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Mythos, Magnet und ewige Baustelle: Berlin - Alexanderplatz

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Der Alexanderplatz in Berlin -  von den Einheimischen meist nur kurz "Alex" genannt - ... (Foto: picture alliance / dpa)

Der Alexanderplatz in Berlin - von den Einheimischen meist nur kurz "Alex" genannt - ...

Der Alexanderplatz in Berlin - von den Einheimischen meist nur kurz "Alex" genannt - ...

... ist eins der Zentren, wenn nicht sogar das Herz der Hauptstadt.

Er ist laut einer Studie die meistbesuchte Gegend Berlins - noch vor dem Kurfürstendamm. 10.000 Passanten pro Stunde wurden gezählt, so viele wie nirgends in der Stadt.

Jeder Berlin-Tourist kommt hier garantiert mindestens einmal vorbei.

Sei es auf der Suche nach den noch vorhandenen Bauten aus DDR-Zeiten, ...

... auf Einkaufstour …

… oder einfach, weil er ein Verkehrsknotenpunkt ist und man von hier so ziemlich in jede Richtung umsteigen und in jede Ecke Berlins gelangen kann.

Viel wurde hier gebaut in den letzten Jahren. Eigentlich ist hier fast immer irgendwo eine Baustelle. So richtig "fertig" wird der Platz wohl nie.

Sogar richtige Hochhäuser könnten hier entstehen. Doch dieses Wolkenkratzer-Ensemble nach einem preisgekrönten Entwurf der Architekten Hans Kollhoff und Helga Timmermann soll nur gebaut werden, wenn sich das für die Investoren wirtschaftlich trägt.

Und das kann dauern - bei der eher schwachen wirtschaftlichen Struktur Berlins und bei dem bereits bestehenden Überangebot an Büroräumen.

Doch der Alex soll - ob mit oder ohne Wolkenkratzer - wieder ein Ort zum Verweilen werden. Aber auf jeden Fall moderner und zeitgemäßer als zum Beispiel 1887, als es noch einen Wochenmarkt auf dem Platz gab. Kaum wiederzuerkennen.

1903 sah der Platz dann so aus. Auch keine große Ähnlichkeit zu heute.

Schon eher 1938. Der Alexanderplatz war bereits damals ein Verkehrsknotenpunkt - neben der Fern-, S- und U-Bahn und Bussen fuhren Straßenbahnen (seit 1898 elektrisch) von hier sternförmig in alle Richtungen.

Heute sieht es hier so aus - ein Großteil der alten Bebauung ist weg, neue ist hinzugekommen.

1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, lag auch der Alexanderplatz in Trümmern.

1959 war zwar ein Teil der zerstörten Gebäude wiederhergestellt, doch der Platz sah noch etwas trist aus - und es fuhren noch Autos darüber.

Später, ab Mitte der 60er Jahre, wurde der Platz bunter und lebendiger (und vom Autoverkehr befreit). Der "Brunnen der Völkerfreundschaft" etwa wurde 1970 im Zuge der Neugestaltung des Alexanderplatzes aufgestellt. Wegen der ...

... zu DDR-Zeiten vor dem Interhotel "Stadt Berlin" auf Devisen-Freier wartenden käuflichen Mädchen hieß er im Volksmund übrigens "Nuttenbrosche". Heute sitzen - oder liegen - vorwiegend pflastermüde Touristen auf seinem Rand.

Ab 1966 wurden Pläne umgesetzt, die den Alex zu einem "sozialistischen Platz" machen sollten. Auf und am Platz wurden viele neue Bauten errichtet - neben dem Brunnen das Centrum-Warenhaus, das Interhotel, das "Haus des Berliner Verlages", das "Haus der Elektroindustrie", ...

... das "Haus der Statistik" (zuletzt in den Schlagzeilen im November 2011, als Mitglieder der Occupy-Bewegung versuchten, das leerstehende Gebäude zu besetzen) ...

... und das "Haus des Reisens" (in dem sich seit 2005 der Club "Weekend" eingemietet hat, in der 12. und 15. Etage). Aber auch als zentraler Ort ...

... für Kundgebungen und Großveranstaltungen sollte der Platz dienen. Während der "X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten" im Sommer 1973 war der Alex dann Haupttreffpunkt und Zentrum der vielen Veranstaltungen. An dem internationalen Treffen ...

... nahmen auch rund 20.000 ausländische Festspielgäste teil - eine seltene Gelegenheit für ostdeutsche Jugendliche, in Kontakt zu jungen Leuten aus aller Welt zu kommen. (Bild: Kapelle der "Freien Deutschen Jugend" FDJ auf dem Alexanderplatz)

Der Alexanderplatz ist eng verbunden mit Berlins wechselvoller Geschichte. In 200 Jahren erlebte er drei Revolutionen: Nach der Märzrevolution von 1848 ... (Bild: Barrikadenkämpfe am Alexanderplatz in der Nacht vom 18. zum 19. März 1848)

... und der Novemberrevolution 1918/19 ...

... wehte auch am 4. November 1989 über den Alexanderplatz der Wind des Wandels. Die Demonstration an diesem Tag war die größte nicht staatlich gelenkte Demonstration in der Geschichte der DDR, ...

... die erste offiziell genehmigte Demonstration, die nicht "von oben", sondern vom ostdeutschen Volk organisiert wurde. Sie hatte Hunderttausende Teilnehmer und gilt als Meilenstein der friedlichen Revolution in der DDR. Kurz darauf fiel die Mauer.

Am 1. Juli 1990, als die D-Mark den Osten Deutschlands erreichte, öffnete eine Bank auf dem Alexanderplatz als einzige bereits um Mitternacht ihre Pforten.

Berlins wohl bekanntestes Wahrzeichen, das Brandenburger Tor, ist nicht allzu weit vom Alexanderplatz entfernt.

Auf leicht gebogenem Weg, über die Spree, ...

... an Berliner Dom und Schlossplatz vorbei ...

... und dann immer "Unter den Linden" entlang, läuft man vom Alex direkt darauf zu.

Auf dem Weg zum Brandenburger Tor, vom Alex nur einen Katzensprung entfernt, passiert man den Schlossplatz, der so heißt, ...

... weil dort bis 1950 das Berliner Schloss der preußischen Könige und deutschen Kaiser stand ... (Postkarte um 1878, Stadtschloss von der Südseite am Schlossplatz)

... und in ein paar Jahren wieder stehen soll. Zu DDR-Zeiten, ab 1951, hieß der Platz Marx-Engels-Platz.

Sandstein-Schmuckelemente der Musterfassade für das Stadtschloss liegen schon an der Baustelle bereit. Am 21. Juni 2012 begannen die Bauarbeiten mit dem Ausheben der Baugrube.

Auf dem Schlossplatz stand, neben einem großen Parkplatz ...

... von 1976 bis zu seinem Abriss in den Jahren 2006 bis 2008 der "Palast der Republik".

Wo "Erichs Lampenladen", wie einige das Bauwerk wegen seiner vielen Lampen im Inneren nannten, stand, ...

... ist heute eine Wiese. Das Haus war asbestbelastet. Ob das der einzige "belastende" Grund war, sei dahingestellt, ...

... tagte dort doch auch die Volkskammer der DDR. Hier begrüßen die Abgeordneten am 23. August 1990 mit Applaus den Beschluss über den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland zum 3. Oktober 1990.

Allerdings war der Palast mit seinen Restaurants und Konzertsälen auch ein Besuchermagnet. (Im Oktober 1983 etwa trat Udo Lindenberg hier auf.)

Auch am Weg vom Alex zum Brandenburger Tor und weithin sichtbar: der Berliner Fernsehturm.

Das mit 368 Metern höchste Bauwerk Deutschlands ...

... steht an der westlichen Seite des Alexanderplatzes, jenseits des Bahnhofs - also gar nicht direkt auf dem Alexanderplatz, wie oft irrtümlich angenommen.

In der Turm-Kugel befinden sich eine Aussichtsplattform und ein Restaurant.

Der Fernsehturm ist einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins, sogar ganz Deutschlands, und hat ...

... jedes Jahr weit mehr als eine Million Besucher. Sogar ganz berühmte: Königin Beatrix der Niederlande etwa warf im April 2011 einen Blick von hier oben auf die Stadt.

Dem Fernsehturm gegenüber auf der Ostseite des Alexanderplatzes steht das Park Inn Hotel, das zu DDR-Zeiten "Hotel Stadt Berlin" hieß.

Es hat auf 153 Metern Höhe eine Sonnenterrasse, die einen weiten Blick über die Stadt bietet. (Freilich nicht zu vergleichen mit dem Blick vom Fernsehturm.)

Ebenfalls in luftiger Höhe, nämlich bei 127 Metern, kann man hier im Casino Berlin sein Geld verspielen.

Zurück auf dem Boden, hält der Alex eine weitere Sehenswürdigkeit bereit: die Weltzeituhr. Der Metallbauer Hans-Joachim Kunsch fertigte ihr Äußeres nach dem Entwurf eines Industriedesigners.

Im September 1969 wurde die Urania-Weltzeituhr, wie sie offiziell heißt, eingeweiht. Sie zeigt die 24 Zeitzonen sowie die Namen und Uhrzeiten von 148 Städten. 1997 wurde die "Rendezvous"-Uhr generalüberholt.

Sie ist ein beliebter Treffpunkt - und zeigt auch immer gleich an, ob man zu spät dran ist.

Direkt neben der Weltzeituhr stehen zwei beeindruckende Gebäude: das Berolinahaus ...

... und das Alexanderhaus (links). Sie entstanden 1930-32 nach Plänen des berühmten Architekten Peter Behrens ...

... und wurden 2005/06 nach jahrelangem Leerstand saniert. Die achtgeschossigen Skelettbauten waren als eine Art Tor vom Stadtzentrum zum Berliner Osten gedacht.

Richtung Südosten nimmt vom Alex die einstige Prachtstraße der DDR, die Karl-Marx-Allee, ihren Anfang.

Früher hieß sie Stalin-Allee. Ihre Bauten im "Zuckerbäcker"-Stil stehen heute unter Denkmalschutz. Eine Bürgerinitiative will die Karl-Marx-Allee sogar zum Unesco-Weltkulturerbe erklären lassen - als herausragendes Beispiel für die Architektur und den Städtebau im Ostblock zur Zeit des Kalten Krieges.

An ihrem Anfang am Alex stehen Gebäude aus DDR-Zeiten wie das Haus des Lehrers (links) mit dem Bauchbinden-Mosaik von Walter Womacka ...

... oder die kleine Kongresshalle. Beide sind 2002/03 saniert worden. Der gesamte Gebäudekomplex von 1964 steht unter Denkmalschutz.

In der Kongresshalle ist seit 2003 das Berliner Congress Center (BCC) beheimatet. (Treppenhaus im BCC)

In Richtung Norden, ...

... über die Karl-Liebknecht-Straße ...

... kommt man in den ehemaligen Arbeiter- und Szenebezirk Prenzlauer Berg mit vielen Gründerzeitbauten, ...

... der mittlerweile eher durch Kinderreichtum als durch Szene-Clubs geprägt wird. Und Arbeiter leben hier auch nicht mehr so viele.

Auch der Alex hat sich gewandelt, ist schon lange nicht mehr so wie zu Zeiten von Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" aus dem Jahr 1929, der 1931 von Regisseur Piel Jutzi mit Heinrich George in der Hauptrolle ...

... und von Rainer Werner Fassbinder (r) 1979/80 verfilmt wurde - hier mit Günter Lamprecht als Franz Biberkopf (l).

Er ist moderner und offener geworden. Wie weltoffen Berlin ist, ...

... zeigt sich auch am Alexanderplatz: Da bekommt man schon mal kostenlose Umarmungen von Wildfremden angeboten.

Dessousmarken werben weithin sichtbar für ihre Produkte, ...

... diverse Sponsoren werben ...

... und veranstalten hier Beachvolleyball-Turniere.

Aber nicht nur publikumswirksamen Werbeaktionen dient der Alex als Bühne, ....

... auch demonstriert wird hier gern und oft.

Manchmal für etwas - wie bei der Hanfparade für die Legalisierung von Cannabis, ...

... meistens aber in Form von Protestdemonstrationen ...

... gegen etwas.

Oder beides in einem: gegen "Auto-Ungeheuer", für mehr Sicherheit im Straßenverkehr vor allem für Kinder.

Es demonstrieren Linke ...

... und leider auch Rechte auf dem Alex.

Gegen die braune Gesinnung ziehen die Berliner vereint auf den Platz.

Der zentrale Platz im Herzen der Stadt ist natürlich auch Verkehrsknotenpunkt.

Mehr als 150.000 Menschen steigen hier täglich ein oder um.

Der S-Bahnhof Alexanderplatz wurde nach dem Mauerfall umgebaut und neu gestaltet. Nun halten hier ...

... außer den S-Bahnen auch wieder Regionalzüge und u.a. die U-Bahn-Linie 8, ...

... die vor der Wende den Osten nur hinter zugemauerten Eingängen unterquerte.

Seit den 1960er-Jahren ist der gesamte Platz den Fußgängern vorbehalten. Täglich besuchen ihn mehr als 360.000 Menschen.

Erst seit Dezember 1998 wird der Alex wieder ...

... von Straßenbahnen befahren. Der Autoverkehr wird nach wie vor über mehrspurige Straßen um den Platz herumgeführt. (Tram-Oldtimer bei der Eröffnung der Strecke am 18.12.1998)

Seit 2007 führt eine zweite Straßenbahn-Trasse über den Alex.

In den letzten Jahren kam der Alexanderplatz leider auch in die Negativschlagzeilen: ...

... Im Jahr 2012 wurde der junge Berliner Jonny K. hier zu Tode geprügelt.

Und am 24. August 2014, einem Sonntag, wurde ein 30-Jähriger am helllichten Tag auf einer Straße nahe des Bahnhofs niedergestochen und starb.

Seitdem ist die Diskussion um die Gewalt am Alexanderplatz neu aufgeflammt. Nach dem Tod von Jonny K. hatte die Polizei bereits eine mobile Wache eingerichtet und fährt mit einem "Direktionskommando" rings um den Platz, um den Leuten ein Gefühl von Sicherheit zu geben.

Nicht zuletzt wegen der zentralen Lage und der sehr guten Verkehrsanbindung siedelten sich ...

.. von Anbeginn Behörden, Ministerien und Unternehmen rings um den Platz an.

Auch die Redaktion von n-tv.de hat hier ihr Domizil.

Zudem wird der Alexanderplatz mehr und mehr zu einem Einkaufszentrum.

Jahrzehntelang dominierte das ehemalige Centrum-Warenhaus mit 70er-Jahre-DDR-Charme (1967-70 erbaut) den Platz. Nach Mauerfall übernahm es die Metro AG, die hier eine Galeria-Kaufhof-Filiale eröffnete.

Sie wurde ab Juni 2004 modernisiert - nicht nur innen, ...

... sondern auch außen. Eine Travertin-Natursteinverkleidung ersetzte die ursprüngliche Wabenfassade.

Aber seine Monopolstellung am Platz ist lange vorbei: Auf und am Alexanderplatz ...

... entsteht ein "Einkaufsparadies" nach dem nächsten. Im Herbst 2007 eröffnete das "Alexa", ...

... im März 2009 das Einkaufszentrum "Die Mitte".

Und dabei wird es nicht bleiben, denn wie gesagt: So richtig fertig wird der Alexanderplatz wohl nie. (Text: Andrea Beu)

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