Bilderserie

Beginn des Zweiten Weltkriegs: Der Überfall auf Polen

Bild 1 von 52
Vor 72 Jahren begann das größte Inferno, das die Menschheit je gesehen hat. Mit angeblichen "Vergeltungsaktionen" zettelt das Nazi-Regime am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg an. (Foto: picture-alliance / dpa)

Vor 72 Jahren begann das größte Inferno, das die Menschheit je gesehen hat. Mit angeblichen "Vergeltungsaktionen" zettelt das Nazi-Regime am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg an.

Vor 72 Jahren begann das größte Inferno, das die Menschheit je gesehen hat. Mit angeblichen "Vergeltungsaktionen" zettelt das Nazi-Regime am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg an.

Der "Fall Weiß" beginnt ohne Kriegserklärung. Mit den ersten Schüssen des Kreuzers "Schleswig-Holstein" auf die Westerplatte bei Danzig nimmt der Krieg der Deutschen seinen Anfang.

Die polnischen Befestigungen der Westerplatte brennen. Neben den 63 Schüssen der "Schleswig-Holstein" innerhalb von zehn Minuten bombardieren pausenlos Sturzkampfbomber der Luftwaffe die Anlage vor der Freien Stadt Danzig.

Danzig fällt innerhalb eines Tages - auch weil die deutsche Bevölkerung sich bereits vorab in einer Heimwehr organisiert hatte und parallel zu den deutschen Truppen zuschlägt. Noch am 1. September erklärt das NS-Regime den Anschluss Danzigs an das deutsche Reich. Die deutsche Bevölkerung begrüßt die Wehrmachtssoldaten mit dem Hitlergruß.

Als Grund für den Überfall dient ein angeblicher Angriff auf den Sender Gleiwitz durch polnische Streitkräfte am 31. August. Später wird sich herausstellen, dass Soldaten der SS in polnischen Uniformen diesen und andere Zwischenfälle inszeniert hatten.

Bereits in den kommenden Tagen wenden sich die Truppen nach Süden Richtung Warschau.

Der wichtigste Coup für den Angriff gelingt allerdings am 23. August 1939 Außenminister Joachim von Ribbentrop (2.v.l.). In Moskau unterzeichnet er im Beisein des Diktators Josef Stalin einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion. Rechts der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow, links der deutsche Diplomat Friedrich Gaus.

Mit der Kriegserklärung der "kleinen Entente" um Großbritannien und Frankreich rechnet Hitler nicht. Erst am 25. August haben die Verbündeten Polens das Abkommen unterzeichnet. Die Briten meinen es ernst, die Appeasement-Politik des Premierministers Chamberlain ist Geschichte. In Warschau feiert man den Kriegseintritt der Alliierten.

Eskortiert von der Navy und der Royal Air Force werden britische Truppen nach Frankreich verlegt. Man rechnet mit einem baldigen Angriff der Wehrmacht. Es bleibt allerdings bei einigen Scharmützeln, die Polen nicht helfen. Ein größerer Angriff der Verbündeten im Westen, auf den man dort so dringend hofft, bleibt aus. Das Militär der Alliierten sieht sich dazu noch nicht in der Lage.

Im Vergleich zum August 1914 gibt es in Deutschland wenig Enthusiasmus für den neuen Krieg. Die Menschen genießen den herrlichen Sommer, viele verdrängen den Krieg. Schalke wird gegen Admira Wien deutscher Fußballmeister. Ein amerikanischer Reporter berichtet in die Heimat: "Wie kann ein Land einen so entscheidenden Krieg beginnen mit einer so kriegsmüden Bevölkerung?"

Das Wort "Krieg" ist in der NS-Propaganda zunächst verboten. "Vergeltung" und "Strafaktionen" sind die Vokabeln der Stunde. Propagandaminister Goebbels und der Reichsführer SS Heinrich Himmler (Bild links mit Reinhard Heydrich), sind nach den ersten Kriegserfolgen nahezu enttäuscht, keine Jubelszenen auf den Straßen zu sehen.

1,5 Millionen Soldaten der deutschen Wehrmacht rücken am 1. September ab 4.45 Uhr mit drei Angriffskeilen in das Nachbarland ein. 54 Divisionen umfasst die Streitmacht für den Angriff auf Polen. 3600 gepanzerte Fahrzeuge und 1500 Flugzeuge bilden den Kern der Wehrmacht.

Polen kämpft auf verlorenem Posten. Das polnische Militär sieht sich der modernsten Armee ihrer Zeit gegenüber. (Bild vom Nürnberger Parteitag 1936.)

Zahlenmäßig sind die beiden Streitmächte zwar fast auf Augenhöhe, aber die polnischen Panzer sind gegenüber den deutschen veraltet.

Ebenso wie die übrige Bewaffnung. Große Teile der polnischen Armee kämpfen noch zu Pferd oder zu Fuß. In gewisser Weise kämpft hier der Erste gegen den Zweiten Weltkrieg.

Die überlegene Motorisierung macht die Wehrmacht beweglicher und flexibler als die polnischen Verbände. Erstmals operieren Panzerverbände in weiten Formationen raumgreifend in feindlichem Gebiet. Die hohe Mobilität prägt den Begriff "Blitzkrieg".

Besonders in der Luft beginnt ein einseitiger Kampf. Gegen die technisch und zahlenmäßig überlegenen deutschen Flugzeuge können Polens Flieger nicht gewinnen. Auch wenn Görings Luftwaffe eigentlich als noch nicht einsatzfähig gilt, hat sie in Polen leichtes Spiel.

Nach nur zwei Tagen ist der größte Teill der polnischen Luftwaffe zerstört. Größere Luftkämpfe gibt es danach nur noch selten.

Die Deutschen haben die totale Luftüberlegenheit und nutzen diese, um polnische Städte und Dörfer erbarmungslos zu bombardieren.

Für Hitlers Piloten ist Polen eine Übung im Ernstfall. Eine Kerbe für jeden Abschuss machen diese Flieger. Im Luftkrieg gegen England wird sich das Blatt gegen die Angreifer wenden.

Die Heeresgruppe Nord greift mit 630.000 Mann aus Pommern und aus Ostpreußen an und stellt bereits am 3. September eine Landverbindung zwischen diesen beiden Gebieten her.

In einem dritten Angriffskeil stößt die Heeresgruppe Süd von Schlesien und der Slowakei in einem Bogen auf Warschau vor.

Die polnische Armee lässt ihre Kräfte verteilt auf die 1900 Kilometer lange Grenze aufmarschieren. Ohne natürlichen Schutz oder Möglichkeiten, sich zu verschanzen, werden die Linien schnell durchbrochen und große Teile der polnischen Armee eingekesselt.

Noch westlich der Weichsel werden bei einer Kesselschlacht bei Radom bedeutende Teile des polnischen Heeres vernichtet. Noch verlustreicher für die Polen ist die Schlacht an der Bzura, wo neun Infanteriedivisionen und drei Kavalleriebrigaden in einen deutschen Kessel geraten und aufgerieben werden.

170.000 polnische Soldaten kommen in Gefangenschaft, viele mehr sterben. Die polnische Armee ist geschlagen. Nur in der Nähe der Hauptstadt gibt es jetzt noch größere Verbände.

Auf dem Weg nach Warschau gibt es für die deutschen Aggressoren nun kein Hindernis mehr. Der Vormarsch wird begleitet von rücksichtsloser Gewalt. Hitler fordert: "Die Wehrmacht muss ihr Herz gegen Mitleid verschließen."

Nachdem der Widerstand der Armee zusammengebrochen ist konzentrieren sich drei Angriffskeile auf die polnische Hauptstadt.

Bereits am 8. September erreichen Panzerspitzen der 10. Armee Außenbezirke von Warschau.

Am 13. September hat sich der Ring um Warschau vollständig geschlossen. Hitler will die Stadt vor allem wegen des Prestiges schnell erobern.

Aber Warschau ist auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und das Zentrum der polnischen Rüstungsindustrie. Eine Aufforderung der Deutschen, die Stadt zu übergeben, wird am 16. September von polnischer Seite abgelehnt.

Am 22. September durchbrechen deutsche Panzerverbände die Verbindung Warschau-Modlin und kappen die letzte Verbindung. Drei Tage später beginnt der Angriff auf das isolierte Warschau.

120.000 Soldaten haben sich in der polnischen Metropole verschanzt. Die Bevölkerung mobilisiert die letzten Kräfte zur Verteidigung.

Die deutsche Luftwaffe setzt 1200 Maschinen ein, um Warschau zu bombardieren.

Schwer zu treffende Ziele werden mit Brandbomben attackiert. Solche Taktiken werden im späteren Verlauf des Krieges auch die Deutschen erleben.

Hitler inspiziert am 21. September ein erobertes polnisches Artillerie-Geschütz. Der Diktator bewegt sich früh nach den ersten Schüssen bereits in Frontnähe. Später wird er den Kampflinien nicht mehr so nahe kommen. Am 26. September beginnt die aufgerückte Artillerie, das brennende Warschau zu beschießen.

Der Beschuss und das vorausgegangene Bombardement richten schreckliche Verluste unter der Zivilbevölkerung an.

26.000 tote Zivilisten bringen die polnische Armeeführung dazu, am 27. September die Kapitulation der Stadt zu erklären.

Fünf Tage später rücken unter der Aufsicht Hitlers die deutschen Wehrmachtsverbände in Polens Hauptstadt ein. Am 5. Oktober lässt der Diktator bereits seine Truppen in Warschau zu einer Parade aufmarschieren. Rund 11.000 deutsche Soldaten sterben beim Angriff auf Polen.

Überall, wo die Deutschen Gebiete erobert haben, wird sofort mit der "Germanisierung" begonnen. Straßen- und Ortsschilder gibt es fortan nur noch mit den deutschen Namen.

Geschlagen war Polen allerdings spätestens mit dem Angriff der sowjetischen Armee am 17. September 1939. Diese rücken in Ostpolen ein und beginnen, polnische Gebiete zu besetzen. Die Aufteilung Polens war zwischen Deutschland und der UdSSR in einer geheimen Zusatzklausel des Nichtangriffspaktes vereinbart worden.

Sowjetische Politoffiziere tragen den Klassenkampf nach Polen. Nahezu die gesamte Intelligenz des Gebietes wird deportiert und zu großen Teilen ermordet. Am 28. September schließen Deutschland und die Sowjetunion einen Freundschaftsvertrag. Die Sowjets liefern Rohstoffe sowie Treibstoff für die deutschen Panzer und händigen der Gestapo polnische Juden und Widerständler aus.

Mit dem Einmarsch der Deutschen beginnen für die polnische Bevölkerung fast sechs Jahre unermesslichen Leidens. Bereits der Feldzug wird mit äußerster Brutalität geführt und verursacht unverhältnismäßig hohe Verluste unter der Zivilbevölkerung. Jüdische Soldaten werden oft nach der Gefangennahme ausgesondert und an Ort und Stelle erschossen.

Doch das ist erst der Anfang. Vom ersten Schuss an ist der Waffengang im Osten als Vernichtungskrieg angelegt. Der Chef des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, gibt die Weisung aus: "Die führenden Bevölkerungsschichten Polens sollen unschädlich gemacht werden."

Die Nazi-Ideologie betrachtet die Polen als "Untermenschen". Sie werden zu Zwangsarbeiten in der deutschen Rüstungsindustrie herangezogen und aus ihren Wohngebieten vertrieben.

Hinter den Kampflinien der Wehrmacht rücken Einheiten der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS (SD) nach und beginnen mit dem Massenmord an Juden und der polnischen Elite. Fünf der sechs von Himmler eingerichteten "Einsatzgruppen" begleiten die fünf am Feldzug beteiligten Armeen.

Mit äußerster Brutalität oder unter Vorgabe von Arbeitseinsätzen werden die Menschen zusammengetrieben und von Sonderkommandos durch Massenerschießungen getötet. Es ist der Beginn eines beispiellosen Massenmords, der später in den Vernichtungslagern als Mord-Industrie betrieben wird.

Auch Priester und Gewerkschafter werden ermordet. Nur sehr vereinzelt gibt es unter den Generälen der Wehrmacht Widerstand gegen dieses Vorgehen. Unbeteiligt ist die deutsche Armee keinesfalls. Oft verüben reguläre Truppen Hinrichtungen. Auch melden sich Wehrmachtsangehörige freiwillig für Erschießungskommandos.

Am 6. Oktober ergeben sich die letzten polnischen Feldtruppen. Nicht jedoch die polnische Regierung, die ins Exil flieht. Auch etwa 100.000 polnische Soldaten können vor der Wehrmacht ins Ausland fliehen und kämpfen bis 1945 weiter.

Etwa 200.000 jüdische Polen fliehen vor den Deutschen in das sowjetisch besetzte Ostpolen. Der deutsche Teil Polens wird zum "Generalgouvernement" erklärt. Etwa 400.000 "Reichsdeutsche" und 600.000 "Volksdeutsche" aus ganz Osteuropa werden im Kriegsverlauf dort angesiedelt.

Etwa sechs Millionen Polen verlieren in dem verbrecherischen Angriffskrieg Nazideutschlands bis 1945 ihr Leben, darunter drei Millionen Juden.

Am 20. September 1939 beschließen Hitler, Himmler und Heydrich, binnen eines Jahres alle Juden aus Deutschland nach Polen zu bringen und dort in Ghettos zu konzentrieren. Es ist die Vorstufe des Holocaust.

Bis zu sechs Millionen Juden werden diesem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte bis zum Kriegsende zum Opfer fallen. Die schrecklichsten Orte der Vernichtung liegen großteils auf polnischem Boden. Nazi-Deutschland wird 1945 in Trümmern liegen und am 8. Mai kapitulieren. Rund 60 Millionen Menschen sterben im Zweiten Weltkrieg. (Text: Markus Mechnich)

weitere Bilderserien