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Ekelalarm in Shanghai: Der Fluss der toten Schweine

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Einen Tierkadaver nach dem anderen ziehen die Einsatzkräfte aus dem Wasser des Flusses Huangpu. Über 8000 Schweine, die eigentlich für den Fleischtopf bestimmt waren, wurden in rund einer Woche aus dem Fluss geborgen, der mitten durch die Millionenmetropole Shanghai führt. (Foto: REUTERS)

Einen Tierkadaver nach dem anderen ziehen die Einsatzkräfte aus dem Wasser des Flusses Huangpu. Über 8000 Schweine, die eigentlich für den Fleischtopf bestimmt waren, wurden in rund einer Woche aus dem Fluss geborgen, der mitten durch die Millionenmetropole Shanghai führt.

Einen Tierkadaver nach dem anderen ziehen die Einsatzkräfte aus dem Wasser des Flusses Huangpu. Über 8000 Schweine, die eigentlich für den Fleischtopf bestimmt waren, wurden in rund einer Woche aus dem Fluss geborgen, der mitten durch die Millionenmetropole Shanghai führt.

Die Ekelbilder von den aufgequollenen Tierkörpern treffen Chinas Verbraucher empfindlich, denn kein Fleischprodukt ist im Riesenreich beliebter als Schwein. Dem Land droht der nächste Lebensmittelskandal - und diesmal geht es alle an.

Woher die Ferkel und ausgewachsenen Schweine im Huangpu-Fluss stammen, ist noch immer ungeklärt. Die Regierung von Shanghai beschuldigt die Viehzüchter in und um Jiaxing in der stromaufwärts gelegenen Provinz Zhejiang.

Nach Angaben der dortigen Provinzregierung kommen die toten Tiere aber aus einem einzigen Betrieb.

Shanghai kontrolliert jetzt verstärkt Handel und Märkte, um zu verhindern, dass Fleisch von erkrankten Tieren auf den Tellern der 23 Millionen Einwohnern der Wirtschaftsmetropole landet. Das Grundwasser in Shanghai, das sich zu 20 Prozent aus dem Huangpu speist, ist offiziellen Angaben zufolge unbelastet.

Die Bauern im Ort Zhulin, einer Schweinezucht-Hochburg in Jiaxing, beteuern ihre Unschuld. "Die Regierung ist sehr streng, wir müssen unsere Schweine impfen. Kranke Tiere dürfen nicht verkauft werden", sagt die 57-jährige Pan Juying, während sie frisch geschnittenes Gras an ihre acht Schweine verfüttert.

Auch die Entsorgung toter Tiere ist geregelt, doch: Wie strikt die Regeln eingehalten werden, lässt sich in der Nähe beobachten. Ein blutiger Ferkelkadaver liegt dort am Straßenrand, kaum hundert Meter von einem Wasserlauf entfernt.

Der Tiermediziner Wang Wei vermutet hinter dem Strom des Ekels eine größere Zuchtanlage, wo sich Krankheiten schnell verbreiten können. Im vergangenen Februar seien rund ums chinesische Neujahr viele Schweine aus ungeklärter Ursache verendet, sagt Wang, der für den Tierpharma-Produzenten Hengyuan Company arbeitet.

In Chinas Städten ist der jährliche Fleischkonsum dank des wachsenden Wohlstands auf mehr als 20 Kilogramm pro Person gestiegen.

Mehr als 60 Prozent der chinesischen Fleischproduktion stammt von Schweinen. In der vergangenen Woche teilten die Behörden in Wenling, ebenfalls in der Provinz Zhejiang, mit, dass 46 Menschen zu bis zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden seien.

Sie waren für schuldig befunden worden, das Fleisch von über tausend kranken Schweinen in den Lebensmittelhandel gebracht zu haben.

Spätestens seit fünf Jahren hegen Chinas Verbraucher schwere Zweifel an der Lebensmittelsicherheit im eigenen Land. Im Jahr 2008 waren sechs Kinder gestorben und rund 300.000 erkrankt, weil Trockenmilchpulver mit der Chemikalie Melanin vermischt war.

Hinzu kommen wiederholte Skandale um Kochöl, das aus benutztem Öl von Großküchen recycelt worden war.

Ein extrem hoher Antibiotika-Wert im Hähnchenfleisch der Imbisskette KFC machte den exzessiven Pharmaeinsatz auf Chinas Farmen öffentlich.

Chinas Viehzüchter seien wegen der vielen kleinen Farmen nur "schwer zu regulieren und zu beaufsichtigen", sagt Zhu Yi, Professorin an der Agrar-Hochschule. "Lebensmittelsicherheit braucht beständige Anstrengungen." Mit einem Handstreich sei nicht alles in Ordnung zu bringen, sagt Zhu.

Dennoch seien in China die Standards "zu niedrig" und die Viehzucht "zu brutal".

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