP-Siege einfahren.
Um mit den von den Nationalsozialisten geförderten Boliden mithalten zu können, entwickelt die Scuderia Ferrari für Alfa Romeo 1935 den Bimotore. Vorne und hinten arbeitet je ein Achtzylinder, Getriebe und Kupplung sind – wie der Fahrer – mittig angeordnet. Sage und schreibe 320 km/h schafft der Bolide.
Parallel zum 8C 2300 wächst auch der Sechszylinder zunächst auf 1900 und dann auf 2300 Kubikzentimeter.
Auch von diesem Modell gibt es zahlreiche Karosserievarianten, die sich die vielen Konstrukteure einfallen lassen. Im Bild ein Coupé, das an der Mille Miglia teilgenommen hat.
Auch der 8C bekommt noch mehr Hubraum.
Der 8C 2900 ist ein technisches Highlight seiner Zeit. Mit 205 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit gilt er als schnellstes Serienauto der Welt.
Ihn gibt es auch in einer besonderen Version mit verlängertem Radstand. Die Autos von Alfa Romeo sind absolute Luxusgüter. Nur ausgesprochen wohlhabende Kunden können sich einen Alfa leisten.
Auch wenn die Karosserien noch extern gebaut werden, ... (Bild: Alfa Romeo 6C 2500 Villa D'Este)
... die Kunstfertigkeit nimmt zu und ...
... und die Autos werden mit jedem Modell formschöner. Eine Eigenschaft, die neben der Technik zu einem Markenzeichen von Alfa wird.
Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt auch Alfa Romeo darnieder. Bei einem Bombenangriff 1944 wird das Stammwerk in Portello zu drei Fünfteln zerstört.
1946 gibt es einen Neuanfang unter dem Namen "Alfa Romeo S.p.A.". Zunächst mit diesem einfarbigen Emblem ...
... und dann mit dem traditionellen Farb-Logo, dem allerdings der Siegerkranz der Vorkriegszeit fehlt.
Die Scuderia Ferrari nimmt 1950 mit dem auf Vorkriegstechnik basierenden Typ 158 an der ersten Formel-1-Saison überhaupt teil. Seitdem sind die Italiener als einziges Team immer bei der Formel 1 mitgefahren.
Das erste Serienmodell ist der 1900, der ein großartiger Verkaufserfolg wird.
Schon in den ersten vier Jahren wird das Auto so oft verkauft wie alle Vorkriegsmodelle der ersten 40 Jahre zusammen.
Natürlich gibt es den 1900 auch in besonders sportlichen Versionen, wie hier den Sprint.
Die viertürige Limousine mit ihrer pontonförmigen selbsttragenden Karosserie bildet – der Tradition Alfa Romeos entsprechend – die Basis für verschiedene Coupé- und Cabrioletvarianten.
Auch auf der Rennstrecke bewährt sich das Modell. Alfa bleibt sich treu und erhöht sein Markenimage mit einem breiten Engagement im Motorsport.
Um die Modellpalette nach unten zu erweitern, wird 1954 die Giullietta eingeführt.
Ein 1,3-Liter-Motor befeuert das formschöne Auto, dessen Karosserie jetzt im Werk gefertigt wird.
Auch die Giuleitta wird ein Volltreffer. Ein erschwingliches Modell mit potenter und fortschrittlicher Technik.
Natürlich hat man sich von der Giulietta zahlreiche Karosserievarianten einfallen lassen.
Ein Spider, ...
... ein Stufenheck namens Berlina ...
oder auch ein Kombi, der sich Giardinetta nennt.
Sicher äußerlich das am wenigsten aufregende Auto. Durch den Erfolg des Modells wird das Werk in Portello zu klein. So wird in Arese eine neue Produktionsstätte gebaut, die 1961 bezogen werden kann.
Das neue Werk kommt gerade recht, denn 1962 erscheint ein Meilenstein der Modellgeschichte von Alfa Romeo.
Alfa hat eine gefährliche Größe erreicht. Kein Hersteller exklusiver Autos mit kleinen Stückzahlen mehr, aber auch nicht groß genug für ein Massenhersteller.
Unter der Haube der aerodynamisch wegweisenden Limousine arbeitet nun auch ein 1,6-Liter-Alumotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen.
Bei der Giulia wird erstmals eine Art Baukastensystem in der Produktion angewendet, das heute in der Autoindustrie üblich ist.
Damit werden natürlich auch wieder zahlreiche Karosserievarianten ermöglicht. Stufenheck-Autos, ...
... ein Spider, ...
.. Coupés verschiedenster Art, wie zum Beispiel das Giulia Coupé TZ, ...
... oder auch der Sprint Speciale.
Sprint steht dabei für Coupé in der Modellpalette von Alfa Romeo.
Die Linien für die bildschönen Wagen stammen aus der Hand namhafter Designer und Karosseriebauer, ...
... wie beispielsweise Pininfarina, Bertone und Zagato.
Die Giulia TZ (Tubulare Zagato) ist ein reinrassiger Rennwagen mit Gitterrohrrahmen.
Der stromlinienförmige Sportler gewinnt zahlreiche namhafte Rennen wie die 12 Stunden von Sebring, die Targa Florio oder den Giro d´Italia.
1963 wird die Giulia Sprint GT vorgestellt.
Das Modell erhält den Spitznamen "Bertone GT".
Basierend auf der Giulia kommt die Baureihe 2000 Mitte der sechziger Jahre auf den Markt.
Leistungsstarke Aluminiummotoren mit den zwei obenliegenden Nockenwellen sind das Kennzeichen des Modells.
An der Spitze der Modellpalette steht der 2600.
Reihensechszylindermotoren treiben die Limousinen an und erzeugen dank 145 PS ordentlich Vortrieb.
Standesgemäß gibt es auch hier den Spider als offene Variante des Spitzenmodells.
Ein formschönes Automobil, das heutzutage ebenfalls einen hohen Liebhaberwert besitzt.
Ein serienmäßiges Fünfganggetriebe überträgt die üppige Kraft auf die Räder, an den Vorderrädern fangen Scheibenbremsen das Auto wieder ein.
Ab 1963 werden auch an der Hinterachse Scheibenbremsen verbaut.
Als der langjährige Karosserielieferant Touring, von dem nun das Kleid des 2600 Spider stammt, seine Pforten schließen muß, ist damit 1969 das Ende der Baureihe eingeläutet.
Die inhäusige Produktion wäre in der Kürze der Zeit nicht zu aufzubauen gewesen. Ein Nachfolgemodell für den 2600 gibt es zunächst nicht. Erst mit dem Alfa 6 kommt wieder ein großer Alfa mit Sechszylinder auf den Markt.
Auch der Supersportler TZ bekommt ab 1964 einen Nachfolger namens TZ2.
Die Leistung liegt bei 165 PS, das Gewicht wird auf 620 Kilogramm reduziert.
Wesentlich erfolgreicher ist allerdings der Giulia GTA. Lediglich rund 1000 Stück werden für die Sporteinsätze gebaut. Heute ein begehrtes Objekt für Sammler.
1966 kommt mit dem Spider eines der bekanntesten Modelle von Alfa Romeo auf den Markt. Zunächst aber ist die Meinung der Öffentlichkeit gespalten. Die Alfisti, die Fans der Marke, beklagen sich über den Stilbruch gegenüber dem Giulia Spider.
Die Arbeiter am Band tauft das Fahrzeug "Osso di Seppia", also Rückenschale des Tintenfischs. Kein sehr schmeichelhafter Kosename für einen sportlichen Roadster. Das Management von Alfa entscheidet sich für die Vermarktung aber lieber für den Namen Duetto, auch wenn diese Bezeichnung in Deutschland nie verwendet wird. Hierzulande heißt er schlicht 1600 Spider.
Schon 1969 lässt Alfa dem Spider ein Facelift angedeihen. Vor allem das runde Heck gestaltet man neu.
Die Windschutzscheibe steht nun etwas flacher und die Stoßstangen sind robuster gefertigt. Auf italienisch nennt sich das Auto "Coda Tronca", in Deutschland nennt er sich Fastback.
Auf der Motorenseite wird das sportliche Cabrio ebenfalls aufgerüstet. Ab 1971 gibt es den 2000 Spider Veloce, der mit 132 PS knapp 200 Stundenkilometer schafft.
Der dreieckige Alfa-Kühlergrill muss wegen der Stoßstange zeitweise zweigeteilt angebracht werden und kommt bei dem Auto nicht ganz so zur Geltung wie bei anderen Modellen. Der Spider wird zwar mehrmals überarbeitet, aber in seiner Grundform bis 1993 gebaut und ist damit eines der am längsten produzierten Modelle von Alfa Romeo.
Wenn es etwas gibt, das sich Alfa Romeo nach dem Krieg angeeignet hat, dann ist es aufregendes Design. Das zeigen vor allem die unzähligen Prototypen der Marke. Stellvertretend sei hier zum Beispiel der Carabo aus dem Jahr 1966 gezeigt. Der Hausdesigner Pininfarina zeichnete dieses keilförmige Auto.
Und er gibt die Vorlage für den Alfa 33 Stradale, der ab 1967 gebaut wird.
Dieser Mittelmotorsportwagen wird vor allem in den Prototypenklasse eingesetzt und erfährt im Laufe der Jahre zahlreiche kleinere und größere Veränderungen.
Der Stradale ist aber dazu gedacht, Rennsporttechnik auch breiteren Käuferschichten zugänglich zu machen. 230 PS treiben diesen Sportwagen nach vorne. Ein besonderes Merkmal sind die Schmetterlingstüren. Aufgrund des extrem hohen Preises werden aber nur verschwindend geringe Stückzahlen verkauft.
Ein weiterer, seltener Sportler aus dem Hause Alfa Romeo ist der Montreal, der ab 1967 verkauft wird. Das Aussehen eines Mittelmotorwagens wird mit dem Triebwerk aus dem Tipo 33 kombiniert.
Bis 1977 hält sich der Zweisitzer in der Modellpalette. Das Auto bekommt erstmals einen Serien-V8 mit 2,6 Liter Hubraum. Vier obenliegende Nockenwellen erzeugen die Kraft von 200 PS. Knapp 4000 Fahrzeuge werden gebaut.
1968 kommt mit dem 1750 und dem größeren Bruder, dem 2000, eine weitere Mittelklasselimousine auf den Markt. Das von Bertone entworfene Automobil zeigt eine enge Verwandtschaft mit der Giulia. Ein Motor mit 1,8 Litern und einer mit zwei Litern Hubraum sind im Angebot. Ab 1969 sind diese Modelle sogar die größten Limousinen im Angebot.
Auf großes Interesse stieß bei seiner Premiere 1972 der Alfasud. Stardesigner Giorgio Giugiaro zeichnet das Auto, das bei Alfa das erste Auto mit Fronantrieb ist. Ein vierzylindriger Boxermotor mit 63 PS ist die Grundmotorisierung für den Kompaktwagen, der sich durch Laufruhe und einen niedrigen Schwerpunkt auszeichnete.
Leider begründet der Alfasud auch einen schlechten Ruf für die Marke. Vor allem der Rost rafft die Autos zeitweise innerhalb eines halben Jahres dahin. Grund ist schlechtes Blech und mangelhafte Vorsorge. Außerdem nahmen es die Arbeiter mit der Lagerung und Verarbeitung oftmals nicht genau, wenn sie sich nicht gerade in einem der unzähligen Streiks befanden. Dennoch werden alleine in Deutschland mehr als 100.000 Autos verkauft.
In der Mittelklasse zeigt Alfa mit dem Alfetta ab 1972 ein Fahrzeug oberhalb der Giulia ein recht erfolgreiches Auto. Die Fachpresse gibt ein fast euphorisches Echo auf das neue Modell, das zunächst parallel zur den Berlina 1750/2000 verkauft wird.
Durch das an der Hinterachse montierte Getriebe wird eine Gewichtsverteilung von fast 50:50 erreicht. Trotz der auch bei der Alfetta vorhandenen schwachen Zuverlässigkeit und hohen Rostanfälligkeit wird das Auto ein großer Erfolg. In einem Vergleichstest kann de Italiener den zeitgleich erschienenen BMW 520 klar in den Schatten stellen.
Natürlich wird auch die Alfetta nochmals sportlich aufgerüstet. 1974 kommt der GT auf den Markt. Gerade die Coupés prägten über Jahre das Erscheinungsbild der Marke auf der Straße.
Vierzylinder-Motoren mit 1,6 bis zwei Liter Hubraum und Leistungen zwischen 108 und 131 PS bringen den Mittelklassesportler auf Touren.
Beim GTV legt man ab 1976 noch eine Schippe drauf. Das Spitzenmodell hat einen 2,5-Liter-V6-Motor mit 158 PS.
Heute ist der Alfetta GTV ein beliebter Youngtimer. Auch weil er als letztes echtes Sportcoupé alter Schule gilt. Technisch hat er seine Eigenheiten, was aber echte Alfisti nie sonderlich gestört hat. Die wissen schließlich, dass man im Stand nicht direkt den ersten Gang einlegen kann und zeigen sich so als Kenner.
Ein große optische Ähnlichkeit mit dem Alfetta weist der ab 1979 gebaute Alfa 6 auf. Darin feiert der V6-Motor seine eigentliche Premiere.
Wegen der Ölkrise wird die Premiere immer wieder verschoben, obwohl das Auto schon 1973 fertig ist.
Das Modell wird nur mit Top-Motorisierungen ausgeliefert. Neben den Sechszylindern mit bis zu 158 PS kommt später auch ein Fünfzylinder-Diesel auf den Markt.
Mit luxuriöser Innenausstattung versehen, soll er dem 5er von BMW und dem Mercedes 280E Konkurrenz machen.
1983 wird als Nachfolger des Alfasud das Modell 33 präsentiert. Der 33 ist ein Erbe des Tipo 33 und wird ein großer Erfolg für die Marke.
Zusammen mit dem Alfasud ist er mit fast 900.000 gebauten Fahrzeugen das meistproduzierte Modell der Marke.
Mit dem 33, der auch den Beginn eines Umbaus der Modellpalette darstellt, startet Alfa Romeo in die Moderne.
Typisch sind für den 33 Vierzylinder-Reihenmotoren mit bis zu 105 PS. Der Quadrofoglio Verde verdient sich mit seinem Doppelvergaser sogar ein Kleeblatt für ein besonders sportliches Modell.
Auch Boxermotoren mit 1,7 Liter Hubraum und 118 PS kommen wieder zum Einsatz. Die klassische Formgebung gibt dem 33 eine zeitlose Schönheit, zeigt aber Parallelen zu Autos wie dem VW Golf oder dem Lancia Delta dieser Zeit.
Das Fließheck war "in" in den achtziger Jahren. Das hat Alfa Romeo dazu veranlasst, auch einen Kompaktwagen mit schrägem Heck zu bauen. Keine gute Idee, denn der Arna, kurz für "Alfa Romeo Nissan Autoveicoli", wird weder schön noch sonst irgendwie aufregend. Die Grundkonstruktion stammt vom Nissan Cherry und Alfa liefert nur den Motor, den Antriebsstrang und die Vorderradaufhängung.
Die Rohkarosse wird in Japan gefertigt und ins Alfa-Werk Pratola Serra geliefert. Er sollte die Nachfolge des Alfasud antreten, aber soweit kam es nicht. Für die Alfisti stellt der Arna den Tiefpunkt der Markengeschichte dar. Nach nur drei Jahren lässt man den Italo-Japaner wieder in der Versenkung verschwinden.
Ebenfalls nicht sehr erfolgreich ist der Alfa 90, der 1984 den Alfetta beerben soll. Ein kantiges Ding, das der Designer Bertone da auf die Räder gestellt hat. Durch das Stufenheck allerdings recht gewöhnungsbedürftig.
Technisch ist das Auto hingegen nicht uninteressant. Ein Transaxle-Antrieb mit Fünfganggetriebe sorgt für Vortrieb, der Frontspoiler ist geschwindigkeitsabhängig verstellbar und im Handschufach befindet sich ein herausnehmbarer Koffer. Die Kunden überzeugte das nicht sonderlich - nach nur drei Jahren und rund 56.000 gebauten Autos wird der 90 wieder eingestellt.
Wesentlich mehr Erfolg ist da schon dem kleinen Bruder des 90, dem Alfa Romeo 75, beschieden, der 1985 seine Premiere feiert.
Den Namen bekam er aufgrund des 75-jährigen Firmenjubiläums. Wegen der Übernahme von Alfa Romeo durch Fiat ein Jahr später ist der 75 der letzte Alfa mit Transaxle-Technik, also Frontmotor mit Getriebe an der Hinterachse. Er erreicht eine fast perfekte Gewichtsverteilung von 50:50 auf Vorder- und Hinterachse.
Weil der 75 noch einen Heckantrieb mitbekam, sprechen viele Alfisti vom "letzten achten Alfa". Er beerbte die Giulietta.
In den USA wird der Wagen als Milano verkauft und bekam einen 68-Liter-Tank hinter den Rücksitzen. Der Kombi wird hingegen, auf Druck von Fiat, eingestampft.
Die Motorenpalette reicht von 1,6 Litern mit 110 PS bis zu Sechszylinderantrieben mit drei Litern Hubraum und 192 PS. Nach der Verschärfung der Nockenwelle und neuer Elektronik im Jahr 1990 hat er sich auch das berühmte Kleeblatt Quadrofoglio verdient.
Neu ist beim 75 auch die Twin-Spark-Technik. Der Phasenwandler wird aus der Mottenkiste geholt und mit einer elektronischen Benzineinspritzung kombiniert. In Deutschland wurde er unter anderem als Gefährt von Matula in der Krimiserie "Ein Fall für zwei" bekannt.
Mit dem 164 will Alfa Romeo 1987 wieder Fuß in der automobilen Oberklasse fassen. Was dem 90 nicht gelang, soll der 164 schaffen: Nämlich Alfa wieder zu einer echten Edelmarke machen.
Damit das Ganze auch wieder profitabel wird, teilt sich der 164 die Bodengruppe mit dem Saab 9000, dem Lancia Thema und dem Fiat Croma. Daher bekommt der 164 auch einen Frontantrieb.
Alfa steht 1986 noch unter staatlicher Kontrolle, weil die Verkaufszahlen, vor allem durch den desaströsen Alfasud und den Reinfall mit dem Arna dramatisch in den Keller, gefallen waren.
Die Werke des Konzerns waren zuvor nur noch zur Hälfte ausgelastet. Das bringt einen Autobauer in kürzester Zeit zur Strecke.
Insofern stellt der 164 eine Zeitenwende dar. Der Fiat-Konzern kauft Alfa vom Staat und führt den Autobauer zunächst mit Lancia zusammen.
Kurz danach wird Alfa aber wieder als eigenständige Geschäftseinheit geführt, die es bis heute als Teil von Fiat ist.
Auch dieses Modell wird von Pininfarina gezeichnet. Fiat will kein Risiko eingehen, denn der164 soll schließlich den ganzen Konzern retten.
Deshalb bestückt man ihn auch mit moderner Motorentechnik, wie Turboaufladung und Twin Spark, er bekommt auch V6-Antriebe und wird in der Version Super auf bis zu 232 PS aufgerüstet.
Am Ende kann der 164 bis zu seinem Produktionsende zwar nicht den ganz großen Erfolg bringen, aber Alfa dennoch vor dem Untergang bewahren.
Nach zwei Jahren will Fiat 1989 wieder zeigen, dass Alfa für exklusive und technisch hochwertige Automobile steht. Dazu wird der ES 30 (Experimental Sportscar) entwickelt und kommt zunächst als Coupé und später auch als Roadster auf den Markt.
Das Design ist aufsehenerregend und unterstreicht die sportlichen Ambitionen der Marke. Werksintern bekommt er den Spitznamen Il mostro (Das Monster). Er bekommt noch einmal die bekannte Transaxle-Technik mit dem heckantrieb und einen Zwei-Liter-V6-Motor, der den Sportler auf bis zu 245 Stundenkilometer beschleunigt.
1992 kommt mit dem 155 ein Nachfolger für das Jubiläumsmodell 75. Der Frontantrieb hält auch in der Mittelklasse Einzug und der Neue muss sich seine Plattform mit den Konzernbrüdern, unter anderem Fiat Bravo und Lancia Delta, teilen.
Die Twin-Spark-Motoren, die sich in der Zwischenzeit etabliert haben, befeuern auf der Benzinerseite das Auto. Die Turbodiesel mit bis zu 125 PS sind hingegen etwas schwachbrüstig. Die Speerspitze stellt ein Zwei-Liter-Turbo mit Sechszehnventiltechnik und 190 PS.
Technisch verausgabt hat sich Alfa beim Fahrwerk der Allrad-Variante: ein selbstsperrendes Torsendifferenzial an der Hinterachse, drei Differenziale an der Vorderachse und eine Visco-Kupplung in der Mitte. Ein Meisterstück.
Mittlerweile hat Alfa Romeo ein frische Modellpalette auf den Markt gebracht. Der Mito, der seit 2008 zu haben ist, wurde ein Verkaufserfolg. Der flotte Kleinwagen ist derzeit der Bestseller unter den aktuellen Alfas.
Auch Emotionales haben die Italiener im Angebot. Dafür steht vor allem der 8C Competizione. Ein Supersportler mit 450 PS, dessen Name eine Reminiszenz an die dreißiger Jahre ist.
Aber auch der Brera bedient die Abteilung Sport und fesches Design.
Der Alfa Romeo Spider ist als Klassiker immer noch im Programm. 2004 wurde er aufgefrischt.
Und schließlich erfährt als jüngstes Kind auch die Giulietta ein Comeback. Allerdings unterhalb des legitimen Nachfolgers, ...
... dem 159. Dieser Alfa Romeo ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Ob er einen Nachfolger bekommt, steht derzeit noch in den Sternen.
In Sachen Motorsport sind die Aktivitäten aber bescheidener geworden mit den Jahren.
Die großen Motorsportautos baut Alfa heute nicht mehr.
Mit der Übernahme durch Fiat endet auch das Formel-1-Engagement von Alfa Romeo. Der Eigner will seiner Perle Ferrari keine Konkurrenz im eigenen Haus gestatten.
Das noch in den neunziger Jahren erfolgreiche Engagement in der DTM, wo zahlreiche Siege eingefahren wurden, endete mit dem zwischenzeitlichen Aus für die Rennserie im Jahr 1996.
Auch aus der Rennserie WTCC steigt Alfa 2005 aus und unterstützt mittlerweile nur noch wenige Privatteams werksseitig.
Dieser sportliche Ausstieg hängt natürlich auch mit der wirtschaftlichen Situation des Konzerns zusammen. Alfa Romeo ist bis heute ein Sorgenkind des Fiat-Konzerns.
Immer wieder wird über die Zukunft der Marke innerhalb des Großkonzerns spekuliert.
Aber bei Fiat steht man zu Alfa und daher scheint die Zukunft gesichert.
Zumal Alfa durch die Übernahme von Chrysler durch Fiat Alfa Romeo ein Comeback auf dem amerikanischen Markt feiern wird.
So könnte es noch weitere 100 Jahre Alfa Romeo geben. Die Auto-Fans würde das mit Sicherheit freuen.
Denn Alfa ist immer etwas Besonderes, gestern wie heute.
Triumphe und Tragödien, wie sie nur ein italienischer Autobauer namens Alfa Romeo zu bieten hat. Auf die nächsten 100 - bella macchina! (Text: Markus Mechnich)
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