14.02.2012 09:26 Uhr Frankfurt 08:26 Uhr London 03:26 Uhr New York 17:26 Uhr Tokio
Suche
Politik

Roland Koch: Der Schauspieler tritt ab

 
Roland Koch: Der Schauspieler tritt ab

Roland Koch ist Schauspieler. Vom Scharfmacher bis zum Staatsmann hat Koch bereits so gut wie alle Rollen verkörpert. Meist ziemlich erfolgreich. Zwei Mal allerdings stand er kurz davor, von der Bühne gejagt zu werden.

Die Spendenaffäre der hessischen CDU ist seine Feuertaufe: Nur neun Monate nach seinem Amtsantritt, am 10. Januar 2000, sagt Koch, er kenne "bis zum heutigen Tage keinen einzigen Vorgang außerhalb der offiziellen Buchhaltung der Christlich Demokratischen Union".

Vier Wochen später gibt er zu, gelogen zu haben, sieht darin jedoch nur "eine Dummheit". Auch damit strapaziert Koch die Wahrheit: Als dumm ist der Stratege nicht bekannt.

Koch bleibt Ministerpräsident - und Feindbild seiner politischen Gegner. Dafür hatte bereits der Wahlkampf gesorgt, der den ohnehin scharfen Umgangston in Hessen auf Jahre prägt.

"Wo kann ich gegen Ausländer unterschreiben?", fragen viele Wähler, die sich Anfang 1999 in die Listen der hessischen CDU gegen die doppelte Staatsbürgerschaft eintragen wollen.

Mit der Kampagne kann die CDU die Stimmung drehen; anders als von den Demoskopen vorhergesagt gewinnt sie die Wahl im Februar 1999. Zwei Monate später wird Koch im hessischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt und vereidigt.

Diesen Erfolg will Koch acht Jahre später wiederholen. Dabei kommt ihm der Zufall zu Hilfe: Am 20. Dezember 2007 hatten ein 18-jähriger Grieche und ein 21 Jahre alter Türke in einem Münchener U-Bahnhof einen Rentner fast zu Tode getreten.

Koch, der angesichts mäßiger Umfragewerte und einer verkorksten Schulreform um seine Mehrheit bangen muss, startet seine Kampagne sechs Tage nach Veröffentlichung eines Videos, das den brutalen Überfall zeigt. "Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer", verkündet er in der "Bild"-Zeitung.

Der andere Schwerpunkt im Wahlkampf ist der Kampf gegen den "Linksblock".

Dann jedoch wird bekannt, dass die Zahl schwerer und gefährlicher Körperverletzungen durch Jugendliche in Hessen seit 1999 geradezu sprunghaft angestiegen ist. Koch gerät mit seiner Kampagne an den Rand der Lächerlichkeit.

Das Wahlergebnis vom 27. Januar 2008 fällt für die CDU noch schlechter aus als die Dezember-Umfragen: 36,8 Prozent, ein Absturz um glatte 12 Prozentpunkte. Koch bleibt geschäftsführend im Amt.

Auf die Wahlschlappe reagiert Koch mit einem radikalen Kurswechsel: "Wir haben verstanden", verkündet er, und wirbt so heftig um die Grünen, dass es diesen "schon peinlich" wird. "Ich habe ja als Umweltpolitiker angefangen", kokettiert Koch in einem Interview.

Nachhaltig ist Kochs Öko-Wende nicht. Seine neue Rolle findet er im Hintergrund. Während die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti Fehler auf Fehler macht, wartet Koch auf seine zweite Chance.

Er wird zum Staatsmann, zum Staatsdiener, der Hessen durch die Finanzkrise führen will. Die Plakate im neuerlichen Wahlkampf zeigen einen weichen Koch, fast einen Landesvater.

In Interviews erzählt Koch gern, dass er immer wieder höre, er sei ja "viel netter als im Fernsehen". Das ist das Schicksal von Schauspielern: Wer allzu oft den Bösewicht spielt, kommt aus dieser Rolle nicht heraus.

Bei den Neuwahlen am 18. Januar 2009 kann die CDU im Vergleich zur Wahl von 2008 nur minimal zulegen. Zusammen mit der FDP reicht es jedoch zur absoluten Mehrheit.

Viel hört man danach nicht mehr von Roland Koch, der ja schon seit 2006 auch stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU ist. Als solcher war er zumeist durchaus loyal zur CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin - für ihn eine ungewohnte Rolle, ...

... denn eigentlich stand er, der Konservative, Merkel skeptisch gegenüber. Grundsätzliche Kritik verkniff Koch sich jedoch. Sollte er je Ambitionen auf das Kanzleramt gehabt haben, so waren sie spätestens seit 2005 nicht mehr realistisch.

Als Bundesfinanzminister ist er immer wieder im Gespräch, zuletzt als Wolfgang Schäuble im Mai 2010 wegen einer Medikamentenunverträglichkeit ins Krankenhaus muss. Doch diese Bewerbung dementiert er eindrücklich:

Kochs Forderung, angesichts der desolaten Haushaltslage auch bei Bildung und dem Ausbau der Kinderbetreuung zu sparen, löst in der CDU Empörung aus.

Dass Roland Koch seine Nachfolge noch vor der Landtagswahl 2014 regeln will, galt in Wiesbaden als sicher. Dennoch kommt sein Rückzug überraschend. Im Alter von 52 Jahren legt der nach Kurt Beck dienstälteste Ministerpräsident alle Ämter nieder.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.