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Kanzler einer Generation: Helmut Kohl

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16 Jahre lang ist Helmut Kohl Bundeskanzler - zunächst der alten Bundesrepublik, dann des vereinigten Deutschlands.

16 Jahre lang ist Helmut Kohl Bundeskanzler - zunächst der alten Bundesrepublik, dann des vereinigten Deutschlands.

16 Jahre lang ist Helmut Kohl Bundeskanzler - zunächst der alten Bundesrepublik, dann des vereinigten Deutschlands.

Er ist der letzte Kabinettschef, der den Zweiten Weltkrieg noch selbst miterlebt. Diese Erlebnisse bestimmen sein Denken und Handeln während seines gesamten politischen Lebens.

Helmut Josef Michael Kohl erblickt am 3. April 1930 im Städtischen Krankenhaus von Ludwigshafen das Licht der Welt. Er ist das dritte Kind des Finanzbeamten Hans Kohl und dessen Frau Cäcilie, geb. Schnur. Ludwigshafen gehört damals zu Bayern.

Kohls Elternhaus ist bürgerlich-konservativ und römisch-katholisch geprägt. Der Vater wählt zu Zeiten der Weimarer Republik die Zentrumspartei. Das prägt auch den Sohn.

Als der kleine Helmut zwei Jahre alt ist, wird die Weimarer Republik zu Grabe getragen. Die Nationalsozialisten Adolf Hitlers kommen am 30. Januar 1933 an die Macht. In zwölf Jahren ermorden sie Millionen Juden und Andersdenkende, beginnen den Zweiten Weltkrieg und führen Deutschland in die Katastrophe.

Kohls Eltern verabscheuen die Verbrechen der Nationalsozialisten. "Gnade uns Gott, wenn wir das einmal büßen müssen", zitiert Helmut Kohl in seinen Memoiren seinen Vater.

Er selbst wird gegen Kriegsende als Luftwaffenhelfer eingezogen, kommt aber nicht mehr zum Kampfeinsatz. Sein älterer Bruder Walter fällt kurz vor Kriegsende.

Im Ludwigshafener Stadtteil Friesenheim besucht Helmut Kohl zunächst die Grundschule und anschließend das Max-Planck-Gymnasium. Über den katholischen Dekan Johannes Finck findet er in die Politik.

Nach dem Abitur studiert er in Frankfurt am Main Rechtswissenschaften. 1951 zieht es ihn an die Heidelberger Universität, wo er Geschichte und Staatswissenschaften studiert. Nebenher arbeitet er als Werksstudent bei BASF in Ludwigshafen.

Es ist die Zeit, in der die Weichen in Richtung eines geteilten Deutschlands gestellt werden. Aus den Westzonen bildet sich 1949 die Bundesrepublik Deutschland, deren Bundeskanzler Konrad Adenauer von der CDU wird.

Kohl ist seit 1946 Parteimitglied, kann sich aber am Anfang wenig für Adenauer (hier im Bild mit Ludwig Erhard) begeistern. Mit seinen 73 Jahren zu Beginn der Kanzlerschaft hält Kohl den ehemaligen Kölner Oberbürgermeister für zu alt.

Die Jungen in der Union hätten damals auf Jakob Kaiser (rechts) gesetzt, verrät er in seinen "Erinnerungen". In Berlin ficht Kaiser gegen die Willkür und Diktatur der Sowjets.

Aber Adenauers Politik der Aussöhnung mit Frankreich überzeugt den jungen Helmut Kohl, ist doch seine Heimat ein Teil der französischen Besatzungszone. Die Pflege der Beziehungen zu Frankreich bestimmt auch später Kohls Politik.

Später holt sich Kohl als hoffnungsvoller CDU-Nachwuchspolitiker öfters Rat beim "Alten".

Großen Respekt hat Kohl auch vor dem ersten SPD-Vorsitzenden der Bundesrepublik, Kurt Schumacher. Der Mann, der elf Jahre im Konzentrationslager saß, ist für Kohl eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Dennoch schafft es auch Schumacher (hier mit seiner Sekretärin Annemarie Renger) nicht, Kohl für die SPD zu begeistern. Die SPD in Ludwigshafen ist für ihn der Inbegriff von doktrinärem Denken.

Kohl besucht 1948 auch die Gründungsversammlung der FDP. Ihr Chef, der erste Bundespräsident Theodor Heuss, ist für ihn ein Bindeglied zur Frankfurter Nationalversammlung von 1848.

"Ich bin bewusst in die CDU gegangen, weil ihre Programmatik auf dem christlichen Menschenbild aufbaut", schreibt Kohl später. Trotz mancher Enttäuschungen habe er seine Entscheidung nie bereut.

Beruflich geht es mit Helmut Kohl in den 50er Jahren bergauf. Nach Beendigung des Studiums 1956 wird er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alfred-Weber-Institut der Universität Heidelberg. 1958 promoviert er mit dem Thema "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945".

Anschließend wird der mittlerweile 28-Jährige Direktionsassistent bei einer Ludwigshafener Eisengießerei und Referent des "Industrieverbandes Chemie" in seiner Heimatstadt. 1960 heiratet Kohl die Fremdsprachenassistentin Hannelore Renner.

Parallel dazu bastelt er an seiner politischen Karriere. 1963 wird Kohl im Alter von nur 33 Jahren Chef der CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz. Bereits drei Jahre später wird er auch CDU-Landeschef.

Die Tür zur Macht ist damit für Kohl endgültig offen. Allerdings kann er erst im Mai 1969 den langjährigen Ministerpräsidenten Peter Altmeier beerben.

Im ersten Mainzer Kabinett Kohl sitzen auch die Landesminister Bernhard Vogel (links) und Heiner Geißler (links hinter Kohl) - beide werden Kohls Karriere lange Zeit begleiten.

Mit Kohl kommt frischer Wind in die Mainzer Staatskanzlei. Die wichtigste Entscheidung seiner Amtszeit ist die Gebietsreform.

Kohl wird zweimal in seinem Amt bestätigt. 1971 und 1975 holt die rheinland-pfälzische CDU jeweils die absolute Mehrheit.

Kohl beweist in seiner Mainzer Zeit Gespür für politische Talente. Er verhilft Richard von Weizsäcker und Roman Herzog zu einem Seiteneinstieg in die Politik. Beide werden später Bundespräsidenten.

Aber Rheinland-Pfalz ist Kohl (hier mit Sohn Peter) bereits zu eng geworden. Bonn ruft und Kohl plant die Übernahme des Vorsitzes der Bundes-CDU.

Nach drei Jahren Großer Koalition unter Kanzler Kurt-Georg Kiesinger geht die SPD von Willy Brandt 1969 ein Bündnis mit der FDP ein. Zum ersten Mal befindet sich die Union in der Opposition.

Das ist auch das Ende für Kiesinger (r.) als CDU-Chef. Ein neuer Vorsitzender muss her - und Kohl wagt 1971 einen ersten Anlauf. Allerdings scheitert er zunächst an Rainer Barzel, dem CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef.

Doch Kohl steckt nicht auf. Er spinnt ein parteiinternes Netzwerk bis in die untersten Ebenen - das "System Kohl" wird geboren.

Doch die CDU ist im Bund weiterhin in der Opposition. Willy Brandts erfolgreiche Ostpolitik macht die SPD 1972 gar zur stärksten Partei. Das kostet Rainer Barzel den Posten als CDU-Chef. Nun ist Kohl am Zug, er tritt 1973 dessen Nachfolge an.

Zunächst wird der Pfälzer in Bonn belächelt, er gilt als Provinzler.

Auch der seit 1974 amtierende Bundeskanzler Helmut Schmidt sieht in Kohl keine Gefahr.

Kohl selbst versucht derweil, die Union hinter sich zu bringen. 1976 führt er die CDU in den Bundestagswahlkampf - und schafft eine kleine Sensation: ...

... CDU und CSU kommen auf 48,6 Prozent, SPD und FDP verfügen nur noch über eine knappe Mehrheit.

Kohl verlässt daraufhin Mainz, wechselt in die Bundespolitik nach Bonn und wird Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Hier muss er sich in den 1970er Jahren auch mit dem Terror der RAF auseinandersetzen. Ohnmächtig muss er ertragen, wie etwa sein Freund, Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer, von den Terroristen ermordet wird. Kohl unterstützt die harte Haltung der Schmidt-Regierung gegen die RAF.

Doch ihm droht auch Ungemach aus den eigenen Reihen. CSU-Chef Franz Josef Strauß - hier mit seinem Generalsekretär Edmund Stoiber - macht keinen Hehl daraus, dass er sich für den besseren Oppositionsführer hält. Die CSU fasst den so genannten Trennungsbeschluss und will die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufheben.

Kohl gerät in Bedrängnis, Medien spekulieren bereits über seinen Sturz. Doch dieser kontert die CSU-Attacke eiskalt und droht den Christsozialen mit einer Ausweitung der CDU nach Bayern. Strauß gibt daraufhin klein bei.

Dafür verzichtet Kohl bei der Bundestagswahl 1980 zugunsten von Strauß auf die Kanzlerkandidatur - ein richtiger Schachzug, wie sich herausstellt.

Denn der bayerische Ministerpräsident kann Schmidt nicht aus dem Kanzleramt vertreiben, die Union bleibt sogar hinter dem Ergebnis von 1976 zurück. Es ist auch eine unionsinterne Niederlage für Strauß.

Doch auch Schmidt gerät in schweres Fahrwasser. Die Regierung bekommt die steigende Arbeitslosigkeit nicht in den Griff.

Der vehemente Einsatz des Kanzlers für den Nato-Doppelbeschluss als Reaktion auf die sowjetische Gefahr stößt auch in der eigenen Partei auf heftigen Widerstand.

Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Chef von Schmidts Koalitionspartner FDP, führt schließlich im Hintergrund Gespräche mit Kohl zur Bildung einer christlich-liberalen Koalition. Auch Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff fordert eine grundlegende Wende in der Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Die FDP lässt die Koalition mit der SPD schließlich platzen. Schmidt verliert am 1. Oktober 1982 die Vertrauensabstimmung im Bundestag.

CDU/CSU-Fraktion und die Mehrheit der FDP-Fraktion wählen daraufhin Helmut Kohl zum Bundeskanzler.

Um für Klarheit zu sorgen, inszeniert Kohl schließlich eine Abstimmungsniederlage im Parlament. Bei den darauffolgenden Bundestagswahlen im März 1983 erhält die neue Regierungskoalition eine klare Mehrheit. Für die SPD beginnt eine 16-jährige Zeit in der Opposition.

Politiker und Medien prophezeien Kohl eine kurze Amtszeit, ...

... doch dieser verkündet in seiner Regierungserklärung die "geistig-moralische Wende". Und Kohl hat Glück: In den ersten Regierungsjahren gehen Neuverschuldung, Staatsquote und Inflation zurück.

Gegen heftige Proteste stationiert er zudem Pershing-2 und Cruise Missiles in der Bundesrepublik. Später sagt Kohl, er sei von den Massendemonstrationen beeindruckt gewesen. Er habe jedoch nie Zweifel an der Richtigkeit seiner Entscheidung gehabt.

1984 erschüttert die Flick-Affäre um illegale Zahlungen an deutsche Politiker die Regierung Kohl. Im Untersuchungsausschuss sagt er die Unwahrheit. Tatsächlich wusste er von der Spendenbeschaffungsanlage "Staatsbürgerliche Vereinigung".

Kohl übersteht diese erste große Krise seiner Regierungszeit wegen der guten Wirtschaftsdaten und der Schwäche der oppositionellen SPD. Allerdings tritt im Zuge der Affäre FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff zurück.

Bei der Bundestagswahl 1987 wird die Koalition aus CDU, CSU und FDP bestätigt. Die Union bleibt trotz Verlusten die stärkste Fraktion. Kohl etabliert sich als unbestrittener Machtfaktor, zumal CSU-Chef Strauß ein Jahr später stirbt.

Trotzdem rumort es in der Partei. Generalsekretär Heiner Geißler sucht auf dem Bremer CDU-Parteitag 1989 die Entscheidung. Er will die Ablösung Kohls als CDU-Chef. Doch dieser hält sich, stattdessen muss Geißler seinen Hut nehmen. Auch andere Parteirebellen wie Rita Süssmuth und Lothar Späth verlieren an Einfluss.

Außenpolitisch setzt Kohl auf das gute Verhältnis zu Frankreich. Bei der Entwicklung einer Europäischen Union arbeitet er eng mit dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand zusammen.

Am 22. September 1984 treffen sich beide Politiker am Ort der Schlacht von Verdun. Hand in Hand gedenken sie der Toten beider Weltkriege - das Bild geht um die Welt.

Als Mitterrand 1995 stirbt, schämt sich Kohl bei der Trauerfeier seiner Tränen nicht. Mitterrand hatte trotz Bedenken der deutschen Einheit 1990 zugestimmt. Das vergisst ihm Kohl nie.

Etwas schwieriger gestaltet sich das Verhältnis zu Margaret Thatcher. Als britische Premierministerin verfolgt diese einen anti-europäischen Kurs, der bei Kohl auf Unverständnis stößt.

Besser ist das Verhältnis zur Supermacht USA. Kohl und US-Präsident Reagan verstehen sich gut. Der gemeinsame Besuch auf dem Soldatenfriedhof Bitburg im Jahr 1985 wird allerdings heftig diskutiert, da dort auch Angehörige der Waffen-SS beerdigt sind.

Legendär wird dagegen im Juni 1987 der gemeinsame Auftritt an der Berliner Mauer, bei dem Reagan sagt: "Mister Gorbatschow, öffnen Sie das Tor."

Michail Gorbatschow ist seit 1985 der erste Mann in der Sowjetunion. Trotz anfänglicher Vorbehalte (Kohl vergleicht Gorbatschow indirekt mit Goebbels) fassen beide nach einem Treffen im Juni 1989 in Bonn Vertrauen zueinander.

Das ist wichtig für den Prozess der deutschen Einheit. Denn das Verhältnis der beiden deutschen Staaten ist angespannt. Kohl stimmt allerdings den von Franz Josef Strauß ausgehandelten Milliardenkrediten für die marode DDR zu. Doch selbst der Besuch des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker 1987 in der Bundesrepublik führt zu keiner Einigung.

Doch der Ostblock und Europa befinden sich seit Gorbatschows Reformpolitik im Umbruch. Am 27. Juni 1989 wird die österreichisch-ungarische Grenze durchlässig.

Viele DDR-Bürger fliehen im Sommer 1989 über Ungarn in den Westen.

Auch in der bundesdeutschen Botschaft in Prag finden Flüchtlinge Zuflucht. Auf dem Botschaftsgelände existieren nach kurzer Zeit unhaltbare Zustände. Die Regierung Kohl sucht nach einer Lösung.

Außenminister Hans-Dietrich Genscher (hier mit Kanzleramtsminister Rudolf Seiters) verkündet schließlich vor Ort die Genehmigung der Ausreise der Flüchtlinge in die Bundesrepublik.

Die DDR ist am Ende, nach den Feiern zum 40. Jahrestag bricht sie zusammen. Das Volk begehrt gegen die SED-Machthaber auf.

Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer. Zehntausende DDR-Bürger besuchen zum ersten Mal in ihrem Leben den Westteil der Stadt.

Während die Menschen über den Grenzübergang an der Bornholmer Straße strömen, absolviert Kohl einen wichtigen Besuch in Polen. Doch er fühlt sich in Warschau fehl am Platze.

Der Kanzler kehrt zurück und nimmt neben Willy Brandt und dem Regierenden Bürgermeister Walter Momper am 10. November 1989 an einer Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin teil. Kohl wird während seiner Rede allerdings gnadenlos ausgepfiffen.

Während andere noch zögern, handelt Kohl. Am 28. November 1989 legt er ohne vorherige Absprache mit dem Koalitionspartner ein "Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas" vor.

Das Ausland reagiert irritiert. US-Präsident George Bush sagt als erster Staatsmann Kohl seine Unterstützung zu.

Margaret Thatcher ist dagegen wütend. Sie lehnt eine schnelle Einigung Deutschlands vehement ab.

Allerdings ist der Zug in Richtung Einheit nicht mehr aufzuhalten. Kohl erkennt, dass die DDR-Bürger mehrheitlich ein geeinigtes Deutschland wollen. Am 19. Dezember 1989 besucht er Dresden, wo er begeistert empfangen wird.

Im März 1990 können die DDR-Bürger erstmals frei wählen. Die von Kohl unterstützte "Allianz für Deutschland" aus Ost-CDU, DSU und Demokratischem Aufbruch siegt. Lothar de Maizière wird Ministerpräsident.

Am 1. Juli des Jahres wird die Währungsunion verwirklicht. Die Bundesregierung will so die Fluchtbewegung in Richtung Westen eindämmen. Kohl erntet heftige Kritik, weil ein Teil des Geldes 1:1 umgetauscht wird - weit über Wert.

Dann kann Kohl eine letzte Hürde beseitigen: Er besucht Gorbatschow in seiner südrussischen Heimat und ringt ihm die Zustimmung zur Einheit ab. Im Gegenzug sagt der Kanzler der UdSSR Milliardenhilfen zu.

Am 31. August 1990 unterzeichnen schließlich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und DDR-Staatssekretär Günther Krause den Einigungsvertrag. Die DDR tritt nach Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei.

Am 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint. Kohl geht als Kanzler der Einheit in die Geschichte ein.

Doch ihm bleibt wenig Zeit zum Jubel. Bereits am 2. Dezember stehen die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen an. Die schwarz-gelbe Koalition kann sich deutlich behaupten, Kohl ist auf dem Höhepunkt seines Ansehens.

Doch obwohl der Kanzler von der Welle der nationalen Begeisterung profitiert, beginnt sein politischer Stern bereits zu sinken.

Ohnehin ist Kohl über seine gesamte politische Karriere das Ziel von Satire und Spott. Kritikern gilt der Pfälzer als provinziell und volkstümlich, der seine Staatsgäste auch mit seinem Leibgericht, dem Pfälzer Saumagen, bewirtet. Die Birne wird zum satirischen Symbol des Kanzlers.

Der Künstler Christoph Schlingensief fordert 1998 gar, alle vier Millionen Arbeitslosen sollten im Wolfgangsee baden, um so Kohls Urlaubsort zu fluten.

Tatsächlich ist die rapide zunehmende Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland ein großes Problem für die Regierung. Der Umbau der Wirtschaft in den neuen Ländern fordert viele Opfer - und kostet viel Geld. Kohl unterschätzt dies, sein Kabinett hat mit steigender Staatsverschuldung und riesigen Haushaltslöchern zu kämpfen.

Nun rächt sich, dass Kohl seinen Wahlkampf mit teils unhaltbaren Versprechen von "blühenden Landschaften" geführt hat. Die Unzufriedenheit mit seiner Politik nimmt zu.

Dennoch gelingt Kohl 1994 erneut ein Wahlsieg, auch weil die SPD mit Rudolf Scharping einen schwachen Gegenkandidaten aufstellt.

In seinen letzten Amtsjahren flüchtet Kohl in die Außenpolitik. 1994 verabschiedet er gemeinsam mit Russlands Staatschef Boris Jelzin die russischen Truppen in Deutschland.

Auch das transatlantische Bündnis wird weiterentwickelt. Kohl und US-Präsident Bill Clinton müssen sich etwa mit der Jugoslawien-Krise befassen.

Im Inland weht ihm dagegen einer rauer Wind entgegen. Kohl selbst - der inzwischen länger als Adenauer im Kanzleramt sitzt - verschließt jedoch die Augen vor der Realität.

So tritt er mit 68 Jahren zur Bundestagswahl 1998 erneut als Spitzenkandidat an - und düpiert damit auch seinen langjährigen Weggefährten Wolfgang Schäuble, der als Kohls Nachfolger gilt.

Es kommt, wie es kommen muss: Die Union rutscht bei der Wahl ab, die SPD holt sich mit ihrem Spitzenkandidaten Gerhard Schröder den Wahlsieg.

Nach 16 Jahren an der Regierung ist Schwarz-Gelb abgewählt. Der auf diesem Grünen-Plakat gehegte Wunsch wird Wirklichkeit.

Kohls Ära ist zu Ende, auch wenn er als einfacher Bundestagsabgeordneter der Politik treu bleibt.

Doch es droht Ungemach: Ende 1999 wird die CDU von einer Spendenaffäre erschüttert, in deren Mittelpunkt Helmut Kohl steht.

Der neue CDU-Chef Wolfgang Schäuble verlangt von Kohl eine Aussage über die Herkunft von zwei Millionen D-Mark. Kohl verweigert diese mit Verweis auf ein gegebenes Ehrenwort. Dies bringt ihm harsche Kritik ein. Schließlich verzichtet der Ex-Kanzler sogar auf den Ehrenvorsitz in der CDU.

Als auch Schäuble über die Affäre stolpert, beginnt die Ära Angela Merkel. Die CDU-Generalsekretärin, lange als "Kohls Mädchen" verspottet, verlangt in einem Zeitungsbeitrag die Abnabelung der Partei von Helmut Kohl. "Die Partei muss laufen lernen ...", heißt es da. Kurz darauf, im März 2000, wird Merkel Parteichefin.

Im Juli 2001 trifft Kohl ein persönlicher Schicksalsschlag. Seine schwer kranke Frau Hannelore begeht im Wohnhaus in Ludwigshafen-Oggersheim Selbstmord.

Hannelore Kohl, die jahrzehntelang still im Schatten ihres Mannes stand, hatte an einer Lichtallergie gelitten und konnte das Haus am Tage nicht mehr verlassen.

Doch auch Kohl selbst kämpft zunehmend mit gesundheitlichen Problemen. Zweimal wird er am Knie operiert. Seine öffentlichen Auftritte werden seltener - und wenn er sich zeigt, wirkt er angeschlagen.

Nachdem ihm die Spendenaffäre viel Anerkennung gekostet hat, werden jedoch wieder zunehmend seine Verdienste um die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen Europas gewürdigt. Ein Eintrag in die Geschichtsbücher ist ihm deshalb gewiss.

Zudem erhält Kohl zahlreiche Auszeichnungen. Er ist Ehrenbürger mehrerer Städte, darunter Ludwigshafen und Berlin, und trägt mehrere Ehrendoktorwürden. Selbst für dem Friedensnobelpreis ist er jahrelang im Gespräch.

Im Privatleben wagt Kohl 2008 einen Neuanfang: Im Mai heiratet er seine Lebensgefährtin Maike Richter. Doch nach einem schweren Sturz im selben Jahr und einer weiteren Operation sitzt der Altkanzler im Rollstuhl.

2009 trifft sich Kohl zwar noch einmal mit seinen damaligen Verhandlungspartnern, doch andere Termine zum 20. Jahrestag des Mauerfalls sagt er aus gesundheitlichen Gründen ab.

Nur noch selten meldet er sich zu Wort. Doch er kritisiert etwa den deutschen Atomausstieg nach der Katastrophe von Fukushima und fordert weitere Schritte hin zur europäischen Integration.

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