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13. August 1961: Mauerbau in Berlin: Die DDR sperrt ihre Bürger ein

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1.11 Uhr. Der Ostberliner Rundfunk ... (Foto: picture-alliance/ dpa)

1.11 Uhr. Der Ostberliner Rundfunk ...

1.11 Uhr. Der Ostberliner Rundfunk ...

... unterbricht seine "Melodien zur Nacht" für eine Sondermeldung.

In den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 wird unter Aufsicht von Volkspolizei und Nationaler Volksarmee die Sektorengrenze nach West-Berlin abgeriegelt. Die "Aktion Rose" läuft an.

Straßen werden aufgerissen, Panzersperren und Stacheldrahtverhaue errichtet. An vielen Orten in und um Berlin das gleiche Szenario. Langsam entsteht die Mauer und teilt die über Generationen gewachsene Stadt in zwei Teile.

Die Erlaubnis zur Einmauerung Westberlins hat die DDR-Regierung zuvor durch die UdSSR erhalten. Die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen helfen mit, die Errichtung des "antifaschistischen Schutzwalls" zu sichern. (Bild: Neukölln, 23. August 1961)

Die Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland ist schockiert, doch aufmerksame Beobachter kann die Aktion kaum überraschen (Bild: 18. August 1961).

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Berlin Brennpunkt des Ost-West-Konflikts (Bild: Sowjetische Soldaten haben das Brandenburger Tor erreicht, Aufnahme vom 9. Mai 1945).

Nach 1945 wird Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt, die von den Alliierten kontrolliert und verwaltet werden. Berlin als ehemalige Hauptstadt des Reiches wird in vier Sektoren geteilt.

Die drei Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich fördern in ihren Zonen den Aufbau einer parlamentarischen Demokratie (Bild: Konrad Adenauer während der Stimmauszählung für die Abstimmung über das westdeutsche Grundgesetz, 8. Mai 1949)

Die Sowjetunion bereitet den Boden für die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) zum Ausbau einer kommunistischen Diktatur (Bild: Der sowjetische Diktator Josef Stalin).

Als Reaktion auf die Währungsreform in den Westzonen und im westlichen Sektor Berlins kommt es zur Berlin-Blockade vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 durch die Sowjetunion. Die Bevölkerung wird durch "Rosinenbomber" über die Berliner Luftbrücke versorgt.

1949 werden zwei deutsche Staaten gegründet: Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik. (Bild: Adenauer wird am 20. September 1949 als erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland vereidigt)

Schritt für Schritt werden beide Staaten in die jeweiligen Machtblöcke integriert (Bild: Der künftige Präsident Wilhelm Pieck verliest am 7. Oktober 1949 im sowjetischen Sektor Berlins das Manifest, das den Beschluss der Schaffung der DDR verkündet).

Die innerdeutsche Grenze wird stetig ausgebaut. Allein die schwer zu bewachende Sektorengrenze zwischen Ost- und Westberlin bleibt offen (Bild: Besucher stehen auf dem Gelände der Gedenkstätte Deutsche Teilung an der A2 zwischen Helmstedt und Marienborn).

Am 17. Juni 1953 kommt es in der DDR zu einer großen Streik-, Demonstrations- und Protestwelle (Bild: Stalinallee, seit 1961 Karl-Marx-Allee, am 17. Juni 1953).

Eine schwere politische Krise erlebt Westberlin 1958. Der sowjetische KP-Chef Nikita Chruschtschow fordert, binnen eines halben Jahres Berlin in eine entmilitarisierte "Freie Stadt" umzuwandeln.

Hinter der Forderung steht der Gedanke, die Westhälfte Berlins in den sowjetischen Machtbereich einzugliedern. Das Ultimatum verstreicht jedoch (Bild: Kriegsende 1945, Soldat hisst auf dem Brandenburger Tor die sowjetische Fahne).

Etwa 2,6 Millionen Menschen, darunter viele gut ausgebildete junge Leute, verlassen bis 1961 die DDR und Ostberlin. Die Auswanderung bedroht zunehmend die Wirtschaftskraft und den Bestand des Staates (Bild: Notaufnahmelager Marienfelde).

Die Mauer soll der "Abstimmung mit den Füßen", weg aus dem "Sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat", durch Abriegelung der Grenzen Einhalt gebieten. Man könnte auch sagen: Die DDR-Bürger wurden eingesperrt.

SED-Chef Walter Ulbricht (M.) hatte in den vergangenen Monaten heftig bei Chruschtschow (l.) insistiert und ihn schließlich überzeugen können, dass nur die Abriegelung von Westberlin ein "Ausbluten" der DDR verhindern könne.

Noch am 15. Juni 1961 hatte Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz auf die Frage einer westdeutschen Journalistin etwas ganz anderes geantwortet: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"

Die Aktion, die dann in der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 beginnt, ist generalstabsmäßig geplant (Bild: Chausseestraße).

Sie wird geleitet von einem im Westen bis dahin kaum bekannten SED-Funktionär: Erich Honecker (l.).

Die Sperranlagen schneiden über 50.000 Ostberliner von ihren Arbeitsplätzen im Westen ab.

Familien werden auseinandergerissen, ...

... Freunde getrennt. Ein Trauma.

Menschen müssen grenznahe Bezirke verlassen und umziehen (Bild: 26. September 1961).

Das Verkehrsnetz wird zerschnitten (Bild: Potsdamer Platz, Berlin, 28. August 1961).

Die Zahl der Grenzübergangsstellen zwischen beiden Stadthälften wird auf sieben reduziert (Bild: Friedrichstraße, 24. August 1961).

Bekanntester Grenzübergang ist der "Checkpoint Charlie", der den sowjetischen mit dem US-amerikanischen Sektor sowie die Berliner Bezirke Mitte (Ost) und Kreuzberg (West) verbindet (Bild: Oktober 1964).

Die Mauer verläuft quer durch die Stadt. Bereits seit 1951 war es Westberlinern nicht mehr ohne Weiteres erlaubt, in den Ostsektor zu fahren.

In letzter Minute versuchen Menschen in den Tagen des Mauerbaus zu flüchten. Insgesamt gibt es 216 gelungene Versuche von 400 Menschen (Bild: 13. August 1961).

Bis zum September 1961 desertieren allein von den eingesetzten Sicherungskräften 85 Mann nach Westberlin. Das Foto des jungen Grenzpolizisten Conrad Schumann beim Sprung über den Stacheldraht an der Bernauer Straße geht um die Welt. (Bild: 15. August 1961)

Immer wieder gibt es bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989 Fluchtversuche, oft durch Tunnel.

Für das SED-Regime ist jeder, der über die Grenze möchte, ein Verbrecher. Auf ihn darf geschossen werden (Bild: gescheiterter Fluchtversuch zweier Ost-Berliner an der Chausseestraße im April 1989).

Tiefe Betroffenheit und Unverständnis löst der Tod Peter Fechters knapp ein Jahr nach Errichtung der Mauer aus. Bei einem Fluchtversuch wird der 18-Jährige am 17. August 1962 von Volkspolizisten niedergeschossen.

Länger als 50 Minuten liegt er blutend am Grenzstreifen, bevor er geborgen wird.

Mehr als 125 Menschen sterben bei Fluchtversuchen. Überall in Berlin und an der alten Grenze wird inzwischen ihrer gedacht.

Adenauer ruft die Menschen noch am 13. August 1961 zur Ruhe auf und versucht, die aufgebrachte Bevölkerung zu beschwichtigen. Er rät, weiter auf die Hilfe und Unterstützung der Alliierten zu vertrauen.

Nach Berlin fährt er allerdings erst am 22. August, da er sich im Wahlkampf befindet. Angesichts der dramatischen Lage löst dies allgemeines Unverständnis aus (Bild: Konfrontation am Checkpoint Charlie)

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, protestiert heftig. Umgehend setzt er sich mit den westlichen Stadtkommandanten in Verbindung und will wissen, was sie zu tun gedenken. Er trifft auf Ratlosigkeit.

Immerhin gelingt es ihm, Patrouillen an die Sektorengrenzen schicken zu lassen, um den Westberlinern ein Gefühl von Sicherheit zu geben.

Die Proteste in Westberlin nehmen nicht ab, teilweise kommt es zu heftigen Ausschreitungen (Bild: 13. August 1961).

Willy Brandt bezieht Stellung.

Die West-Berliner fühlen sich im Stich gelassen. Die "Bild"-Zeitung titelt am 16. August: "Der Westen tut nichts!" Das ist die emotionale Betrachtungsweise.

Pragmatischer muss das US-Präsident John F. Kennedy sehen. Er zeigt sich erleichtert, dass Chruschtschow mit dem Mauerbau anscheinend seine Ansprüche auf Westberlin zurückstellt. Die Mauer sei keine angenehme Lösung, "aber verdammt noch mal besser als ein Krieg".

1500 GIs werden zur Verstärkung der US-Garnison nach Berlin geschickt. Doch es bleibt bei verbalen Protesten. Immerhin besuchen der US-amerikanische Vizepräsident Lyndon B. Johnson (2. v. l.) ...

... und General Lucius D. Clay, der in der Stadt als Organisator der Luftbrücke von 1948/49 noch in guter Erinnerung ist, Berlin.

Er gilt als Vertreter einer unnachgiebigen Haltung gegenüber der Sowjetunion und soll die Bevölkerung beruhigen.

Die Welt hält den Atem an, als sich im Oktober 1961 für kurze Zeit sowjetische und US-amerikanische Panzer am "Checkpoint Charlie" gegenüberstehen. Auslöser war der Versuch der SED-Führung, alliiertes Recht der Westmächte in Berlin einzuschränken.

Diese zweite Berlin-Krise ist einer der Höhepunkte des Kalten Krieges, den die USA und die Sowjetunion von 1945 bis 1990 mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, aber immer unterhalb der Schwelle eines offenen, direkten Krieges austrugen.

Trotz heftiger Proteste verteidigt die Regierung der DDR den Mauerbau: Er sei nötig gewesen, um dem "Treiben der westdeutschen Revanchisten und Militaristen" einen Riegel vorzuschieben (Bild: Ulbricht auf dem Weg nach Moskau).

Der "Zementierung" der deutschen Teilung kann nichts entgegengesetzt werden. Die DDR-Führung bezeichnet das Bauwerk als "befestigte Grenze" und propagiert den zynischen Begriff "Antifaschistischer Schutzwall".

Das Brandenburger Tor direkt an der Mauergrenze wird zum traurigen Symbol des Kalten Krieges ...

... und bleibt es sehr lange.

In den folgenden Jahren wird die Grenze technisch weiter ausgebaut.

Was im Weg steht, ...

... wird gnadenlos abgeräumt.

Die DDR investiert viel Geld in ihre Grenzanlagen.

Der Grenzstreifen ist breit. Wachtürme, Lichtsysteme, Minenfelder, ...

... Hundeläufe ...

... und Selbstschussanlagen zeigen ihre Wirkung.

Eine Flucht ist lebensgefährlich.

Nur mit viel Mut gelingt es, die DDR zu verlassen (Bild: Flüchtlinge haben ihr Auto auf Usedom zurückgelassen, sind dann Richtung Dänemark mit einem kleinen Boot).

Die Kreativität ist im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos.

Die DDR erlebt - nun, wo die Massen der Werktätigen nicht mehr gehen können - eine kurze Zeit der wirtschaftlichen Blüte.

Das Passierscheinabkommen von 1963 macht die Mauer ein wenig durchlässiger. Westberlinern ist es nun erlaubt, zumindest am Jahresende im Osten ihre Verwandten zu besuchen.

Am 26. Juni 1963 kommt John F. Kennedy anlässlich des 15. Jahrestags der Berliner Luftbrücke nach Berlin.

Es ist der erste Besuch des US-Präsidenten nach dem Mauerbau.

Sein Ziel ist es, seine Solidarität mit den Menschen von Westberlin zum Ausdruck zu bringen.

Während Kennedys Mutter Rose sich die Grenzanlagen zeigen lässt, ...

... spricht der Präsident vor dem Rathaus in Schöneberg die berühmt gewordenen Worte: "Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger von Berlin. Und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner!"

Ab Anfang der 70er Jahre wird mit der durch Willy Brandt eingeleiteten Politik der Annäherung die Grenze zwischen den beiden Staaten durchlässiger. Einreiseerleichterungen in die DDR werden gewährt (Bild: Brandt kniet vor dem Denkmal im Warschauer Getto. Die Geste markiert den Wandel in der Ostpolitik).

Am 12. Juni 1987 fordert US-Präsident Ronald Reagan anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins vom Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow: ...

"Generalsekretär Gorbatschow, wenn Sie nach Frieden streben, wenn Sie Wohlstand für die Sowjetunion und für Osteuropa wünschen, wenn Sie die Liberalisierung wollen, dann kommen Sie hierher zu diesem Tor. Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!"

Die wirtschaftliche Lage in der DDR verschlechtert sich unterdessen zunehmend. Das Land bekommt Geld aus dem Westen. Innenpolitisch entsteht angesichts einer globaler werdenden Welt starker Druck im Kessel.

Friedliche Massendemonstrationen und Ausreiseforderungen in der gesamten DDR führen schließlich zur Öffnung der Mauer.

Nach mehr als 28 Jahren fällt die Mauer in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989.

Der Grenzübergang Bornholmer Straße in Berlin ist einer der ersten, die geöffnet werden.

Der Jubel und die Freude in Ost- und Westberlin, im ganzen Land, kennt keine Grenzen.

Seit dem 9. November 1989 ist das Brandenburger Tor Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas.

Heute dient die Mauer im Wesentlichen nur noch als Erinnerungsstück und als Fotomotiv für Touristen. (Bild: Vor der "East Side Gallery" in Berlin)

Ein echtes "Mauergefühl", wie es viele Berliner noch erinnern, kommt nur noch an manchen Stellen auf.

Zahlreiche Denkmäler und Skulpturen erinnern an den Schrecken, der sich abspielte.

Berlin ist wärmer geworden durch den Abriss des Bauwerks. Manche sagen: langweiliger.

Irgendwie wird sie aber sowieso für immer da sein.

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