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Wenn Schulden durch den Deckel gehen: Amerika baut auf seine Gläubiger

Von Diana Dittmer

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Die US-Amerikaner leben seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse. Mittlerweile türmen sich Schulden von mehr als 17 Billionen - in Ziffern 17.000.000.000.000 - Dollar auf. (Bild: Screenshot von demonocracy.info auf Youtube) (Foto: Screen-shot demonocracy.info auf Youtube)

Die US-Amerikaner leben seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse. Mittlerweile türmen sich Schulden von mehr als 17 Billionen - in Ziffern 17.000.000.000.000 - Dollar auf. (Bild: Screenshot von demonocracy.info auf Youtube)

Die US-Amerikaner leben seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse. Mittlerweile türmen sich Schulden von mehr als 17 Billionen - in Ziffern 17.000.000.000.000 - Dollar auf. (Bild: Screenshot von demonocracy.info auf Youtube)

Die Schuldengrenze ist ein Dauerbrenner. Die USA brauchen immer mehr Geld.

Kaum ein Limit dürfte so häufig verschoben worden sein. Aber warum dann überhaupt eine Grenze? Wer hat sich das einfallen lassen?

Das erste Schuldenlimit verpasst Washington sich vor rund 100 Jahren. Präsident Woodrow Wilson führt das neue Gesetz im Haushaltsrecht 1917 ein. Hintergrund ist die Kriegserklärung an Deutschland. Wilson braucht Geld, an das er aber nur schwer herankommt, weil der Kongress jede Kreditaufnahme einzeln beschließen muss.

Die Idee der "Schuldenobergrenze" wird geboren. Sie wird auf - aus heutiger Sicht - bescheidene 30 Milliarden Dollar festgelegt.

In den hundert Jahren danach wird die Schuldenobergrenze mehr als 75 Mal nach oben gedrückt. Ob das im Sinne der Erfinder ist, lässt sich nicht sagen. Ob es sinnvoll ist?

Experten stimmen überein, dass das Prozedere die US-Präsidenten wenigstens zwingt, über neue Schulden nachzudenken. Aber Fakt ist auch, es ändert nichts: Der Schuldenberg wird immer größer.

Rückblick: Die Grafik zeigt, wie die Schuldenkurve in den vergangenen zehn Jahren steil ansteigt. (Wikimedia Commons)

Die Jahre 1993 -2001 (Clinton-Ära) sind von einem enormen Sanierungserfolg geprägt. In den letzten vier Jahren der Amtszeit unter Präsident Bill Clinton erwirtschaften die USA sogar Haushaltsüberschüsse.

Die Anschläge vom 11. September 2001 und der Irak-Krieg haben zur Folge, dass Washington wieder Haushaltsdefizite von gigantischen Ausmaßen in Kauf nimmt. Mit Beginn der Finanzkrise steigen sie noch höher.

Aber wer sind die Geldgeber, die gegen Niedrigzinsen bereit sind, die Ausgabenwut des US-amerikanischen Staates zu finanzieren?

US-Staatsanleihen werden sowohl von institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen als auch von Privatanlegern gehalten - weltweit. Das meiste Geld kommt aber aus der Heimat. Gut zwei Drittel schuldet die Supermacht Akteuren im eigenen Land.

Neben der US-Notenbank Fed sind das Banken, Versicherungen, Bundesstaaten und Kommunen.

Das allermeiste Geld schuldet Washington keinem Land, auch keinen Personen, sondern der US-Notenbank - und damit sich selbst. Die Fed hat Anleihen im Wert von rund 2,1 Billionen Dollar aufgekauft, um die Wirtschaft nach der Rezession anzukurbeln.

Seit der Pleite von Lehman Brothers 2007 pumpt die Notenbank über Anleihekäufe massiv Geld in den Markt, um die Konjunktur anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen.

Ein Drittel des Geldes schuldet Washington ausländischen Gläubigern. Die mit Abstand größten auswärtigen Geldgeber der USA sind China und Japan.

Die Volksrepublik China hält US-Staatsanleihen im Wert von 1,3 Billionen Dollar - nicht aus Überzeugung, sondern aus der Not heraus. Hintergrund ist der riesige Handelsbilanzüberschuss mit den USA.

Die Dollar, die China einnimmt, können nicht gegen Yuan verkauft werden. Die Landeswährung ist nicht frei handelbar.

Die chinesische Zentralbank zahlt heimische Unternehmen, die Produkte in die USA exportieren, in Yuan. Die Dollar fließen in amerikanische Staatsanleihen.

Bis vor zwei Jahren war China noch der größte Gläubiger der USA. Diese Spitzenposition hat die Volksrepublik mit der Finanzkrise an die Fed abgegeben.

Zweitgrößter ausländischer Gläubiger der USA ist Japan mit 1,1 Billionen Dollar.

In Europa ist die Schweiz mit 178 Milliarden Dollar der größte Gläubiger der USA. Das kleine Belgien folgt mit 168 Milliarden Dollar noch vor Großbritannien und dem Finanzplatz Luxemburg.

Deutschland liegt im Ranking der internationalen Geldgeber mit 56 Milliarden Dollar noch hinter Indien. Insgesamt sind die Deutschen deutlich skeptischer geworden. Die größte Volkswirtschaft Europas ist mittlerweile nur noch der sechstgrößte Gläubiger der Vereinigten Staaten. Vor zwei Jahren rangierten die Anleger aus der Bundesrepublik noch als viertgrößter US-Gläubiger.

Bleibt die Frage: Warum buttern die Gläubiger immer mehr Geld nach? Warum gelten US-Bonds als sicher? Die Antworten lauten erstens: Der US-Dollar ist die größte Währung der Welt - daran kommt kein Großinvestor vorbei. Und zweitens: Die USA drucken letztendlich immer so viel Geld, wie sie brauchen.

Den Vereinigten Staaten kann deshalb praktisch nie das Geld ausgehen. Und genau das macht US-Bonds zu einem nach wie vor sicheren Investment. Dafür nehmen die Geldgeber auch in Kauf, dass sie kaum Rendite bringen. US-Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit werfen zurzeit gerade einmal 2,75 Zinsen ab.

Vor der Geldschwemme der Fed waren es rund 5 Prozent. Der Rentenmarkt ist also ein Schlaraffenland für die USA. Müssten sie noch immer so viel Zinsen zahlen, würde sich die Neuverschuldung auf einen Schlag auf zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung verdoppeln - ....

... eine Belastung, die für die größte Volkswirtschaft der Welt nicht zu stemmen wäre. Trotzdem gerät die Anhebung der Schuldengrenze immer wieder zu einer Zitterpartie. Im Februar 2014 ist der Kongress wieder aktiv geworden - ansonsten wäre der Regierung erneut das Geld ausgegangen.

Der sogenannte "Government shutdown" - wenn Hunderttausende Bundesangestellte kein Gehalt mehr bekommen, öffentliche Einrichtungen geschlossen bleiben und alles, was möglich ist, eingespart wird -, ist ein Horrorszenario - nicht nur für den US-Präsidenten.

Am 6. August 2011 führte die politische Blockade durch die oppositionellen Republikaner zur Abwertung der US-Kreditwürdigkeit und zu einem Crash an den internationalen Aktienmärkten.

Diesmal ging überraschenderweise alles glimpflich über die Bühne. Aus Ermangelung einer gemeinsamen Linie stimmten die Republikaner (im Bild ihr Anführer John Boehner) einer Erhöhung der Schuldengrenze bedingungslos zu. Anschließend stimmte auch der Senat einer Erhöhung der Schuldenobergrenze zu. Damit kann die US-Regierung in den kommenden 13 Monaten weiter ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen.

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