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Von Bullen, Bären und Börsenjecken: 25 Jahre Dax

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Happy Birthday Dax! Am 1. Juli 1988 wurde Deutschlands wichtigster Aktienindex eingeführt. Bis dahin herrschte Durcheinander: Deutschland habe mehr Aktienindizes als Aktien, spotteten ausländische Beobachter in den 80er Jahren. Es gab einen Index der "Börsen-Zeitung", einen der Commerzbank, einen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". (Foto: picture alliance / dpa)

Happy Birthday Dax! Am 1. Juli 1988 wurde Deutschlands wichtigster Aktienindex eingeführt. Bis dahin herrschte Durcheinander: Deutschland habe mehr Aktienindizes als Aktien, spotteten ausländische Beobachter in den 80er Jahren. Es gab einen Index der "Börsen-Zeitung", einen der Commerzbank, einen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Happy Birthday Dax! Am 1. Juli 1988 wurde Deutschlands wichtigster Aktienindex eingeführt. Bis dahin herrschte Durcheinander: Deutschland habe mehr Aktienindizes als Aktien, spotteten ausländische Beobachter in den 80er Jahren. Es gab einen Index der "Börsen-Zeitung", einen der Commerzbank, einen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Namensgebung war denn auch umstritten: Ursprünglich hieß der Index "DAI" (Deutscher Aktienindex). Doch das klang vielen Investoren zu japanisch - das Barometer wurde schon bald in "Dax" umbenannt.

Nur 15 Konzerne sind seit Juli 1988 ununterbrochen im Dax gelistet, darunter der Versicherer Allianz, die Deutsche Bank und die Commerzbank sowie die Autobauer BMW und Volkswagen.

Dagegen verschwanden Titel wie Feldmühle Nobel, Nixdorf Computer, Deutsche Babcock, Kaufhof, Degussa zum Teil ganz vom Kurszettel. Insgesamt waren in 25 Jahren 53 verschiedene Titel gelistet.

Nicht nur äußerlich hat sich der Dax stark verändert. 25 Jahre nach seinem Start ist der deutsche Leitindex eines der wichtigsten Börsenbarometer der Welt.

Zur Dax-Familie gehören inzwischen rund 4700 Indizes - Tendenz steigend: Der MDax für mittelgroße Unternehmen, der TecDax für Technologiewerte, der SDax für kleinere Unternehmen und anderen.

Der Leitindex ist dabei stets mit der Zeit gegangen ...

... denn inzwischen findet der Handel vor allem elektronisch statt.

Heißt aber nicht, dass deswegen immer alles technisch einwandfrei läuft...

... oder die Händler das Lachen verlernt hätten. Ganz im Gegenteil.

Beim Börsenfasching herrscht oft ausgelassene Heiterkeit - auch wie hier im Krisenjahr 2008.

Eine offizielle Kleiderordnung gibt es an der Frankfurter Wertpapierbörse ja sowieso nicht.

Und Grund zum Feiern gab zu allen Zeiten während aller Krisen genug.

Denn Freude und Traurigkeit, Gewinn und Verlust, Aufstieg und Fall lagen in den vergangenen 25 Jahren eng beieinander: Geld ist an der Börse niemals weg, sondern immer nur woanders. Seit der Einführung des Dax liefern sich Bullen und Bären, Optimisten und Pessimisten, Käufer und Verkäufer im Handelssaal einen täglichen Kampf um die Kurse.

Wer beim Wettlauf gerade vorne lag, konnte man in all den Jahren am besten an den Gesichtern der Händler ablesen. Aus Angst ...

... wurde schnell Zuversicht, sobald gute Nachrichten den Markt erreichten.

Die Stimmung wechselte in all den Jahren häufig von Minute zu Minute.

Das bekannteste Gesicht des Leitindex dürfte wohl Dirk Müller sein - dank der Medien auch bekannt unter dem Spitznamen "Mr. Dax". Seit 1999 nutzten die Fotografen seine Gesichtszüge, um den aktuellen Kursverlauf abzubilden. Denn sein Arbeitsplatz lag direkt unter der Frankfurter Kurstafel.

Müller hat einige, aber nicht alle der größten Höhenflüge und tiefsten Abstürze des Barometers miterlebt.

Den größten Tagesverlust seiner Geschichte verzeichnete der Dax schon wenig mehr als ein Jahr nach seiner Einführung. Am 16. Oktober 1989 brach das Barometer nach dem "Schwarzen Freitag" an der Wall Street um 13,1 Prozent ein.

Den höchsten Stand aller Zeiten erreichte der Dax im Mai 2013 mit rund 8558 Punkten. Der rechnerische Ausgangskurs zum 30. Dezember 1987 lag bei 1000 Punkten. Damit hat der Dax in 25 Jahren durchschnittlich rund 28 Prozent zugelegt.

Der Anstieg war aber alles andere als gleichmäßig: Schon im Februar 2000 hatte der Leitindex - wie erst vor knapp sechs Wochen erneut - bei fast 7600 Punkten notiert.

In den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung herrschte Euphorie am Aktienmarkt: 1993 und 1997 verbuchte der Dax mit einem Zuwachs von jeweils knapp 50 Prozent seine besten Jahre, die Händler feierten das Jahresende ausgelassen.

Befeuert wurde der Aktienboom von der Einführung des Euro und den atemberaubenden Kursgewinnen am Neuen Markt. Doch der irrationale Überschwang kam zu einem abrupten Ende.

Auf die Euphorie folgte Ernüchterung. 2002 erlebte der Dax das schwärzeste Jahr seiner Geschichte.

Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und den Terrorangriffen vom 11. September 2001 brachen die Kurse um 44 Prozent ein. Nicht einmal die Finanzkrise schüttelte die Anleger mehr durch: 2008 sackte der Dax lediglich um 40 Prozent ab.

Dennoch verbreitete der Ausbruch der Finanzkrise im September 2008 wohl den bislang größten Schrecken unter den Anlegern. Denn das Börsenbeben war länger und reichte tiefer als 2002.

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers brach dem Dax am 15. September 2008 das Genick.

Es folgten dunkle Wochen. Der Dax gab zwischenzeitlich erdrutschartig nach - um teilweise zehn Prozent an einem Tag.

Die Krise bescherte dem Leitindex dann auch den größten Kurseinbruch eines Einzeltitels aller Zeiten.

Am 29. September 2008 stürzte die Aktie der Hypo Real Estate zeitweise um 75 Prozent ab und riss Commerzbank (minus 24 Prozent) und Deutsche Bank (minus acht Prozent) mit. Der Immobilienfinanzierer musste mit Staatshilfen von gut 100 Mrd. Euro gerettet werden. Licht und Schatten lagen an den Märkten seitdem eng beieinander.

Denn sein größtes Plus verbuchte der Dax ausgerechnet mitten in der Krise - dank der Rettungsaktionen des Staates. Am 13. Oktober 2008 verhalfen Spekulationen auf milliardenschwere Hilfsprogramme für die Finanzbranche dem Dax zu einem Tagesgewinn von 11,4 Prozent.

Auch einzelne Werte sorgten für historische Kursbewegungen: Die Volkswagen-Aktie vollführte im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche nie dagewesene Kurssprünge.

Am 27. Oktober 2008 schossen die VW-Stammaktien zeitweise um mehr als 200 Prozent in die Höhe. Ohne diese Kursexplosion wäre der Dax an diesem Tag um zehn Prozent eingebrochen.

Tags darauf kosteten die VW-Papiere in der Spitze 1005 Euro - so viel wie keine andere Dax-Aktie je zuvor oder seither. In den Wochen danach gingen die Aktien wieder auf Talfahrt.

Die Volkswagen-Aktionäre mussten allerdings nur durch den Übernahme-Poker mit Porsche kurzzeitig unter Kurs-Kapriolen leiden. Die Qual der Telekom-Aktionäre dauert dagegen bereits Jahre.

Als "Volksaktie" von Manfred Krug groß beworben, brachte Telekom-Boss Ron Sommer die Papiere im November 1996 für 28,50 D-Mark (14,57 Euro) an die Börse.

Bis März 2000 kletterte die T-Aktie in der allgemeinen Börseneuphorie auf umgerechnet 103,50 Euro - und stürzte dann wie ein Stein ins Bodenlose.

Bis heute hat sich die "Volksaktie" nicht von dem Absturz erholt und ist aktuell noch etwa 8,80 Euro wert. Immerhin gehört die Telekom nach Berechnungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu den großzügigsten Dividendenzahlern im Dax.

Eine Dividende haben die Aktionäre der Commerzbank dagegen seit Jahren nicht mehr gesehen. Commerzbank-Anleger hatten in den vergangenen Jahren wenig zu lachen.

Unter dem Ex-McKinsey-Manager Martin Blessing wurde das Institut 2008 in der Finanzkrise vom Staat vor der Pleite gerettet. Seitdem hat die Aktie über 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Ob die Commerzbank auch in den kommenden 25 Jahren im Dax gehandelt wird, bleibt abzuwarten. Nur eines ist sicher: Der Handel wird weitergehen.

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