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Mittwoch, 05. August 2015

Der erste Atombomben-Angriff der Welt: Wie "Little Boy" Hiroshima vernichtete

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Es ist der erste Nuklearangriff in der Geschichte der Menschheit. (Foto: picture alliance / dpa)

Es ist der erste Nuklearangriff in der Geschichte der Menschheit.

Es ist der erste Nuklearangriff in der Geschichte der Menschheit.

Am 6. August 1945 um 8.15 Uhr werfen die US-Amerikaner eine Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab.

Die Folgen sind verheerend.

US-Kriegsminister Henry Stimson ...

... und Außenminister James Byrnes hatten Präsident Harry Truman bedrängt, die neue Waffe einzusetzen, ..

... die erst einen Monat zuvor erstmals in der Wüste von New Mexiko getestet worden war.

Anfang August wird einer der besten Bomberpiloten der USA, Paul Tibbets, über die streng geheime Mission informiert.

Sein Bomber, nach seiner Mutter "Enola Gay" benannt, bekommt noch den Segen des Feldgeistlichen.

Dann hebt er ab.

Fünfeinhalb Stunden später klinkt Tibbets die Atombombe mit dem harmlos klingenden Namen "Little Boy" aus.

Die Bombe von knapp 75 Zentimetern Durchmesser und 3,2 Metern Länge wiegt etwa 4400 Kilogramm, die Sprengkraft ist vergleichbar mit 13.000 Tonnen TNT.

580 Meter über dem Shima-Krankenhaus, mitten im Zentrum Hiroshimas, detoniert die Bombe.

Der Blitz bringt ein Inferno über die Stadt.

Innerhalb von Sekunden macht eine gewaltige Druck- und Hitzewelle von mindestens 6000 Grad Hiroshima zu einer lodernden Hölle.

Im Umkreis von zwei Kilometern wird alles niedergemäht.

Rund 80 Prozent der Stadt liegen in Schutt und Asche.

Von den etwa 250.000 Bewohnern sterben auf einen Schlag schätzungsweise mehr als 70.000.

Ende Dezember 1945 liegt die Zahl schon bei 140.000.

In der Nähe des Epizentrums der Bombe verdampfen Gebäude, Menschen, Tiere und Pflanzen auf der Stelle.

Etwas entfernter erleiden die Menschen schwere Verbrennungen und werden radioaktiv verseucht.

Die Überlebenden hätten die Toten beneidet, so der Bürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi Akiba.

Wenige Stunden nach dem Angriff fallen dicke schwarze Regentropfen. Die pulverisierten, radioaktiven Überreste der Stadt fallen zur Erde zurück und verseuchen den Boden.

Auf der Suche nach Wasser und Angehörigen irren Menschen durch ihre vernichtete Stadt.

Drei Tage später, am 9. August, hebt der nächste US-Bomber vom Boden ab. An Bord: "Fat Man". Die Bombe hat einen Durchmesser von 1,5 Meter, wiegt 4500 Kilogramm, enthält Plutonium 239 und hat eine Sprengkraft vergleichbar mit 22.000 Tonnen TNT.

Sie wird über Nagasaki abgeworfen.

Die Sprengkraft der Bombe ist fast doppelt so hoch wie in Hiroshima, die Bombe detoniert rund 500 Meter über dem Boden.

Nagasaki wird dem Erdboden gleichgemacht.

In Nagasaki befindet sich zur Zeit der Explosion fast ein Drittel der 250.000 Einwohner im Umkreis von 2 Kilometern Entfernung vom tödlichen Hypozentrum der Bombe.

In den nächsten Monaten sterben dort etwa 70.000 Menschen.

Japan hat keine Wahl mehr, am 15. August gibt der Kaiser die Kapitulation bekannt.

Die genaue Opferzahl der beiden Atombombenangriffe wird sich nie ermitteln lassen.

Die Überlebenden, "Hibakushas" genannt, sind für ihr Leben gezeichnet.

Mehr als die Hälfte von ihnen leidet an Verstümmelungen, ...

... Langzeitschäden oder Folgeerkrankungen wie Schilddrüsenkrebs.

Kinder der Strahlenopfer kommen verstümmelt und mit genetischen Schäden zur Welt.

Bis heute sterben jährlich Tausende an den Folgen der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki.

Erst seit 1968 erhalten die Opfer eine kostenlose medizinische Betreuung.

Für die Überlebenden und einen Großteil der Welt ist klar:

Der Abwurf der Bomben war ein Kriegsverbrechen.

Die Atombombe sei militärisch nicht notwendig gewesen und habe nur "am lebenden Objekt" erprobt werden sollen, meint beispielsweise der US-Historiker Gar Alperovitz.

Leo Szilard, der wohl als erster Physiker die Idee einer Atombombe hatte und diese für die USA mitentwickelte, sagt nach dem Krieg:

"Hätten die Deutschen die Atombombe auf unsere Städte geworfen, ...

... hätten wir das ein Kriegsverbrechen genannt und die schuldigen Deutschen in Nürnberg zum Tode verurteilt und gehängt."

Den Vergleich lassen die Befürworter der Bombe nicht gelten.

"Die Hoffnung auf eine Kapitulation Japans war trotz der aussichtslosen Lage vergebens", schreibt zum Beispiel der US-Historiker Victor Davis Hanson.

Denn die Japaner zeigten einen enormen Durchhaltewillen.

Allein in der Schlacht von Okinawa im April 1945 kämpften sie um jeden Fußbreit.

12.000 US-Amerikaner und mehr als 110.000 Japaner starben.

In Washington gingen die Planer von einem Kriegsende im Jahr 1947 aus.

US-Außenminister James Byrnes sprach damals von einer halben Million alliierter Soldaten, die bei einer Fortsetzung des Krieges ihr Leben verloren hätten.

Doch Kritiker wie Alperovitz werfen Byrnes und Präsident Harry Truman vor, Adressat der Bomben sei weniger Tokio als vielmehr Moskau gewesen.

Washington habe eine Drohkulisse gegen die aggressive Politik der Russen aufbauen wollen.

Deshalb auch zwei Bomben: Die erste sollte zeigen, dass man "die Bombe" habe.

Die zweite, dass man das auch wiederholen könne.

Ähnlich sieht es der russische Historiker Anatoli Koschkin: "US-Präsident Harry Truman wollte die Atombombe, um den uneingeschränkten Führungsanspruch der USA in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu verankern."

Truman habe die Sowjetunion und ihren Führer Josef Stalin in die Schranken weisen wollen.

Zugleich habe der Atomschlag gegen Japan dazu gedient, den US-Einfluss in Asien zu verankern und die Sowjetunion dort zu schwächen.

Hiroshima und die Hunderttausenden Toten seien so gesehen eine Kriegserklärung an die Sowjetunion gewesen - ...

... und der schreckliche Auftakt des Kalten Krieges, schreibt Koschkin zum 65. Jahrestag des Atombombenabwurfs.

Tibbets, der die erste Atombombe der Weltgeschichte abgeworfen hatte, zeigt sich indes sein Leben lang frei von Zweifeln:

"Wir haben nichts zu bereuen", sagt der General noch wenige Jahre vor seinem Tod.

"Ich würde es wieder tun."

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