Bilderserie

Parteichef der Stagnation: Leonid Breschnew

Bild 1 von 74
Moskau am 15. November 1982: KPdSU-Generalsekretär Breschnew wird zu Grabe getragen. Er war fünf Tage zuvor im Alter von 75 Jahren gestorben. 18 Jahre lang war er der erste Mann der Sowjetunion. Die Ära Breschnew wird später von Michail Gorbatschow als "Zeit der Stagnation" eingestuft. Es kommt zwar während seiner Herrschaft zu keinen großen sozialen und politischen Verwerfungen. Allerdings gibt es bereits unter Breschnew erste Anzeichen des wirtschaftlichen Verfalls. (Foto: Associated Press)

Moskau am 15. November 1982: KPdSU-Generalsekretär Breschnew wird zu Grabe getragen. Er war fünf Tage zuvor im Alter von 75 Jahren gestorben. 18 Jahre lang war er der erste Mann der Sowjetunion. Die Ära Breschnew wird später von Michail Gorbatschow als "Zeit der Stagnation" eingestuft. Es kommt zwar während seiner Herrschaft zu keinen großen sozialen und politischen Verwerfungen. Allerdings gibt es bereits unter Breschnew erste Anzeichen des wirtschaftlichen Verfalls.

Moskau am 15. November 1982: KPdSU-Generalsekretär Breschnew wird zu Grabe getragen. Er war fünf Tage zuvor im Alter von 75 Jahren gestorben. 18 Jahre lang war er der erste Mann der Sowjetunion. Die Ära Breschnew wird später von Michail Gorbatschow als "Zeit der Stagnation" eingestuft. Es kommt zwar während seiner Herrschaft zu keinen großen sozialen und politischen Verwerfungen. Allerdings gibt es bereits unter Breschnew erste Anzeichen des wirtschaftlichen Verfalls.

Leonid Iljitsch Breschnew wird im ukrainischen Kamenskoje (heute Dniprodserschynsk) geboren. 18 Jahre lang ist er Chef der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Nach dem Ableben von Nikolai Podgorny 1977 bekleidet Breschnew dazu noch das Amt des Staatsoberhaupts der UdSSR.

Die Mächtigen der Russischen Föderation und der Sowjetunion als Matrjoschkas - das sind aus Holz geschnitzte Puppen, die ineinander verschachtelt werden. Auch Breschnew ist dabei. Obwohl in der Ukraine geboren, ist Breschnew Russe. Die Wurzeln der Familie liegen im Kursker Gebiet.

In Dniprodserschynsk ist der langjährige erste Mann der Sowjetunion noch immer gegenwärtig. Hier ein Plakat an einer Ausfallstraße.

Auch in Berlin gibt es Erinnerungen an Breschnew. Das berühmte Bruderkussfoto von ihm und dem ehemaligen SED-Chef Erich Honecker ist an der Berliner "East Side Gallery" zu sehen.

Im Dezember 1906 geboren, kommt Breschnew sehr früh mit der kommunistischen Bewegung in Kontakt. 1926 ist er in der Roten Armee bereits Politkommissar. Danach macht er eine technische Ausbildung am Metallurgischen Institut von Kamenskoje. Er wird bereits 1931 Mitglied der KPdSU. Josef Wissarionowitsch Stalin hat die Partei vollständig unter seiner Kontrolle. In dieser Zeit findet in der Sowjetunion die Kollektivierung der Landwirtschaft statt. Bei der sogenannten Entkulakisierung sterben Millionen Menschen.

Breschnew bei einer Einheit nahe der am Schwarzen Meer gelegenen Stadt Tuapse. Nach dem deutschen Überfall auf die UdSSR am 22. Juni 1941 ist er Politkommissar. Nach der Abschaffung des Titels im Jahr 1942 wird Breschnew Oberst der Sowjetarmee. Er übernimmt die politische Leitung der 18. Armee, die Teil der 1. Ukrainischen Front ist.

Breschnew (vorn, Mitte) im Februar 1942 mit anderen Kommandeuren. Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt er in der Ukrainischen SSR seine Parteikarriere. Bis zu seinem Lebensende bleibt Breschnew Funktionär der KPdSU.

Stalins Tod am 5. März 1953 bedeutet auch für Breschnew einen tiefen Einschnitt. Er ist zu diesem Zeitpunkt bereits Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU. In den bis 1956 andauernden Machtkampf in Moskau ist Breschnew nicht direkt involviert. Er fungiert in dieser Zeit als Parteichef im fernen Kasachstan. Von 1950 bis 1952 hat er die Kommunisten in der Moldawischen SSR geführt.

Nikita Chruschtschow geht aus dem innerparteilichen Machtkampf als Sieger hervor. Obwohl seit September 1953 offiziell Erster Sekretär des ZK der KPdSU, benötigt er mehr als zwei Jahre, um sich die Führung zu sichern.

Chruschtschow setzt sich dabei gegen Georgi Malenkow durch. Beide sind langjährige Gefolgsleute Stalins. Malenkow ist kurze Zeit Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR.

Chrutschtschow bei der Eröffnung des XX. KPdSU-Parteitags in Moskau. In einer Geheimrede rechnet er schonungslos mit Stalin ab. So kritisiert Chruschtschow den Personenkult des Diktators und die damit verbundenen Verbrechen. Daran schließt sich eine innenpolitische "Tauwetterperiode" an. Breschnew wird 1956 ZK-Sekretär.

In der KPdSU-Führung wird weiter um die Macht gerungen. Lasar Kaganowitsch, Malenkow, Wjatscheslaw Molotow und Anastas Mikojan (v.l.n.r.) am 1. Mai 1957 auf der Kremlmauer. Malenkow, Molotow und Kaganowitsch versuchen kurz darauf die Entmachtung Chruschtschows. Sie scheitern allerdings. Die drei Stalin-Anhänger werden 1961 aus der KPdSU ausgeschlossen.

Breschnew (r.) setzt auf Chruschtschow und wird vom Parteichef gefördert. Ende Juni 1957 steigt Breschnew in den innersten Führungszirkel der KPdSU auf und wird Mitglied des allmächtigen Politbüros.

Breschnew 1962 neben seinem Chef im Moskauer Bolschoi-Theater. Noch ist er nicht der "Kronprinz", sondern ein gewisser Frol Koslow. Breschnew, der sein Amt als ZK-Sekretär verliert, ist von 1960 bis 1964 Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, damit also formelles Staatsoberhaupt. Er nutzt aber seine Mitgliedschaft im KPdSU-Politbüro, um seine Position im komplizierten Moskauer Machtgefüge zu verbessern.

Chruschtschow (hier bei einem Treffen mit US-Präsident John F. Kennedy am 3. Juni 1961) gerät wegen seiner Sprunghaftigkeit in Bedrängnis. Ökonomische Reformen in der UdSSR versanden. Das Verhältnis zur Volksrepublik China ist zerrüttet. Chruschtschow stößt innerhalb des Parteiapparates auf immer größeren Widerstand.

Chruschtschow und Breschnew mit dem kubanischen Machthaber Fidel Castro 1962. Im gleichen Jahr eskaliert die Krise um die Inselrepublik. Die Welt steht am Rande eines Atomkrieges. Chruschtschow lenkt gegenüber den USA ein und zieht die zuvor auf Kuba stationierten sowjetischen Raketen wieder ab.

Im Oktober 1964 erfolgt Chruschtschows Absetzung. Breschnew, zuvor durch einen Schlaganfall Koslows zum zweiten Mann avanciert, profitiert von Chruschtschows innen- und außenpolitischen Misserfolgen. Er steht seinem Gönner seit kurzer Zeit kritisch gegenüber und erfährt Unterstützung durch die Apparatschiks. Sie erwarten unter Breschnew für sich ruhigere Zeiten. Sie werden nicht enttäuscht.

Hinter den Kremlmauern lässt die Reformfreudigkeit nach. Breschnew verspricht eine berechenbarere Politik und hält sich daran. Der Aktionismus seines Vorgängers ist ihm fremd. Er tastet den Apparat nicht an. Im Laufe der Jahre verkrusten die Machtstrukturen. Unter Breschnew wird der militärisch-industrielle Komplex ausgebaut. Die Sowjetunion festigt ihre Stellung als zweite Supermacht neben den USA.

Aber in den europäischen Satellitenstaaten der UdSSR rumort es. In der CSSR erstarkt 1968 die Reformbewegung. Es kommt zum "Prager Frühling". Tschechen und Slowaken fordern mehr Demokratie in ihrem Land.

Breschnew lässt die Panzer rollen. Die Truppen des Warschauer Paktes intervenieren. Der Kremlchef will eine eigenständige Entwicklung der Staaten im sowjetischen Herrschaftsbereich verhindern. So wird die Reformbewegung in der CSSR mit Gewalt erstickt.

Alexander Dubcek ist während dieser Zeit Chef der tschechoslowakischen Kommunisten. Er will einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Dubcek bleibt nur etwas mehr als drei Monate im Amt. Der "Prager Frühling" wird niedergewalzt.

In der sowjetische Führung sind noch die Erinnerungen an den ungarischen Aufstand von 1956 wach. Auch hier wurden sowjetische Truppen zur Niederschlagung eingesetzt. Nach den Ereignissen in der CSSR wird die sogenannte Breschnew-Doktrin geboren. Sie beinhaltet eine begrenzte Souveränität der europäischen "Bruderstaaten".

Breschnew bindet auch die DDR stärker an sein Sowjetreich. Am 18. April 1967 besucht er die Volkskammer in Ost-Berlin. Aus sowjetischer Sicht ist diese Visite auch notwendig.

SED-Chef Walter Ulbricht verfolgt Ende der 1960er Jahre eine gegenüber Moskau eigenständigere Politik, ohne allerdings die kommunistische Herrschaft infrage zu stellen. Nach längerem Zögern gibt Breschnew 1971 grünes Licht für Ulbrichts Sturz. Sein Nachfolger wird Erich Honecker.

Im Juni 1971 führt die SED ihren VIII. Parteitag durch. Honecker beschwört das enge Bündnis der DDR zur Sowjetunion. Für die Einleitung der Einheit aus Wirtschafts- und Sozialpolitik bekommt der gebürtige Saarländer Breschnews Segen.

"Bruderkuss" zwischen Honecker und Breschnew im Oktober 1979. In der DDR endet in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre eine kurze Phase der Liberalisierung. Der Kremlherrscher registriert das mit Wohlwollen.

Außenpolitisch setzt Breschnew auf eine Verständigung mit den USA. Er registriert das sich entspannende Verhältnis der US-Amerikaner mit Mao Zedongs China mit Sorge. Breschnew befürchtet eine weltweite Machtverschiebung zu Ungunsten der UdSSR. Großer Bahnhof für US-Präsident Richard Nixon im Mai 1972 in Moskau.

Die Sowjetunion und die USA erreichen einen Durchbruch bei den Verhandlungen zur Rüstungsbegrenzung und schließen den SALT-I-Vertrag. Beide Supermächte vereinbaren Rüstungsgrenzen. Trotz leichter Entspannungstendenzen bleibt das gegenseitige Misstrauen.

Dennoch bemüht man sich um Verständigung. Der sowjetische Kommunist Breschnew und der US-amerikanische Republikaner Nixon im Juni 1973 an Bord der Jacht "Sequoia" auf dem Potomac. Das besser gewordene sowjetisch-amerikanische Verhältnis strahlt auch auf die Verbündeten aus.

Die seit 1969 in der Bundesrepublik Deutschland amtierende sozial-liberale Regierung von Bundeskanzler Willy Brandt verfolgt eine neue Ostpolitik. Ihr Prinzip ist der "Wandel durch Annäherung". Im September 1971 besucht Brandt die UdSSR. Bei einer gemeinsamen Schiffsfahrt auf dem Schwarzen Meer wird die große Politik besprochen.

Bereits ein Jahr zuvor, am 12. August 1970, haben Brandt und sein sowjetischer Amtskollege Alexej Kossygin den Moskauer Vertrag unterzeichnet. Die Bundesrepublik und die Sowjetunion verpflichten sich, den internationalen Frieden aufrechtzuerhalten und den Entspannungsprozess zu fördern. Brandt will so eine durchlässigere innerdeutsche Grenze erreichen.

Brandt und Breschnew im Mai 1973 in Bonn. Beide sind um ein gutes persönliches Verhältnis bemüht. Sie haben an verschiedenen Stellen gegen Hitler gekämpft und bauen nach und nach Vertrauen zueinander auf. Gesundheitlich geht es dem Kremlchef noch gut. Allerdings wird bei ihm ein Jahr später eine Gehirngefäßverkalkung diagnostiziert. Diese Krankheit schränkt Breschnews Aktionsradius stark ein. Auch die sowjetische Politik wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen.

Breschnew zwischen den Eheleuten Brandt im Park nahe der Bonner Kanzlervilla. Es "menschelt": Dennoch hält der Kommunist Breschnew am Kampf zwischen beiden Systemen fest.

Handkuss des KPdSU-Generalsekretärs für Rut Brandt. In Bonn zeigt sich der Russe von seiner charmanten Seite. Auf politischem Gebiet ist er allenfalls zu kleineren Zugeständnissen bereit.

Privat ist Leonid Breschnew ein Genussmensch. Bei Empfängen wird das eine oder andere Wodkaglas in einem Zug geleert. Westliche Staats- und Regierungschefs "kapitulieren" schon vorzeitig. Breschnew ist auch ein Freund schneller Autos. Auf diesem Foto ist ein Mercedes-Benz 600 aus seinem Fuhrpark zu sehen.

Mit den USA setzt Breschnew seine Gespräche fort. Sein neuer Gesprächspartner ist Gerald Ford. Dieser ist Nachfolger von Richard Nixon, der 1974 wegen der Watergate-Affäre zurücktreten muss.

Die beiden mächtigsten Männer der Welt demonstrieren im November 1974 in Wladiwostok Einigkeit. Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) wirft ihre Schatten voraus.

Ein lockerer Breschnew probiert Fords Pelz an. Innenpolitisch bewegt sich in der Sowjetunion allerdings wenig. Gegen Andersdenkende wird rigoros vorgegangen. Sie werden in die Verbannung geschickt oder verlassen das Land.

Zu ihnen gehört der Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn, Verfasser des Werks "Der Archipel Gulag". Er findet Aufnahme in der Bundesrepublik Deutschland, dann in der Schweiz. Später siedelt er in die USA über.

Der Germanist und Schriftsteller Lew Kopelew wird Anfang der 1980er Jahre ausgebürgert. Er setzt sich im deutschen Exil für die Aussöhnung zwischen Russen und Deutschen ein.

Auch der Physiker Andrej Sacharow fällt in Ungnade. Der Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe erhält 1975 den Friedensnobelpreis. Wegen seines Einsatzes für Andersdenkende wird Sacharow verbannt. Er verbringt Jahre unter KGB-Aufsicht. Solschenizyn, Kopelew und Sacharow werden später von Michail Gorbatschow rehabilitiert.

Am 1. August 1975 unterzeichnet Breschnew für die Sowjetunion die KSZE-Schlussakte von Helsinki. Die darin verankerte Gewährleistung der Menschenrechte (Korb III) wird durch die UdSSR und ihre Verbündeten ignoriert. Zwischen den Blöcken herrscht in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wieder ein eisigerer politischer Wind.

Auch das sowjetisch-bundesdeutsche Verhältnis verschlechtert sich. Grund ist die Stationierung von auf die Nato-Staaten gerichteten SS-20-Mittelstreckenraketen durch die Sowjetunion. Schwierige Verhandlungen zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Breschnew gibt es Ende Juni 1980 in Moskau.

Auch Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher sondiert in der sowjetischen Hauptstadt. Breschnew, mittlerweile schwer krank und nur eingeschränkt handlungsfähig, bewegt sich in der Raketenfrage kaum. Die Nato fasst Ende 1979 ihren Doppelbeschluss, der die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik und anderen westeuropäischen Staaten vorsieht.

Während der Breschnew-Ära versucht die UdSSR, ihre Einflusssphäre auszuweiten. Fidel Castros Kuba spielt in den sowjetischen Plänen eine wichtige Rolle. Kuba ist von der Embargopolitik der USA schwer betroffen. Die Führung in Havanna kann ihren Menschen nur dank massiver sowjetischer Hilfe einen gewissen Lebensstandard gewährleisten.

Breschnew und Außenminister Andrej Gromyko (l.) zu Besuch auf Kuba. Castro schickt später Truppen nach Angola, damit die dortige marxistische Regierung an der Macht bleiben kann.

Ein gern gesehener Gast in Moskau ist auch Indira Gandhi. Die indische Ministerpräsidentin besucht im Juni 1976 die Sowjetunion. Breschnew will die kritische Haltung Indiens zu den USA ausnutzen. Auch das gespannte indisch-chinesische Verhältnis kommt der sowjetischen Führung entgegen.

Die Sowjetunion will auch im arabischen Raum stärker Präsenz zeigen. Libyens exzentrischer Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle. Das Verhältnis Breschnews zum starken Mann in Tripolis ist aber sehr schwierig. Der Libyer lässt sich nicht kontrollieren und strebt eine Führungsrolle in der Bewegung der Nichtpaktgebundenen an.

Treffen der alten Männer im Mai 1979 in Moskau: Jugoslawien befindet sich unter Josip Broz Tito nicht im sowjetischen Machtbereich. Tito, damals von Stalin als Feind angesehen, erreicht "normale" Beziehungen zur sowjetischen Führung. Das Verhältnis Breschnews zum gebürtigen Kroaten ist nicht herzlich. Jugoslawien gehört keinem Block an. Breschnew überlebt Tito um zweieinhalb Jahre.

Breschnew und US-Präsident Jimmy Carter unterzeichnen im Juni 1979 in der Wiener Hofburg das SALT-II-Abkommen. Dennoch geht das Wettrüsten weiter. In der UdSSR steht Breschnew unter dem Einfluss der Militärs und des militärisch-industriellen Komplexes.

Aller zur Schau gestellten Freundlichkeit zum Trotz: Das sowjetisch-amerikanische Verhältnis verschlechtert sich. Die Hochrüstung macht der schon zu Breschnews Zeiten maroden sowjetischen Wirtschaft mehr und mehr zu schaffen. Die Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Dingen zum Leben gestaltet sich schwierig.

Außerplanmäßiges Treffen von Breschnew und Schmidt im Mai 1980 am Rande der Beerdigungsfeierlichkeiten für Tito in Belgrad. Die Fronten bleiben verhärtet.

Auch Helmut Kohl lernt Breschnew kennen - als Oppositionsführer. Beide Politiker treffen sich am 24. November 1981. Sie haben aber nicht mehr viel miteinander zu tun: Kohl wird am 1. Oktober 1982 Bundeskanzler. Breschnew stirbt gut einen Monat später.

Ende 1979 marschieren sowjetische Truppen in Afghanistan ein. Weltweit wird dagegen protestiert.

In Kabul regiert der Chef der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA), Babrak Karmal. Er will sein Land modernisieren und eine sozialistische Gesellschaft errichten. Karmals Macht reicht dazu aber nicht aus. Er bittet die Sowjetunion um militärischen Beistand.

Die Machthaber in Moskau lassen sich nicht lange bitten. Sie erliegen dem Irrglauben einer vollständigen Kontrolle Afghanistans. Das Nachbarland soll für die Sowjetunion ein wichtiger strategischer Stützpunkt werden.

Die sowjetischen Truppen erlangen trotz intensiver Bemühungen nie die vollständige Herrschaft. Der Widerstand der Mudschaheddin ist zu groß. Tausende sowjetischer Soldaten verlieren ihr Leben. 1988 beendet Gorbatschow das unter Breschnew eingeleitete militärische Abenteuer.

Afghanistan ist für die UdSSR auch ein politisches Desaster. Die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau werden vom Westen boykottiert. Breschnew verliert massiv an Ansehen.

In westlichen Hauptstädten wird darüber spekuliert, ob Breschnew noch die politischen Fäden in der Hand hält. Die sowjetische Außenpolitik wird aggressiver, unberechenbarer und unflexibler. Im Moskauer Herrschaftsbereich brodelt es.

In Polen gewinnt die Gewerkschaft Solidarnosc immer mehr Anhänger. Ihr Führer Lech Walesa fordert innenpolitische Reformen, die freie und unabhängige Gewerkschaften zulassen.

Befördert werden die Ereignisse durch die Wahl des Polen Karol Wojtyla zum Papst im Oktober 1978. Johannes Paul II. macht auch schnell deutlich, auf welcher Seite er steht. In Moskau ist man äußerst beunruhigt.

Breschnew zitiert General Wojciech Jaruzelski nach Moskau. Er fordert von den polnischen Genossen ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Regimegegner.

Der Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in Polen ist für den Russen eine Option. Er droht Jaruzelski offen damit. Der Pole verhindert dies mit der Ausrufung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981. Mit Gewalt wird gegen Oppositionelle vorgegangen. In Moskau sieht man daraufhin vom militärischen Eingreifen ab.

1982 werden die Breschnews öffentliche Auftritte immer seltener. Eine offizielle Verlautbarung dazu gibt es nicht.

Mehrere Schlaganfälle und Herzinfarkte setzen dem KPdSU-Generalsekretär zu. Er spricht nur noch undeutlich, Breschnew kann eigentlich nicht mehr regieren. Dennoch wird er auf dem XXVI. Parteitag der KPdSU Februar/März 1981 noch einmal zum Generalsekretär gewählt. Mit ihm verbleibt eine überwiegend aus Greisen bestehende Riege im Politbüro.

Der Apparat hält bis zum Ende an Breschnew fest. Zu viele Funktionäre haben zu viel zu verlieren. Dabei geht es mit der Sowjetunion ökonomisch bergab. Es herrscht ein riesiger Reformstau. Später wird deutlich: Innerhalb des erstarrten Systems sind Reformen nicht mehr möglich.

Am 10. November 1982 stirbt Leonid Breschnew. Juri Andropow (vorne links) ist Chef der Beisetzungsfeierlichkeiten. Obwohl ebenfalls krank, wird er neuer KPdSU-Generalsekretär.

Fünf Tage später wird Breschnew an der Kremlmauer beerdigt. Andropow stirbt bereits anderthalb Jahre später. Im März 1985 wird dessen Nachfolger Konstantin Tschernenko (2. v.l.) zu Grabe getragen. Der 54-jährige Michail Gorbatschow wird danach Parteichef und führt die Sowjetunion bis zu ihrer Auflösung Ende 1991.

Breschnews Ehefrau Viktoria am Grab. Öffentliche Auftritte von ihr sind rar.

Viktoria Breschnewa stirbt 1995 im Alter von 87 Jahren.

Breschnew hinterlässt zudem Tochter Galina (Foto aus der Mitte der 1970er Jahre) und Sohn Juri. Galina war Breschnews verwöhnter Liebling und bereitete ihm viel Ärger.

Galina Breschnewa stirbt 1998. Von 1971 bis 1990 ist sie mit dem General und Politiker Juri Tschurbanow verheiratet. Insgesamt ging sie drei Mal eine Ehe ein. Ihre ersten beiden Ehemänner waren Zirkusleute. Dazu kamen noch mehrere Liebhaber.

Nach Stalin ist Leonid Breschnew der am längsten amtierende Parteichef der Sowjetunion. Unter seiner Führung gewinnt das flächenmäßig größte Land der Erde militärisch an Macht. Ökonomisch beginnt allerdings sein Niedergang. Breschnew legt mit seiner reformfeindlichen Politik des Beharrens den Grundstein für den späteren Untergang der UdSSR (Text: Wolfram Neidhard).

weitere Bilderserien