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Rettungsversuche offenbar aussichtslos: Fukushima droht nukleares Desaster

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Was genau im Innern der Atomanlage von Fukushima 1 vorgeht, weiß niemand. (Foto: Reuters)

Was genau im Innern der Atomanlage von Fukushima 1 vorgeht, weiß niemand.

Was genau im Innern der Atomanlage von Fukushima 1 vorgeht, weiß niemand.

Nur wenige Techniker sind verblieben. Sie versuchen zu verhindern, was nicht mehr aufzuhalten scheint: die Kernschmelze in den vier betroffenen Reaktoren und damit ein nukleares Desaster.

Alle Bemühungen der japanischen Atomenergiebehörde und der Betreiberfirma des AKW Fukushima 1 scheinen aussichtslos.

Mittels Wassertankwagen oder Wasserwerfern soll derzeit das Abklingbecken von Reaktor 4 aufgefüllt werden. Damit soll verhindert werden, dass die in dem Becken gelagerten gebrauchten Brennstäbe überhitzen.

Auch das Wasser im Abklingbecken von Reaktor 3 beginnt sich zu erhitzen. Zuletzt war der Versuch gescheitert, den gefährlichsten der insgesamt sechs Reaktoren von Fukshima 1 aus der Luft zu kühlen - als einziger enthält er auch hochradioaktives Plutonium.

Fukushima 1, auch Fukushima Daiichi, ist mit seinen sechs Siedewasserreaktoren eine der größten Atomanlagen Japans.

Vier von insgesamt sechs Blöcken des Atomkraftwerks geben Anlass zu großer Sorge. Die Chronologie der Ereignisse: …

… Am 11. März bebt die Erde in Japan. Das Beben mit einer Stärke von 9,0 führt dazu, dass das Kraftwerk Fukushima 1 automatisch abgeschaltet wird.

In Betrieb sind zu diesem Zeitpunkt die Blöcke 1-3, während die Blöcke 4-6 wegen Wartungsarbeiten heruntergefahren sind.

Laut Betreiberfirma Tepco starten daraufhin zwar die Notstromdieselaggregate, werden jedoch von der kurze Zeit später über Japan hereinbrechenden Tsunamiwelle gestoppt.

Mobile Generatoren können nicht zum Einsatz gebracht werden, vermutlich, weil Kabel fehlen und Zufahrtswege zum Kraftwerk versperrt sind.

Die Kühlung der Reaktoren ist nicht mehr ausreichend. Der atomare Notstand wird ausgerufen, die Anwohner in einem Umkreis von zunächst drei, später zehn Kilometern sollen sich in Sicherheit bringen.

Am Tag nach dem Beben ist das Kühlwasser in Reaktorblock 1 nicht mehr ausreichend, Teile der Brennstäbe ragen aus dem Wasser. Druck wird in den Sicherheitsbehälter abgelassen. Aus diesem wird schließlich Dampf nach draußen geleitet.

Am 12. März kommt es zu einer Explosion, vermutlich durch eine Verpuffung von Wasserstoff zwischen Reaktorkern und Außenhülle, bei der der obere Teil der Anlage weggesprengt wird.

Um den Reaktor zu kühlen, wird mit Borsäure versetztes Meerwasser eingeleitet. Das Bor soll die bei einer Kettenreaktion freiwerdenden Neutronen binden, um einen sich im Inneren möglicherweise selbst erhaltenden Brennvorgang zu stoppen.

Der Evakuierungsradius für die Region wird von 10 auf 20 Kilometer ausgeweitet. Der Vorfall wird von den japanischen Behörden als INES-Stufe 4 eingestuft. INES ist die internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse. Zum Vergleich: Tschernobyl wurde mit der höchsten Stufe 7 als katastrophaler Unfall bewertet.

Zwei Tage nach dem Beben und einen Tag nach der Explosion in Reaktorblock 1 versagt am 13. März in Reaktorblock 3 die Notkühlung. Tepco öffnet die Drucksicherheitsventile, um Dampf abzulassen. Daraufhin wird der Reaktordruckbehälter ebenfalls mit einer Bor-Meerwasser-Lösung geflutet.

Eine Kernschmelze für Block 3 kann nicht ausgeschlossen werden. Das Erschreckende: In Block 3 werden seit einigen Monaten MOX-Brennelemente verwendet, die neben Urandioxid auch hochradioaktives Plutoniumdioxid enthalten.

Sollte dieses ins Grundwasser gelangen, wäre die Katastrophe noch bedeutend größer als mit der reinen Strahlenauswirkung, befürchten Experten. Am 14. März ereignet sich in Block 3 eine Explosion, vermutlich von Wasserstoff.

Ebenfalls am 14. März fällt das Kühlsystem im Reaktordruckbehälter von Block 2 aus. Es kommt zu einem nahezu vollständigen Verlust des Kühlwassers im Reaktor. Es wird versucht, Meerwasser zuzuführen. Der Versuch schlägt fehl. Die Gefahr einer Kernschmelze ist hoch.

Am 15. März kommt es in Block 2 auch zu einer Explosion. Was bei den vorherigen Explosionen immer bestritten wurde, wird diesmal eingeräumt: Druckbehälter um den Reaktorkern könnte beschädigt worden sein. Mitarbeiter werden evakuiert.

Ebenfalls am 15. März bricht in Reaktor 4 nach einer Wasserstoffexplosion ein Feuer aus, das jedoch schnell gelöscht wird.

Die Lage wird immer undurchsichtiger, denn in der Wand von Reaktor 4 klaffen zwei acht Quadratmeter große Löcher. Laut eines Regierungssprechers lagern in Reaktor 4 verbrauchte Brennelemente.

Die französische Kontrollbehörde für Nuklearsicherheit stuft die Unfallserie in Fukushima entgegen den Angaben der japanischen Behörden als schweren Unfall mit der INES-Stufe 6 ein. Dieser Einschätzung folgt wenig später ein unabhängiges US-Forschungsinstitut.

Auch für die heruntergefahrenen und bisher unbeschädigten Reaktoren 5 und 6 befürchtet Tepco Probleme. Nach weiteren Explosionen soll das Dach von Reaktor 4 eingebrochen sein. Arbeiter werden vermisst.

Im Reaktor 4 bricht erneut Feuer aus. Unterdessen geht Tepco davon aus, dass die überhitzten Brennstäbe in den Reaktoren 1 und 2 stark beschädigt sind. Aus der Luft soll Borsäure auf Reaktor 4 geprüht werden.

Am 16. März steigt über dem besonders gefährlichen Reaktor 3 erneut Rauch auf. Die Strahlung um das Kraftwerk erreicht neue Rekordmarken. Die verbliebenen Helfer brechen deshalb ihre Arbeit in Reaktor 3 ab.

Tepco versucht, eine Straße zum Reaktor 4 zu bauen, um der Feuerwehr die Zufahrt zu ermöglichen. In Reaktor 2 fällt der Druck, die Temperaturen stabilisieren sich. Reaktor 4 und vor allem Reaktor 3 bleiben hochgefährlich.

Mittels Helikoptern soll Wasser zur Kühlung über Reaktor 3 abgeworfen werden. Der Einsatz wird jedoch abgebrochen. Die Situation scheint aussichtslos.

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