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Samstag, 14. Oktober 2017

So bedrohlich war die Kubakrise: Als die Welt vor dem Atomkrieg stand

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Im Oktober 1962 steht die Welt am Rande des Abgrunds. Die Kubakrise ist einer der Höhepunkte des Kalten Kriegs.

Im Oktober 1962 steht die Welt am Rande des Abgrunds. Die Kubakrise ist einer der Höhepunkte des Kalten Kriegs.

Im Oktober 1962 steht die Welt am Rande des Abgrunds. Die Kubakrise ist einer der Höhepunkte des Kalten Kriegs.

Die 13 Tage, in denen die Welt vor dem Atomkrieg steht, haben eine Vorgeschichte. Das Verhältnis zwischen Kuba und den USA ist seit jeher angespannt.

Der spanisch-kubanische Unabhängigkeitskrieg endet 1898 mit einer Intervention der USA.

Obwohl Kuba formal unabhängig wird, gerät das lateinamerikanische Land wirtschaftlich in die Abhängigkeit der USA. Landwirtschaft, Bergbau und Zuckerproduktion werden von US-Amerikanern kontrolliert.

Selbst Kabinettslisten müssen erst von ihnen gebilligt werden. Die meisten kubanischen Diktatoren, zum Beispiel Bastista (ab 1940), werden von den USA unterstützt.

Doch 1959 flüchtet Batista. Nach einem zweijährigen Kampf übernimmt eine Rebellengruppe um ihren Anführer Fidel Castro die Macht und bildet eine Revolutionsregierung auf Kuba.

Castro sieht sich zunächst keineswegs als Feind der USA. Doch er lässt US-amerikanische Grundbesitzer enteignen.

Die US-Amerikaner reagieren mit einem Handelsembargo und brechen die diplomatischen Beziehungen ab.

Damit gerät Kuba zunehmend in den sowjetischen Einflussbereich. Im September 1960 kann der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow (r.) Castros Vorbehalte gegenüber der Sowjetunion bei einem Treffen am Rande der UN-Generalversammlung in New York ausräumen.

Bei der Schweinebucht-Invasion, einem von der CIA geführten Einsatz, versuchen die USA 1961, die Kontrolle auf Kuba zurückzuerobern. Doch Castro und seine Truppen behalten die Oberhand.

Kuba gerät immer mehr in den Mittelpunkt im Konflikt zwischen den Weltmächten USA und Sowjetunion. Chruschtschow fürchtet eine erneute US-Invasion auf Kuba.

Die Russen fühlen sich außerdem bedroht von den US-Raketen, die in der Türkei und in Italien installiert und auf die Sowjetunion gerichtet sind. So hat Chruschtschow im Mai 1962 eine Idee: Er will Atomraketen auf Kuba stationieren.

Die Operation "Anadyr" ist die größte sowjetische Geheimoperation des Kalten Krieges. Kuba soll bis zum November 1962 in eine sowjetische Militärbasis verwandelt werden, ohne dass die US-Amerikaner es merken. Im Juli fahren die als Holzfrachter getarnten Schiffe Richtung Südamerika. In ihren Laderäumen liegen Raketenteile.

Doch der Geheimplan fliegt auf. Im August entdeckt ein US-Spionageflugzeug die Raketenstellungen auf Kuba. Die US-Amerikaner sind gewarnt. Es gibt zunehmend Kritik an der zurückhaltenden Kubapolitik des US-Präsidenten John F. Kennedy. Im November finden die Kongresswahlen statt.

Es folgen 13 Tage, die als Kubakrise in die Geschichte eingehen.

Am 14. Oktober genehmigt Kennedy neue Luftaufnahmen von Aufklärungsflugzeugen. Sie zeigen weitere im Bau befindliche Raketenstellungen auf Kuba. Der US-Präsident beruft ein Executive Committee (ExComm). Der Sonderkommission zur Beilegung der Krise gehören 17 Mitglieder an, die Kennedy fortan beraten.

Darunter befindet sich auch Verteidigungsminister Robert McNamara. Er fordert einen frühen Luftangriff, noch bevor die sowjetischen Raketen einsatzfähig sind. Das Pentagon soll die Möglichkeiten für einen schnellen Angriff prüfen.

Neue Aufnahmen zeigen am 18. Oktober Abschussvorrichtungen für sowjetische Langstreckenraketen und Atombomber.

Kennedy und seine Berater beraten auch über eine Seeblockade. Doch es gibt Befürchtungen: Ist sie aussichtsreich genug?

Kennedy plädiert zu Beginn für eine gewaltsame Lösung. Er glaubt nicht an eine massive Reaktion. In einem persönlichen Gespräch warnt er den sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko eindringlich. Sollten offensive Waffen nach Kuba geliefert werden, habe das schwerwiegende Folgen. Die Fotos zeigt er ihm jedoch nicht.

Die Zeit drängt. Kennedy fürchtet, dass die Raketen auf Kuba bald einsatzbereit sind. Die Militärs drängen den Präsidenten zu einer militärischen Lösung. Doch die Abstimmung in der ExComm fällt anders aus: elf zu sechs für die Blockade.

In einer Rundfunkansprache "in höchster nationaler Dringlichkeit" meldet sich Kennedy am 22. Oktober erstmals während der Kubakrise öffentlich zu Wort. 100 Millionen US-Amerikaner schauen zu.

Der Präsident verkündet, dass die Sowjetunion Atomraketen auf Kuba stationiert hat. Jede Rakete könne die meisten Städte von Kanada bis Peru erreichen. Kennedy spricht von einer Bedrohung für alle Amerikaner und kündigt eine "Quarantäne" an - ...

... eine Blockade gegen alle Schiffe, die militärisches Material nach Kuba bringen. Sollte auch nur eine der Raketen von Kuba aus abgeschossen werden, droht er mit einem massiven Vergeltungsschlag.

Einen Tag später beschließt die Organisation Amerikanischer Staaten ein gemeinsames Vorgehen in der Kubakrise. In einer Dringlichkeitssitzung sichern die amerikanischen Länder US-Staatssekretär Dean Rusk ihre Unterstützung zu.

Kennedy unterschreibt daraufhin die Proklamation zur Einleitung der Quarantäne.

Die Seeblockade nimmt unterdessen Gestalt an. Auf amerikanischer Seite bilden Zerstörer, Kreuzer und Flugzeugträger eine Linie. Sie steht nun den Sowjetfrachtern gegenüber, die von U-Booten beschützt unterwegs nach Kuba sind. Aber was passiert, wenn eines der sowjetischen Schiffe die Linie ignoriert?

US-Staatssekretär Rusk sagt: "Wir stehen uns Auge in Auge gegenüber und warten auf das Blinzeln des anderen".

Für US-Streitkräfte gilt jetzt weltweit und zum ersten Mal in der Geschichte der USA Alarmstufe DEFCON 2.

Interkontinentalraketen werden im Westen der USA auf einen Start vorbereitet.

U-Boote mit Cruise-Missile-Raketen werden an die Küsten der Sowjetunion beordert, 220 Raketen auf Flugzeugträgern einsatzbereit gemacht.

Kennedy und seine Berater beordern tausende Truppen und Militärflugzeuge nach Florida.

So ist das US-Militär nicht nur bereit, auf sowjetische Angriffe zu reagieren. Auch die Möglichkeit einer Invasion will die Regierung vorbereiten.

Chruschtschow lassen die Drohgebärden nicht unbeeindruckt. Intern macht er erste Andeutungen von Rückzug. Er will den Amerikanern ein Geschäft anbieten.

Und Kennedy? Er ordnet den Druck von fünf Millionen spanischsprachigen Flugblättern an, die über Kuba abgeworfen werden und die Gründe für einen US-amerikanischen Angriff erläutern sollen.

In der UNO kommt es am 25. Oktober zur Konfrontation zwischen den Botschaftern beider Länder: Adlai Stevenson (USA) und Valerian Zorin (Sowjetunion).

Zorin leugnet, dass sich Raketen auf Kuba befinden. Stevenson zeigt die Aufnahmen der Spionageflugzeuge.

Ob er es immer noch leugnet, fragt der US-Botschafter daraufhin seinen Kollegen.

Stevenson sagt den berühmten Satz: "Ich bin bereit auf meine Antwort zu warten, bis die Hölle gefriert."

Ist der Atomkrieg noch zu verhindern? In Sorge vor einer Eskalation des Konflikts gehen auf der ganzen Welt Menschen auf die Straßen.

Was die Demonstranten nicht wissen: Ein Schreiben von Chruschtschow ist bereits unterwegs zu Kennedy. Er bietet den Abbau der Raketen an, wenn die USA im Gegenzug auf eine Invasion auf Kuba verzichten.

Fidel Castro weiß nichts von dem Angebot der Sowjets. Der kubanische Diktator wird zunehmend nervös. Er fürchtet einen Angriff der US-Amerikaner und drängt Chruschtschow zum Atomschlag.

Der 27. Oktober, der "Schwarze Samstag", markiert den Höhepunkt der Kubakrise. Ein zweiter Brief Chruschtschows erreicht Kennedy und sorgt für Verwirrung.

Jetzt fordert der russische Staatschef, die USA sollten auch ihre Raketen aus der Türkei abziehen. Die Mitglieder der ExComm sind empört. Sie glauben: Die Russen spielen auf Zeit.

Kennedy gerät unter Druck. Ein US-amerikanisches Spionageflugzeug wird über Kuba abgeschossen, der Pilot stirbt. Die Militärs fordern eine Bombardierung, doch Kennedy zögert. Es bleibt nicht der einzige Zwischenfall an diesem Tag.

So zwingt die US-Marine ein sowjetisches, mit Atomtorpedo ausgestattetes Schiff zum Auftauchen. Justizminister Robert F. Kennedy macht Chruschtschow über den sowjetischen Botschafter am Abend ein letztes Angebot.

Für den Abzug der sowjetischen Raketen bietet er eine Garantie, Kuba nicht anzugreifen. Aber nicht nur das: Die USA wollen auch ihre Raketen aus der Türkei abziehen. Das soll jedoch zunächst noch geheim bleiben. Und die Kennedys stellen ein Ultimatum: Sie fordern eine Antwort bis zum nächsten Morgen, sonst wollen sie die Raketen auf Kuba selbst beseitigen.

Chruschtschow reagiert schnell: Am Morgen des 28. Oktober spricht er über Radio Moskau und willigt ein. Er verspricht, die Atomraketen auf Kuba sofort in die Sowjetunion zurückzubringen.

Kennedy ist an diesem Sonntag gerade unterwegs in die Kirche, als er von einem Berater die Nachricht erhält. "Ich fühle mich wie neugeboren", sagt der erleichterte Präsident. "Wissen Sie, dass Kuba am Dienstag angegriffen worden wäre? Gott sei Dank ist alles vorbei."

Castro tobt, als er davon erfährt. Für ihn ist die Entscheidung Moskaus Verrat. Chruschtschow ist für ihn ein "Hurensohn, Bastard, Arschloch".

In seiner Rede an die Nation spricht Kennedy am 2. November über den Stand der Kubakrise. Er kündigt an, die Luftüberwachung fortzusetzen, bis eine internationale Inspektion angeordnet ist.

Am 5. November beginnt die Sowjetunion mit dem Abzug der Mittelstreckenraketen aus Kuba.

Zwei Wochen später löst Kennedy die Seeblockade endgültig auf. Die Kubakrise bleibt am Ende ein taktischer Krieg ohne Sieger.

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