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Mit zwei Jahren Verspätung ist es so weit: Der Militärtransporter A400M erhebt sich zu seinem Jungfernflug in die Lüfte.
Vor den Augen von 2500 Gästen fliegt die Maschine der spanischen Sonne über Sevilla entgegen.
Ursprünglich war der Start schon für Anfang 2008 vorgesehen gewesen. Aber das erste große Militär-Projekt von Airbus war von Pannen verfolgt.
Die zuständigen Staatssekretäre Deutschlands und der sechs anderen A400M-Partnerstaaten, die 180 Maschinen bestellt haben, sind anwesend, um am Rande des Jungfernflugs mit Airbus über die Konsequenten aus der Verzögerung zu verhandeln.
Auch Juan Carlos will sehen, wie das neue Kraftpaket des europäischen Luft- und Rüstungskonzerns über Sevilla seine Runden dreht.
Das größte europäische Rüstungsprojekt ist nicht nur um Jahre im Verzug, die Planungskosten von 20 Mrd. Euro wurden dadurch um fast 40 Prozent überschritten.
Bis Silvester sollte eine Einigung erzielt werden.
An dem Projekt hängen 40.000 Arbeitsplätze, davon 8000 direkt bei Airbus.
Im Streit um die Mehrkosten war der Hersteller zuversichtlich, bis Ende des Jahres 2009 eine Einigung mit den Arbeitnehmerländern finden zu können. Das hat nicht ganz geklappt.
Airbus-Geschäftsführer Fabrice Brégier ruft die Staaten auf, "eine Preiserhöhung zu akzeptieren und ...
... die Risiken "nach dem Vorbild militärischer Programme" zu teilen. (Die Fotos zeigen die Crew vor dem Erstflug)
"Das wird keine Preiserhöhung in der Größenordnung von drei Prozent sein; sie wird signifikant", erklärt Brégier. Medienberichten zufolge belaufen sich die Mehrkosten auf bis zu fünf Mrd. Euro, Brégier will dies aber nicht bestätigen.
Der Airbus-Mutterkonzern EADS wolle sich nicht aus der Verantwortung stehlen und die Mehrkosten allein den Abnehmern aufbürden, versichert er.
Auch EADS und Airbus würden "einen Teil der Verantwortung "übernehmen. Die Unternehmen hätten die Entwicklung "lange Zeit" nicht mit der "notwendigen Härte" vorangetrieben. Zu den Verzögerungen kam es wegen Problemen mit der Steuerung der Motoren.
Entwickelt wurde der A400M, damit Streitkräfte schnell große Mengen von Material und Truppen transportieren können.
Die Propellermaschine soll Ladung bis zu einem Gesamtgewicht von 37 Tonnen aufnehmen …
… und gepanzerte Fahrzeuge oder Hubschrauber genauso transportieren können wie ...
... Soldaten mit ihrer Ausrüstung. (Im Bild besteigen Bundeswehrsoldaten eine Transall C-160, Erstflug: 1963.)
Mehrere Staaten wollen mit einem neuen Allround-Talent ihre veralteten Transporter durch die deutlich leistungsstärkeren Maschinen ersetzen.
Im Juli 2009 liegen bei Airbus insgesamt 192 Bestellungen vor.
Die Bundeswehr ist mit 60 georderten A400M bislang der größte der neun Auftraggeber.
Paris hat fürs Erste 50 Maschinen bestellt.
Ankara legt Geld für zehn Transporter beiseite.
Südafrika hat acht A400M geordert, den Auftrag aber mittlerweile storniert.
Malaysia will vier Maschinen.
Das in den Anfängen seit 1982 geplante Flugzeug ist 45 Meter lang und samt Heckflosse rund 15 Meter hoch.
Die Spannweite beträgt 42 Meter.
Der A400M wird von vier Turboprop-Motoren angetrieben und fliegt maximal 300 Knoten (556 Stundenkilometer) schnell.
Die Maschine kann Treibstoff auch während des Fluges aufnehmen.
Mit Hilfe der vier kräftigen Motoren und eines robusten Fahrwerks kann der A400M auch auf kurzen und unbefestigten Pisten starten und landen.
Die Einsatzgebiete des A400M sind nach den Vorstellungen von Airbus und der Kundschaft vielfältig und reichen von der Hilfe bei Katastrophen bis zur Truppenversorgung im Kriegsfall.
Die eigens gegründete EADS-Sparte Airbus Military bietet im Geschäft mit dem militärischen Lufttransport nach eigenen Angaben einen "modernen Multi-Role-fähigen Militärtransporter" an.
In der Sprache der Militärstrategen steht der Begriff "Multi-Role" für "Mehrzweck".
Der A400M soll künftig die weltweit bei den Luftstreitkräften im Einsatz befindlichen C-130 Hercules- und C-160 Transall-Flotten ersetzen.
Die C-130 Hercules des US-Herstellers Lockheed sind schon seit Jahrzehnten im Dauereinsatz.
Der Erstflug der C-130 Hercules fand im Jahr 1954 statt.
Auch die Maschinen des deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts Transall C-160 sind im Kern nicht viel jünger.
Der A400M soll neue Standards im Lufttransport setzen.
Wenn alles klappt, winkt Airbus eine Vorreiterrolle in der Organisation zukünftiger Militärprogramme.
Der neue Militärtransporter des 21. Jahrhundert wird im Vergleich zu den zu ersetzenden Transportflugzeugen mehr als doppelt so viel Nutzlastkapazität und Laderaumvolumen besitzen.
Damit spielt der Wunder-Flieger eine bedeutende Rolle bei der Verstärkung der europäischen Lufttransportfähigkeit.
Im Flieger-Fach-Chinesisch heißt es, durch einheitliche Betreuungs-, Ausbildungs- und Einsatzverfahren wolle man mehr "Interoperabilität" für zukünftige multinationale humanitäre Einsätze und friedenserhaltende Missionen erreichen.
Im Klartext heißt das, wenn jede Armee die gleichen Maschinen verwendet, lassen sich bei multi-nationalen Einsätzen Personal und Ersatzteile schnell und unkompliziert austauschen.
An dem neuen Airbus-Militärtransporter hängen somit große Hoffnungen der europäischen Armeen. (Text: Martin Morcinek/ Diana Dittmer mit Bildmaterial von EADS / Airbus Military / AP / EADS / dpa / rts)
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