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Dienstag, 05. April 2016

Nährboden für Extremisten: In Molenbeek ist der Terror zu Hause

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Ähnlich wie die französischen Banlieues gilt der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als sozialer Brennpunkt. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund ist hoch. (Foto: imago/EST&OST)

Ähnlich wie die französischen Banlieues gilt der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als sozialer Brennpunkt. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund ist hoch.

Ähnlich wie die französischen Banlieues gilt der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als sozialer Brennpunkt. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund ist hoch.

Viele fühlen sich von der Gesellschaft abgehängt. Nicht wenige Molenbeeker Familien leben in ärmlichen Verhältnissen.

Gerade einmal 15 Gehminuten trennen sie vom Grand Place Brüssels, wo sich die Designer-Boutiquen und glitzernde Luxusgeschäfte aneinanderreihen.

In Molenbeek dagegen beträgt die Jugendarbeitslosigkeit 42 Prozent. Viele Jugendliche brechen die Schule ab - die Perspektive, aus dem Bezirk herauszukommen, ...

... haben viele junge Leute nicht. Auch Abdelhamid Abaaoud, der mutmaßliche Drahtzieher der Terror-Anschläge von Paris, stammt aus Molenbeek und ging hier zur Schule.

Abaaoud, genannt "der Belgier", wuchs mit fünf Geschwistern in Molenbeek auf. Wie viele seiner Altersgenossen wurde auch er straffällig, musste 2010 wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis.

Seine Familie lebt nach wie vor in Molenbeek, ebenso wie die Eltern der Abdeslam-Brüder, Brahim und Salah, die ebenfalls an den Anschlägen von Paris beteiligt waren.

Im März 2013 eröffnete Brahim Abdeslam in Molenbeek ein eigenes Café. Doch schon im November wurde das "Les Beguines" wegen offenen Drogenkonsums wieder geschlossen.

"Seine Lieblinksaktivitäten wurden Kiffen und Schlafen", sagte Brahim Abdeslams Ex-Frau. Nach der Scheidung begann er sich offenbar gemeinsam mit seinem Bruder zu radikalisieren.

Salah Abdeslam ließ sich wohl von seinem Bruder Brahim mitziehen. "Es ist nicht selten so, dass Geschwister sich gemeinsam radikalisieren", erklärte Thomas Mücke vom "Violence Prevention Network".

Brahim sprengte sich vor dem Comptoir Voltaire in Paris in die Luft, Salah Abdeslam wurde nach monatelanger Flucht am 18. März in Brüssel festgenommen. Und der dritte Bruder, Mohamed, wohnt nach wie vor in Molenbeek.

Er sagt: "Wir sind eine offene Familie." Nach den Anschlägen von Paris zündete er für die Opfer des Terrors Kerzen auf seinem Balkon in Molenbeek an. Auch Mohamed war von der Polizei vernommen worden.

Von den Plänen seiner Brüder will er nichts gewusst haben. Und auch die Einwohner in Molenbeek wollten ihren Stadtteil nicht als Rückzugsort von Islamisten verstanden wissen. Hunderte demonstrierten nach den Anschlägen am 13. November auf dem Rathausplatz für Frieden, ...

... darunter auch viele Muslime, die sich auf Twitter mit dem Hashtag #NotinmyName - auf deutsch: nicht in meinem Namen - von radikalen Islamisten abgrenzen wollten. Viele sahen sich unter Generalverdacht gestellt.

Die Geschäftsinhaber wollten ein weiteres Zeichen setzen: Sie klebten ihre Friedensbotschaft in die Schaufenster.

Doch immer wieder kam es in den vergangenen Monaten in Molenbeek und ganz Brüssel zu Razzien. Die Menschen waren verunsichert - zu Recht, denn auch die Anschläge vom 22. März 2016 gehen auf junge, radikalisierte Männer aus Brüssels Randbezirken zurück.

Ibrahim, 29, and Khalid el-Bakraoui, 27, wuchsen in Laeken im Norden der Stadt auf. Ihr Vater - ein Metzger aus Marokko - ist frommer Muslim.

Schon 2009 werden den beiden Brüdern diverse Autodiebstähle zur Last gelegt. Ibrahim, der Ältere, sprengt sich am Brüsseler Flughafen in die Luft - ebenso wie Komplize Najim Laachraoui.

Sein jüngerer Bruder zündete in der Brüsseler Metro seinen Sprengstoffgürtel. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie mit den Pariser Terroristen - darunter auch Salah Abdeslam - in Verbindung standen.

Von ihren Plänen, einen Anschlag nach Pariser Vorbild in Brüssel zu verüben, ahnten die Ermittler nicht viel - oder zu wenig. Großspurig hatte der belgische Innenminister Jan Jambon nach dem 13. November angekündigt, er werde persönlich dafür sorgen, dass in Molenbeek "saubergemacht" werde.

Wie er das gemeint hat, zeigte sich in den folgenden Wochen. Scharfschützen postierten sich bei Dutzenden Razzien an Fenstern, Häuser wurden durchsucht und ...

.... Terror-Verdächtige auf offener Straße festgenommen ...

Spezialeinheiten der französischen Polizei fuhren teils schwer bewaffnet in dem Wohnviertel vor. Viele reagierten verstört auf die Razzien in ihrem Viertel. Die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen waren überall in der Stadt spürbar.

Ab diesem Dienstag um 20.15 Uhr zeigt n-tv die vierteilige Doku "Molenbeek - Brüssels Stadtteil des Terrors" des belgischen Journalisten Eric Goens.

Vor einer Friedensdemonstration in Molenbeek wurden die Teilnehmer penibel durchsucht.

Schweigen wollten viele nicht: Vor dem Rathaus von Molenbeek hängten Schüler ihre Botschaften auf.

Molenbeek ist weltoffen, wollten sie beweisen: Auch auf Plakaten zeigten muslimische Familien ihren Wunsch nach Frieden.

"Ich bin ein Moslem, kein Terrorist", stand auf einem der bunten Plakate.

Der Schock über die Anschläge saß tief nach dem Pariser Terror: Viele konnten nicht fassen, dass die Attentate in ihrer Nachbarschaft geplant wurden.

Und doch ist es wahr - Brüssel und besonders Molenbeek haben ein gewaltiges Terrorproblem. Und der Terror kommt aus den eigenen Reihen. (jug/dpa)

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