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Das 21. Jahrhundert.
Die Welt ist modern. Fortschritt und Zivilisation sind nicht aufzuhalten.
Teil dieses Fortschritts ist die weltweite Abschaffung der Todesstrafe. Ein Trend in diese Richtung lässt sich beobachten, doch der Prozess ist langwierig und zäh.
Auch wenn die Zahl der Hingerichteten weltweit immer weiter zurückgeht: In vielen Staaten ist die Todesstrafe noch immer eine gängige Sanktion gegen Gesetzesbrecher – und das nicht nur in Entwicklungsländern.
Jedes Jahr veröffentlicht die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" einen Bericht über die weltweit hingerichteten und zum Tode verurteilten Menschen des Vorjahres. Nun liegen die Zahlen für 2009 vor.
Im vergangenen Jahr wurden demnach weltweit mindestens 714 Menschen in 18 Ländern hingerichtet und mehr als 2.000 Menschen in 56 Ländern zum Tode verurteilt.
Soweit die messbaren Zahlen. Doch die tatsächliche Zahl der Hingerichteten ist nach Meinung von Amnesty um ein Vielfaches höher.
Der Hauptgrund für diese Dunkelziffer sei, wie auch im letzten Jahr, China.
Die Volksrepublik halte die Statistiken über die Hinrichtungen sowie die zum Tode Verurteilten streng unter Beschlag. Daher können die Menschenrechtler nur Schätzungen abgeben.
Die fallen allerdings nicht gerade niedrig aus. Amnesty geht davon aus, dass 2009 in China tausende Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden - und damit mehr als in allen anderen Ländern der Welt zusammen.
Die einzige Information, die von chinesischer Seite kommt, ist die Erklärung, dass die Zahl der Getöteten stetig sinke, so Amnesty International. Die Menschenrechtler bezweifeln das allerdings stark.
Sie kritisieren darüber hinaus das chinesische Rechtssystem, in dem Angeklagte oft keine fairen und sorgfältig geführten Prozesse erwarten könnten.
Im Dezember war der Brite Akmal Shaikh in China hingerichtet worden, weil er Drogen geschmuggelt hatte. Das Gericht schenkte den Aussagen von Bekannten und Verwandten keine Beachtung. Diese hatten mehrfach betont, …
… dass Shaikh unter einer psychischen Störung litt. Menschenrechtler protestierten einen Tag vor der Hinrichtung vor der chinesischen Botschaft in London. "Akmal hat eine bipolare Störung", steht auf dem Schild.
Die Proteste zeigten keine Wirkung.
Im Gegensatz zu den chinesischen Hinrichtungen sind die folgenden Ränge in der traurigen Statistik mit harten Zahlen belegt. Demnach liegt der Iran mit mindestens 388 Hinrichtungen auf dem zweiten und der Irak mit mindestens 120 Getöteten auf dem dritten Platz.
Fünf der im Iran hingerichteten Menschen waren minderjährig. Damit verstößt die islamische Republik zum wiederholten Mal gegen internationales Recht. 2008 tötete das Land acht Iraner, die jünger als 18 waren.
Im Iran werden die meisten zum Tode verurteilten Menschen gehängt.
Auch Saudi Arabien richtete 2009 einige Minderjährige hin. Verurteilte Menschen werden dort üblicherweise öffentlich mit einem Schwert enthauptet. 69 Personen erlitten im vergangenen Jahr dieses Schicksal.
Das Königreich ist das Land mit der weltweit viertgrößten Hinrichtungszahl. Sogar die Ausstrahlung nicht regierungskonformer Inhalte über den Rundfunk kann mit der Todesstrafe geahndet werden.
Auf Platz fünf stehen mit 52 Tötungen bereits die USA. Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent waren die Vereinigten Staaten das einzige Land, das im Jahr 2009 Menschen hinrichtete, die meisten davon im Bundesstaat Texas.
In Nordamerika sinken die Zahlen zwar seit Jahren stetig, letztes Jahr wurden allerdings zum ersten Mal wieder mehr Menschen hingerichtet, als in den beiden Jahren davor.
Das liegt nach Meinung von Amnesty International daran, dass die Vereinigten Staaten in den Jahren 2007 und 2008 viele zum Tode Verurteilte nicht hinrichten konnten, da praktisch alle Tötungsmethoden für verfassungswidrig erklärt worden waren.
Dazu zählten der elektrische Stuhl …
… und die "Lethal Injection", bekannt als Giftspritze. Das Foto zeigt eine Anleitung für den Injektionsvorgang bei der Hinrichtung.
Im April 2008 entschieden die Gerichte, dass die Vollstreckung durch die Giftspritze doch keine "grausame und ungewöhnliche Bestrafung" sei. Viele noch ausstehende Hinrichtungen wurden daraufhin 2009 durchgeführt.
Die Giftspritze bleibt umstritten. Trotzdem plant auch die chinesische Regierung, die Methode einzuführen. Die Injektion sei "sauberer, sicherer und annehmlicher" als die momentane Vollstreckungsart, ...
… das Erschießen.
Länder, die die Todesstrafe regelmäßig und auch aus politischen Motiven anwenden, werden von Amnesty International seit Jahren scharf kritisiert.
Die Organisation hat für 2009 allerdings auch gute Nachrichten zu vermelden.
2008 war Pakistan noch das Land mit der zweithöchsten Hinrichtungszahl in Asien. 2009 gab es dort nach Angaben der Menschenrechtler keine staatlichen Tötungen mehr.
Der Grund liegt in der Aussetzung aller geplanten Vollstreckungen des vergangenen Jahres. Zurzeit verhandelt Pakistans Regierungschef Yousaf Raza Gillani über die Abschaffung der Todesstrafe.
Auch Indonesien blieb im letzten Jahr ohne Hinrichtungen. 2008 waren noch zehn Menschen getötet worden.
Das signifikanteste positive Ergebnis des Berichts ist die Hinrichtungszahl in Europa.
Zum ersten Mal, seit Amnesty International die Forschung zu den Todeszahlen in den 1960er Jahren begann, gab es auf dem gesamten Kontinent in einem Jahr keine Hinrichtungen.
In den letzten Jahren war Weißrussland das einzige Land, das noch Gefangene tötete. In 2009 gab es dort erstmals keine Hinrichtungen. Die Sache hat allerdings einen bitteren Beigeschmack.
In dem osteuropäischen Binnenstaat gibt es immer noch Insassen, die zum Tode verurteilt sind. Laut Menschenrechtlern wurden dort im März 2010 wieder zwei dieser Gefangenen hingerichtet.
Global nehmen die Todesstrafen jedoch ab. "Wir kommen einer todesstrafe-freien Welt Schritt für Schritt näher", sagt Oliver Hendrich, Experte zur Todesstrafe von Amnesty International in Deutschland.
Laut der Menschenrechtsorganisation haben 139 Staaten die Todesstrafe bereits abgeschafft, Tendenz steigend. (Text: Robert Meyer)
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