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50 Jahre in 100 Bildern: Sex, Drugs und Rolling Stones

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So langsam werden sie dann doch zur belächelten Altherrenband, … (Foto: ASSOCIATED PRESS)

So langsam werden sie dann doch zur belächelten Altherrenband, …

So langsam werden sie dann doch zur belächelten Altherrenband, …

… die mit fast 70 Jahren noch auf der Bühne steht und …

… "(I can't get no) Satisfaction" zum Besten gibt.

Doch die Rolling Stones können es einfach nicht lassen: …

… Sie touren weiter mit riesigem Tross um die Welt und …

… nehmen weiter Platten auf, wenn auch mittlerweile im Abstand von mehreren Jahren.

Sie wollen wohl immer noch die Inkarnation von Sex, Drugs und Rock'n'Roll sein, für die sie lange galten.

Immerhin: Dass Mick Jagger, Keith Richards (Bild) und Co. trotzt Eskapaden, handfester Streitigkeiten und ihrer Drogenvergangenheit sowie …

… nach unzähligen Entziehungskuren überhaupt noch auf einer Bühne stehen können, ist schon allerhand.

Das anstehende 50. Bühnenjubiläum feiern sie dann aber doch nicht mit einer großen Tournee, wie sie es noch vor zehn Jahren taten. Vielleicht macht sich das Alter ja doch irgendwie bemerkbar.

Ihren ersten Auftritt haben die Rolling Stones, die damals noch nicht so heißen, vor genau 50 Jahren, am 12. Juli 1962 im Londoner Marquee Club. Sie springen für eine andere Band ein, die den Auftritt absagen muss. (Das Bild zeigt sie allerdings 1964.)

Auf der Bühne stehen Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones, die zur Keimzelle der Band gehören und wenig später mit ihr die Höhen der Charts erklimmen werden, …

… aber auch Dick Taylor, Ian Stewart und Tony Chapman, die bald wieder aussteigen und ersetzt werden. Wobei Ian Stewart als Roadie und Pianist bis zu seinem Tod 1985 die Band auch weiterhin begleitet.

Und eigentlich müsste man irgendwie auch die beiden Musiker Chuck Berry (Bild) und Muddy Waters zu den Gründungsmitgliedern der Band zählen, denn beide spielen bei der Entstehung der Rolling Stones eine wichtige Rolle.

Mick Jagger (Bild) trägt Platten der beiden Künstler unter dem Arm, als er Ende 1961 auf einem Bahnsteig in Dartford auf Keith Richards trifft.

Dieser kennt die Musiker und der gemeinsame Musikgeschmack begründet die Freundschaft von Jagger und Richards, die mit "Little Boy Blue and the Blue Boys" bald ihre erste Band gründen.

Wenig später lernen sie in einem Jazzclub auch den Gitarristen Brian Jones (Bild) kennen. Gemeinsam gründen sie eine Band, die sich auf Rhythm'n'Blues spezialisiert (aber noch keine eigenen Songs schreibt) …

… und die bald den Namen Rolling Stones tragen wird - benannt nach Textzeilen von Muddy Waters. Jagger übernimmt den Gesang, Jones und Richards spielen Gitarre.

Bald nach dem ersten Auftritt im Marquee Club bekommt die Band mit Bill Wyman (u.) am Bass und Charlie Watts (o.r.) am Schlagzeug die Gestalt, mit der sie die ersten großen Erfolge feiert.

Mit einem Plattenvertrag bei Decca in der Tasche bringen die Rolling Stones im Juni 1963 ihre erste Single "Come on" heraus, eine Komposition von Chuck Berry.

Der neue Manager hat ein Ziel: Die Rolling Stones sollen den Gegenpol zu den Beatles darstellen, die fast ein Jahr zuvor ihre erste Single veröffentlichen.

Die Stones sollen düsterer sein, schmutziger, rebellischer und böser. Sex, Drugs und Rock'n'Roll statt Schwiegermutters Liebling.

Frauengeschichten und Drogenprozesse bei den Stones untermauern die Abgrenzung. Das nehmen auch die Fans ernst und prügeln sich bei Konzerten schon mal mit der Polizei.

Dabei ist das Verhältnis beider Bands gar nicht schlecht: Die zweite Stones-Single etwa ist eine Komposition von Lennon und McCartney (im Bild: Brian Jones).

Die Stones veröffentlichen in den folgenden Monaten weitere Singles und 1964 auch die erste LP.

Währenddessen tourt die Band unentwegt durch Europa und die USA, die ersten Auftritte in Deutschland gibt es im September 1965 (hier in Münster). Die Liveshows sind ihnen wichtiger als Studioaufnahmen.

Noch stehen dabei Coverversionen von Bluesmusikern wie Muddy Waters, Howlin' Wolf, John Lee Hooker und Willie Dixon im Mittelpunkt.

Doch vermehrt arbeitet die Band auch an eigenen Liedern, die erste eigenkomponierte Single ist "Tell me". Für Marianne Faithfull (hier mit ihrem zeitweiligen Freund Mick Jagger) schreiben Jagger und Richards "As Tears go by".

Ein weiterer eigener Song sorgt 1965 für den internationalen Durchbruch: "(I can't get no) Satisfaction" toppt die britischen und die US-Singlecharts - und macht vor allem Jagger zum Sexsymbol.

Was folgt, ist Musikgeschichte: Die Rolling Stones veröffentlichen Songs wie "Play with Fire", "Get Off of my Cloud", "19th Nervous Breakdown", "Paint it, Black", "Let's Spend the Night Together" und "Mother's Little Helper".

Letztgenannter Song spielt auf den Missbrauch von Valium durch Hausfrauen an. Dabei kommen die Stones wegen ihres Tablettenmissbrauchs und Drogenkonsums bald selbst in Konflikt mit dem Gesetz.

Nach einer Razzia in Richards Landhaus im Februar 1967 werden er und Mick Jagger verhaftet. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen, am Ende kommen sie mit einer Geldstrafe davon.

Brian Jones (r.) wird wenig später ebenfalls verhaftet, kommt aber auf Kaution frei. Die Band …

… tourt allerdings weiter und veröffentlicht weiter Singles und Platten: "Under my Thumb", "Ruby Tuesday", "Jumpin' Jack Flash", "Street Fighting Man", …

… "Honky Tonk Woman", "Midnight Rambler", "Gimme Shelter" und "You can't always get what you want" - Hit reiht sich an Hit.

Die LPs dieser Zeit - "Aftermath", "Between the Buttons", "Their Satanic Majesties Request", "Beggars Banquet", "Let it Bleed" - gelten heute als Klassiker. Die Band ist auf dem Höhepunkt ihres Ruhms.

Bis heute äußerst kontrovers diskutiert wird allerdings das Lied "Sympathy for the devil". Es bringt der Band den Vorwurf ein, Teufelsanbeter zu sein, was diese verständnislos zurückweist.

Aber auch ohne diesen Skandal steht es nicht zum Besten um die Band. Ausgerechnet die Rolling Stones, die im Vergleich zu den Beatles als die bessere Liveband gelten, stehen zwei Jahre nicht auf der Bühne.

Die Musiker sind nach Jahren des permanenten Tourens und Aufnehmens ausgebrannt und erschöpft. Der Drogenkonsum setzt ihnen zusätzlich zu, was sich vor allem bei Brian Jones bemerkbar macht.

Im Juni 1969 verlässt Jones die Band, oder besser: Er wird von Jagger und Richards hinausgedrängt. Sein Plan, eine eigene Band zu gründen, wird jedoch nicht mehr Wirklichkeit.

Am 3. Juli ertrinkt Jones in seinem Pool. Die Polizei geht von einem Unfall unter Drogeneinfluss aus. Der Bauunternehmer Frank Thorogood allerdings gesteht 1993 auf dem Sterbebett, …

… Jones umgebracht zu haben. Was wirklich geschah, wird nie aufgeklärt.

Bei einem Konzert im Londoner Hyde Park wird Jones' gedacht. Es ist auch das erste Konzert des neuen Bandmitglieds Mick Taylor (l.), der ihn ersetzt.

Er bleibt bis 1974 Gitarrist, wird danach von Ron Wood abgelöst, der bis heute ein Rolling Stone ist.

Und die Stones touren wieder. Eine US-Tournee mit der LP "Let it Bleed" im Gepäck verläuft äußerst erfolgreich. Doch auch hier gibt es ein Unglück: …

… Bei einem Gratiskonzert im Dezember 1969 im kalifornischen Altamont sterben vier Menschen. Als Ordner werden die berüchtigten Hells Angels angeheuert, das Konzert verläuft sehr chaotisch.

Der schwarze Meredith Hunter wird von einem der Ordner erstochen, der 18-Jährige soll mit einer Waffe auf die Bühne gezielt haben. Die Stones spielen gerade nur wenige Meter entfernt "Under my Thumb", …

… und nicht "Sympathy for the Devil", wie Verschwörungstheoretiker gerne behaupten. Das Jahrzehnt neigt sich dem Ende zu und eines wird deutlich: Der Sommer der Liebe ist endgültig vorbei.

Auch für die Rolling Stones sind die folgenden Jahre von vielen Veränderungen geprägt. Sie trennen sich von Plattenfirma und Manager - ein jahrelanger Rechtsstreit beginnt.

Außerdem sitzt der Band die britische Steuer im Nacken. Kurzerhand ziehen die Musiker nach Südfrankreich um, wo sie an weiteren Platten arbeiten, die nun auf einem eigenen Label erscheinen.

Die folgenden beiden Alben gelten als Meilensteine: "Sticky Fingers" glänzt nicht nur mit dem von Andy Warhol (l.) entworfenen, schlüpfrigen Cover, sondern auch mit Hits wie "Brown Sugar", "Wild Horses" und "Sister Morphine".

Das Doppelalbum "Exile on Main Street" wiederum hat zwar keinen der großen Hits der Gruppe zu bieten. Doch der Mix aus Rock'n'Roll, Blues, Soul und Country gilt vielen als beste Platte der Rolling Stones.

In den folgenden Jahren macht die Gruppe allerdings mehr durch Skandale von sich reden als durch ihre Musik.

Keith Richards ist in den 70er Jahren abhängig von Heroin. In Kanada wird er deshalb 1977 verhaftet.

Erst Ende des Jahrzehnts kommt er davon los, auch wenn er weiterhin andere Drogen konsumiert. Seit wenigen Jahren ist er nun nach eigenen Angaben völlig clean.

Immerhin mussten wegen seines labilen Gesundheitszustands bereits mehrfach Tourneen der Stones verschoben werden - sein markanter Gitarrenstil ist dort schließlich unverzichtbar.

Für Schlagzeilen sorgte auch die von ihm in Umlauf gebrachte Geschichte, er habe einen Teil der Asche seines Vaters geschnieft. Später spielt er das wieder etwas herunter, es war wohl nur ganz ganz wenig - ach so, dann ist ja alles gut.

Ron Wood steht Richards in Sachen Drogen aber wenig nach. Mit 14 Jahren beginnt der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Wood, harte Spirituosen zu trinken, …

… später kommen Marihuana, Kokain und Heroin dazu. Acht Entziehungskuren hat er inzwischen hinter sich.

Und zwei Ehen. Besonders schlagzeilenträchtig ist das Ende der Ehe mit Jo Howard, die er nach mehr als 20 Jahren ...

... wegen der 41 Jahre jüngeren Ekaterina Ivanova sitzenlässt. Von dieser trennt er sich allerdings wieder, nachdem er festgenommen wird, weil er sie auf offener Straße tätlich angreift.

Derzeit ist er mit einem brasilianischen Model liiert - und wohl trocken.

Es ist eben der Dreiklang Sex, Drugs und Rock'n'Roll, der zu den Rolling Stones gehört. Drogeneskapaden und Bettgeschichten sorgen immer wieder für Skandale.

Richards etwa ist lange mit dem Model Anita Pallenberg zusammen (mit der er zwei Kinder hat), die zuvor allerdings mit Brian Jones liiert ist.

Auch Uschi Obermaier hat erst eine Affäre mit Jagger, dann mit Richards.

Der Gitarrist ist immerhin seit 1983 bei dem US-Model Patti Hansen in festen Händen.

Seit 1964 ist der eher zurückhaltende Schlagzeuger Charlie Watts verheiratet. Seine Alkoholabhängigkeit hat er inzwischen genauso überwunden wie 2004 eine Krebserkrankung.

Viel mehr Gerüchte, zumindest um Affären, gibt es von Sänger Mick Jagger.

Wobei Mutmaßungen, er hätte auch Affären mit Männern (etwa mit David Bowie) gehabt, nie verstummen. Vielleicht liegt's an den Kostümen, …

… die er in den 70er Jahren gerne auf der Bühne trägt.

Verheiratet war Jagger zweimal: von 1971 bis 1980 mit Bianca Jagger (Bild), von 1990 bis 1999 mit Jerry Hall, mit der er aber bereits seit Ende der 70er zusammenlebt.

Insgesamt hat er sieben Kinder (zwei davon unehelich) und zwei Enkel. Mittlerweile ist er mit der Stylistin L'Wren Scott zusammen.

Zu den zahlreichen Liebschaften Jaggers gehört etwa die Sängerin Marianne Faithfull, die aber auch musikalisch mit der Band zusammenarbeitet: Sie schreibt mit Jagger und Richards den Song "Sister Morphine", der ihre Drogenabhängigkeit thematisiert.

Auch Topmodel, Sängerin und Frankreichs Ex-First-Lady Carla Bruni soll eine Affäre mit Jagger gehabt haben - nachdem er sie Eric Clapton ausgespannt hat.

Dass Jagger Angelina Jolie anbaggerte, ist inzwischen auch bekannt - von ihr kassierte er allerdings eine Abfuhr.

Aber egal, es geht ja bei den Rolling Stones um Musik. Vermutlich. Wobei die Alben der folgenden Jahre und Jahrzehnte mit wechselhafter Qualität aufwarteten. Als bessere Alben aus den 80ern gelten noch …

… "Some Girls" und "Tattoo You", auf dem immerhin der Hit "Start me Up" zu finden ist. Über Kleidung und Frisuren dieser Zeit sollte man allerdings - wie bei anderen Künstlern - besser den Mantel des Schweigens decken.

Die Liveshows werden derweil immer größer und finden spätestens in den 80er Jahren nur noch in Stadien statt (von ganz wenigen, sehr exklusiven Clubkonzerten abgesehen). Zwischen 1976 und 1982 meidet die Band allerdings Europa, tritt vor allem in den USA auf.

Immerhin machen die Musiker ordentlich Kasse mit den Auftritten: Sie stellen mit jeder Tour neue Rekorde auf, sowohl in Bezug auf Zuschauerzahlen, als auch finanziell.

Vielleicht ist es aber gerade der musikalische Stillstand, der zu massiven Spannungen in der Band führt - zwischen dem Traumduo Jagger und Richards fliegen (hier 1977) die Fetzen.

Und zwar im wortwörtlichen Sinne.

Jagger verfolgt längst eigene Pläne und weigert sich, mit den Stones zu touren. Nur ist seine Solokarriere wenig erfolgreich. Auch Richards bleibt ein durchschlagender Erfolg auf eigenen Beinen verwehrt.

Erst 1989 legen beide (auf Barbados) ihre Streitigkeiten bei. Im gleichen Jahr wird die Band in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen. Ein Grund zum Aufhören ist dies allerdings nicht.

Vielmehr bringen die Stones erst das Album "Steel Wheels" heraus und gehen anschließend - erstmals seit sieben Jahren - wieder auf Tournee. Dass die Bühne mit zwei Boeing 747 …

… aus den USA nach Europa gebracht wird, symbolisiert den Aufwand, den Stones-Tourneen mittlerweile betreiben.

Ihre Gagen für Auftritte und Plattenverträge erreichen ohnehin längst höhere zweistellige Millionenbeträge. Gern kassiert die Band dabei auch Gelder von Sponsoren.

Denn es ist ein riesiger Tross, der um die Welt zieht. Die Konzerte werden mit Kulissen, Videoleinwand und Lichtshow zum Spektakel. Ob das noch Rock'n'Roll ist, darf jeder für sich entscheiden.

Bassist Bill Wyman hat jedenfalls 1993 genug und verlässt die Band. Auf Alben und Tourneen wird er von Darryl Jones ersetzt, der aber nicht offizielles Bandmitglied ist.

Musikalisch kann die Band inzwischen nicht mehr wirklich überzeugen. "Voodoo Lounge" wird 1994 trotzdem kommerziell zu einem der erfolgreichsten Alben.

Die folgende Tournee ist natürlich die bis dato größte und erfolgreichste der Geschichte.

1997 erscheint "Bridges to Babylon", gefolgt von einer weiteren Riesentour. Aus Liveaufnahmen der Konzerte entsteht das Album "No Security" - das wiederum auf einer Tournee vorgestellt wird.

Mit einer Tour ein Livealbum zu promoten ist vermutlich eine der kuriosesten Ideen in der Geschichte der Rockmusik.

Das 40-jährige Bestehen der Band wird 2002 mit Best-of-Doppelalbum und Welttournee gefeiert. CD und Tour zu "Forty Licks" werden ein großer Erfolg.

Es folgen: "A Bigger Bang", das von der Kritik ganz gut aufgenommen wird, und eine weitere, zwei Jahre dauernde Welttournee.

Darunter ist auch der bisher größte Auftritt: Sagenhafte 1,2 Millionen Menschen kommen 2006 zum kostenlosen Konzert an der Copacabana in Rio de Janeiro. Die Stadt und Sponsoren übernehmen die Kosten für die Band.

Mit der Tour erwirtschaften die Rolling Stones mehr als 500 Millionen US-Dollar.

Und schließlich reüssieren sie auch auf der Kinoleinwand: Meisterregisseur Martin Scorsese setzt zwei New Yorker Konzerte der Band in "Shine a Light" in Szene - und eröffnet damit die Berlinale 2008.

Der dazugehörige Soundtrack ist das seither letzte musikalische Lebenszeichen der Rolling Stones.

Aber 2010 gibt es ja die Autobiografie "Life" von Keith Richards, die mit allerlei Details aus dem Bandleben und einer Abrechnung mit Mick Jagger aufwarten kann.

Es ist eben eine unendliche Geschichte. Sowohl das mit dem Sex als auch das mit den Drogen. Und das mit den Rolling Stones sowieso. (Text: Markus Lippold)

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