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Codename "Trident Juncture": Nato führt ihre Schlagkraft vor

Von Martin Morcinek

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Das ist kein Computerspiel: Vor der spanischen Küste üben Nato-Spezialeinheiten den Absprung über dem offenen Meer. (Foto: Nato JFC)

Das ist kein Computerspiel: Vor der spanischen Küste üben Nato-Spezialeinheiten den Absprung über dem offenen Meer.

Das ist kein Computerspiel: Vor der spanischen Küste üben Nato-Spezialeinheiten den Absprung über dem offenen Meer.

Die ungewöhnliche Aktion ist Teil des großangelegten Nato-Manövers "Trident Juncture", mit dem das Militärbündnis den Einsatz einer internationalen Eingreiftruppe übt.

Insgesamt sind an der mehrwöchigen Übung mehr als 36.000 Soldaten aus 28 Nato-Staaten sowie mehreren "Partnerländern" beteiligt.

Das Manöver erstreckt sich über eine Serie an verschiedenen Einzelübungen zu Wasser, zu Lande und in der Luft.

Zugrunde liegt dem Manöver ein fiktives, aber ansonsten möglichst realitätsnahes Szenario: ...

... Die Ausgangslage von "Trident Juncture" (deutsch etwa: Dreizack-Verbindung) beschreibt einen Streit zwischen den beiden frei erfundenen afrikanischen Staaten "Kamon" und "Lakuta".

Die beiden Länder, so heißt es, kämpfen um den kostbaren Rohstoff Wasser und die Kontrolle von Staudämmen. Die Lage eskaliert.

Eine eilig aufgestellte Multinationen-Streitkraft der Nato fährt auf, um - so das Übungsszenario - den Regionalkonflikt zwischen "Kamon" und "Lakuta" einzudämmen und notfalls gewaltsam zu entschärfen.

Die Nato betont, dass "Trident Juncture" keinesfalls als direkte Reaktion auf das außenpolitische Vorgehen Russlands oder den Ukraine-Konflikt verstanden werden soll.

Doch der große Aufwand rund um das Manöver kommt nicht von ungefähr.

Rund um das Manöver nutzt die Nato die Gelegenheit, um zu zeigen, was sie kann und was sie hat.

Militärbeobachter aus aller Herren Länder sind geladen, um den größten Truppenaufmarsch in Südeuropa seit mehr als zehn Jahren mit eigenen Augen zu verfolgen.

Gemäß internationaler Vereinbarungen ist neben Schweden und der Schweiz auch eine Abordnung aus Russland bei dem Manöver vertreten.

Militärs aus Brasilien, El Salvador, Georgien, Kolumbien, Marokko, Mexiko, Serbien, Tunesien und der Ukraine wollten sich die Gelegenheit ebenfalls nicht entgehen lassen.

Die Nato probt Landungsoperationen (hier im Bild königlich-niederländische Marineinfanteristen) und ...

... schnelle Vorstöße aus der Luft sowie ...

... Flussüberquerungen (hier portugiesische Schützenpanzer auf einer mobilen Pontonbrücke der Bundeswehr), ...

... die Versorgung einer Flottille aus der Luft, ...

... den Kampf in bebautem Gelände, ...

... die Durchsuchung von Frachtschiffen, ...

... das Absetzen von Fallschirmjägern, ...

... das Aufspüren von U-Booten, ...

... die Abwehr gepanzerter Verbände, ....

... die Versorgung Verwundeter, ...

... den Fallschirmsprung aus großer Höhe, ...

... den Umgang mit gefährlichen Kampfstoffen ...

... und die Betankung von Jagdbombern in der Luft (hier ein italienischer Tornado am Tankrüssel einer kanadischen A C-130 "Hercules").

Fast die gesamte Bandbreite militärischer Aufgabenbereiche kommt zur Entfaltung: Von A wie Aufklärung bis ...

... Z wie Zielbekämpfung.

Der Schwerpunkt liegt allerdings auf der Schlagkraft der neuen "Speerspitze" des Nordatlantikpakts: Es geht um die sogenannte "Nato Response Force", die schnelle Eingreiftruppe des Bündnisses für weltweite Einsätze.

Schauplatz sind abgesperrte Truppenübungsplätze in Spanien, Italien und Portugal sowie die angrenzenden Seegebiete im Atlantik und im Mittelmeer.

Bei einer der Übungseinheiten zur See nimmt auch die deutsche Marine mit der Fregatte "Hamburg" teil.

Hier im Bild überholt die "Hamburg" (l.) gerade das Flaggschiff (r.) der königlich-spanischen Flotte.

Die Seeleute der "Hamburg" trainieren unter anderem das Zusammenspiel mit dem Mehrzweckträger "Juan Carlos" (L61).

Das wichtigste Übungsziel des gesamten Nato-Manövers lautet "Interoperabilität".

Im Sprachgebrauch der Strategen steht der Begriff für das reibungslose Zusammenwirken der verschiedenen nationalen Streitkräfte.

Denn eine der größten Herausforderung der Nato liegt in ihrer Vielfalt: Das Gebiet des Nordatlantikpakts reicht von Alaska bis nach Syrien, von Portugal bis zum Nordkap.

Das bedeutet: Die Nato setzt sich nicht nur aus 28 Mitgliedsstaaten zusammen, sondern besteht im Inneren aus mindestens ebenso vielen militärischen Traditionen.

In Friedenszeiten besteht eine Armee vor allem aus einer in sich geschlossenen Organisation mit oft ganz eigenen Anforderungen, Regeln und Gepflogenheiten.

Ausstattung, Ausbildung und auch die Ausrüstung fallen mitunter sehr unterschiedlich aus.

Abseits der Nato-Standards für Treibstoffe und Munition gibt es auch mehr als sechs Jahrzehnte nach der Gründung nur wenig Gemeinsamkeiten.

Und fast jedes Mitgliedsland unterhält eine eigene Rüstungsindustrie, die Standortpolitiker auch aufgrund der krisenfesten Arbeitsplätze sehr schätzen. (Im Bild eine Panzerhaubitze 2000 des italienischen Heeres).

In der Praxis ergibt sich daraus ein Sammelsurium militärtechnischer Lösungen.

Während des Manövers - immerhin das größte Truppenaufgebot in Europa seit mehr als zehn Jahren - bietet sich Beobachtern die Chance, Waffensysteme und Einheiten in höchst ungewöhnlichen Kombinationen zu sehen.

Auf den Nato-Basen starten zum Beispiel Eurofighter (l.) direkt neben polnischen F-16-Kampfjets US-amerikanischer Produktion (Hintergrund).

Niederländische Landungstruppen feuern an der Mittelmeerküste einen ihrer tragbaren 60-Millimeter-Mörser ab.

Kanadische Luftlandetruppen graben sich im portugiesischen Hinterland ein.

Marine-Hubschrauber der Bundeswehr landen auf britischen Trägern.

Soldaten aus dem Baltikum feuern auf einem Schießplatz in Spanien mit Kalaschnikows.

US-Kampfhubschrauber sorgen für Unterstützung aus der Luft.

Amphibische Brückenfahrzeuge der Bundeswehr helfen schweren Kampfpanzern über den Fluss Tejo.

Estnische Panzerabwehrtrupps halten nach potenziellen Gegner Ausschau.

Italienische Schützenpanzer decken ihre Kollegen aus dem Norden.

Ein Pilot der spanischen Luftwaffe eilt nach einem Übungseinsatz mit seiner F-18 zur Nachbesprechung.

Eine portugiesische Kampfpatrouille fährt in M113-Schützenpanzern vor.

Militärpolizisten aus Bulgarien zeigen GIs ihre leicht gepanzerten Patrouillenfahrzeuge.

Lettische Infanteristen rollen in neuen Hummer-Jeeps zum Häuserkampf an.

Ein Kampfpanzer vom Typ Leopard II begleitet dänische Grenadiere.

Andere Einheiten aus Dänemark übernehmen hier die Feinddarstellung, im Nato-Jargon "Opposing Forces Activities" (OPFOR).

Der Pilot einer griechischen F-16 grüßt vor dem Start auf der italienischen Nato-Basis Trapani in die Kamera.

Damit aus dem Durcheinander aus Befehlsketten kein Chaos entsteht, ...

... müssen die Nato-Soldaten vor allem eine ganz bestimmte Fähigkeit lernen.

Manöver wie "Trident Juncture" sollen vor allem auch dazu dienen, hemmende Sprachbarrieren innerhalb des Bündnisses abzubauen.

Zuständig für die militärische Großveranstaltung ist der deutsche Nato-General Hans-Lothar Domröse.

Seinen Worten zufolge soll das Manöver zunächst vor allem jene Fähigkeiten verbessern, die in ähnlichen Krisensituationen in einem Nato-Land eine Rolle spielen könnten.

Verbesserungspotenzial sieht der deutsche Militärexperte unter anderem bei der bei der Zusammenarbeit unter Mitgliedsstaaten.

"Wir müssen an der Multinationalität noch ein bisschen arbeiten", sagt er.

Die Bundeswehr ist mit rund 3000 Soldatinnen und Soldaten sowie zahlreichen Großgeräten an dem Manöver beteiligt.

Das Fazit der Nato-Führung steht fest: ...

Die militärischen Kräfte seien "fähig und bereit, unsere gemeinsamen Werte, unsere Bevölkerung und das Bündnisgebiet zu verteidigen", betont Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Das Nordatlantische Bündnis will sich strukturell so aufstellen, dass es nicht nur auf die existierenden, sondern auch auf künftige Herausforderungen "rasch und angemessen" reagieren kann.

Deutschland spielt in diesen Überlegungen eine zentrale Rolle.

Der sogenannte "Readyness Action Plan" vom Nato-Gipfeltreffen in Wales sieht unter anderem auch die Aufwertung des multinationalen Nato-Hauptquartiers in Stettin vor.

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