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Sonntag, 24. Mai 2015

Zero Points for Germany : Die schönsten Bilder vom ESC

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Um 0.50 Uhr ist die Hoffnung tot. Keine Punkte für Ann Sophie, zero Points for Germany. (Foto: dpa)

Um 0.50 Uhr ist die Hoffnung tot. Keine Punkte für Ann Sophie, zero Points for Germany.

Um 0.50 Uhr ist die Hoffnung tot. Keine Punkte für Ann Sophie, zero Points for Germany.

Der schon im Vorfeld favorisierte Schwede Måns Zelmerlöw gewinnt den Eurovision Song Contest, ...

... auf den Plätzen folgen Polina Gagarina aus Russland (die sich auf diesem Bild über Punkte freut) ...

... und das italienische Tenor-Trio Il Volo.

Schlusslicht neben Deutschland ist mit ebenfalls null Punkten die österreichische Kombo The Makemakes, ...

... und das, obwohl sie einen Flügel in Brand gesetzt hatte. (Keine Angst, dem Instrument ist nichts passiert.)

"Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Schweden eine Supermacht in Sachen Musik ist", witzelte der ehemalige Außenminister Carl Bildt nach dem Sieg seines Landes.

In Russland dürfte sich zumindest einer nicht ärgern, dass Polina Gagarina "nur" auf den zweiten Platz kam:

Das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt Kirill hatte vor der Show gesagt, wenn Polina gewänne, käme der ESC 2016 "zusammen mit all diesen bärtigen Sängerinnen" nach Russland. Kirill warb dafür, stattdessen Wiegenlieder sowie patriotischen und geistlichen Gesang zu unterstützen.

Dabei gab es auch beim diesjährigen ESC-Finale geistlichen Gesang und Lieder zum Einschlafen. Ob eine solche Show der richtige Rahmen ist, um an den Ersten Weltkrieg zu erinnern? Am Ende des Abends hat die Französin Lisa Angell nur vier Punkte mehr als Ann Sophie.

Dabei hatten Experten sich von Lied und Performance der deutschen Sängerin an James Bond und Amy Winehouse erinnert gefühlt. Woran hat's also gelegen?

ESC-Experte Irving Wolther meint, Ann Sophie müsse sich nicht schämen. "Es war einfach ein sehr starkes Feld", sagt Wolther, der eine Doktorarbeit über den Song Contest geschrieben hat.

Sogar das Auswärtige Amt übte sich in spontaner Krisenintervention: "Kopf hoch @AnnSophie!", twitterte das Ministerium nach der Punktevergabe.

Und bei der ESC-Party auf der Reeperbahn in Hamburg sagte Moderatorin Barbara Schöneberger: "Null Punkte, das hat schon wieder Charakter."

Dennoch bleibt festzuhalten: Deutschland wurde in der Vergangenheit zwar schon mehrmals Letzter, zuletzt 2008 mit den No Angels, 2005 mit Sängerin Gracia und davor 1995 mit Stone & Stone. Null Punkte gab es zuletzt aber vor fünfzig Jahren.

Und so übt Experte Wolther auch Kritik an der Sängerin: "Ihren eigentlich positiven extremen Ehrgeiz merkt man vielleicht etwas zu sehr auf der Bühne. Lena war es damals ziemlich egal, ob sie gewinnt."

Ann Sophie will sich jedenfalls nicht entmutigen lassen. "Ich werde weitermachen", sagte sie nach der Show. Und: "Es hat trotzdem super viel Spaß gemacht!"

Den Wiener Jubel für die Serbin Bojana Stamenow erklärt Wolther übrigens mit einer gewissen Trickserei:

"Serbien war nur Fan-Favorit. Der Jury war der Song zu berechnend auf die schwule Fan-Gemeinde zugeschrieben. Beim serbischen Vorentscheid hatte das Lied noch einen anderen Text. Mit einer Regenbogen-Botschaft hätte Stamenow in Serbien nicht gewonnen."

Was bleibt, abgesehen von den null Punkten, in Erinnerung? Vielleicht die Kopfhörer der slowenischen Kandidatin Maraaya, neben der eine Frau wild auf einer Luftgeige herumfuchtelte.

Georgien trat mit einer Art Gothic-Krieger-Prinzessin auf.

Die Polin Monika Kuszynska saß bei ihrem Auftritt im Rollstuhl, sie kann seit einem Unfall vor neun Jahren nicht mehr laufen. Ihr ging es "nicht um den Sieg, sondern darum, ein Tabu zu brechen, dass die Teilung von Menschen in Gesunde und Behinderte etwas Künstliches ist, das niemandem nutzt", hatte sie vor der Show gesagt.

Israel (man beachte die Schuhe) zeigte orientalisches Temperament und gute Laune und bekam dafür am Ende 97 Punkte: Platz 9.

Und beim Auftritt von Aserbaidschan erinnerte ein Tanzpaar an Eiskunstlauf auf dem Trockenen.

Skandale oder wirkliche Aufreger gab es nicht - wenn man davon absieht, dass Großbritannien, die Heimat des Pop, sich standhaft weigert, ordentliche Songs zum ESC zu schicken.

Der Trend zu tiefen Ausschnitten hält an (hier Elhaida Dani aus Albanien, die mit 34 Punkten auf Platz 17 kam), ...

... garantiert aber keine gute Platzierung. Die Griechin Maria Elena Kyriakou sang "One Last Breath", ein letzter Atemzug. Das klang nach Céline Dion und reichte nur für 23 Punkte - Platz 19.

Optischer Höhepunkt der Show war zweifellos Måns Zelmerlöw, ...

... der auf der Bühne von animierten Strichmännchen begleitet wurde.

Buhrufe gab es für das Friedenslied der entzückenden Russin Polina Gagarina übrigens nicht.

Gebuht wurde in der Wiener Stadthalle erst, als Russland mehrfach zwölf Punkte aus Staaten des einstigen Sowjet-Imperiums bekam. Allerdings gaben auch andere Staaten Polina Gagarina viele Punkte. Aus Deutschland kam ebenfalls die volle Punktzahl.

Ein Achtungserfolg war die Show für Australien, das als langjähriger Fan des ESC eine Wildcard für die Show bekommen hatte. Guy Sebastian erreichte Platz fünf.

Weiterer Sieger des Abends war Österreich. Nicht auf der Punkteskala - da sah es für The Makemakes genauso mau aus wie für Ann Sophie.

Aber der Gastgeber präsentierte sich als Cool Austria. Die Moderatorinnen Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler sangen zu Beginn der Show und moderierten ansonsten professionell und unspektakulär. Im Zentrum stand ganz klar Conchita Wurst, ...

... die den ESC ja auch erst nach Wien geholt hatte. Sie trat zu Beginn der Show mit den Wiener Sängerknaben, dem multinationalen Chor und dem österreichischen Rapper Left Boy auf.

Sie zeigte ein Österreich, das mit den Musikantenstadl-Klischees, die viele Piefkes von ihrem südlichen Nachbarn haben, nichts gemein hatte.

Am Ende des Abends bekam Måns Zelmerlöw die ESC-Trophäe von Conchita Wurst überreicht. Vor allem in Schweden dachten einige Zuschauer in diesem Moment vermutlich an Medienberichte vom März 2014.

Damals hatte Zelmerlöw in einer schwedischen Fernsehshow gesagt, es sei nicht natürlich, wenn Männer mit Männern schlafen wollen.

Jetzt stand er also neben Conchita. Er hatte gerade den ESC gewonnen, dessen Motto in diesem Jahr "Building Bridges" war und der traditionell eine schwule Fan-Gemeinde hat. Und Zelmerlöw, dessen Siegerlied "Heroes" heißt, sagte: "Wir sind alle Helden, egal, wen wir lieben, mit wem wir zusammen sind, wer wir sind."

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