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Montag, 14. September 2015

Lange Schlangen, lange Gesichter und Happy End: So war Lollapalooza in Berlin

Von Andrea Beu

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Das Lollapalooza Festival, eine bisher rein amerikanische Angelegenheit (USA, Argentinien, Chile, Brasilien) hatte am 12. und 13. September 2015 erstmals nach Berlin gerufen ... (Foto: AP)

Das Lollapalooza Festival, eine bisher rein amerikanische Angelegenheit (USA, Argentinien, Chile, Brasilien) hatte am 12. und 13. September 2015 erstmals nach Berlin gerufen ...

Das Lollapalooza Festival, eine bisher rein amerikanische Angelegenheit (USA, Argentinien, Chile, Brasilien) hatte am 12. und 13. September 2015 erstmals nach Berlin gerufen ...

... und Zehntausende kamen, angelockt vom beeindruckenden Line-up.

Um die 45.000 Besucher waren an jedem der beiden Tage auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof - das Festival war seit Langem ausverkauft.

Offenbar wurden die Veranstalter aber von dem Ansturm überrascht oder sie hatten schlecht kalkuliert - ...

... der erste Festivaltag war jedenfalls geprägt von Pleiten, Pech und Pannen und langen Warteschlangen.

Es gab große Probleme mit dem bargeldlosen Bezahlsystem, denn das Lollapalooza war "cashless" - die Besucher mussten sich Geld auf ihren Chip am Armband laden. Das funktionierte leider nicht bei allen, trotz Aufladens war der Geldchip oft leer, der (schwer zu findende) "Trouble Counter" hatte viel zu tun - an dem Schalter hieß es: lange warten.

Ebenso wie am Einlass - das dauerte dann schon mal anderthalb Stunden, bis man drin war. (Auch für VIPs, Platinum-Ticket-Inhaber, die 500 Euro für das Festivalwochenende gezahlt hatten, Presse und Gästelisten-Besucher.)

Auch um etwas zu Essen zu bekommen, stand man gut und gerne ein bis anderthalb Stunden an. Das sorgte für viel Ärger und Frust bei den Besuchern, ...

... ebenso wie die extrem langen Schlangen an den Toiletten - auch hier stand man teilweise eine Stunde an. (Das führte dazu, dass sich viele Männer und sogar Frauen öffentlich am Zaun erleichterten.) Was unter anderem daran lag, dass es zu Problemen ...

... mit der Kanalisation gekommen war und daher einige Toiletten gesperrt werden mussten. Nur so viel: Das hier sind keine Regenpfützen, dieses Wasser kam nicht von oben.

Selbst Lollapalooza-Gründer (und Jane's-Addiction-Sänger) Perry Farrell war entsetzt: "Es gab Mädchen, die gegen die Wand gepinkelt haben - so was habe ich noch nie gesehen."

Nachdem über Facebook und Co. eine Beschwerdeflut über die Veranstalter hereingebrochen war ("Nie wieder Lollapalooza!", "Ich will mein Geld zurück", "Schlechteste Organisation ever!"), entschuldigten sie sich und gelobten Besserung. Am zweiten Festivaltag gab's dann auch wirklich deutlich mehr Toiletten und mehr Food Trucks - ...

... die Situation entspannte sich sichtlich, die Besucher auch.

Endlich konnte gefeiert werden und das getan, weswegen man hier war: zu den Konzerten gehen.

Und auch sonst Spaß haben ...

... und die Sau rauslassen.

Denn wie erwähnt: Das Programm hatte es in sich, viele großartige Bands waren angekündigt ...

... und auch neben den Konzerten konnte man sich vielfältigst amüsieren. Performancekünstler in Steampunk-Fahrzeugen fuhren durch die Menge, ...

... man konnte sich Blumenkränze binden lassen, (was offenbar sehr viele Besucher/innen taten) ...

... Selfies aufnehmen, ...

... durchs "Luminarium" laufen, ...

... malen ...

... und natürlich Bier trinken.

Für Kinder (und ihre Eltern) gab es einen extra Bereich, Kidzpalooza - mit Schminkstuben, Kino und einer kleinen Halfpipe. Ein voller Erfolg - das kam bei den Familien sehr gut an und war perfekt organisiert. Sogar Feuchttücher, Windeln und extra Toiletten gab es hier.

Das Wetter war perfekt, die Stimmung dann schließlich auch.

Als einer der ersten bekannten Musiker trat am Sonnabend James Bay auf, ein 25-jähriger Singer/Songwriter, der sein Debütalbum gerade erst im März 2015 herausgebracht hat. Der Engländer bezauberte mit seinen Folkballaden vor allem die Jungmädchenherzen.

Ebenfalls am Sonnabendnachmittag kamen die Mighty Oaks aus Berlin, beschienen von der spätsommerlichen Septembersonne, wie immer nachdenklich und melancholisch.

Einer der großen Namen am ersten Festivaltag: Franz Ferdinand and Sparks (FFS) - der Zusammenschluss der Electro-Popband Sparks und der Indie-Legende Franz Ferdinand. Sie gaben viel von ihrem neuen (und bisher einzigen gemeinsamen) Album zum Besten, ...

... aber zur Freude der Fans auch alte Hits wie "Take me out". Ein routinierter Auftritt - sie machten nicht den Eindruck, als ob sie besonders viel Spaß hatten. Aber die treuen Fans waren trotzdem zufrieden.

Aufregender und abwechslungsreicher war ...

... der Auftritt von Deichkind. Wo sich die "Kostümierung" ...

... bei Franz Ferdinand auf ein schwarzweiß gestreiftes Strickcape beschränkte, ...

... lieferten Deichkind eine echte Theatershow ab, einen zirkusreifen Auftritt mit aufwendigem Bühnenbild und Kostümen. Mit riesigen rosa Ballonhüten, die aussahen wie Gehirne, ...

... Masken, überbreiten Schultern ...

... und Spitzhüten. Deichkind fuhren ...

... mit einem riesigen Fass mit Rädern (und mit "Refugees welcome"-Shirts!) durchs Publikum und zu "Bück dich hoch" auf Bürosesseln über die Bühne. Ein großer Spaß. Mit Statement zur aktuellen Weltlage.

Mit besonderer (An-)Spannung hatten sich die Fans gefragt: Werden die Libertines auftreten? Schließlich hatte die Band einen Tag zuvor kurzfristig ihre Auftritte in London und Manchester abgesagt - wegen gesundheitlicher Unpässlichkeit von Pete Doherty … aber sie kamen.

Das Publikum wurde sogar auf Deutsch liebevoll begrüßt ("Guten Morgen, ihr Lieblinge“). Doherty, aufgeschwemmt, wirkte jedoch ziemlich bedröhnt, trat ab und an den Mikroständer um, sonst war nicht viel Rock'n'Roll - im Publikum kam dann auch keine rechte Begeisterung auf, der Applaus war eher lahm.

Den ersten Abend beschlossen dann Elektro-Urgestein Fatboy Slim ...

... und das Hip-Hop-Duo Macklemore & Ryan Lewis.

Sie entließen das Feierpublikum in die Nacht, ...

... bevor es dann am Sonntag fröhlich weiterging.

Und mit vielen musikalischen Highlights - eins der ersten ...

... waren sicherlich die Stereophonics. Die walisische Rockband legte beim Lollapalooza einen fantastischen Auftritt hin.

Sweetie Sam Smith gab nochmal ganz stolz bekannt, dass er den Titelsong des kommenden James-Bond-Films "Spectre" singen wird ...

... und kam auch sonst bei seinen gefühlvollen Balladen, die das Publikum fast vollständig mitsingen konnte, aus dem Lächeln kaum heraus. Ihm hat's wohl auch gefallen.

Ein echtes Heimspiel hatten die Berliner Helden Beatsteaks ...

... und "ihre Freunde" von Seeed, die den Beatsteaks unmittelbar folgten.

Die sympathischen Kumpeltypen der Beatsteaks hatten das Publikum im Sack, sie ließen es springen und winken ...

... und wenn der Sänger forderte "Arme hoch!", dann gingen die Arme auch hoch.

Ähnlich wie bei Seeed, die mit ihrem entspannten Reggae- und Feier-Sound ...

... und dem unvergleichlich lässigen Peter Fox ihre Fans immer in Bewegung, Begeisterung und Ekstase versetzen.

Noch vollkommen high vom Seeed-Rausch strömten die Massen danach zur anderen Hauptbühne, zu DEN Headlinern des Lollapalooza in Berlin: Muse.

Zeitgleich mit der australischen Band Tame Impala ...

... bildeten Muse den Abschluss und Höhepunkt des Festivals - mit einer aufwendigen Lichtshow und kriegerischen Filmszenen zu Beginn.

Gründer Farrell jedenfalls war zufrieden mit der Berliner Ausgabe seines Musikfestvals - sein Fazit: "Nach Berlin zu kommen war eine wunderbare Entscheidung."

Im nächsten Jahr will er das Ganze jedenfalls wiederholen, am selben Ort - auch der Termin steht schon fest: 10. und 11. September 2016. Das mit den langen Wartezeiten bekommen die Veranstalter dann hoffentlich hin - und zwar gleich von Anfang an.

Denn abgesehen von dem vielen üblen Angestehe war es ja, um es mit Deichkind zu sagen, "leider geil".

Allerdings sollen nach Plänen des Berliner Senats in zwei Hangars des ehemaligen Flughafens künftig Flüchtlinge untergebracht werden - die Modemesse Bread & Butter wurde für 2016 daher bereits abgesagt.

Die Veranstalter des Lollapalooza wollen die Entwicklung noch abwarten. Die mobilen Toiletten des Festivals bleiben aber auf jeden Fall für die Flüchtlinge stehen.

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