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Arbeitszeugnisse: Schön verpackte Wahrheiten

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In der Schule war alles noch einfach. Ein Blick ins Zeugnis genügte und die Sache war klar: guter Schüler - schlechter Schüler, oder irgendwas dazwischen.

In der Schule war alles noch einfach. Ein Blick ins Zeugnis genügte und die Sache war klar: guter Schüler - schlechter Schüler, oder irgendwas dazwischen.

In der Schule war alles noch einfach. Ein Blick ins Zeugnis genügte und die Sache war klar: guter Schüler - schlechter Schüler, oder irgendwas dazwischen.

Im Berufsleben werden die Dinge komplizierter. Denn ob ein Mitarbeiter tatsächlich geschätzt und kompetent war oder ein besserwisserischer Sesselfurzer, verrät das Arbeitszeugnis nur, wenn man genau hinsieht.

Im Arbeitszeugnis kommen selbst die größten Versager ganz gut weg - meinen sie selbst. Dabei sind die unangenehmen Wahrheiten nur hübsch verpackt. Eingeweihte können sie aber schon am Geschenkpapier erkennen. Zum Beispiel bei dieser Formulierung:

Das ist kein Lob, sondern eine glatte Fünf im Schulnotensystem. Doch so direkt können sich die Personaler natürlich nicht ausdrücken. Das gäbe Ärger.

Stattdessen bemühen sie sich darum, die Unfähigkeit eines Mitarbeiters blumig zu umschreiben. Schließlich hat der Arbeitnehmer ein Recht auf ein wohlwollendes Zeugnis.

So wird einem unfähigen Mitarbeiter zumindest bescheinigt, dass er sich angestrengt habe. Dass die Mühe erfolglos war, kann sich der Leser dann schon denken.

Heißt nichts anderes als: er war seinen Aufgaben nicht gewachsen.

Klingt gut, oder?

Aber Begeisterung allein reicht leider nicht. Ein paar Erfolge wären auch nicht schlecht.

... und zeigte dabei so viel Eigeninitiative ...

... wie ein Faultier.

... die leider nichts taugten, sonst wären sie auch umgesetzt worden.

Auch das Hervorheben von Banalitäten ist sehr aussagekräftig.

Toll, dieser Mitarbeiter schafft es pünktlich an seinen Arbeitsplatz! Was wollen Arbeitgeber denn noch erwarten?

Zufriedenheit ist nicht genug, für ein "gut" oder "sehr gut" müsste es die volle bzw. vollste Zufriedenheit sein.

Man sieht: Personaler sind Meister der Nuancen. Es sind die feinen Abstufungen, die entscheiden.

Die Reihenfolge ist verräterisch: Wenn die Kollegen zuerst genannt werden, war das Verhältnis zum Chef offenbar weniger gut.

Wird der Vorgesetzte überhaupt nicht erwähnt, deutet das auf einen sehr schlechten Kontakt hin.

Wenn der Mitarbeiter auch im Kollegenkreis nicht gerade beliebt war, liest sich das in etwa so:

"Umgänglich", das klingt nicht gerade euphorisch. So ist es auch nicht gemeint.

Das klingt doch schon besser, oder?

Bedeutet aber nichts anderes als: der Mann hat Alkoholprobleme!

Und das hier?

Ist die übliche Umschreibung für jemanden, der Sexkontakte am Arbeitsplatz sucht. Wird sogar "umfassendes Einfühlungsvermögen" bescheinigt, heißt das "homosexuell".

Auch die Schlussformel verdient Beachtung - sie ist mehr als reine Höflichkeit.

... denn bei uns hatte er leider keinen.

Klingt schon besser. Aber nicht richtig gut.

Schließlich lässt man einen kompetenten Arbeitnehmer ungern ziehen. Deshalb gehört auch der Ausdruck des Bedauerns in die Schlussformel.

Besonders einvernehmlich hat sich hier wohl der Arbeitgeber gezeigt, der dem Mitarbeiter die Kündigung nahelegte.

Entscheidend ist nicht nur, was gesagt wird, sondern auch wie es gesagt wird.

Man könnte natürlich auch schreiben: "Er bearbeitete die folgenden Aufgabenbereiche." Durch die passive Ausdrucksweise erscheint der Mitarbeiter nicht gerade als dynamisches Energiebündel.

Manchmal werden Mitarbeiter aber auch versehentlich in schlechtes Licht rückt. Denn wer nur gelegentlich ein Arbeitszeugnis ausstellt, ist mit den Codes möglicherweise selbst nicht sonderlich vertraut.

Zum Glück muss man sich nicht mit einem schlechten Zeugnis abfinden.

Zwar darf der Arbeitgeber die Leistung frei beurteilen. Bei falschen Schwerpunkten, Auslassungen, Stilblüten oder einem unkonventionellen Erscheinungsbild kann der Mitarbeiter aber auf Korrektur bestehen. (Fotos: pixelio, dpa)

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