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Vom Revolutionär zum Verbrecher : Josef Wissarionowitsch Stalin

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An seinen Händen klebt Blut: Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin. Von 1922 bis zu seinem Tod am 5. März 1953 ist er der starke Mann der Sowjetunion. Stalin installiert im flächenmäßig größten Land der Erde eine Diktatur, der Millionen Menschen zum Opfer fallen. (Foto: picture-alliance/ dpa)

An seinen Händen klebt Blut: Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin. Von 1922 bis zu seinem Tod am 5. März 1953 ist er der starke Mann der Sowjetunion. Stalin installiert im flächenmäßig größten Land der Erde eine Diktatur, der Millionen Menschen zum Opfer fallen.

An seinen Händen klebt Blut: Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin. Von 1922 bis zu seinem Tod am 5. März 1953 ist er der starke Mann der Sowjetunion. Stalin installiert im flächenmäßig größten Land der Erde eine Diktatur, der Millionen Menschen zum Opfer fallen.

Die Stalin-Ära beschäftigt die Historiker bis heute. Es gibt noch viel Unerforschtes. Wie konnte es unter dem Banner des Kommunismus, der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigen sollte, zu derartigen Verbrechen kommen? Diese Frage ist noch nicht endgültig geklärt worden.

In Russland und einigen anderen Nachfolgestaaten der 1991 untergegangenen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) lebt Stalins Geist weiter. Wie dieser Anhänger in St. Petersburg verehren noch viele Menschen den Diktator.

Bei Demonstrationen der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF) gehören Stalin-Bilder dazu. Für Ewiggestrige ist Stalin der Hauptverantwortliche für die Größe und Stärke der Sowjetunion. In ihren Augen hat er das rückständige Land zur Supermacht gemacht. Wie viele Menschen dafür sterben mussten oder im Straflager landeten, ignorieren sie.

Auch in mittelasiatischen Staaten wie Kirgistan wird Stalin weiter gehuldigt. Sie hatten in der Sowjetzeit einen ökonomischen Aufschwung erfahren. Die Schattenseiten der Stalinzeit werden dabei ausgeblendet. Die derzeitige schwierige Lage der ehemaligen Sowjetrepubliken sorgt für eine Verklärung der Ereignisse in den zurückliegenden Jahrzehnten.

Auch in seinem Heimatland Georgien wird Stalin von überwiegend älteren Menschen verehrt. Dieses Foto ist in der Hauptstadt Tiflis entstanden. In der Sowjetunion gab es zehntausende Stalin-Denkmäler.

In der Ukraine verloren viele Menschen während der Zwangskollektivierung von 1928 bis 1932 ihr Leben. In Kiew wird Stalin als Männeken Piss dargestellt. Als Vorbild dient das weltberühmte Manneken Pis in der belgischen Hauptstadt Brüssel.

Stalin-Denkmal in Gori, der Heimatstadt des Diktators. Anlässlich seines 130. Geburtstages im Jahr 2008 wurden Bilder hingestellt. Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili erblickt am 18. Dezember 1878 in der an der transkaukasischen Eisenbahn gelegenen Stadt das Licht der Welt.

Dschugaschwili als junger Mann (undatiertes Foto). Sein Vater ist ein armer Schuster. Mutter Jekatarina bringt vor Josef drei Kinder zur Welt, die kurze Zeit später sterben. Mit viel Liebe widmet sich die sehr fromme Frau ihrem Sohn. Der Vater, der seine Frau und Josef schlägt, stirbt bereits 1890.

Josef besucht in Gori eine geistliche Schule, die er 1893 verlässt. Danach wird er in Tiflis in ein Priesterseminar aufgenommen. Aber Dschugaschwili schließt sich der revolutionären Bewegung an. Er wird 1898 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) - und danach aus dem Priesterseminar geworfen.

Der junge Dschugaschwili findet Zugang zu den revolutionären Schriften eines gewissen Wladimir Iljitsch Uljanow (Foto von 1897), der unter dem Namen Lenin weltbekannt wird. Ab 1901 ist Dschugaschwili Berufsrevolutionär und arbeitet im Untergrund. Insgesamt wird er sieben Mal in die Verbannung geschickt, fünf Mal gelingt Dschugaschwili die Flucht. Nach der Spaltung der SDAPR in Menschewiki und Bolschewiki auf ihrem II. Parteitag in London schließt er sich den von Lenin geführten Bolschewiki an.

Die sozialen Spannungen im riesigen Zarenreich führen zur Revolution von 1905 bis 1907. Am 22. Januar 1905 lässt Zar Nikolaus II. in St. Petersburg auf friedliche Demonstranten schießen. Dieser Tag geht als "Petersburger Blutsonntag" in die Geschichte ein. Mit großer Mühe gelingt dem Herrscher der Verbleib an der Macht.

Zar Nikolaus II. gilt als unsicher und willensschwach. Im 1. Weltkrieg erleidet Russland schwere Niederlagen. Das Volk leidet unter den Auswirkungen. Die Februarrevolution 1917 fegt den Zaren vom Thron. Eine Doppelherrschaft, bestehend aus provisorischer Regierung und Sowjets (Räte), wird installiert. Dschugaschwili nimmt bereits 1912 seinen Kampfnamen Stalin (der Stählerne) an. Er kehrt nach der Revolution in die damalige Hauptstadt, die von 1914 bis 1922 Petrograd heißt, zurück.

Im Herbst 1917 eskaliert die Lage. Im Oktober wird die provisorische Regierung gestürzt. Die Bolschewiki reißen in einem bis 1918 andauernden Prozess die Macht an sich. Stalins Rolle beim Umsturz ist unklar. Während seiner Herrschaft lässt er sich als großen Organisator der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution feiern.

Der gestürzte Ministerpräsident Alexander Kerenski (Foto von 1931). Er geht ins Exil nach Frankreich, später in die USA und stirbt 1970 in New York.

Der Zar ist weg, Nikolaus II. und seine Familie werden im Juli 1918 in Jekaterinburg ermordet. Lenin wird Chef des Rates der Volkskommissare (Regierungschef), Stalin Volkskommissar für Nationalitätenfragen. Sein ärgster Rivale um die spätere Führung wird Leo Trotzki (oben rechts). Dieser baut die Rote Armee auf, die sich bis 1921 gegen Weißgardisten und ausländische Interventen behauptet. Trotzki erlangt große Popularität. Stalin "kämpft" dagegen überwiegend am Schreibtisch.

Lenin schickt Stalin zur Lebensmittelbeschaffung nach Zarizyn (später Stalingrad, heute Wolgograd). Er bewährt sich dabei und löst dieses Problem gewaltsam. Die Anwendung von Gewalt wird zum Hauptbestandteil der Arbeit Stalins. Fast sieben Jahre Krieg haben das Land ruiniert. 1921 ist die Industrieproduktion des riesigen Landes auf ein Sechstel des Vorkriegsstandes geschrumpft.

Lenin ist seit einem Attentat am 30. August 1918 krank. 1922 erleidet der Revolutionsführer mehrere Schlaganfälle. Stalin sucht in dieser Zeit die Nähe Lenins. Er will dessen Nachfolger werden. Stalin agiert sehr geschickt. So hat er großen Einfluss darauf, wer den schwer kranken Lenin aufsuchen darf.

Mit Hilfe von Gesinnungsgenossen gelingt es Stalin, die Führung der Kommunistischen Partei, die nach der Gründung der UdSSR Ende 1922 KPdSU (B) heißt, zu erringen. Trotzki verliert an Einfluss. Lenin hält ihn zwar für den fähigsten Mann im Zentralkomitee (ZK). Er kritisiert aber Trotzkis Leidenschaft zu übermäßigem Administrieren.

Lenin - er stirbt im 21. Januar 1924 - kritisiert aber auch Stalin. "Genosse Stalin hat dadurch, dass er Generalsekretär geworden ist, eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert und ich bin nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig genug Gebrauch zu machen", schreibt er in einem Brief an den im April 1923 stattfindenden XII. Parteitag der KPdSU (B). Stalin bleibt dennoch Generalsekretär.

Er profitiert von einem rasanten Zuwachs von Mitgliedern bei der KPdSU (B). Dieser Boom hilft Stalin, seine Macht innerhalb der Partei auszubauen.

Der Ende 1995 verstorbene Historiker Dmitri Wolkogonow sieht in dem Machtwechsel von Lenin hin zu Stalin eine Kontinuität. Seiner Meinung nach herrschte bereits unter Lenin eine blutige Diktatur: "Stalin ist aus Lenin hervorgegangen."

Mitte der 1920er Jahre gelingt es Stalin, seine Macht zu festigen. Er wird zunächst von Alexej Rykow, Lew Kamenjew und Gennadi Sinowjew (von links nach rechts) unterstützt. Trotzki fliegt 1927 aus der Partei und geht ins Ausland (Türkei, Frankreich, Mexiko). Auch Kamenjew und Sinowjew fallen in Ungnade. Sie müssen ebenfalls die KPdSU (B) verlassen.

Stalin ist noch nicht Alleinherrscher. Er ist auf charismatische Personen wie Nikolai Bucharin (2. von links) angewiesen. Dieser muss allerdings 1929 das Politbüro verlassen. Auf dem Foto sind außerdem Grigori Ordschonikidse (Chef des Obersten Volkswirtschaftsrates) und Jan Rudzutak (Volkskommissar für Transportwesen).

Der Chef gibt sich 1930 betont volksnah. Stalin hat Großes vor. Industrialisierung und Kollektivierung der Landwirtschaft stehen auf dem Programm. In der Sowjetunion gibt es den ersten Fünfjahrplan. Lenins "Neue Ökonomische Politik" (NÖP), die unter anderem eine Liberalisierung der Landwirtschaft und Privateigentum in der Konsumgüter-Produktion zulässt, weicht 1927/28 einer zentralen Planwirtschaft.

Ende der 1920er Jahre mutiert Stalin zum "Vater der Partei". Es entwickelt sich seit dieser Zeit ein Personenkult um ihn. Kleinbürgertum und relativ wohlhabende Bauern (Kulaken) werden zu Feinden der Sowjetmacht erklärt. Mit Gewalt wird die Umgestaltung des Agrarsektor angegangen.

Viele Bauern wehren sich. Sie haben erst nach der Revolution ein Stück Boden erworben. Nur wenige treten freiwillig den Kolchosen und Sowchosen bei. Die meisten Bauern werden zum Eintritt gezwungen. Die alte russische Dorfgemeinschaft, die Obschtschina, wird ausgelöscht.

Die Kollektivierung ist für die sowjetische Landwirtschaft verheerend. Es kommt zu Zwangsrequirierungen. Den Bauern wird das Getreide weggenommen. Eine Hungersnot bricht aus. Millionen Menschen sterben. Erst 1936 wird das landwirtschaftliche Produktionsvolumen von 1929 wieder erreicht.

Parallel dazu wird in der Sowjetunion die Industrialisierung forciert. Viele junge Menschen werden nach Sibirien geschickt, wo sie unter meist schlechten Bedingungen arbeiten müssen. Darunter sind auch enteignete Bauern. Es entstehen sozialistische Musterstädte wie Magnitogorsk.

Zudem wird die Ölproduktion in Westsibirien und am Kaspischen Meer ausgeweitet. Die Industrie hat einen hohen Strombedarf. Am Dnjepr und anderen Flüssen werden Staudämme gebaut.

Der XVII. Parteitag der KPdSU (B) im Januar 1934 ist ein Huldigungskovent für den Generalsekretär. Er ist der "Parteitag des Siegers Stalin". In Redebeiträgen kommt Kritik kaum noch vor. Die Genossen, die Stalin widersprechen, werden kaltgestellt.

Und dieser holt zum nächsten Schlag aus. Am 1. Dezember 1934 wird der beliebte Leningrader Parteichef Sergej Kirow erschossen, der als ernst zu nehmender Rivale Stalins gilt. Auf dem Parteitag hatte Kirow den ersten Mann der UdSSR allerdings als "den besten Steuermann unseres großen sozialistischen Landes" bezeichnet. Die Umstände des Attentats sind bis heute nicht geklärt.

Für Stalin ist das Ereignis ein willkommener Vorwand, um sich der letzten innerparteilichen Gegner zu entledigen. Von 1936 bis 1938 kommt es zu "Säuberungen" und den damit verbundenen berüchtigten Schauprozessen. Viele Kommunisten, aber auch "einfache" Menschen verlieren ihr Leben. Ihnen werden staatsfeindliche Aktivitäten vorgeworfen. Mittels Folter werden Geständnisse erpresst.

Stalin soll angeblich einmal in einer Nacht rund 3000 Todesurteile unterschrieben haben. Das Volkskommissariat des Inneren (NKWD) setzt eine regelrechte Terrorwelle in Gang. Viele Menschen werden auch ins Gefängnis geworfen. Straflager, auch Gulags genannt, werden vor allem in Sibirien errichtet.

Die Kollektivität der Partei- und Staatsführung - wie hier bei der Beerdigung von Ordschonikidse vorgegaukelt - existiert nicht. Misstrauen herrscht vor. Jeder kann der Nächste sein, der bei Stalin in Ungnade fällt. Die Mordwelle verschont auch hohe Parteifunktionäre und Regierungsmitglieder nicht.

So wird auch gegen Lew Kamenjew (vorn) ein Schauprozess inszeniert. 1938 wird er hingerichtet.

Auch Nikolai Bucharin wird im gleichen Jahr standrechtlich erschossen.

Stalin verschont auch in die Sowjetunion geflohene ausländische Kommunisten nicht. Entweder fallen sie der Terrorwelle zum Opfer oder werden in ihre Länder zurückgeschickt, wo sie dann den Tod finden.

Er ist Stalins Bluthund: NKWD-Chef Nikolai Jeschow. Nach 1938 gerät er selbst in Ungnade. Im Februar 1940 wird ein Todesurteil gegen Jeschow vollstreckt. Sein Nachfolger als Volkskommissar für Inneres wird Lawrenti Berija.

Stalin hat aber noch einen wichtigen Gegner im Ausland: Leo Trotzki. Dieser hat die sogenannte Vierte Internationale gegründet und attackiert den Moskauer Herrscher. Stalin beauftragt den Mord an Trotzki.

Am 20. August 1940 wird der Held der Oktoberrevolution im mexikanischen Coyoacán von einem Sowjetagenten mit einem Eispickel schwer verletzt. Einen Tag später erliegt Trotzki seinen schweren Verletzungen.

Die von ihm geführte Vierte Internationale existiert noch heute. In Deutschland wird sie durch die "Partei für Soziale Gleichheit" (PSG) vertreten.

Obwohl die Welt auf einen Krieg zusteuert, geht Stalin auch die Militärführung vor. Der fähige und angesehen Marschall Michail Tuchatschewski wird 1937 hingerichtet. Mit ihm sterben weitere Generäle und hohe Militärs. Die Rote Armee verliert ihren Kopf - ein Grund für die schweren Niederlagen in der ersten Phase des Krieges gegen Nazi-Deutschland.

Stalin ersetzt die ehemaligen Gefährten durch neue. So kommt Nikita Chruschtschow (2.v.l.) in die Parteiführung.

Sommer 1939, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges. Nach gescheiterten Verhandlungen mit Großbritannien und Frankreich sucht die UdSSR die Verständigung mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Stalin wechselt dafür Anfang Mai den Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten aus. Für Maxim Litwinow, der jüdischer Abstammung ist, übernimmt Wjatscheslaw Molotow (Mitte). Dieser ist bereits Vorsitzender des Rates der Volkskommissare (Regierungschef).

Adolf Hitler (hier im Gespräch mit dem britischen Premierminister Neville Chamberlain im Jahr 1938) will den Krieg. Deutschland benötige "Lebensraum im Osten", schreibt er in seinem Buch "Mein Kampf". Für den deutschen Diktator ist die UdSSR der Hauptgegner.

So ist Stalin auch Thema beim Kölner Rosenmontagszug 1938. Allerdings will Hitler die Sowjetunion nicht sofort angreifen. Er benötigt Zeit, um ungestört im Westen und Norden operieren zu können. Auch Stalin will keinen Krieg. Die Rote Armee ist 1939 noch zu schwach und wäre einem Angriff der Wehrmacht nicht gewachsen.

Am 23. August 1939 kommt der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop nach Moskau. Die UdSSR und Deutschland schließen einen Nichtangriffspakt, der auch Hitler-Stalin-Pakt genannt wird. Im September folgt ein Grenz- und Freundschaftsvertrag.

Im Beisein Stalins wird er von Molotow und von Ribbentrop unterzeichnet. Doch damit nicht genug: Dazu gibt es noch viele zusätzliche Protokolle, die die Aufteilung Polens und die sowjetische Annexion der baltischen Staaten beinhalten.

Stalin glaubt, den Frieden an der Westgrenze der UdSSR für längere Zeit gesichert zu haben. Der Machthaber von Moskau sollte sich irren. Die Sowjetunion wird gut anderthalb Jahre später um ihre Existenz kämpfen.

Deutsche und sowjetische Offiziere hissen die Flaggen beider Länder in Brest-Litowsk. Deutschland hat Polen besiegt, sowjetische Truppen besetzen den Osten des Landes. Deutsche und sowjetische Truppen stehen sich nun direkt gegenüber.

Im Jahr 1940 lässt Stalin bei Katyn fast 25.000 Polen ermorden. Zumeist sind es Offiziere und Polizisten. Auch Intellektuelle sind unter den Opfern.

Die sowjetische Führung leugnet, für das Massaker von Katyn verantwortlich zu sein. Die Deutschen seien es gewesen, lässt Stalin vermelden. Erst Michail Gorbatschow räumt 1990 die Schuld des NKWD für das Verbrechen ein. Katyn ist noch heute eine Belastung für die russisch-polnischen Beziehungen.

Am 22. Juni 1941 bricht Deutschland den Nichtangriffspakt und überfällt die Sowjetunion. Obwohl Stalin seit geraumer Zeit vor Hitlers Plänen gewarnt wird, werden die sowjetischen Truppen überrascht. Die Vernichtung der Militärspitze 1937/38 rächt sich. Ganze Divisionen werden aufgerieben. Hunderttausende Soldaten fallen oder geraten in Gefangenschaft. Die deutschen Truppen rücken schnell nach Osten vor.

Stalin bleibt mehrere Tage sprachlos und verkriecht sich. Er lässt Molotow eine Rundfunkerklärung verlesen. Erst am 3. Juli meldet sich Stalin zu Wort und ruft zum Großen Vaterländischen Krieg gegen die deutschen Truppen auf.

Im Herbst 1941 bedrohen die Deutschen Moskau. Den sowjetischen Truppen gelingt es, die Hauptstadt zu halten. Hitler erleidet seine erste Niederlage im 2. Weltkrieg.

In dieser auch für ihn gefährlichen Zeit bleibt Stalin in Moskau. Er befiehlt die Verlagerung von Industriebetrieben nach Osten. Dazu veranlasst er Zwangsumsiedlungen von Wolgadeutschen nach Sibirien und Zentralasien. Hunderttausende Menschen verlieren ihre Heimat.

Der Wendepunkt des Krieges zugunsten der Sowjetunion ist ein Jahr später. Im November 1942 kesseln sowjetische Truppen die in Stalingrad befindliche 6. deutsche Armee ein. Stalin hat zuvor befohlen, dass die Stadt an der Wolga unbedingt gehalten werden muss.

Unter schweren Verlusten rücken die sowjetischen Soldaten vor. Anfang Februar 1943 kapitulieren die deutschen Truppen.

Leichen toter Wehrmachtssoldaten in Stalingrad. Die Niederlage bedeutet den Anfang vom Ende des sogenannten Dritten Reiches.

Deutsche Soldaten auf dem Weg in die Gefangenschaft. Insgesamt überleben rund 110.000 Soldaten Deutschlands und seiner Verbündeten die Schlacht, aber nicht den Krieg. Nur rund 6000 von ihnen sollten Jahre später ihre Heimat wiedersehen.

Hitlers Truppen befinden sich seit 1943 auf dem Rückzug. Der Krieg ist für Deutschland verloren.

Vom 28. November bis 1. Dezember 1943 trifft Stalin in Teheran erstmals die Spitzenpolitiker der USA und Großbritanniens, Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill. Sie besprechen die Strategie für den weiteren Kriegsverlauf und erste Fakten der Nachkriegsordnung. Stalin dringt auf eine alliierte Landung in Frankreich, um den Druck auf die sowjetischen Truppen zu mildern. Im Juni 1944 erfolgt die Eröffnung der zweiten Front.

Im Februar 1945 kommen Churchill und Roosevelt auf die Halbinsel Krim. In Jalta geht es um die Aufteilung Deutschlands und um die Einflusssphären nach dem Ende des Krieges. Stalin verpflichtet sich zu einem Angriff auf Japan drei Monate nach der deutschen Kapitulation. Er kommt damit den Westmächten entgegen.

Am 8. Mai 1945 kapituliert Deutschland. Über dem Berliner Reichstag weht die sowjetische Flagge. Deutschland und Berlin werden in vier Sektoren aufgeteilt.

Vom 7. Juli bis 2. August 1945 trifft Stalin Churchill und den neuen US-amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman in Potsdam. Die Nachkriegsordnung Deutschlands und Europas wird beschlossen. Während dieser Zeit wird vermeldet, dass die USA die erste Atombombe oberirdisch zünden. Sie kommt im August in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki zum Einsatz.

Die Verhandlungen in Potsdam sind hart. Misstrauen herrscht vor. Stalin gibt den Befehl, die Entwicklung der Atombombe zu forcieren. Am 29. August 1949 erfolgt die erste erfolgreiche Zündung einer sowjetischen Atombombe. Die UdSSR steigt unter Stalin zur Supermacht auf.

Nach dem Krieg lässt sich Stalin "Generalissimus" nennen. Der Personenkult erfährt einen neuen Aufschwung. "Der Tag wird kommen, an dem die gesamte Menschheit Stalin huldigen wird und die Historiker erkennen werden, dass Stalins Geburt und nicht die Geburt Jesu Christi den Beginn einer neuen Zeitrechnung markiert hat", so der Schriftsteller und Dramatiker Leonid Leonow.

In der Sowjetunion lässt Stalin Ende der 1940er Jahre weitere "Säuberungen" vornehmen. Viele Kommunisten und Funktionäre werden zum Tode verurteilt beziehungsweise in Lager eingewiesen.

Verantwortlich ist der seit 1946 als "Kurator" aller Organe des Inneren fungierende Lawrenti Berija. Dieser war von Stalin im Juli 1945 zum Marschall der Sowjetunion ernannt worden. Nach Stalins Tod sinkt Berijas Stern. Er wird Ende 1953 hingerichtet.

Stalins öffentliche Auftritte werden seltener. Im März 1950 wird in der Sowjetunion "gewählt". Auch der Diktator faltet seinen Zettel und steckt ihn in die Wahlurne. Bei der 1951 stattfindenden Militärparade anlässlich der Oktoberrevolution fehlt Stalin. Er lässt von Wissenschaftlern Werke verfassen, die unter seinem Namen herausgegeben werden. Nach Karl Marx, Friedrich Engels und Lenin will er der vierte Klassiker der Arbeiterbewegung werden.

Am 5. März 1953 geschieht für die meisten Sowjetbürger das Unfassbare: Stalin stirbt. Er erleidet am 1. März auf seiner Datscha in Kunzewo einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholt.

Stalins Beisetzung findet am 9. März statt. Die Leiche wird ins Lenin-Mausoleum gebracht. Ende Oktober 1961 wird er aus dem Mausoleum entfernt.

Stalins Grab befindet sich seitdem an der Kremlmauer. Die Umbettung erfolgt im Rahmen der Phase der Entstalinisierung unter Nikita Chruschtschow.

Chruschtschow rechnet in einer Geheimrede auf dem XX. KPdSU-Parteitag 1956 mit Stalin ab. Der Generalsekretär verurteilt die "Säuberungen" in der Stalin-Zeit. Er beklagt den Tod vieler Kommunisten. Dass er selbst ein Nutznießer des stalinistischen Systems gewesen ist, verschweigt der Ukrainer. Unter Chruschtschow setzt eine leichte innenpolitische Tauwetterperiode ein.

So hat sich Stalin selbst gern gesehen: als weisen, tatkräftigen Führer, der von den Menschen geliebt und bewundert wird. Der Künstler Alexander Gerassimow hat den Diktator 1939 porträtiert. Die Realität sah anders aus.

Neben den Denkmälern gibt es weitere Erinnerungen an die Stalin-Zeit. Dazu gehören Protzbauten wie das Hotel "Ukraina" in Moskau.

Stalin (hier mit seiner Tochter Swetlana Allilujewa aus zweiter Ehe, undatiert) ist kein Familienmensch. Seine erste Frau Ketewan Swanidse stirbt 1907. Mit ihr hat er den Sohn Jakow, der 1941 in deutsche Gefangenschaft gerät und 1943 im KZ Sachsenhausen zu Tode kommt. Stalin rührt keinen Finger für seinen Sohn. Einen Gefangenenaustausch lehnt er ab.

Tochter Swetlana 1967 am New Yorker Flughafen John F. Kennedy. Ihre Mutter, Nadeschda Allilujewa begeht 1932 Selbstmord. Stalin ist nicht bei ihrer Beerdigung. Mit Nadeschda hat der Diktator noch den Sohn Wassili, der bei der Sowjetarmee General wird. Dieser stirbt 1962 im Alter von 41 Jahren.

Swetlana Allilujewa wandert ohne ihre Kinder in die USA aus. Dort lebt sie bis zu ihrem Tod 2011.

Die Aufarbeitung der Verbrechen der Stalin-Zeit kommt erst unter KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow richtig in Gang. Stalins Wirken unterliegt nun einer grundsätzlichen Kritik.

Unter Josef Stalin ist die Sowjetunion zu einem mächtigen Staat geworden. In Russland wird er als Symbol für einen starken Staat gesehen. In Umfragen zählt der Mann trotz dessen Gewaltherrschaft zu den wichtigsten Figuren Russlands. Stalin gehört - wie auch Adolf Hitler - zu den schrecklichsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts.

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