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Das Leben des neuen Papstes: Wie Franziskus wurde, wer er ist

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Auf den Straßen von Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, bricht spontaner Jubel aus. (Foto: dpa)

Auf den Straßen von Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, bricht spontaner Jubel aus.

Auf den Straßen von Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, bricht spontaner Jubel aus.

Menschen mit der blau-weißen Flagge des Landes strömen auf die Straßen. Dabei ist nicht etwa die Albiceleste - so wird die Fußballnationalmannschaft Argentiniens genannt - Weltmeister geworden.

Die Freude gilt einem anderen Landsmann, der schlagartig weltweite Bekanntheit erlangte: Jorge Mario Kardinal Bergoglio, bisher Erzbischof von Buenos Aires, ist der neue Papst.

Die Wahl seines Namens soll Bescheidenheit symbolisieren: Als erster Papst in der über 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche nennt sich ein Papst Franziskus. Er nimmt dabei Bezug auf den Heiligen Franz von Assisi (1181 oder 1182 bis 1226), ...

... den Begründer des Franziskaner-Ordens, deren zentrale Merkmale Armut, Arbeit und Seelsorge sind.

Dabei ist Bergoglio selbst nicht Franziskaner, sondern Jesuit. Dieser Orden, der auf Ignatius von Loyola (1491 bis 1556) zurückgeht, predigt ebenfalls Armut. Jesuiten haben den Ruf, pragmatische Kopfmenschen zu sein.

Die deutschen Jesuiten reagierten erfreut, aber auch "überrascht" auf die Wahl: "Normalerweise strebt kein Jesuit nach Ämtern und Würden in der Kirche. Er verweigert sich aber auch nicht, wenn er in den Dienst gerufen wird", heißt es auf der Webseite der deutschen Provinz der Jesuiten.

Noch ist die Druckerschwärze in den Gazetten, die die Botschaft verkünden, nicht getrocknet, da fragen sich die Katholiken: Wer ist eigentlich der Mann, der von nun an der Kirche vorsteht?

Als "Kardinal der Armen" wird Bergoglio bezeichnet, weil er als bescheidener und volksnaher Kirchenmann auch und vor allem die Belange seiner bedürftigen Schäfchen im Blick hat.

Der Titel "Kardinal Bergoglio" ist im unangenehm, er will viel lieber "Vater Jorge" genannt werden - ein Seelsorger also auf dem Stuhle Sankti Petri. Privilegien lehnt er ab. In Buenos Aires will er keine Limousine nebst Fahrer, Bergoglio fährt U-Bahn. Und auch eine prunkvolle Residenz, die ihm zustünde, schlägt er als Erzbischof aus. Seine einfachen Bedürfnisse beruhen auf einer Vergangenheit in einfachen Verhältnissen.

Jorge Mario Bergoglio kommt am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires zur Welt. Seine Eltern (im Bild) sind Einwanderer, Vater Mario stammt aus dem Norden Italiens. Auch seine Mutter Regina kommt aus der Alten Welt. Von ihr hat er seine Liebe fürs Kochen geerbt. Bis zuletzt soll er sich seine Mahlzeiten selbst hergestellt haben.

In diesem einfachen Wohnhaus verlebt Bergoglio seine ersten Jahre.

In seiner Kindheit wird Bergoglio von Krankheit geplagt. Seit einer Infektion fehlt ihm ein Lungenflügel. Das Bild zeigt die Kirche, in deren Kindergarten Bergoglio seine erste religiöse Prägung erfährt.

Dennoch schlägt Bergoglio zunächst einen weltlichen Weg ein. Er besucht eine Grundschule (im Bild links, mit Schulkameraden).

Erst nach absolvierter Ausbildung zum Chemietechniker an dieser Berufsschule in Buenos Aires entscheidet er sich für eine Kirchenkarriere.

Bergoglio besucht dieses Priesterseminar im Stadtteil Villa Devoto.

1969 wird er zum Priester geweiht und schließt sich der "Societas Jesu", dem Jesuitenorden an (Bild: 1973).

1973 wird er zum Provinzial des Ordens ernannt und führt ihn bis 1979 - in der Zeit, in der in Argentinien die Militärdiktatur beginnt.

1976 putscht sich General Jorge Rafael Videla an die Macht. Der geht in der Folgezeit mit eiserner Hand gegen Oppositionelle vor. Ungefähr 30.000 Menschen "verschwinden" - eine bis heute offen klaffende Wunde im nationalen argentinischen Gewissen.

Videla ist mittlerweile juristisch für seine Taten zur Verantwortung gezogen worden. Das Bundesgericht von Buenos Aires verurteilte ihn Anfang Juli 2012 zu 50 Jahren Haft. Doch viele Menschen, die Mitschuld tragen, sind bis heute nicht belangt worden.

Auch gegen Bergoglio sind Vorwürfe erhoben worden. Er soll eine zu große Nähe zur Junta gepflegt haben, der Entführung der Oppositionellen zu wenig entgegengesetzt haben. Konkrete Vorwürfe sind jedoch bis heute nicht bewiesen worden. Seine Anhänger stellen die Geschichte anders dar: Bergoglio habe vielen Dissidenten geholfen, den Schergen der Junta zu entkommen.

Bergoglios Aufstieg in der katholischen Kirche verhindern die Debatten über seine Vergangenheit nicht. Papst Johannes Paul II. ernennt ihn 1992 zum Weihbischof von Buenos Aires, 1998 wird er Erzbischof der Diözese.

Und es sollte noch weiter nach oben gehen für den Argentinier. Im Jahr 2005, nach dem Tod Johannes Paul II., geht er als einer der "papabile" ins Konklave.

Angeblich liefert er sich in den ersten drei Wahlgängen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Joseph Ratzinger, ehe er im vierten Wahlgang verzichtet.

Der Weg für Benedikt XVI. ist frei. Sein Rückzug sollte nicht zum Schaden des Jorge Mario Bergoglio sein.

In seiner Heimat erfreut sich Bergoglio großer und wachsender Beliebtheit.

In Buenos Aires leben große Teile der Menschen in Slums. Ihnen wendet sich Bergoglio besonders zu.

Auch wenn er solch extreme Armut selbst nicht erlebt hat: Er ist einer aus ihrer Mitte - ansprechbar und mitfühlend. Was seinem Vorgänger im Papstamt abging, bringt er mit: Franziskus ist eher Seelsorger als Theologe.

Durchaus weltliche Interessen pflegt Bergoglio offen. So ist er Fan des Fußballvereins CA San Lorenzo de Almagro - ein argentinischer Erstligaverein, der eher zu den Außenseitern gehört.

Seit März 2008 ist er Mitglied Nummer 88235N-0 des Klubs.

In der Kapelle des Vereins liest er Messen.

Die Jugendspieler des Vereins dürfen den Geistlichen in ihrer Mitte begrüßen.

Doch in seiner Heimat macht sich Bergoglio auch Feinde. Liberale Bestrebungen der Regierungen von Néstor Kirchner und später dessen Frau Cristina Fernández de Kirchner geißelt er als "Krieg gegen Gott" und "Manöver des Teufels". Gemeint sind die Zulassung der Homo-Ehe und Adoptionen für gleichgeschlechtliche Paare.

Und auch sonst sind recht konservative Ansichten von Bergoglio zu erwarten. Er steht fest zur vatikanischen Position, Abtreibungen nicht zuzulassen. Die Ordination von Frauen, Aufhebung des Zöllibats - solche Reformen werden mit Franziskus sicherlich nicht zu machen sein.

Dass sich die Kardinäle des Konklaves für Bergoglio entschieden haben, ist dennoch ein Zeichen der Öffnung. Seit Jahrhunderten ist es der erste Nicht-Europäer auf dem Stuhl Petri.

Mit Humor kommentiert das Bergoglio bei seinem ersten Auftritt auf der Loggia des Petersdoms. Ein Bischof Roms sei gesucht worden. Es sehe so aus, als seien seine Brüder - die übrigen Kardinäle - fast bis ans Ende der Welt gegangen, um einen geeigneten Mann zu finden. (Text: jog/rts)

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