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Politik

Ein neuer Staat in Europa: Das Kosovo

 
Jubelnde Albaner auf der einen, ...

Jubelnde Albaner auf der einen, ...

... empörte Serben auf der anderen Seite.

In Europa gibt es einen neuen Staat: das Kosovo. Hier Regierungschef Hashim Thaci (r.) und Präsident Fatmir Sejdiu mit der neuen Flagge.

Die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos birgt erhebliches Konfliktpotenzial. Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, ...

... dass ein Großteil Europas die Souveränität des neuen Nachbarn anerkennt, jedoch Mächte wie Russland, China und sogar Spanien dies ablehnen.

So ist noch unklar, ob das neue Konstrukt funktionierten wird - und wie sich die Region entwickelt. Ein Abgleiten in Gewalt ist ebenso möglich wie ...

... eine erhebliche Abwanderungswelle der Kosovo-Serben.

Deutschland jedenfalls hat "Ja" gesagt zum neuen Staat. Überhaupt stützt die EU das Kosovo - mit Polizei und Aufbauhilfe. Auch die UN erkennen das neue Land an.

Das Bemühen des serbischen Präsidenten, die UN davon abzuhalten, ist nur kurz nach der Unabhängigkeitserklärung gescheitert.

Der neue Nachbar ist mit knapp 11.000 Quadratkilometern nur halb so groß wie Hessen.

Das Kosovo hat 2,1 Millionen Einwohner, ...

... von denen 95 Prozent Albaner sind. (Grüne Flächen: albanisch dominiert, rote Flächen: serbisch dominiert)

Etwa 100.000 Bewohner gehören zur serbischen Minderheit.

Rund die Hälfte aller Einwohner ist unter 20 Jahre alt.

In der Hauptstadt Pristina leben rund 500.000 Menschen.

Seit Sommer 1999 steht das Kosovo unter UN-Verwaltung (UNMIK). Dafür wurden bislang rund 2,6 Milliarden Euro ausgegeben. Auch nach der Unabhängigkeitserklärung bleiben die Soldaten im Land.

Rund 2800 deutsche Soldaten sind vor Ort.

Die Region gilt als Armenhaus Europas. Offiziell herrscht über 40 Prozent Arbeitslosigkeit, in manchen Gebieten bis zu 80 Prozent.

Dazu kommt: Das Kosovo ist die Drehscheibe der organisierten Kriminalität. Menschenschmuggel, Zwangsprostitution, Waffen- und Drogenhandel.

Die soziale Not wird gelindert durch die Überweisungen der Gastarbeiter. Das Geld stammt von etwa einer halben Million Kosovo-Albaner, die zumeist in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz leben.

Ein Drittel des stagnierenden Bruttoinlandsproduktes von 2,4 Milliarden US-Dollar (2007) wird durch Schenkungen ausländischer Staaten bestritten. (Im Bild: Ankündigung eines Konzerts von US-Rapper 50 Cent in Pristina)

Das Kosovo wird von den Albanern ...

... und den Serben beansprucht.

Die Serben wanderten im 6. Jahrhundert n. Chr. ein und errichteten im 13./14. Jahrhundert ein Königreich.

Sie empfinden die Region als die Wiege ihrer Nation, weil im serbischen Königreich der Sitz des Patriarchen ein Kloster in der Stadt Pec war. Und Pec liegt im Westen des Kosovos.

1389 unterlagen die Serben in der Schlacht auf dem Amselfeld den Osmanen, die nach dem Zerfall des serbischen Königreiches bis 1912 regierten. Für die Serben ein großes nationales Trauma.

Die Albaner besiedelten das Kosovo in der Zeit der osmanischen Herrschaft. Sie übernahmen auch den Islam, was sie - im Gegensatz zu den christlichen Serben - zu bevorzugten Bürgern machte.

Auch aus den kargen Gebieten des heutigen Nordalbanien zogen Menschen in das fruchtbarere Kosovo.

1912 Jahren geriet die Region wieder unter serbische Souveränität.

Rund 200.000 Albaner wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zur Abwanderung in die Türkei gedrängt.

Etwa 50.000 Serben wanderten aus der Provinz bis 1981, weitere 200.000 in den Jahren 1998/99 nach Serbien aus.

Im Kosovo-Krieg im Frühling 1999 stoppten NATO-Bomben wiederum die Vertreibung von schätzungsweise 800.000 Albanern.

Seitdem wird die Provinz von den Vereinten Nationen (UN) verwaltet. Hier ein Blick in den Weltsicherheitsrat.

Rund 16.000 NATO-Soldaten der KFOR-Truppe sorgen für Sicherheit.

Die NATO beendete den Kosovo-Krieg mit Luftangriffen, um die Verfolgung der Albaner durch serbische Truppen unter dem Diktator Slobodan Milosevic zu stoppen. Hier ein Anhänger an dessen Grab.

Serbien hatte eine Abspaltung des Kosovos stets vehement abgelehnt.

Im Februar 2006 begannen direkte Verhandlungen von Serben und Kosovo-Albanern unter Leitung des UN-Chefunterhändlers Martti Ahtisaari. Im März 2007 endeten die Gespräche. Ahtisaari schlug eine von der EU überwachte Souveränität des Kosovo vor.

Der Vorschlag scheiterte im UN-Sicherheitsrat am Veto Russlands.

Im August wurde ein neuer Anlauf zu Verhandlungen unter Vermittlung einer Troika aus Russland, den USA und der EU gestartet. Die Frist für die Gespräche endete ohne Einigung am 10. Dezember 2007. Die Folge war die Unabhängigkeitserklärung.

Tausende sind bislang Opfer des serbisch-albanischen Konfliktes geworden.

Finanziell wird das Kosovo auf Jahre am Tropf der EU und der USA hängen.

Und ob das neue Land politisch stabil bleibt oder dauerhaft ein Krisengebiet bleibt, werden erst die nächsten Monate zeigen. (Alle Bilder: AP, dpa, Wikipedia / Text: Jochen Müter)

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