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Spektakuläre Blicke aus einem ungewöhnlichen Bau: "The Shard" gewährt Einlass

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London feiert wieder mal eine spektakuläre Eröffnung. (Foto: dpa)

London feiert wieder mal eine spektakuläre Eröffnung.

London feiert wieder mal eine spektakuläre Eröffnung.

Zwar war der Wolkenkratzer "The Shard" (deutsch: die Scherbe), so genannt wegen seiner Form, die an eine gezackte Glasscherbe erinnert, …

… schon am 5. Juli 2012 fertig und dieses Ereignis wurde auch ...

... damals schon mit großer Lasershow und allem Tamtam gefeiert, aber ...

... man konnte den 95-stöckigen Glasbau bislang nur von außen bewundern.

Seit dem 1. Februar 2013 ...

... kann man den Wolkenkratzer endlich auch betreten und eine seiner vielen Funktionen nutzen: die als Aussichtsturm.

Denn an diesem Tag wurden die drei Aussichtsetagen von "The Shard" eröffnet - im 68., 69. und 72. Stock.

Von ihnen hat man, je nach Wetterlage, eine exzellente Sicht über London.

Bis zu etwa 64 Kilometer weit soll sie reichen.

Die höchste der drei Aussichtsetagen befindet sich in 244 Metern Höhe.

Nicht ganz so hoch, bei etwa 236 Metern, gibt es sogar Toiletten ...

... und Pissoirs - was für ein besonderes Notdurft-Erlebnis! Die sind aber nur für besondere Gäste und für Notfälle gedacht - die normalen Besuchertoiletten befinden sich ganz profan im Erdgeschoss.

Insgesamt ist der Wolkenkratzer an der Themse knapp 310 Meter hoch.

Im Vergleich zum weltgrößten Gebäude, dem Burj Khalifa in Dubai mit seinen 828 Metern, ist "The Shard" damit zwar fast ein Zwerg, ...

... aber er überragt immerhin alle anderen Hochhäuser Westeuropas.

Bis Anfang November 2012 war er sogar das höchste Gebäude in ganz Europa - bis ihn der Mercury City Tower in Moskau (im Bild) mit seinen 339 Metern überholte.

Das andere ungewöhnliche Hochhaus an der Themse, der Swiss-Re-Tower, genannt "The Gherkin" (englisch für Essiggurke), ist übrigens 180 Meter hoch. Der Bau der Stararchitekten Lord Norman Foster und Ken Shuttleworth wurde bereits in den Jahren 2001 bis 2004 errichtet.

Baubeginn für die pyramidenförmige "Scherbe" mit ihren 11.000 Glasscheiben war im Jahr 2009. Das Hochhaus sollte ursprünglich "London Bridge Tower" heißen, ...

... bis Kritiker des "English Heritage" besorgt äußerten, es wäre wie "a shard of glass through the heart of historic London" - so kam die "Scherbe" zu ihrem Namen.

Architekt Renzo Piano, der den Bau entwarf, entgegnete, ...

... die schlanke, spitz zulaufende Form erinnere doch eher an einen Kirchturm und sei eine positive Ergänzung der Skyline Londons.

Auch Bürgermeister Boris Johnson ist dem Bau wohlgesonnen - für seine Stadt sei "Die Scherbe" mehr als nur ein Hochhaus: "Sie ist ein überragendes Symbol für Londons Entschlossenheit, die Rezession zu besiegen und das Wirtschaftswachstum anzutreiben."

Und da ist natürlich noch die Geschmacksfrage. Gelobt wird von denen, die begeistert sind, vor allem die glänzende Glasfassade, die trotz der Größe und Wucht des Gebäudes Leichtigkeit ausstrahlt.

Andere blasen in dasselbe Horn wie die Denkmalschützer von "English Heritage" und kritisieren, es passe absolut nicht in das Stadtbild, das bei der London Bridge vor allem von niedrigen, historischen Bauten bestimmt wird: "The Shard" sei zu hoch, zu futuristisch, zu teuer und stelle die historischen Monumente der Stadt in den Schatten.

Dem britischen Thronfolger Prinz Charles, für seine abneigende Haltung gegenüber moderner Architektur bekannt, ist die "Scherbe" ebenfalls ein Dorn im Auge. Er meint, "es sieht aus wie ein gigantischer Salzstreuer".

Der "Salzstreuer" aus Glas, Stahl und Beton besteht jedoch zu 95 Prozent aus recycelten Materialien - das dürfte den Umweltfreund Charles wiederum freuen.

Im ganzen Gebäude gibt es 44 Fahrstühle und 306 Treppen. Mit sechs Metern pro Sekunde schießen die Aufzüge in die Höhe. Untermalt wird die Fahrt von eigens dafür komponierter und vom London Symphony Orchestra eingespielter Musik. Im innen im edlen Design ausgestatteten Haus ...

... werden Luxuswohnungen, ein Fünf-Sterne-Hotel - das Shangri-La mit 200 Zimmern und Spa -, Restaurants, Ausstellungsräume, das Einkaufszentrum Shard Plaza und Büroräume untergebracht. In der 32. Etage zieht im Mai 2013 der deutsche Starkoch Rainer Becker mit seinem Edel-Grill "Oblix" ein.

Über dem Shard Plaza befindet sich ein 460 Quadratmeter großer Bereich mit Geschäften und direktem Zugang zur Wartehalle ...

... des Bahnhofs London Bridge, einem der Londoner Hauptbahnhöfe.

Vermarktet wird der Hochhausturm als "vertikale Stadt". Hinter der gläsernen Fassade, in den am höchsten gelegenen Wohnungen des Landes, sollen einmal rund 8000 Menschen leben. Die wenigen Edel-Wohnungen ...

... wechseln für zweistellige Millionenbeträge den Besitzer. Die Hälfte der Büroflächen ist aber noch immer nicht vermietet. Erst bis Ende 2014 solle das gelungen sein, so die Bauträger. "The Shard" bekommt die Flaute im Londoner Bankenviertel zu spüren, in dem in den vergangenen sechs Jahren 100.000 Arbeitsplätze abgebaut wurden.

High Society: Auf den oberen Etagen könnten reiche Finanzhaie symbolträchtig über der Armut der Stadt schweben, meinte der "Guardian" dazu spöttisch.

Für Ärger und Unverständnis sorgte auch die Tatsache, dass schon wieder das Emirat Katar als Hauptinvestor hinter dem Projekt steht, welches in London die Finger (und Geld) in so manchem Vorhaben hat. Allerdings stand der Bau auf finanziell wackligen Füßen und kurz vor dem Scheitern - katarische Investoren sprangen mit einer größeren Summe sichernd ein.

Zusammen mit der Entwicklung des Stadtteils rund um "The Shard" kostete das Projekt nach Angaben des Bauträgers stattliche 1,5 Milliarden Pfund (etwa 1,8 Milliarden Euro).

Bürgermeister Johnson (links, neben Architekt Piano) setzte bei der Eröffnung im Juli 2012 große Hoffnung in die "Scherbe": "Dieser glänzende Neuzugang für die Londoner Skyline wird ein riesiges Handelsmagnet werden, der massenweise neue Unternehmen anziehen und Arbeitsmöglichkeiten für Tausende Menschen bieten wird".

Dass der Spektakulärbau massenhaft Besucher anziehen wird, ist jetzt schon abzusehen - pro Jahr werden mehr als zwei Millionen Besucher erwartet; die ersten beiden Eröffnungstage waren lange vorher ausverkauft, Tausende Tickets schon im Voraus gebucht.

Und das trotz nicht gerade günstiger Eintrittspreise von 24,95 Pfund für Erwachsene (das sind etwa 29 Euro) und 18,95 Pfund für Kinder - die tolle Aussicht gibts nicht umsonst.

Es wird generell empfohlen, die Tickets im Voraus - am besten im Internet - zu buchen, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Geöffnet ist täglich ...

... von 9 bis 22 Uhr - man kann die Schönheit der britischen Hauptstadt ...

... also auch mal bei Sonnenuntergang bewundern.

Hauptsache, man erwischt keinen Nebeltag. Aber selbst das Wetter haben die Betreiber bedacht: Auch bei dem für London typischen Sprühnebel lohne der Besuch, versprechen sie, denn ...

... durch die aufgestellten Computer-Teleskope erscheine die Stadt auch an trüben Tagen im Sonnenlicht. Außerdem gibt es Dokumentarfilme über die Stadtgeschichte zu sehen. Wer sich den Eintritt leisten kann, wird also sicher nicht enttäuscht. (Text: Andrea Beu, mit dpa)

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