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In Bugarach sind Sie sicher - vielleicht: Wo die Welt nicht untergeht

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Bis vor wenigen Jahren war Bugarach, eine kleine Gemeinde in der französischen Region Languedoc-Roussillon, ein verschlafener, ruhiger Ort. Hier sagten sich Fuchs und Hase gute Nacht (oder eben renard und lièvre bonne nuit) (Foto: REUTERS)

Bis vor wenigen Jahren war Bugarach, eine kleine Gemeinde in der französischen Region Languedoc-Roussillon, ein verschlafener, ruhiger Ort. Hier sagten sich Fuchs und Hase gute Nacht (oder eben renard und lièvre bonne nuit)

Bis vor wenigen Jahren war Bugarach, eine kleine Gemeinde in der französischen Region Languedoc-Roussillon, ein verschlafener, ruhiger Ort. Hier sagten sich Fuchs und Hase gute Nacht (oder eben renard und lièvre bonne nuit)

Bis eine Prophezeiung auftauchte, die besagt: Am 21. Dezember 2012 geht die Welt unter. Nur Bugarach und sein Berg, der Pic de Bugarach (hinten), werden überleben.

Weit verbreiteten Verschwörungstheorien zufolge wird am 21. Dezember 2012 die Erde mit einem Planeten namens Nibiru kollidieren und untergehen. Selbst die NASA fühlte sich schon bemüßigt, dazu Stellung zu nehmen und die Apokalypse abzusagen: … (Kondensstreifen eines Meteoriten)

… "Diese Behauptungen sind durch keinerlei Fakten gerechtfertigt", erklärte die NASA im November 2009. Wenn sich tatsächlich ein Planet auf Kollionskurs zur Erde befände, "hätten Astronomen ihn schon seit mindestens zehn Jahren verfolgt, und mittlerweile wäre er mit bloßem Auge sichtbar".

Dennoch: Seit der düsteren Weltuntergangs-Prognose ist in Bugarach nichts mehr wie vorher. Esoteriker überschwemmen die kleine Gemeinde mit nur etwa 200 Einwohnern. Die Anhänger der Untergangs-Theorie glauben, dass Bugarach der einzige Ort sein wird, der die Apokalypse überlebt, da sich im Pic de Bugarach eine Art Garage von Außerirdischen befinde und dass die "Auserwählten", die sich zu dem Zeitpunkt in dem Dorf aufhalten, als einzige Menschen gerettet würden.

Die Gemeinde befürchtet daher einen Ansturm von Esoterikern im Dezember 2012 - schon jetzt sind die meisten Touristen und andere Besucher im Ort aus diesem Grund da.

Bürgermeister Jean-Pierre Delord ist nicht besonders glücklich darüber, dass der zu seiner Gemeinde gehörende 1231 Meter hohe Gipfel so sagenumwoben ist. "Das Internet ist zu allen Verrücktheiten fähig - und wir 200 Einwohner werden dem nicht widerstehen können", sagt der ehemalige Viehzüchter.

Schon jetzt kämen Reisende mit Amuletten und magischen Steinen, um den Berg aufzusuchen. Einige glauben, ...

... dass das Massiv eine Garage für UFOs beherbergt, andere suchen den Heiligen Gral oder den Schatz der Templer.

"Am Anfang bestand meine Kundschaft zu 72 Prozent aus Wanderern. Heute sind es zu 68 Prozent Esoteriker", so Sigrid Benard, die seit etwa sechs Jahren eine Pension in Bugarach betreibt, Ende 2010.

Mitte Juni 2011 begegnete der Bürgermeister auf dem Berg einem nackten, tanzenden Priester - und er erzählt, kürzlich seien "200 Menschen in weißen Kleidern stundenlang mit einem Schweigemarsch durch den Wald gepilgert".

Schon im Jahr 2000 begannen Anhänger des Übersinnlichen, sich für Bugarach zu interessieren. "Von diesen ganzen Absonderlichkeiten hatte man früher nie gehört", beschwert sich Vize-Bürgermeister Gilbert Cros, der ein schlechtes Image für den Ort befürchtet.

Die Esoteriker kaufen seinen Angaben zufolge vor allem vereinzelt stehende Häuser, wo sie dann ihre Seminare abhalten. Eine "Parallelwirtschaft" habe sich so gebildet.

Die Deutsche Neli Busch, die in der Region Gästezimmer anbietet, klagt über einen Anstieg der Immobilienpreise. "Die Esoteriker, die die besten Plätze für den Weltuntergang haben wollen, kaufen das ganze Ackerland auf."

Angaben darüber, wie viele Esoteriker sich tatsächlich in Bugarach und Umgebung ansiedeln, gibt es nicht. Die Gemeindeverwaltung verzeichnet allerdings generell mehr Nachfragen nach Häusern zur Miete oder zum Verkauf.

Dazu kommt eine andere Sorge: wegen ähnlicher Weltuntergangs-Theorien brachten sich 1995 im Departement Isère Mitglieder der "Sonnentempler" um; ähnliche Fälle kennt man aus anderen Ländern. Auch in Bugarach waren Einwohnern zufolge schon Plakate mit dem Slogan "Massenselbstmord" zu sehen.

Sie befürchten nun, Sektenanhänger könnten zum massenhaften Suizid in Bugarach aufgerufen werden.

Eine Pariser Kommission nimmt diese Vorkommnisse ernst. "Wir haben festgestellt, dass eine große Zahl an Sekten, Gurus und Bewegungen damit Profit macht", sagte Kommissionschef Georges Frenech. Der aktuelle Apykalypsewahn in Frankreich wird nun untersucht, in Zusammenarbeit mit Bugarachs Bürgermeister.

Mexiko hingegen will mit der vermeintlichen Maya-Prophezeiung eines Weltuntergangs sogar mehr Besucher ins Land holen. Die Ministerin für Tourismus, Gloria Guevara, stellte Mitte Juni 2011 ein Programm vor, mit dem bis zum 21. Dezember 2012 die Welt der Mayas stärker vermarktet werden soll. Obwohl seriöse Wissenschaftler ...

... eigentlich die Ende-der-Welt-Theorie bezweifeln, wollen die mexikanischen Behörden unter Leitung des Institutes für Anthropologie und Geschichte mit dem angeblichen Weltuntergang mehr Touristen anlocken. Dazu werden 500 Ausstellungen, Konferenzen und Festivals in den archäologischen Stätten in den Bundesstaaten Yucatán, Quintana Roo, Chiapas, Campeche und Tabasco organisiert.

Nun ja, Mexiko will so seine Einnahmen aus dem Tourismus erhöhen, ganz klar. Aber braucht Frankreich kein Geld? Bleibt es verschont von der derzeitigen Finanzkrise? Obwohl: ...

... Wenn bald die Welt untergeht, braucht man kein Geld mehr. Und wenn Bugarach ...

... tatsächlich der einzige Ort auf der Welt sein sollte, der nicht untergeht, kann man ja auch währungsmäßig und überhaupt noch mal ganz neu beginnen. (Text: Andrea Beu, mit dpa)

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