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Leni Riefenstahl, Filmemacherin der Nazis: Der Triumph der Propagandistin

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Für viele war sie die Propagandistin des Bösen, ... (Foto: picture alliance / dpa)

Für viele war sie die Propagandistin des Bösen, ...

Für viele war sie die Propagandistin des Bösen, ...

... für andere eine Ausnahmeerscheinung, die das "Time"- Magazine als einzige Frau zu den "100 einflussreichsten und beeindruckendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts" kürte: ...

... die Filmemacherin und Fotografin Leni Riefenstahl.

Auch zehn Jahre nach ihrem Tod am 8. September 2003 bleibt sie umstritten und ein Symbol für die Verführbarkeit von Künstlern durch die politische Macht.

Leni Riefenstahl legte einen langen Weg zurück.1902 wird sie als Tochter eines Installateurs im Berliner Bezirk Wedding geboren, mit 21 Jahren beginnt sie eine Karriere als Tänzerin.

Kein Jahr später ist der Bühnentraum geplatzt, nach einem Unfall arbeitet sie als Schauspielerin vor allem in Berg- und Abenteuerfilmen.

Die Arbeit vor der Kamera reicht der ehrgeizigen Berlinerin (r., neben Marlene Dietrich und Anna-May Wong, 1928) nicht:

Schon bald schreibt sie auch Drehbücher und interessiert sich für Filmtechnik.

Bereits mit ihrem Regiedebüt "Das blaue Licht" gelingt ihr 1932 der Durchbruch.

Ihm verdankt sie unter anderem einen treuen Anhänger, der in den folgenden Jahren ihre Karriere entscheidend bestimmen wird: Adolf Hitler.

Sie selbst zeigt sich ebenfalls früh fasziniert von Hitler. Dessen Werk "Mein Kampf", bekennt sie 1934, habe auf sie einen "enormen Eindruck" gemacht.

"Ich wurde ein überzeugter Nationalsozialist, nachdem ich die erste Seite gelesen hatte."

Schnell verbindet die beiden eine enges Band.

Hitler bewundert Riefenstahl, als eine der wenigen Frauen genießt sie seine Achtung. Sogar private Probleme vertraut Hitler ihr offenbar an.

Entgegen anderslautenden Gerüchten soll sie allerdings nie seine Geliebte gewesen sein.

Schon bei der ersten privaten Begegnung mit Riefenstahl kündigt Hitler im Mai 1932 an: "Wenn wir an der Macht sind, müssen Sie unsere Filme machen."

Wenig später ist es so weit.

1933 bis 1935 dreht Riefenstahl drei Filme über die Reichsparteitage in Nürnberg:

"Sieg des Glaubens", "Triumph des Willens", "Tag der Freiheit – unsere Wehrmacht".

Es werden Huldigungen an den Nationalsozialismus, ...

... Hitler wird zum übergroßen Führer stilisiert, ...

... dem sich die Massen entgegenstrecken.

1934 arbeitet Riefenstahl mit 170 Menschen an dem Propagandawerk, ...

... das sich durch viele innovative und suggestive Montagetechniken auszeichnet.

Der Erfolg ist ihr gewiss.

Bei der Premiere von "Triumph des Willens" im Berliner Ufa-Palast ist Hitler persönlich anwesend.

Riefenstahl erhält den Deutschen Staatspreis für das Werk.

Auch bei der Biennale in Venedig wird sie 1935 mit dem Preis für den besten ausländischen Dokumentarfilm ausgezeichnet und in Paris mit der Goldmedaille bei der Weltfachaustellung in Paris 1937.

Nach den Reichstagsfilmen folgt eine weitere gigantische Auftragsarbeit:

Riefenstahl soll die XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin filmen.

Wieder verfügt sie über ein Filmteam von 170 Mitarbeitern, mit dem sie viele technische Neuerungen wie Unterwasser- und Schienenkameras entwickelt.

Auch aus Heißluftballons und einem Zeppelin macht die Crew Aufnahmen und produziert eine Unmenge an Material: rund 400.000 Meter Film.

Allein die Sichtung dauert mehr als zwei Monate.

Nach rund anderthalb Jahren - viel zu lang für Propagandaminister Joseph Goebbels, dem sie offenbar in herzlicher Abneigung verbunden war - kann Riefenstahl an Hitlers Geburtstag im April 1938 zwei Filme präsentieren:

"Fest der Völker" und "Fest der Schönheit".

Die Feste sind vor allem eine Hommage an den Körper, an die Kraft und Eleganz makelloser Jugend.

Und sie dienen der Propaganda des "Dritten Reiches", ...

... das sich mit den Olympischen Spielen als weltoffen und friedliebend zu präsentieren sucht.

Dessen ungeachtet werden Riefenstahls Olympiafilme ein weltweiter Erfolg:

Bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig erhält sie die Goldmedaille, 1956 kürt eine Hollywood-Jury ihren Olympiafilm zu einem der zehn besten Filme der Welt.

Hollywood-Regisseur George Lucas findet überschwängliche Worte:

Riefenstahl sei die "modernste Filmemacherin überhaupt".

Auf Hitlers ausdrücklichen Befehl hin dreht Riefenstahl auch an der polnischen Front.

Der "Sonderfilmtrupp Riefenstahl" macht sich wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit Mercedes-Limousinen, einem Tonfilmwagen und Fanatasieuniformen mit Gasmasken und Taschenpistolen auf den Weg, ...

... um den Polenfeldzug und "den Führer an der Front" abzulichten.

Dabei wird Riefenstahl offenbar auch Zeugin eines der ersten Kriegsverbrechen, als am 12. September deutsche Soldaten in Konskie viele polnische Juden töten. Ein Soldat hält ihr Entsetzen auf einem Foto fest und beschriftet dieses später: "Leni Riefenstahl fällt beim Anblick der toten Juden in Ohnmacht."

Riefenstahl selbst hält allerdings bis zum Ende ihres Lebens an der Version fest, sie habe Schüsse "nur in der Ferne" gehört.

"Weder ich noch meine Mitarbeiter haben etwas gesehen!"

Ihre Begeisterung für den Nationalsozialismus und Adolf Hitler bleiben ungetrübt.

Nach der Besetzung von Paris telegrafiert Reifenstahl im Juni 1940 ins Führerhauptquartier:

"Mit unbeschreiblicher Freude, tief bewegt und erfüllt mit heissem Dank, erleben wir mit Ihnen mein Führer, Ihren und Deutschlands größten Sieg, den Einzug Deutscher Truppen in Paris. ...

... Mehr als jede Vorstellungskraft menschlicher Fantasie vollbringen Sie Taten, die ohnegleichen in der Geschichte der Menschheit sind. ...

Wie sollen wir Ihnen nur danken? Glückwünsche auszusprechen, das ist viel zu wenig, um Ihnen die Gefühle auszusprechen, die mich bewegen."

So sehr diese überschäumenden Gefühle Riefenstahl in Zeiten des Nationalsozialismus zu Ruhm und Ehre verhelfen - ...

... als Europa nach dem Krieg in Trümmern liegt, sind sie ihrer Karriere alles andere als förderlich.

Die Nähe zu Hitler klebt als Makel an ihr, ...

... auch wenn sie noch so oft beteuert, dass sie vor allem Künstlerin gewesen sei, der es um Ästhetik und nicht um Ideologie gegangen sei.

Seit dem Krieg, klagt Riefenstahl, sehe man ihre Filme mit einer politischen Brille:

"Ich wurde gleichgestellt mit den bösen Nazi-Sachen. ...

... Darunter habe ich schrecklich gelitten", so Riefenstahl. "Ich war verurteilt, ich war verdammt."

Mehrfach steht sie vor Gericht.

1948 wird sie angeklagt, Zwangsarbeiter in ihrem Film "Tiefland" nicht entlohnt zu haben.

Auch wegen Propaganda für die Nationalsozialisten muss sie sich verantworten, wird allerdings in vier Spruchkammerverfahren entnazifiziert und als "Mitläufer" eingestuft.

An ihre Filmerfolge in der Nazizeit kann sie im Nachkriegsdeutschland nicht mehr anknüpfen, sie arbeitet nun vor allem als Fotografin.

Besonders erfolgreich und mehrfach ausgezeichnet wird sie dabei mit Fotostrecken über die Nuba, einem sudanesischen Ureinwohnerstamm.

Sie erlernt eigens deren Sprache und lebt Wochen unter ihnen, ihre Fotos erscheinen später in Magazinen wie "Life" und "Stern".

Außerdem gibt sie mehrere gefeierte Bildbände heraus.

Ein weitere Leidenschaft von ihr wird das Meer: Noch mit 72 Jahren erwirbt sie - nachdem sie sich als viel jünger ausgegeben hat - einen Tauchschein und arbeitet als Unterwasser-Fotografin.

Mehr als 2000 Tauchgänge absolviert sie in den folgenden Jahren, noch im Alter von 94 Jahren fotografiert sie Haie vor Costa Rica.

Für ihre Fotografie, die sie mit ähnlicher Akribie verfolgt wie die Filmemacherei, bleibt der Lohn schließlich nicht aus:

Der Art Directors Club Deutschland prämiert eine Fotostrecke 1975 als "beste fotografische Leistung des Jahres" mit der Goldmedaille, in ihren letzten Jahren werden ihre Werke vermehrt in Ausstellungen gezeigt.

Die USA zeichnen sie 1997 für ihr Lebenswerk aus, ihren 100. Geburtstag feiert sie umringt von vielen Stars.

Rund ein Jahr später, am 8. September 2003, stirbt Leni Riefenstahl, ...

... Deutschlands umstrittenste Künstlerin.

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