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Samstag, 06. Juni 2015

Auf ewig Winnetou: Pierre Brice ist tot

Von Jana Zeh

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Keiner verkörperte die Rolle des Apachen-Häuptlings Winnetou so wie er: Pierre Brice. (Foto: picture alliance / dpa)

Keiner verkörperte die Rolle des Apachen-Häuptlings Winnetou so wie er: Pierre Brice.

Keiner verkörperte die Rolle des Apachen-Häuptlings Winnetou so wie er: Pierre Brice.

Das Rezept dafür liegt auf der Hand: Brices Aussehen, seine zurückhaltende Art und sein introvertiertes Wesen scheinen den Vorstellungen der Leser der Karl-May-Bücher vom Apachen-Häuptling Winnetou entsprochen zu haben.

Mit seiner ersten Rolle als Winnetou in "Der Schatz im Silbersee" wird Brice an der Seite von Lex Barker als Old Shatterhand praktisch über Nacht zum Star in Deutschland.

Das "Westdeutsche Tageblatt" schreibt am 31. Dezember 1962 über den Kinofilm: "Eine besonders attraktive Akquisition hat Produzent Horst Wendlandt mit seinem Winnetou gemacht. Der französische Jungstar Pierre Brice bringt den edlen Häuptling Winnetou mit so viel romantischem Charme vor die Kamera, dass es fast schon sicher scheint, dass demnächst auch noch Winnetou I bis III verfilmt werden."

Dabei wollte der junge Brice (M) das Angebot von Horst Wendlandt damals gar nicht annehmen.

Er fürchtete, dass Indianer im Film stets als Verlierer und Schießbudenfiguren dargestellt werden, ...

... er selbst kannte den Autoren Karl May und dessen Bücher gar nicht ...

... und besonders gut reiten konnte er auch nicht.

Seine damalige Agentin überredete ihn aber und er nahm die Rolle an. Es war eine Entscheidung, die sein gesamtes Leben prägen sollte.

Nach dem Erfolgsstreifen "Der Schatz im Silbersee" folgten zehn weitere Filme nach Vorlagen von Karl May, in denen Brice die Rolle des Apachenhäuptlings Winnetou spielte.

In sieben davon stand der junge Franzose an der Seite des bekannten US-Schauspielers Lex Barker, der ihm auch dabei half, ein guter Reiter zu werden.

Pierre Brice und Lex Barker waren nicht nur im Film "Blutsbrüder" bis in alle Ewigkeit. Die beiden verband auch privat eine tiefe Freundschaft.

Zwischen Brice und dem britischen Schauspieler Stewart Granger hingegen herrschte eher Eiszeitstimmung. Die beiden sprachen am Filmset nur beruflich miteinander und beschränkten ihre Kommunikation auf das Nötigste.

Doch die Rolle als Winnetou, die Brice praktisch auf den Leib geschrieben wurde, war nicht nur ein Segen für den Franzosen.

Seine Karriere kam als Nicht-Winnetou nicht recht in Schwung.

Egal, was Brice nach den Karl-May-Verfilmungen auch machte, ...

... ob er als Gast in Talkshows oder als Schauspieler auf einer Theaterbühne auftrat, ...

... er blieb bis zu seinem Lebensende Winnetou, der Häuptling der Apachen - und das nicht nur in Deutschland.

Der gutaussehende Franzose, der eigentlich Pierre Louis Baron Le Bris hieß, ...

... wurde in Anspielung auf seine Rolle und seinen Adelstitel vom Filmproduzenten Artur Brauner scherzhaft einmal als "roter Baron" bezeichnet.

Sowohl in seiner Rolle als Winnetou ...

... als auch im Privatleben bekam Brice viel Zuspruch von Frauen.

Der Schauspieler soll nach eigenen Angaben "die schönsten Frauen" geliebt haben, darunter Brigitte Bardot, Francoise Fabian und Daliah Lavi.

Affären und Liebeleien endeten, als Brice 1968 in der Schweiz die Frau seines Lebens traf: Hella Kerkel.

Die 20 Jahre jüngere Frau heiratete 1981 nach eigenen Angaben den Traummann ihres Lebens.

Schon mit 14 Jahren himmelte Hella, wie fast alle Mädchen damals, den grünäugigen Winnetou-Darsteller. Sie hatte sogar den obligatorischen Bravo-Starschnitt über ihrem Bett hängen. Ihren Schwestern gegenüber betonte sie immer wieder, dass sie diesen Mann einmal selbst kennenlernen würde.

Das attraktive Paar blieb kinderlos.

In tiefer Verbundenheit zueinander, äußerte Hella sogar den Wunsch, gemeinsam mit ihrem Ehemann und am besten in seinen Armen zu sterben.

Doch diesen Wunsch erfüllte Pierre Brice seiner Frau nicht. Er selbst starb im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung - und in den Armen seiner Frau.

Auch über seinen Tod hinaus wird er auf immer und ewig Winnetou, Häuptling der Apachen bleiben.

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