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Samstag, 25. Juli 2015

Das Ende eines Mythos: Der Absturz der Concorde

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Der Feuerball über Gonesse kündete einen der tragischsten Momente in Frankreichs Luftfahrtgeschichte an: Die Concorde ist noch keine Minute in der Luft, da steht sie schon in Flammen. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Feuerball über Gonesse kündete einen der tragischsten Momente in Frankreichs Luftfahrtgeschichte an: Die Concorde ist noch keine Minute in der Luft, da steht sie schon in Flammen.

Der Feuerball über Gonesse kündete einen der tragischsten Momente in Frankreichs Luftfahrtgeschichte an: Die Concorde ist noch keine Minute in der Luft, da steht sie schon in Flammen.

"Flug 4590", funkt der entsetzte Lotse am Pariser Flughafen Charles de Gaulle die Besatzung des Überschallflugzeugs an: "Sie haben starke Flammen hinter sich."

Vierzig Sekunden später, am 25. Juli 2000 um 16 Uhr, 44 Minuten und 5 Sekunden, meldet der Lotse über Funk: "Die Concorde ist in der Nähe von Le Bourget abgestürzt."

Insgesamt kommen 113 Menschen bei der Katastrophe ums Leben, unter ihnen vier Menschen, die sich in einem Hotel in der Nähe des Flughafens aufhielten.

An Bord der Air-France-Maschine waren auch 97 Deutsche. Sie wollten von Paris nach New York und von dort zu einer Kreuzfahrt in die Karibik weiterreisen.

Dutzende Feuerwehrautos und Rettungswagen rasen zum Absturzort - vor dem brennenden Trümmerhaufen in der Ortschaft Gonesse stehen die Notärzte dann aber still.

Kein Wrackteil ist in der Trümmermasse auszumachen, kein Mauerstück, kein Sitz, kein Gurt.

Die Rettungskräfte stehen vor einer gleichförmigen, brennenden Masse aus Beton und Metall.

Zwölf Jahre streiten Air France und die US-Fluggesellschaft Continental darum, wer die Schuld an der Katastrophe trägt.

Experten ermitteln den Hergang der Tragödie folgendermaßen: Ein Mechaniker montierte an einer Continental-Maschine eine Titan-Lamelle schlampig.

Beim Start des Flugzeugs fiel das etwa 40 Zentimeter lange Metallstück ab und blieb auf der Rollbahn liegen.

Die nachfolgende Concorde fuhr über das Teil, ein Reifen platzte.

Gummibrocken flogen durch die Luft und zertrümmerten den Kerosin-Tank. Das Flugzeug fing Feuer.

Obwohl Continental behauptet, dass die Concorde schon gebrannt habe, bevor sie das Metall-Teil überrollte, wird die US-Fluggesellschaft Ende 2010 in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu 200.000 Euro Geldstrafe und ihr fehlerhaft montierender ehemaliger Mechaniker zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Zwei Jahre später revidiert die französische Justiz ihr Urteil und spricht Continental Airlines und den Mechaniker frei. Ein Berufungsgericht in Versailles spricht der Fluggesellschaft aber eine zivilrechtliche Verantwortung zu. Continental muss Air France eine Million Euro Schadenersatz zahlen.

Für die Hinterbliebenen der deutschen Absturzopfer hat das Urteil zumindest finanziell keine Bedeutung mehr. Die Versicherungen von Air France hatten die Angehörigen im Jahr nach der Katastrophe entschädigt.

Die Rede war von einer Gesamtsumme von mehr als hundert Millionen Euro für rund 650 Hinterbliebene.

Die Katastrophe von Paris läutete das Ende für die Concorde ein, die 27 Jahre lang zwischen Europa und New York hin- und hergeflogen war.

Mit einer Geschwindigkeit von 2200 km/h - doppelter Schallgeschwindigkeit - hatte das preisgekrönte Designerflugzeug von Paris beziehungsweise London nach New York etwa drei bis dreieinhalb Stunden gebraucht.

Stars wie Boris Becker, Paul McCartney oder Claudia Schiffer nutzten den Überschallflieger.

Margaret Thatcher fühlte sich an Bord genauso wohl wie die britische Königin Elizabeth II. oder Papst Johannes Paul II.

Zwar wurde der Linienbetrieb Ende 2001 wieder aufgenommen.

Doch die Concorde hatte ihren guten Ruf verloren.

Zudem verbrauchte der in den 1960er-Jahren entwickelte "fliegende Bleistift" enorm viel Treibstoff.

Air France musterte seine Maschinen im Frühjahr 2003 aus, British Airways stellte den Betrieb im Herbst desselben Jahres ein.

Heute stehen die meisten alten Überschallflieger auf französischen und britischen Flughäfen herum, ...

... eines auch im baden-württembergischen Sinsheim - Symbol eines Fortschrittsglaubens aus einer anderen Zeit.

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