13.02.2012 10:28 Uhr Frankfurt 09:28 Uhr London 04:28 Uhr New York 18:28 Uhr Tokio
Suche
Politik

Antrittsbesuch mit Krawatte: Guttenberg am Hindukusch

 
Antrittsbesuch mit Krawatte: Guttenberg am Hindukusch

Andere Länder schicken schicken Popstars zur Hebung der Truppenmoral ins Ausland, in Deutschland ist das Chefsache.

Als der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg überraschend nach Afghanistan reist, steht die Truppe kopf.

Hunderte Uniformierte drängen sich trotz der nächtlichen Kälte im Innenhof eines Flachbaus im Lager Masar-i-Scharif, wo gewöhnlich Kaffee und Bier ausgeschenkt werden. An diesem Abend gibt es auch Bier, die Attraktion ist diesmal aber: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Auch auf Auslandsreise wirkt der Verteidigungsminister gewohnt schnittig. So schnittig sogar, dass er ins Bild montiert scheint.

Doch Guttenberg ist wirklich da - und sorgt für Verzückung, bei Männern und Frauen. Mit kieksender Stimme bitten Soldatinnen um ein gemeinsames Foto mit dem 37-jährigen Minister. Auf seinem Weg durch die Menge begleitet Guttenberg ein Blitzlichtgewitter.

Viele Soldaten wollen ihrem neuen Chef einfach nur die Hand schütteln.

Ein paar Worte mit ihm wechseln.

Gerade mal zwei Wochen ist Guttenberg im Amt, schon hat er sich aufgemacht an den Hindukusch.

Das ist konsequent. Schließlich war eine der ersten Amtshandlungen des CSU-Ministers die Abkehr von der Linie seines Vorgängers Franz Josef Jung (CDU) gewesen. Dieser wollte die Bundeswehr in Afghanistan eisern in einem Stabilisierungseinsatz sehen, nicht in einen kriegerischen Konflikt verwickelt.

Guttenberg, einst Gebirgsjäger, kassierte diese Ministeriumshaltung und sprach schnell von "kriegsähnlichen Zuständen". Vor Ort wiederholt er diese Einschätzung und erhält Zustimmung. "Damit trifft er den Kern", sagt ein Offizier.

Der nicht angekündigte Besuch in Afghanistan ist für den Verteidigungsminister der erste richtige Auslandstermin, nur bei der NATO in Brüssel war er schon vorher. Fehlende Nähe zur Truppe, wie sie Jung vorgeworfen wurde, will sich Guttenberg nicht nachsagen lassen.

Den zügigen "Antrittsbesuch", wie ihn Guttenberg nennt, rechnet die Truppe dem 37-Jährigen hoch an. "Man hat das Gefühl: Das ist einer, der hat sich auf das Amt gefreut, der macht das mit Herzblut", beschreibt ein 29-jähriger Soldat seinen ersten Eindruck. Sein Fazit: "Mich motiviert das auf jeden Fall."

Als Guttenberg im Dunkeln eine kurze Ansprache hält, geht ein Raunen durch die Reihen. Kurz zuvor hat er sich das Ehrenmal für die gefallenen Soldaten im Norden Afghanistans zeigen lassen, hatte sich dort aus Respekt vor den Toten verneigt.

Nun mahnt er nachdenklich, man dürfe nicht nur kühl dem Soldatentum nachgehen, auch Emotionen müsse man zulassen - indem man sich die Folgen klarmache, die der Dienst für die Soldaten haben könne.

Doch der neue Minister kann auch Lob mit Pathos: "Sie leisten hier Großartiges. Ich glaube, dass unser gemeinsames Vaterland auf Sie stolz sein kann. Ich bin es zumindest." Dann verkündet er, nun Lust auf ein anständiges Bier zu haben - und dass er sich auf einen Abend freue, an dem er einmal nicht über Autos und Opel reden müsse.

Stattdessen wird er künftig mehr über "militärische Angemessenheit" und Opfer reden müssen.

Bislang sind die Soldaten noch äußerst angetan - weil Guttenberg ausspreche, was die Soldaten bewegt.

Der Verteidigungsminister hat die Sympathien vieler Soldaten gewonnen, Hoffnungen geweckt.

Hat wie zuvor die USA, Großbritannien und die Vereinten Nationen den Druck auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai erhöht und klar die Erwartung formuliert, "dass die Regierung in Vorlage zu treten hat", auch in puncto Kriminalitäts- und Korruptionsbekämpfung.

Und zum heiklen Thema Ausstiegsstrategie hat Guttenberg betont, Ziel sei die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen selbst, und dass nicht erst an einem "allzu fernen Tage".

Doch messen wird ihn die Truppe letztlich natürlich nur an spürbaren Erleichterungen und Verbesserungen.

"Mal sehen, was die nächsten Jahre so bringen", sagt ein Soldat.

Er weiß genauso gut wie Guttenberg: Gut aussehen hebt zwar die Moral der Truppe - sieht aber letztlich doch nur gut aus.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.