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Samstag, 05. März 2016

Krisen, Aufrüstung, nukleares Patt : So bedrohte der Kalte Krieg die Welt

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Der Zweite Weltkrieg ist gerade beendet, ... (Foto: imago stock&people)

Der Zweite Weltkrieg ist gerade beendet, ...

Der Zweite Weltkrieg ist gerade beendet, ...

... und die Welt liegt noch in Trümmern, ...

... als der ehemalige britische Premier Winston Churchill am 5. März 1946 in Fulton eine seiner berühmtesten Reden hält. In Anwesenheit von US-Präsident Harry S. Truman erklärt er: ...

... "Ein Schatten ist auf die Erde gefallen, die erst vor kurzem durch den Sieg der Alliierten hell erleuchtet worden ist. Niemand weiß, was Sowjetrussland und die kommunistische internationale Organisation in der nächsten Zukunft zu tun gedenken ...

... oder was für Grenzen ihren expansionistischen und Bekehrungstendenzen gesetzt sind, wenn ihnen überhaupt Grenzen gesetzt sind. ...

... Von Stettin an der Ostsee bis hinunter nach Triest an der Adria ist ein Eiserner Vorhang über den Kontinent gezogen."

Die Rede gilt manchen als "Fanfarenstoß für den Kalten Krieg", die Teilung der Welt in zwei Machtblöcke: ...

... auf der einen Seite die westeuropäischen Staaten und die USA, ...

... auf der anderen Seite die Sowjetunion und die von ihr nach dem Weltkrieg besetzten osteuropäischen Staaten.

In den folgenden Jahren tritt der Kalte Krieg immer deutlicher zutage.

1947 verkündet Truman seine Politik des "Containment", der "Eindämmung" des kommunistischen Machtbereichs.

Im März erklärt er, dass die USA alle "freien Völker" im Kampf gegen totalitäre Regierungsformen unterstützen würden.

Ein Teil dieser Unterstützung ist der Marschallplan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas, der eine Machtübernahme durch die Sowjetunion verhindern soll.

Im Juni 1948 kommt es zur Währungsrefom in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands, die D-Mark wird als Zahlungsmittel eingeführt. Die Sowjetunion antwortet mit der Berliner Blockade: Die Berliner Westsektoren sollen von der Versorgung mit Lebensmitteln und Brennstoff abgeschnitten werden.

Die Westmächte haben die Wahl: Entweder geben sie Berlin auf oder sie bleiben in der Stadt. Aus Angst vor einem weiteren Vordringen der Sowjetunion gen Osten entscheiden sie sich für die Berliner Luftbrücke.

Fast ein Jahr versorgen die sogenannten "Rosinenbomber" die Stadt mit allem Lebensnotwendigen.

Mit der Blockade erreicht der Kalte Krieg einen ersten Höhepunkt - und als Konsequenz daraus verstärkt der Westen fortan seinen Kampf gegen den Kommunismus.

Bereits am 4. April 1949 gründen die USA, Kanada und viele westeuropäische Staaten die Nato, in Artikel 5 des Nordatlantikvertrags heißt es: ...

... "Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird."

Der Brite Lord Ismay, erster Nato-Generalsekretär in den 50er-Jahren, umschreibt das Ziel der Nato ungeschminkter: "Die Amerikaner drinnen, die Russen draußen und die Deutschen unten halten."

Doch nach nur wenigen Jahren ändert sich diese Strategie: Im Mai 1955 tritt die Bundesrepublik als 15. Mitglied der Nato bei, ...

... zehn Jahre nach Kriegsende wird Deutschland wieder aufgerüstet.

Die Sowjetunion kontert prompt und gründet noch im selben Monat den Warschauer Pakt, einen "Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand" mit den anderen mittel- und osteuropäischen Staaten.

Mitglieder sind neben der UdSSR Albanien, Bulgarien, die DDR, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Die Blockbildung in Ost und West ist nun auch formell abgeschlossen.

Zugleich rüsten beide Seiten kräftig auf. Im August 1957 erklärt Kremlchef Nikita Chruschtschow, die UdSSR verfüge über erste nukleare Interkontinentalwaffen.

Wenig später kommt es zum "Sputnikschock" im Westen.

Der Start des künstlichen Satelliten am 3. Oktober 1957 führt aller Welt die immensen technologischen Fortschritte der UdSSR vor Augen.

Im Westen greift die Befürchtung um sich, dass Moskau die USA in der Raketentechnik nicht nur ein-, sondern sogar überholt habe.

Spätestens mit Beginn der 1960er-Jahre kann Moskau Ziele in den USA und Kanada mit Kernwaffen treffen.

Die "Raketenlücke" ist geschlossen, die USA haben ihr Monopol für Interkontinentalwaffen verloren. Das nukleare Patt bestimmt fortan den Kalten Krieg.

Einen neuen Höhepunkt erreicht dieser im Jahr 1961 - wieder einmal auf deutschem Boden.

Mitte Juni verkündet DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht noch: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“

Keine zwei Monate später, am 13. August, beginnt die DDR mit Grenzabsperrungen und dem Bau der Mauer.

Sowjetische und US-Panzer stehen sich gegenüber.

Der "antifaschistische Schutzwall" soll die massive Abwanderung von DDR-Bürgern in den Westen - rund 2,6 Millionen seit 1949 - verhindern.

Auch wenn die Empörung in der westlichen Welt groß ist, hatte es doch zuvor vonseiten der USA Signale der Zustimmung zu einem Mauerbau gegeben.

Und als die Mauer dann die Teilung Deutschlands zementiert, erklärt US-Präsident John F. Kennedy in seinem Umfeld: ...

... "Das ist keine sehr schöne Lösung, aber eine Mauer ist verdammt noch mal besser als ein Krieg."

Offenbar ist er erleichtert, dass Chruschtschow mit dem Mauerbau anscheinend seine Ansprüche auf Westberlin zurückstellt.

An der Schwelle zu einem Atomkrieg steht die Welt ein Jahr später.

Nach der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in der Türkei und in Italien fühlt sich die Sowjetunion bedroht, auch will sie eine erneute US-Invasion auf Kuba verhindern.

Chruschtschow plant, Atomraketen nach Kuba zu schaffen - keine 200 Kilometer von der Küste Floridas entfernt.

Doch die USA werden auf die Pläne aufmerksam, Aufklärungsflugzeuge entdecken zudem Abschussvorrichtungen für sowjetische Langstreckenraketen und Atombomber.

Kennedy droht mit massiven Vergeltungsschlägen, sollte auch nur eine Rakete von Kuba aus abgeschossen werden.

Gleichzeitig schickt er Tausende Truppen und Militärflugzeuge nach Florida.

Letztlich entgeht die Welt noch einmal der Katastrophe, doch allen Beteiligten wird vor Augen geführt: ...

... Bei einem Gleichgewicht des Schreckens kann keine Seite hoffen, einen Krieg zu gewinnen.

Ein atomarer Schlagabtausch wird Millionen Menschen in Ost wie West das Leben kosten.

Als Konsequenz aus der Kubakrise beginnen die Supermächte mit Abrüstungsgesprächen, am 5. August 1963 unterzeichnen die USA, die UdSSR und Großbritannien ein Abkommen zum Stopp von Atomtests.

Die sowjetische Seite redet nun von "friedlicher Koexistenz", ...

... auf westlicher Seite hofft man, wie es Egon Bahr ausdrückt, auf einen "Wandel durch Annäherung".

Die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt treibt ihre auf Entspannung gerichtete Ostpolitik voran.

1970 unterschreiben beide Seiten den Atomwaffensperrvertrag, 1972 starten die SALT-II-Verhandlungsrunden.

Höhepunkt der Entspannungspolitik ist die KSZE-Schlussakte von Helsinki, die 35 Staaten aus Ost und West am 1. August 1975 unterzeichnen ...

... und die den Grundsatz der friedlichen Koexistenz der beiden Blöcke bestätigt.

Der Westen erkennt die Grenzen in Europa als unverletzlich an - und damit auch die sowjetische Kontrolle über Osteuropa.

Der Osten garantiert westliche Werte wie Bewegungs- und Informationsfreiheit.

In den kommenden Jahren werden sich oppositionelle Gruppen darauf berufen und so den Druck auf die kommunistischen Regierungen erhöhen.

Trotz offizieller Entspannungspolitik kommt es Anfang der 70er-Jahre zu einer Phase der Hochrüstung in der UdSSR.

Verstärkt investiert der Kreml in die Landstreitkräfte und baut seine ohnehin schon erdrückende Überlegenheit der konventionellen Streitkräfte weiter aus.

Die Seestreitkräfte sollen in eine weltweit operierende Flotte verwandelt werden.

Besonders die Stationierung der neuen Mittelstreckenrakete SS-20 scheint das prekäre militärische Gleichgewicht weiter zugunsten der UdSSR zu verschieben.

Ende der 70er-Jahre ist die UdSSR auf dem Zenit ihrer militärischen Macht.

Die Nato reagiert mit dem Doppelbeschluss am 12. Dezember 1979.

Ab November 1983 werden Pershing-II-Raketen und Marschflugkörper in Westeuropa stationiert, ...

... gegen teils heftigen Widerstand einiger Nato-Länder.

Erst mit dem Einzug Michail Gorbatschows in den Kreml 1985 verbessert sich das Klima zwischen dem Westen und den Staaten des Warschauer Pakts.

Um seine innenpolitischen Reformen erfolgreich umzusetzen, braucht Gorbatschow Entspannung mit dem Westen.

Im Oktober 1986 treffen sich US-Präsident Ronald Reagan und Gorbatschow erstmals zu einem Gipfel in der isländischen Hauptstadt Reykjavik.

1987 werden im Washingtoner Vertrag über Mittelstreckenraketen die Vernichtung von Atomwaffen besiegelt sowie umfangreiche Kontrollmechanismen beschlossen.

Gorbatschows Politik führt nicht nur zu weitgehenden Abrüstungsvereinbarungen, ...

... sondern Ende der 80er-Jahre zum rapiden Zerfall des wirtschaftlich maroden Ostblocks.

Der "Eiserne Vorhang" fällt - erstmals am 19. August 1989 in Ungarn mit der Öffnung eines Grenztors zu Österreich, ...

... am symbolträchtigsten dann am 9. November in Deutschland. Keine elf Monate später tritt die DDR der Bundesrepublik bei.

Bereits am 8. Juni 1990 erklären die Nato-Außenminister ihre "Entschlossenheit, die historische Chance zu ergreifen, die sich aus den grundlegenden Veränderungen in Europa ergibt, um eine neue europäische Friedensordnung zu schaffen, gegründet auf Freiheit, Recht und Demokratie. In diesem Sinne reichen wir der Sowjetunion und allen anderen europäischen Ländern die Hand zur Freundschaft und Zusammenarbeit."

Am 1. Juli 1991 wird der Warschauer Pakt aufgelöst, ...

... am 31. Dezember 1991 die Sowjetunion.

Der Kalte Krieg - so scheint es - ist nach mehr als 40 Jahren für immer beendet, eine Fußnote der Weltgeschichte.

Politikwissenschaftler rufen das Ende der Geschichte aus, Männerfreundschaften stehen künftig für die neue Epoche.

Selbst US-Präsident George W. Bush sagt über den russischen Präsidenten Wladimir Putin nach den Anschlägen vom 11. September 2001: "Ich sah dem Mann in die Augen. Ich fand ihn sehr direkt und vertrauenswürdig ... Mir gelang es, in einen Teil seiner Seele zu blicken: ein Mann, der seinem Land und den Interessen seines Landes zutiefst verpflichtet ist."

Heute würde sein Urteil wohl anders ausfallen. Denn anders als jahrelang vom Westen angenommen, führt die Politik der Nato in Russland - das nach dem Untergang der Sowjetunion unter massiven Phantomschmerzen leidet - zu einem wachsenden Unbehagen.

Die Nato-Osterweiterung und der erste Krieg der Nato im März 1999 gegen Serbien strapazieren die Beziehungen zu Moskau arg.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 artikuliert Putin in scharfer Rhetorik seine Sicht der Dinge: Die Nato-Osterweiterung nennt er eine Provokation, drastisch warnt er vor einer amerikanischen Weltherrschaft und kritisiert eine "übermäßige Militäranwendung in internationalen Fragen". Schon da sehen einige Sicherheitsstrategen ein neues Ost-West-Verhältnis, den "Anfang eines neuen Kalten Krieges" voraus.

Mit dem Krieg in Georgien 2008, ...

... spätestens mit den heftigen Kämpfen in der Ukraine und der Krim-Annexion 2014 ist das Verhältnis Russlands zum Westen grundlegend zerrüttet.

Mit seinem Eingreifen in Syrien macht Putin ganz klar, was US-Präsident Barack Obama Russland erst vor wenigen Jahren höhnisch absprach: Das Land ist keine Regionalmacht. Zugleich zeigt der Krieg dort: Die Weltlage ist angespannt wie seit Jahrzehnten nicht.

Dies erkennt auch Russlands Ministerpäsident Dmitri Medwedjew bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres an.

Die Beziehungen zwischen der EU und Russland seien "verdorben".

Und mehr noch: "Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht."

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