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Comic-Figur, Doku-Boy und Siebtligatrainer: Was wurde aus den WM-Helden von 1990?

Von Tobias Nordmann

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Diese elf Männer sollten es 1990 richten. Sie sollen den WM-Pokal 16 Jahre nach dem bis dahin letzten Triumph 1974 wieder nach Deutschland bringen. (Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Diese elf Männer sollten es 1990 richten. Sie sollen den WM-Pokal 16 Jahre nach dem bis dahin letzten Triumph 1974 wieder nach Deutschland bringen.

Diese elf Männer sollten es 1990 richten. Sie sollen den WM-Pokal 16 Jahre nach dem bis dahin letzten Triumph 1974 wieder nach Deutschland bringen.

Und das sind ihre Gegner: Die Argentinier ...

... um ihren Top-Star Diego Maradona.

Im römischen Olympiastadion geht es hoch her. Vor allem die Argentinier langen mächtig zu. Mit Pedro Monzon (65.) und Gustavo Dezotti (87.) fliegen zwei Südamerikaner vom Platz.

Die Entscheidung im WM-Finale fällt erst ganz spät. In der 85. Minute verwandelt Andreas Brehme einen umstrittenen Elfmeter gegen Strafstoß-Killer Sergio Goycochea.

Der Jubel bei Brehme und Co. ist riesig, ...

... denn schließlich dürfen sie diesen schönen Pokal in die Luft stemmen.

Zu den ersten Gratulanten des Kaisers WM-Auswahl gehört Bundeskanzler Helmut Kohl.

Und wir fragen uns 25 Jahre später: Was machen eigentlich unsere WM-Helden von einst?

Fangen wir mit der Nummer eins an: Bodo Illgner, mittlerweile 48 Jahre alt, hielt damals als Jungspund die Hütte sauber, stand alle sieben Spiele der WM 1990 im Kasten.

Mit 27 Jahren tritt er bereits aus der Nationalelf ab. Gewinnt aber 1998 und 2000 zweimal die Champions League mit Real Madrid. Und dann? Ein beschämender Versuch als Buchautor, dafür seriös als Sky-Experte. Diente sich mehrfach erfolglos als Sportdirektor für die Bundesliga an. Lebt mit Familie in Florida.

Er war die Nummer zwei: Raimond Aumann. Doch so engagiert wie auf diesem Foto durfte der Keeper des FC Bayern München nur im Training fliegen. Im Turnier blieb er ohne Einsatz.

Bis 1994 war er noch Stammtorwart der Bayern. Nach der Verpflichtung Oliver Kahns wechselte der mittlerweile 51-Jährige für ein Jahr in die Türkei, dann Karriereende. Danach Fanbetreuer des FC Bayern, heute Direktor der Fan- und Fanclubbetreuung beim Rekordmeister.

Als Nummer drei hatte Keeper Andreas Köpke bei der WM so wenig zu tun, dass er sich auch mal als Kameramann mit der "ganz großen Tüte" ausprobieren konnte.

Danach ging's aber stramm voran: 1994 wurde der heute 53-Jährige Stammtorwart im DFB-Team, zwei Jahre später Europameister in England. Nach dem Karriereende arbeitete er drei Jahre beim Vermarkter Ufa, seit Oktober 2004 ist er Torwarttrainer der Nationalmannschaft - und seit Sommer 2014 auch Weltmeister.

Klaus Augenthaler war, Obacht, damals umsichtiger Libero - jaja, so etwas gab's damals noch - der deutschen Elf. Stand in allen sieben Spielen auf dem Platz und überzeugte als bissiger Zweikämpfer und übersichtlicher Spieleröffner.

Wählte nach seiner aktiven Karriere eine Laufbahn als Trainer. Coachte Nürnberg, Leverkusen und Wolfsburg in der Bundesliga. Ging in die Geschichte ein als der einzige Trainer der Bundesliga, der in einem Spiel viermal auswechselte. Heuerte Mitte Februar beim Bezirksligisten SV Donaustauf an!

Unumstritten war bei der WM in Italien auch Thomas Berthold. Er durfte sieben Mal auflaufen.

Seine Karriere kam kurz nach der WM bei Bayern München ins Stocken. Von 2003 bis 2005 Manager des damaligen Viertligisten Fortuna Düsseldorf, danach meist als TV-Experte - unter anderem in Südafrika und bei der Frauen-EM - in Erscheinung getreten. Als Geschäftsmann organisiert der heute 50-Jährige Fan-Reisen.

Das hat er sich redlich verdient: Andreas Brehme kuschelt mit dem WM-Pokal. Sein verwandelter Elfmeter entschied das Finale gegen Argentinien zugunsten der Deutschen. Bei seinen sechs Einsätzen in Italien traf der Abwehrspieler dreimal.

Der mittlerweile 54-Jährige beendete seine Karriere 1998 im Alter von 38 Jahren als Sensationsmeister mit dem 1. FC Kaiserslautern. Trainierte den FCK auch in der Bundesliga. Seit seinem Posten 2006 als Co-Trainer des VfB Stuttgart raus aus dem Geschäft.

Ein Turm in der Schlacht: Guido Buchwald. Sieben Spiele für das DFB-Team, dann der verdiente Lohn.

Mit dem VfB Stuttgart wurde Buchwald (54) 1992 nochmal deutscher Meister, mit dem Karlsruher SC stieg er dann 1998 ab. Als Trainer in Japan bei Urawa Red Diamonds erfolgreich, in Deutschland bei Alemannia Aachen nach nur vier Monaten entlassen. Von 2010 bis 2013 Präsidiumsmitglied der Stuttgarter Kickers, seit Kurzem Scout sowie Mitarbeiter für Internationalisierung auf dem asiatischen Markt für den VfB.

Jürgen Kohler kam, als es wichtig wurde. In allen K.O.-Spielen stand der "Kokser", so sein Spitznahme, in der Stammelf und überzeugte als souveräner Abräumer.

Als Spieler bei Borussia Dortmund stieg der heute 49-Jährige noch zum "Fußball-Gott" auf. Danach zunächst U21-Nationaltrainer und Sportdirektor bei Bayer Leverkusen, seit einem missglückten Engagement beim Bundesligisten MSV Duisburg 2006 nur noch unterklassig tätig. Übernahm für die neue Saison den Oberligisten SC Hauenstein.

Ja, was macht denn der Arjen Robben hier? Ach, ne - ist ja gar nicht der Niederländer. Das ist Hansi Pflügler. Spielte auch bei den Bayern.

Pflügler wurde nur einmal aufs Feld geschickt, beim 1:1 gegen Kolumbien. Dort spielte er über die gesamten 90 Minuten. Und weil er ein richtig fitter Kicker war, schnürte er seine Töppen noch bis 45 in der Landesliga. Der nun 55-Jährige schloss schon während der aktiven Karriere ein Studium als Stahlblauingenieur ab. Seit 1992 ist er Abteilungsleiter "Outlets" beim FC Bayern, betreibt zudem eine Pension in seiner Heimatstadt Freising.

Stefan Reuter durfte dagegen sechsmal ran bei der WM - allerdings nur in der Vorrunde als Stammkraft.

Als Spieler wurde der 48-Jährige unter anderem Champions-League-Sieger 1997 mit Dortmund. Von 2006 bis 2009 war er Geschäftsführer bei 1860 München, seit Dezember 2012 erfolgreich in selber Funktion beim FC Augsburg tätig. Führte den FCA in die Europa League.

Wer ist eigentlich dieser Herr? Na, kommen Sie drauf? Das ist Paul Steiner. Jawohl, der Abwehrmann des 1. FC Köln war im WM-Kader, stand aber keine Sekunde auf dem Platz. Dieses Schicksal teilte er mit zwei weiteren Feldspielern. Aber dazu später mehr.

Bei der WM schon 33, beendete sein Karriere kurz danach. Von 1997 bis 2008 für die Videoanalyse bei Bayer Leverkusen tätig, danach drei Jahre in derselben Funktion beim 1. FC Köln.

Vier Spiele, ein Tor: Das ist die WM-Bilanz des Frankfurters Uwe Bein.

Er rannte bis zum Karriere-Ende vergeblich der deutschen Meisterschaft hinterher. 2005 für ein halbes Jahr Manager von Kickers Offenbach, heute in der bundesweit aktiven Fußballschule von Mit-Weltmeister Frank Mill tätig.

Und noch so einer, der gerne vergessen wird: Günter Hermann, heute 54, wurde - obwohl auch Steiner und Mill nicht spielten - zum Synonym als Feldspieler ohne WM-Einsatz.

Er übernahm 1996 ein Sportgeschäft in Osterholz-Scharmbeck und führte die dortige VSK als Trainer zwischen 2001 und 2014 von der Bezirksliga in die Oberliga. Trainiert seit Mai 2014 den Landesligisten FC Oberneuland.

Dribbelkünstler Thomas Häßler durfte seine beeindruckende Technik bei der WM fünfmal auf den Rasen bringen - so auch im Finale gegen Argentinien.

Nach seiner aktiven Karriere wurde es ruhiger um "Icke": Als Trainer nur Verlegenheitsjobs, Technikcoach beim 1. FC Köln, Assistent von Berti Vogts in Nigeria und Assistenz-Coach bei Padideh Maschad im Iran. Fand im Februar 2016 sein "Trainerglück" beim Berliner Achtligisten Club Italia - und legt außerdem in der RTL-Promishow "Let's Dance" eine flotte Sohle aufs Parkett.

Wer an Häßler denkt, der kommt vermutlich auch ganz schnell auf Pierre Littbarski - denn auch "Litti" war ein kleiner, wendiger Techniker. Ein Tor erzielte der mittlerweile 55-Jährige in sechs Einsätzen.

Nach 1990 vor allem in Japan als Spieler und Trainer erfolgreich. Im Lehrbuch "Japanisch im Sauseschritt" als Figur "Litti" vertreten. In Australien 2006 Meister mit dem Sydney FC, auch in Liechtenstein und dem Iran tätig. In Deutschland als Trainer mit mäßigem Erfolg. 2001 bis 2002 Chef beim Zweitligisten MSV Duisburg, fünf Spiele Interimscoach beim VfL Wolfsburg, Assistent in Leverkusen. Seit 2012 Leiter der Abteilung Spielerbeobachtung beim VfL.

Sieben Spiele, vier Tore: Lothar Matthäus war einer der überragenden Deutschen in Italien.

In der Fußball-Welt weiter verehrt, wird Deutschlands bis heute einziger Weltfußballer in der Heimat oft belächelt. Sein öffentliches Privatleben mit der Doku "Lothar - immer am Ball" als Tiefpunkt verhinderte wohl das Engagement in der Bundesliga. Nationaltrainer unter anderem in Ungarn und Bulgarien. Als Experte bei Sky und Sport Bild streitbar und meinungsstark.

Bei der WM mit 22 Jahren der jüngste Spieler im deutschen Team bekam der pfeilschnelle Mittelfeldspieler Andreas Möller nur zwei Einsätze - in der Vorrunde gegen Jugoslawien (4:1) und im Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei (1:0) wurde er jeweils spät eingewechselt.

Gewann als Spieler aber schließlich alles, was es zu gewinnen gibt. Danach nur dritt- und viertklassig als Cheftrainer bei Viktoria Aschaffenburg und Manager von Kickers Offenbach. Seit dem Rücktritt dort 2011 nur noch unregelmäßig als Experte oder Co-Kommentator aufgetaucht.

Auch Olaf Thon war bei der WM eher ein Kurzarbeiter, durfte wie Möller auch nur zweimal ran. Wurde gegen Kolumbien eingewechselt, durfte aber dafür im Halbfinale gegen England über 120 Minuten mitwirken.

Der heute 49-Jährige war 1997 einer von Schalkes legendären "Euro-Fightern". Von 2005 bis 2008 Aufsichtsrats-Mitglied auf Schalke, ab 2010 eineinhalb Jahre Trainer des Fünftligisten VfB Hüls. Aufsichtsratsmitglied eines IT-Unternehmens. Kicker-Kolumnist und regelmäßig TV-Experte - unter anderem für n-tv.

Nach Matthäus und mit Rudi Völler der erfolgreichste deutsche WM-Schütze (3 Treffer). Erzielte unter anderem das wichtige 1:0 beim 2:1-Erfolg im Achtelfinale gegen die Niederlande.

Der heute 50-jährige Schwabe entstaubte als Bundestrainer zwischen 2004 und 2006 den DFB und führte die Nationalelf zum "Sommermärchen" 2006. Beim FC Bayern nach knapp zehn Monaten gescheitert. Als Nationaltrainer in seiner Wahlheimat USA seit vier Jahren erfolgreich.

Rudi Völler war in allen Spielen, außer dem Viertelfinale, da saß er eine Rotsperre ab (legendäre Auseinandersetzung mit dem Niederländer Frank Rijkaard), Sturmpartner von Jürgen Klinsmann.

Der heute 55-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren erfolgreich im Geschäft: Als Spieler 1993 Champions-League-Sieger, als DFB-Teamchef 2002 Vize-Weltmeister, seit 1996 mit Unterbrechungen Sportdirektor und auch zweimal Interimstrainer in Leverkusen.

Vier Mal schickte ihn Bundestrainer Franz Beckenbauer in den WM-Kampf, aber nur einmal von Beginn an. Im Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei vertrat er den gesperrten Völler. Blieb im Turnier aber ohne Treffer.

Der 49-Jährige wurde 1997 als Doppel-Torschütze im Champions-League-Finale Held von Borussia Dortmund. Nach der Karriere unter anderem Sportchef bei Grasshopper Zürich und der erfolgreichste Geschäftsmann unter den Weltmeistern: Hotel-Betreiber im Allgäu, Leiter eines Fußball-Camps und einer Sport- und Eventagentur. Regelmäßig "Losfee" der Uefa in der Champions League. Seit Ende 2014 ist Riedle außerdem als Botschafter für seinen Ex-Klub, den BVB, tätig.

Tja, ein Bild von Frank Mill auf dem Feld gab's 1990 leider nicht. Der Stürmer blieb wie Steiner und Hermann ohne Einsatz.

Nach seiner Laufbahn als Kicker versuchte sich der 56-Jährige in der Saison 1996/97 als Manager bei Fortuna Düsseldorf. Fand danach sein Glück als Leiter einer Fußballschule mit 88 Filialen im ganzen Bundesgebiet. Beschäftigt dort über 60 Ex-Profis - unter anderem Uwe Bein.

Und er ist der Papa der Kompanie: Franz Beckenbauer. Der Bundestrainer machte nach dem WM-Triumph eine unglaublich Karriere ...

... als Lichtgestalt.

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