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Politik

Abzug vom Hindukusch: Obama holt die Jungs nach Hause

 
Abzug vom Hindukusch: Obama holt die Jungs nach Hause

Es ist alles andere als üblich, dass sich die Bürgermeister US-amerikanischer Städte in die Außenpolitik ihres Landes einmischen. Doch diesmal brachen sie bei einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama im Washington ihr Schweigen.

Mit einer scharfen Resolution forderten sie seine Regierung auf, den Militäreinsatz in Afghanistan und auch im Irak abzubrechen.

Lokalpolitiker, die ein Ende des Krieges fordern - das hat es seit vier Jahrzehnten, seit dem Vietnam-Trauma, nicht mehr gegeben.

Die Verbitterung der Bürgermeister hat einen simplen Grund: Während sie jeden Cent aus den Ecken kratzen müssen, um ihren Bürgern so Grundlegendes wie befahrbare Straßen, Unterkünfte oder geöffnete Schulen bieten zu können, ...

... geben die USA in diesem Jahr rund 100 bis 120 Milliarden Dollar für das "Nation Building" in Afghanistan aus.

Allein im Mai hätten sie 28.000 Mitarbeiter auf die Straße setzen müssen, wehklagen die Bürgermeister. Gleichzeitig würden sie zusehen, wie die USA Millionen in Jobprogramme für ehemalige Taliban-Kämpfer in Afghanistan stecken.

Der demokratische Senator Joe Manchin kleidete den Verdruss in eine provokante Frage: "Werden wir uns entscheiden, Amerika wieder aufzubauen oder Afghanistan? Im Lichte der finanziellen Sorgen unserer Nation können wir nicht beides tun."

Ob angesichts dieser Kritik genügen wird, was Obama dem Volk in einer Fernsehansprache zur besten Sendezeit verkündet, ist fraglich.

Er will 33.000 US-Soldaten bis Ende kommenden Jahres heimholen.

Viele rührt das zu Tränen.

"Holt die Jungs heim", hieß es oft in letzter Zeit.

Das alles klingt nach großem Rückzug und nach einem schnelleren, als den Generälen lieb ist.

Es bedeutet aber auch, dass zur Präsidentenwahl im November 2012 immer noch mehr als 70.000 US-Amerikaner am Hindukusch kämpfen werden - und damit eine wesentlich höhere Zahl als zu Obamas Amtsantritt im Januar 2009.

Der "Commander-in-chief" der US-Streitkräfte muss befürchten, dafür im Wahlkampf zu bluten.

Es hilft wenig, dass er den Waffengang eigentlich nur von seinem Vorgänger George W. Bush erbte und stets als lästiges, aber notwendiges Übel für die US-amerikanische Sicherheit hinstellt. (Im Bild: Bush auf den Trümmern des World Trade Centers)

Unter dem Friedensnobelpreisträger ist der Krieg zum längsten und teuersten in der US-Geschichte geworden.

Für die republikanischen Anwärter aufs Weiße Haus, deren Partei den Feldzug immer befürwortete, ist das inzwischen ein gefundenes Fressen. (Im Bild: Der republikanische Präsidentschaftsanwärter Jon Huntsman)

Selbst der scheidende Verteidigungsminister Robert Gates, der sich immer für einen sehr vorsichtigen Abzug der Truppen eingesetzt hat, gesteht ein, dass der öffentliche Rückhalt für den Anti-Terror-Kampf nach dem Tod des Al-Kaida-Anführers Osama bin Laden weiter verloren gegangen ist.

"Es gibt Besorgnisse im amerikanischen Volk, das nach einer Dekade des Krieges müde ist", sagte er. "Der Präsident muss diese Punkte offensichtlich genauso in die Überlegungen einbeziehen wie die Bedingungen im Feld in Afghanistan."

Es sind längst nicht allein die unglaublichen Kosten für die Kriege im Irak und in Afghanistan, die Militäreinsätze im Ausland so unpopulär machen wie lange nicht mehr.

Es ist wohl auch das persönliche Leid, das viele US-Amerikaner nicht länger bereit sind zu tragen.

Viele fragen sich: wofür die Qualen? (Im Bild: Ein noch im Bau befindlicher Vergnügungspark in Masar-i-Scharif)

Doch noch gibt es auch zahlreiche prominente Befürworter für eine weiterhin hohe Militärpräsenz am Hindukusch.

Der Vier-Sterne-General, ISAF-Kommandeur und künftige Chef des Geheimdienstes CIA, David Petraeus, versuchte den Präsidenten bis zuletzt davon zu überzeugen, die jüngsten Erfolge gegen die Taliban nicht mit einem überhasteten Abzug zu gefährden.

Der republikanische Senator und ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain watschte die Kritiker des Afghanistan-Krieges gar als "Isolationisten" ab, die keinen Sinn für amerikanische Geschichte hätten.

Unterm Strich heißt das: Obama hat eine Entscheidung unter innenpolitischem Druck gefällt. Fast kein einziger militärischer Grund war ausschlaggebend dafür.

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