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Stiller Protest in der Türkei: Der stehende Mann vom Taksim-Platz

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Ein Mann steht auf dem Istanbuler Taksim-Platz. (Foto: dpa)

Ein Mann steht auf dem Istanbuler Taksim-Platz.

Ein Mann steht auf dem Istanbuler Taksim-Platz.

Sechs Stunden steht er auf dem Platz, auf dem vor Kurzem noch die Proteste gegen die türkische Regierung tobten.

Unverdrossen schaut er auf das Bildnis des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk an der Fassade des früheren Kulturpalastes.

Es dauert eine Weile, bis die Umstehenden den stillen Protest des Choreografen Erdem Gündüz überhaupt bemerken.

Doch inzwischen schließen sich viele Türken dem zivilen Ungehorsam des Mannes an.

Die eigenwillige Protestaktion des Istanbuler Choreografen macht im Internet rasch die Runde.

Die Berichte über den Protest des "bewegungslosen Mannes", auf Türkisch: duran adam, verbreiten sich über Twitter (Hashtag #duranadam) und Facebook.

Gündüz' Bild wird kommentiert und immer wieder gepostet.

Einen Monat will er auf dem Platz ausharren, nur gelegentlich abgelöst durch seine Freunde, heißt es.

In verschiedenen Tweets ist vom Mut des Mannes die Rede, sich der Regierung friedlich zu widersetzen.

Immer wieder wird der Vergleich zu Mahatma Gandhi gezogen.

Wie seine Freunde erklären, will Gündüz mit seiner Aktion trotz des verhängten Versammlungsverbots den Protest fortsetzen.

Andere nehmen inzwischen die Position von Gündüz ein und ahmen seine Haltung nach.

Nach der Räumung des Gezi-Parks unter dem massiven Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern hatten die Demonstranten angekündigt, über "neue Protestformen" nachzudenken.

Sie wollen zeigen, dass der Protest gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan keinesfalls nur von Terroristen und Randalierern ausgeht.

Auf dem Taksim-Platz ist jeder offene Protest inzwischen verboten.

Gündüz soll von der Polizei durchsucht und befragt worden sein. Er sei aber auf freiem Fuß, heißt es in türkischen Medien.

Als sich andere Demonstranten dieser Form des Protests anschließen wollten, seien sie von der Polizei abgeführt worden, melden Aktivisten.

Freunde von Gündüz bitten darum, ihn allein in der Mitte des Platzes stehen zu lassen.

Sonst werde die Polizei unter dem Vorwand, dass dies eine Versammlung sei, alle vertreiben.

Inzwischen steht bewegungslos eine junge Frau auf dem Taksim-Platz und liest ein Buch - die Augen mit einem Tuch verbunden.

Der Protest in der Türkei hat seine erste Ikone.

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