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Donnerstag, 03. Oktober 2013

Idol und Hassfigur: Der Mythos Franz Josef Strauß

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Er war umstritten wie kaum ein anderer Politiker der Bundesrepublik: Franz Josef Strauß. (Foto: picture alliance / dpa)

Er war umstritten wie kaum ein anderer Politiker der Bundesrepublik: Franz Josef Strauß.

Er war umstritten wie kaum ein anderer Politiker der Bundesrepublik: Franz Josef Strauß.

Seine vielen Gegner verabscheuten ihn wegen seiner zahlreichen Affären und Poltereien, ...

... seine Anhänger vor allem in Bayern sahen in ihm einen Übervater, dessen mächtige Gestalt bis heute ihre Schatten wirft.

In der CSU ist Strauß nach wie vor ein Maßstab historischer Größe ...

... und an seinem Todestag wird seiner stets mit Gedenkveranstaltungen und Messen gedacht.

Strauß' Tod am 3. Oktober 1988 kam völlig überraschend.

Zwei Tage vorher, am 1. Oktober, hatte sich der 73-Jährige mit dem Hubschrauber vom Oktoberfest zur Hirschjagd in der Nähe von Regensburg fliegen lassen.

Kurz nach dem Verlassen der Maschine brach der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident zusammen. Strauß konnte zwar reanimiert werden. Doch nach einer erfolglosen Notoperation starb er zwei Tage später.

Bei seiner Beerdigung sagte der damalige Münchner Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.: "Wie eine Eiche ist er vor uns gestanden, kraftvoll, lebendig, unverwüstlich, so schien es. ...

... Und wie eine Eiche ist er gefällt worden."

Obwohl der Tod nun ein Vierteljahrhundert zurückliegt, ist Strauß - im Gegensatz zu vielen seiner Amtskollegen - unvergessen.

Kaum ein Politiker war so unverblümt wie der katholische Metzgerssohn aus Schwabingen, der 1935 bayernweit das beste Abitur seit 1910 abgelegt hatte.

"Weg mit den roten Deppen", sagte er etwa über die SPD, als diese in Bonn mit der FDP regierte.

"Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher."

Manche seiner Sätze würden heute wohl auch in der CSU betretenes Schweigen auslösen: "Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder."

Nicht nur seine polternden Sprüche machten ihn vor allem im linken Lager unmöglich.

So stand der begeisterte Hobbypilot für eine Unmenge an Affären auf seinem langen politischen Lebensweg.

Als Verteidigungsminister, der sich vehement für eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr einsetzte, gab es immer wieder Bestechungsvorwürfe, ...

... unter anderem wegen der Auftragsvergabe der Starfighter-Produktion an einen seiner Freunde.

Noch schwerer aber wog die "Spiegel"-Affäre.

Am 26. Oktober 1962 besetzte die Polizei die Redaktion des Nachrichtenmagazins "Spiegel" in Hamburg.

Auslöser für die Durchsuchung der Redaktionsräume war der Artikel "Bedingt abwehrbereit", der zwei Wochen zuvor erschienen war.

Die Staatsanwaltschaft erließ unter anderem Haftbefehl gegen Verleger Rudolf Augstein und Chefredakteur Claus Jacobi wegen "Landesverrats".

Die Anschuldigungen erwiesen sich als haltlos. Bundesverteidigungsminister Strauß verlor in der Folge sein Amt, hatte er doch die Polizeiaktion ohne das Wissen des Justizministers vorangetrieben und dann zunächst noch geleugnet.

Doch kehrte er schnell wieder auf die große Bühne zurück. In einer Großen Koalition wurde Strauß 1966 Bundesminister der Finanzen, wobei er - trotz seiner verbalen Ausfälle gegen die SPD - erstaunlich gut mit dem sozialdemokratischen Wirtschaftsminister Karl Schiller zusammenarbeitete.

Auch in der Außenpolitik mischte Strauß immer wieder mit und vertrat dabei sehr eigenwillige Linien.

"In gewisser Hinsicht war Franz Josef Strauß ein unmöglicher Mann. Er war mit Mao Tsetung und mit mir befreundet. Eine seltsame Kombination", erinnerte sich Israels Präsident Schimon Peres im Herbst 2012.

Als erster westdeutscher Politiker traf Strauß 1975 auf eigenes Betreiben hin Chinas Parteichef Mao.

Gleichzeitig fand er für die chilenische Militärdiktatur unter Augusto Pinochet lobende Worte: "Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang."

Zu Südafrikas Präsident Pieter Willem Botha und Paraguays Diktator Alfredo Stroessner unterhielt er als bayerischer Ministerpräsident ebenfalls gute Beziehungen.

1983 fädelte er einen Millionenkredit für die DDR ein - womit er für Aufregung in den eigenen Reihen sorgte und zum Parteiaustritt einiger Abgeordneter. Die Gründung der Republikaner war eine Folge.

Auch innenpolitisch blieb Strauß immer jemand, mit dem man rechnen musste.

Als den Unionsparteien bei der Bundestagswahl 1976 unter Kanzlerkandidat Helmut Kohl der Regierungswechsel nicht gelang, kündigte er im Kreuther Trennungsbeschluss die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU auf.

Seiner Freundschaft mit Kohl war dies nicht gerade förderlich.

Vier Jahre später trat Strauß selbst als Kanzlerkandidat an, was zum erbitterten Widerstand seiner Gegner und einer "Stoppt-Strauß-Kampagne" führte.

Sie gelang. Der Bayer Strauß, in weiten Teilen der Republik schwer vermittelbar, holte ein schlechteres Ergebnis als Helmut Kohl vier Jahre zuvor.

Strauß blieb in Bayern, wo er bereits seit 1978 Ministerpräsident war.

Hier legte er die Grundlage für den heutigen Wohlstand - mit einer Politik, die inzwischen kaum mehr mehrheitsfähig wäre: ...

... So brachte Strauß die Atomindustrie in den Freistaat und setzte den Bau des Münchner Flughafens durch, der in den 1980er-Jahren auf großen Widerstand bei Umweltschützern stieß.

Diejenigen in der CSU, die Strauß persönlich im Kabinett erlebten, zollen ihm heute noch Respekt: ...

... "Man musste gut vorbereitet sein", meint der frühere bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel. "Dann war er der aufmerksamste Zuhörer."

Die Bewunderung seiner Anhänger verdankte Strauß ebenfalls der Tatsache, dass er gelegentlich unpopuläre Entscheidungen gegen den Zeitgeist traf und eloquent seine Gegner niederrang.

Auch seine Nachfolger üben sich in der Kunst des Polterns.

Wenngleich sie dabei immer nur wie ein schwacher Abklatsch ihre Übervaters wirken, der in Bayern nach wie vor das Maß aller Dinge ist.

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