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Rohstoff-Rally am Nordpol: Der Kampf um die Arktis

 
Rohstoff-Rally am Nordpol: Der Kampf um die Arktis

Kaum eine Region der Welt ist unwirtlicher: ...

... Endlose Polarnächte, Minustemperaturen um bis zu 70 Grad, eisige Winterstürme.

Und doch ist die rund 26 Millionen Quadratkilometer große Arktis heiß begehrt.

Wissenschaftler aus den USA und Kanada wollen in diesen Wochen mit einer in einer Expedition den arktischen Meeresboden vermessen.

Auch Russland hat erst kürzlich die größte Expedition seit zehn Jahren in die Arktis entsandt.

Der Atomeisbrecher "Jamal" und das Forschungsschiff "Akademiker Fjodorow" mit 50 Experten an Bord sollen in den kommenden drei Monaten wichtige Daten sammeln.

Grund für das rege Interesse der Supermächte ist nicht etwa die einzigartige Tierwelt, die Moschusochsen ...

... oder die Eisbären.

Vielmehr geht es um handfeste wirtschaftliche Interessen.

Mit ihren Expeditionen wollen die Länder nachweisen, ...

... dass sie ihre Souveränität nach Norden ausdehnen können.

Gemäß der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen haben Küstenstaaten die Hoheit über einen 370 Kilometer breiten Küstenstreifen und dürfen diesen auch wirtschaftlich nutzen.

Sie können laut der Geologischen Gesellschaft der USA diesen Streifen vergrößern, wenn sie die Existenz eines darüber hinausgehenden Festlandsockels beweisen.

Genau dies will Russland, das auf seine Expedition auch Vertreter des Verteidigungsministeriums geschickt hat.

Es will beweisen, dass der Meeresboden eine natürliche Verlängerung des russischen Festlandes ist.

Die Vereinten Nationen, so die Idee in Moskau, sollen den Festlandsockel im Eismeer dann offiziell Russland zuerkennen.

1,2 Millionen Quadratkilometer beansprucht Moskau für sich.

Erst im August 2007 ließ Russland seine Flagge in vier Kilometern Tiefe in den Meeresgrund unter dem Nordpol rammen.

Kanada reagierte damals prompt, nannte Moskaus Aktion einen Rückfall in das 15. Jahrhundert - und proklamierte die Arktis als "kanadisches Eigentum".

Bislang gilt das Gebiet um den geografischen Nordpol als internationales Territorium.

Neben Russland und Kanada beanspruchen auch Dänemark, Norwegen und die USA ein Stück vom nördlichen Kuchen.

Die USA, die die UN-Seerechtskonvention nicht unterzeichnet haben, beharren auf der Freiheit der Meere.

Dänemarks Außenminister Per Stig Moeller warnte bereits vor Jahren vor einem "wilden Wettlauf zum Nordpol".

Nach Schätzung von US-Geologen lagern im nördlichen Polargebiet etwa 30 Prozent des bislang unentdeckten Erdgases der Erde.

Zudem sollen dort 13 Prozent der unentdeckten Ölvorräte ...

... sowie Gold, Silber, Eisen, Kohle und Zink schlummern.

Mit der Eisschmelze als Folge des Klimawandels wird es immer leichter, bislang nicht erreichbare Vorratsstätten zu erschließen.

Die großen Ölkonzerne gehen schon in die Spur.

BP, Imperial Oil, Exxon Mobil wollen gemeinsam nach Öl und Gas in der kanadischen Arktis bohren.

Dafür gründeten die drei Öl-Multis eigens ein Gemeinschaftsunternehmen.

Umweltschützer kritisieren solche Pläne heftig.

So ist der Abbau von Öl in dem sensiblen Ökosystem höchst riskant.

"In dieser empfindlichen Umwelt, in welcher schon der Abdruck eines Wanderschuhs im Moos sich erst nach Jahrzehnten wieder verflüchtigt, ....

... Eisen kaum rosten will, sich sogar organische Abfälle nur langsam zersetzen, im Wasser schwebende Stoffe immer langsamer abgebaut werden als andernorts - hier verzeiht die Natur Umweltsünden besonders schwer", warnt die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Deutlich machte dies das Tankerunglück der Exxon Valdez im Jahr 1989.

Damals liefen 37.000 Tonnen Rohöl aus, mehr als 2000 Kilometer Küste wurden verseucht.

Hunderttausende Fische, Seevögel und andere Tiere starben. Noch immer finden sich Ölrückstände an den Küsten.

Und die Greenpeace-Biologin Iris Menn warnt: Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko habe wieder einmal die Anfälligkeit technischer Anlagen gezeigt.

"Würde so etwas in der Arktis passieren, bräuchte die Natur wegen des kalten Wassers noch sehr viel länger, um sich zu regenerieren", so Menn.

Schon jetzt ist das Ökosystem in der Arktis massiv bedroht.

Grund ist der Klimawandel, der zu einem rapiden Abschmelzen der Gletscher führt.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert nimmt die Eisfläche ab.

Messungen aus dem Jahr 2007 zeigen eine Abnahme der Eisfläche im Vergleich zum durchschnittlichen Vorkommen der Jahre 1978 bis 2000 um 40–45 Prozent. Im Bild die Arktis 1979 ...

... und 2005.

Noch nie waren die polaren Eisflächen so klein wie jetzt. Allein 2007 verlor das Gebiet rund um den Nordpol mehr als eine Million Quadratkilometer Eis.

Im Herbst 2008 lag die Temperatur um satte fünf Grad über dem Normalwert.

Wenn der Trend anhält, dürfte das Gebiet nach Einschätzung der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA schon 2030 im Sommer eisfrei sein.

Schon im Jahr 2007 war die Nordwestpassage durch die kanadische Arktis erstmals komplett eisfrei.

Ab 2015, so die Berechnung von Wissenschaftlern, könnte dies im Sommer die Regel sein. Die Passage von Europa nach Ostasien würde damit für Schiffe passierbar und deutlich kürzer als die bisherige Route sein.

"Dann werden dort Kreuzfahrtschiffe, Handelsschiffe und Öltanker fahren, mit allen Havarierisiken. Was ist, wenn etwas passiert? Wollen wir eine zweite Exxon Valez, eine zweite Titanic?", warnt Dänemarks Außenminister Moeller.

Die ungebremste Gletscherschmelze im nicht mehr so Ewigen Eis hat aber auch weitreichende Folgen für das Weltklima.

Ist doch momentan das arktische Eis ein nicht zu unterschätzendes Kühlsystem der Erde, ...

... da die weiße Eisdecke viel mehr Sonnenlicht ins All reflektiert als dunkles Meerwasser.

Für viele Bewohner der Arktis wird die Eisschmelze den sicheren Tod bedeuten.

Das US-Innenministerium warnte schon vor Jahren, dass die noch verbliebenen rund 25.000 Eisbären "in absehbarer Zeit vom Aussterben bedroht" sein könnten. Bereits im Jahr 2050 könnte das Symbol der Arktis für immer verschwunden sein.

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