| SA | 9° / 23° |
| SO | 12° / 22° |
Das Duell der Ungleichen: In unserem Test der Kombis tritt der Renault Mégane Grandtour mit einem 180-PS-Benzinmotor gegen den VW Golf Variant mit einem 140-PS-Diesel an. Geht eigentlich nicht? Warum nicht, denn beide Autos haben ihre Vorteile.
Traditionsgemäß sollte der Golf die Nase vorne haben. Er ist der Platzhirsch in der Kompaktklasse. Aber Renault hat mit dem neuen Mégane kräftig aufgeholt.
In Sachen Design bietet der Wolfsburger wenig Überraschendes. Vorne ist er ganz der Golf: Brav, fast ein bisschen bieder. Dafür aber gefällig und unaufgeregt.
Aber eben auch ein bisschen langweilig. Der Kombi ist vor allem am Heck sehr brav. Das ist solide und massentauglich, aber eben auch Allerweltsdesign.
In Sachen Motorisierung bietet der Wolfsburger mit seinem Zwei-Liter-Diesel 140 PS und ein Drehmoment von 320 Newtonmeter.
Damit lässt es sich ordentlich vorankommen. Vor allem auf langen Strecken, aber auch im Stadtverkehr lässt sich der Golf sehr angenehm bewegen. Das Fahrverhalten des Autos bietet keine bösen Überraschungen.
Der Renault Mégane ist da schon spektakulärer im Auftritt. Der Franzose wirkt dynamischer an der Front und in der Seitenansicht. Mit dem Benziner ist er das auch tatsächlich.
180 PS wirft der Zwei-Liter-Motor in die Waagschale. Mit einem Drehmoment von 300 Newtonmeter ist er ein Dynamiker, der auch schon mal wild an der Vorderachse seinen Vortrieb auslebt. Auch der Mégane zeigt ein braves Fahrverhalten, auch wenn man ihn schon mal zu einem ausbrechenden Heck überreden kann.
In der Rückansicht zeigt der Mégane Charakter. Extravagante Heckleuchten rahmen die große Klappe ein. Dafür ist die Heckscheibe recht klein ausgefallen, was das Auto hinten etwas unübersichtlich macht.
Das wichtigste Kriterium ist bei Kombis aber die Ladekapazität. Da muss schon der große Ikea-Einkauf rein passen. Für Gewerbetreibende ist der Platz noch entscheidender.
Die Ladekante ist beim Renault gut sieben Zentimeter tiefer als beim Golf. Das bringt schon mal einen ersten Pluspunkt. In der Länge trennen die beiden Autos nur drei Zentimeter. Der Mégane misst 4,56, der VW 4,53 Meter.
Im Normalzustand kann der Mégane 524 Liter an Gepäck aufnehmen. Da muss der Golf mit seinen 505 Liter schon zurückstecken.
Beide Autos bieten eine asymmetrisch geteilt umklappbare Rückbank. Das System des Mégane ist etwas komplizierter, ...
... während es sich beim Golf schneller und einfacher umlegen lässt.
In den Renault passen maximal 1595 Liter rein.
Beim VW sind es hingegen mit 1495 genau 100 Liter weniger.
Das ist schon ein Wort in dieser Klasse. Beide Heckklappen schwingen ausreichend hoch, sodass sich auch Großgewachsene nicht so schnell schmerzhafte Beulen beim Einladen abholen.
Der Golf schafft nach dem Umklappen eine fast ebene Ladefläche. Die Lehnen der Rückbank können auch ganz abgeflacht werden, wenn die Sitzflächen hochgeklappt werden.
Gleiches gilt für den Renault, dessen Ladefläche aber deutlich tiefer liegt. Praktisch beim Einladen schwerer Gegenstände. Die Durchlademöglichkeit in der Mitte fehlt hier allerdings.
Wer hätte das gedacht? Der französische Herausforderer ist also der größere der beiden Kombis.
Muss der Golf Variant schon einknicken? Sicher nicht, denn der Wolfsburger bringt auch andere Vorteile mit.
Beim Platzangebot im Innenraum muss er sich beispielsweise nicht vor dem Konkurrenten verstecken. Der Radstand von 2,57 Metern lässt die Passagiere vorne sehr bequem sitzen und auch hinten ist der vorhandene Raum ordentlich.
Eine Domäne von VW ist die Qualität im Innenraum. Die Materialien sind wertig und einwandfrei verarbeitet. Daran gibt es nichts auszusetzen. Wohlfühlatmosphäre ist da garantiert.
Auch beim Verbrauch kann der Wolfsburger glänzen. Natürlich möchte man sagen, angesichts der Tatsache, dass er gegen einen Benziner antritt. Laut Norm kommt er mit fünf Litern auf 100 Kilometer aus. In unserem Test waren es im Schnitt 6,3 Liter.
Dabei ist der Golf Variant keine lahme Ente. Mit dem turboaufgeladenen Selbstzünder lässt sich eine Spitzengeschwindigkeit von 210 Stundenkilometer realisieren. In 9,7 Sekunden erreicht er die 100 km/h.
Also doch wieder die althergebrachte Wolfsburger Dominanz? Lassen wir den Mégane Grandtour antreten.
Der Renault kann mit einem 13 Zentimeter längeren Radstand glänzen. 2,70 Meter misst der Raum zwischen den Achsen.
Das macht sich im Innenraum bemerkbar, wo nicht nur vorne viel Raum verfügbar ist sondern auch auf der Rückbank. Da gewinnt also nicht nur der Kofferraum an Platz.
Im Innenraum hingegen geht es nicht ganz so wertig zu. Während unter dem Armaturenbrett noch echtes Aluminium glänzt, sind es um die Lüftungsdüsen nur Hartplastikapplikationen. Die Verarbeitung ist gut, die Bedienung schnell erfassbar.
Der Verbrauch ist für einen so starken Benziner überraschend niedrig. 7,6 Liter sind es in der Norm, in der Praxis lagen wir gemittelt bei 9,3. Das ist in Ordnung, aber der Konsum ist sehr stark vom Fahrverhalten abhängig. Wenn auf die Tube gedrückt wird, dann lässt sich der Verbrauch nur schwer unter zehn Liter halten.
Trotz der guten Vorstellung des Golf kann sich der Renault in Sachen Dynamik absetzen. In acht Sekunden geht es auf 100 Stundenkilometer und bei 225 km/h endet der Vortrieb. Damit hat hier der Renault Mégane fast naturgemäß die Nase vorne.
Bei den Kosten wird es deutlich. Trotz des stärksten Benziners an Bord liegt der Grundpreis des Mégane 3325 Euro unter den 26.175 Euro des Golf. Das ist doch erheblich und lässt sich über den günstigeren Verbrauch nur mit vielen Kilometern im Jahr wieder reinholen.
Die Entscheidung zwischen den beiden kompakten Kombis fällt knapp aus. Gegen die höhere Qualität und die günstigeren Verbrauchskosten des Golf setzt der Renault einen niedrigeren Preis, mehr Raum und mehr Agilität. Es ist eben auch Geschmackssache, ob deutscher Biedermaier oder französischer Expressionismus bevorzugt wird. (Text: Markus Mechnich)
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.