Bilderserie

"Es ist trotzdem zum Kotzen": Die Bundesliga in Wort und Witz

Bild 1 von 46
FC Bayern - Hannover 96 2:0 (0.0) (Foto: imago sportfotodienst)

FC Bayern - Hannover 96 2:0 (0.0)

FC Bayern - Hannover 96 2:0 (0.0)

H96-Coach Mirko Slomka war nach dem Auswärtstrip nach München recht angetan, auch wenn sein Team tor- und punktlos geblieben war. Er ergötzte sich am Gegner: "Das 1:0 ist zum Zungeschnalzen selbst für den Gästetrainer."

Weniger zufrieden war Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer, obwohl die Münchner durch Franck Ribery sogar noch ein Tor nachlegten. Sammer bemängelte: "Wir spielen ohne Emotion Fußball, wir machen Dienst nach Vorschrift. Wir müssen raus aus der Komfortzone."

Dabei gehe es nicht um die Einstellung, ein neues Spielsystem oder Positionsverschiebungen, das sei alles "Alibi-Käse". Vielmehr gehe es um den Hype um Neutrainer Pep Guardiola - und die Folgen daraus.

"Den Hype, für den er ja überhaupt nichts kann, mit ihm jeden Tag Pep hin, Pep her, Pep hoch, Pep runter und finden wir alle so prima, dass wir sagen, ach gut Mensch, da stehen wir alle auch ein bisschen weniger in der Verantwortung", beklagte Sammer.

"Unser Trainer muss jedes Mal eine Brandrede halten, dass wir in die Gänge kommen. So geht das nicht", kritisierte er den Auftritt im neuen Spiel-Dress in Wiesn-Tracht-Optik. Guardiola schwieg übrigens.

Bayern-Angreifer Thomas Müller sieht die Sache mit dem Pflichtsieg nicht ganz so dramatisch: "Man braucht die Siege, um Punkte zu bekommen in der Tabelle, das haben wir geschafft."

Borussia Dortmund - Hamburger SV 6:2 (2:1)

In den Dortmund trauten die Fans am 5. Spieltag ihren Augen nicht. Erst beherrschte der BVB den HSV klar und ging 2:0 in Führung, dann glichen die Gäste aus dem Nichts aus - ehe die Borussia daraufhin einfach nochmal vier Tore nachlegte.

Überragend dabei: Marco Reus, nicht nur wegen seines Tunneltors zum 5:2. Bezahlfernseh-Experte Jan-Aage Fjörtoft erhob ihn nach dem Spiel in den Kreis der weltweit fünf besten Spieler. Auch einen exakten Transferwert hatte der Norweger im Vergleich zum 100-Millionen-Mann Gareth Bale parat: "153 - hab ich gerade ausgerechnet."

BVB-Coach Jürgen Klopp verzückte vor allem die selbstlose Vorlage von Reus vor dem 4:2 durch Robert Lewandowski: "Wenn du solch einen Ball durchlässt, obwohl du vorher so viele Chancen vergeben hast, kommst du in den Himmel."

HSV-Coach Torsten Fink musste wieder einmal das Unerklärliche erklären. Das klang so: "Wir haben heute ganz schlecht gespielt. Es gab zwölf Minuten, von denen ich sage, die waren in Ordnung. Ansonsten waren wir nicht mutig genug, nicht überzeugend genug, nicht clever genug."

Der Dortmunder Sieg, fand Fink, "geht auch in dieser Höhe in Ordnung". Enttäuschend sei, "dass wir gefühlte 90 Prozent der Zweikämpfe verloren haben". Sein Rezept: "Wir müssen das jetzt erst mal sacken lassen."

Und auch Marco Reus ärgerte sich etwas: "Es ist trotzdem zum Kotzen, wenn du 2:0 führst und kriegst aus dem Nichts zwei Gegentore."

Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg 3:1 (1:1)

Im Duell der Werksklubs siegte am 5. Bundesliga-Spieltag das Team aus Leverkusen. Eine gelungene Generalprobe für das CL-Auswärtsspiel bei Manchester United, fand Bayer-Coach Sami Hyypiä: "Ich hoffe, dass meine Spieler sich nicht nur das traditionsreiche Stadion anschauen und Autogramme von Rooney holen."

Für Leverkusen war wieder einmal Stefan Kießling erfolgreich. Sportdirektor Rudi Völler verzichtete aber darauf, eine Nominierung für die Nationalelf zu fordern. "Mir ist es lieber, dass er erst mal nicht eingeladen ist anstatt eine Alibi-Einladung aufgrund öffentlichen Drucks", sagte Völler bei Sport1.

Zweiter Hauptdarsteller des Spiels war Luiz Gustavo, der seine zweite Ampelkarte in Folge kassierte - und anschließend Krokodilstränen vergoß: "Wenn das so weitergeht, bekomme ich diese Saison fünf- bis zehnmal Rot. Ich habe in zwei Spielen nur vier Fouls gemacht."

Insgesamt war es bereits der fünfte Wolfsburger Platzverweis am 5. Spieltag - zu viel für VfL-Manager Klaus Allofs. Er forderte: "Wir müssen cleverer spielen." Falls das nicht klappt, wäre cleverer foulen eine Alternative.

Werder Bremen - Eintracht Frankfurt 0:3 (0:2)

Cleverer foulen wäre auch ein Motto, das bei Allofs Ex-Klub Werder Bremen nach der derben Heimpleite gegen Frankfurt ausgegeben werden könnte.

Grund ist der Kung-Fu-Tritt von Bremens Franco di Santo ins Gesicht von Bastian Oczipka. "Das war wirklich keine Absicht, ich habe meinen Gegner wirklich nicht gesehen. Sonst hätte ich doch mein Bein runtergenommen", sagte der Südamerikaner zerknirscht.

Di Santo bescherte der Tritt eine frühe Rote Karte, Oczipka ein blutverschmiertes Gesicht.

Oczipka kickte übrigens mit genähter Wunde einfach weiter und bezeichnete die Kopfverletzung als "das kleinere Übel". Kein Wunder: Er fällt die nächsten Spiele mit einem weniger schmerzhaften Muskelfaserriss aus.

Ein verschossener Elfmeter und ein Eigentor rundeten den rundweg verkorksten Nachmittag für Werder ab. Entsprechend angesäuert war Coach Robin Dutt: "Als Heimmannschaft muss man anders auftreten, das ist nicht zu akzeptieren."

Eintracht-Coach Armin Veh hatte nach dem Bremen-Besuch und vor dem ersten Europa-League-Gruppenspiel am Donnerstag beste Laune: "Europa kann sich freuen, dass Eintracht Frankfurt im Europacup spielt, weil wir immer volles Haus haben."

FSV Mainz - FC Schalke 0:1 (0:1)

In Mainz war nicht Ex-Mainzer Adam Szalai der Schalker Mann des Spieltags.

Es war Kevin-Prince Boateng. Vor Kurzem noch glühender Fan von Borussia Dortmund, kickt der Mittelfelddynamo inzwischen für "Königsblau".

Und das erfolgreich: In Mainz schoss er das Schalker Siegtor und fand nach seinem ersten Bundesligator seit März 2007: "Es wurde mal wieder Zeit für mich." Allerdings dürfe man "nicht vergessen, dass ich zwischenzeitlich einige Jahre im Ausland aktiv war". Achso.

Der Mainzer Trainer-Ehrgeizling Thomas Tuchel war nicht ganz so glücklich: "Für uns ist das eine sehr bittere Niederlage."

Hertha BSC - VfB Stuttgart 0:1 (0:0)

Nach dem 6:2-Sieg beim Bundesliga-Debüt setzte Stuttgarts Coach Thomas Schneider seinen Siegeszug in Berlin fort.

Besser war sein VfB beim Auswärtssieg gegen die heimstarke Hertha nicht unbedingt. Aber sie hatte den besseren Torhüter, fand Schneider.

"Er hat fünf, sechs hundertprozentige Chancen vereitelt. Danach habe ich aufgehört zu zählen", freute sich Schneider über die Leistung seines Keepers in Berlin.

Die Berliner standen trotz einer starken Leistung am Ende mit leeren Händen da. Bundestrainer Joachim Löw, Tribünengast im Olympiastadion, war jedoch angetan und meinte laut "Berliner Morgenpost" zu Herthas Offiziellen: "Eine tolle Mannschaft haben sie da."

Hertha-Trainer Jos Luhukay gab sich mit Blick auf die nächsten Bundesliga-Aufgaben prompt angriffslustig: "Wir werden weiter so offensiv spielen. Die Mannschaft hat dafür viel Lob erhalten. Das lindert den Schmerz."

FC Augsburg - SC Freiburg 2:1 (0:0)

Wenn nach dem 5. Spieltag kein flotter Spruch von Freiburg-Coach Christian Streich überliefert ist, legt das eine bescheidene Leistung seines Teams nahe - so wie im Gastspiel in Augsburg.

Trotz Führung verlor der SC noch und bleibt damit bei zwei Saisonpunkten stehen.

Das Führungstor kurz nach der Halbzeitpause war dabei der entscheidende strategische Fehler, verriet Augsburgs doppelter Doppelnamenträger Jan-Ingwer Callsen-Bracker nach der Partie: "Nach dem Gegentor waren wir richtig sauer."

Den Höhenflug der Schwaben, die nach fünf Spieltagen bereits 9 Punkte gesammelt haben und damit genauso viele wie in der gesamten Hinrunde 2012/13, will Mittelfeldspieler Daniel Baier nicht falsch verstanden wissen: "Wie es in der Tabelle aussieht, ist egal. Am 34. Spieltag zählt es."

1899 Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 2:1 (2:0)

In Sinsheim konnte Retter-Trainer Markus Gisdol bereits die Punkte Nr. 6, 7 und 8 verbuchen und damit den Sprung ins gesicherte Mittelfeld: "Gegen Gladbach wollten wir nicht ins offene Messer laufen, das war der Plan. Und wir wollten uns mit schnellem Umschaltspiel Torchancen erarbeiten, das ist gelungen. Zum Schluss haben wir uns den Sieg hart erarbeitet."

Gladbach-Coach Lucien Favre trauerte um ein leichtfertig verlorenes Spiel: "Diese Niederlage ist schwer zu akzeptieren. Wir haben viel Ballbesitz gehabt, aber dem Gegner immer wieder Konter ermöglicht. Das 0:2 zum Beispiel darf nicht passieren. Wir hatten viele Torchancen, in denen wir jedoch zumeist die falsche Entscheidung getroffen und auch den letzten Pass nicht gut gespielt haben."

Trotz der Führung für seine Nürberger fand Gäste-Coach Michael Wiesinger das Remis gerecht: "Im Großen und Ganzen ist es okay. Wir haben Braunschweig zu ihren Torchancen eingeladen."

weitere Bilderserien