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Dienstag, 23. Februar 2010

Duldsame Passagiere, zorniger Konzern: Der Streik der Lufthansa-Piloten

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Zum Wochenbeginn macht die Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) ihre Drohungen wahr: Sie ruft die rund 4000 Lufthansa-Piloten zum Streik auf. (Foto: AP)

Zum Wochenbeginn macht die Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) ihre Drohungen wahr: Sie ruft die rund 4000 Lufthansa-Piloten zum Streik auf.

Zum Wochenbeginn macht die Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) ihre Drohungen wahr: Sie ruft die rund 4000 Lufthansa-Piloten zum Streik auf.

Der Arbeitskampf der Flugzeugführer legt große Teile des Lufthansa-Flugverkehrs lahm.

Die Piloten treffen die größte deutsche Fluggesellschaft an empfindlicher Stelle.

Mit Beginn der Arbeitsniederlegungen um Mitternacht muss die Lufthansa einen Notflugplan in Kraft setzen. Die ersten Passagiere stranden an deutschen Flughäfen.

In der komplizierten Logistik des international operierenden Unternehmens kommt die Umstellung auf einen Sonderflugplan einem beinahe übermenschlichen Kraftakt gleich.

Am ersten Streiktag sollen bis zu 1100 der normalerweise rund 1800 Flüge stattfinden. Insgesamt wollen die Piloten vier Tage lang streiken.

Die Lufthansa mietet Extra-Maschinen samt Crew bei Fremdfirmen an.

Das geht dem Unternehmen zunächst einmal richtig ans Geld.

Über die Dauer des gesamten Streiks rechnet die Fluggesellschaft damit, dass zwei Drittel der Flüge ausfallen.

Betroffen sind in ersten Linie die Flüge der Lufthansa selbst sowie ...

... der Linienverkehr der Frachtsparte Cargo und die Verbindungen ...

... der Billigtochter Germanwings.

Am Abend des ersten Streiktags einigen sich die beiden Tarifpartner unerwartet auf eine Fortsetzung der Gespräche.

Die Piloten kehren an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Gefahr von Pilotenstreiks bei der Lufthansa ist zunächst für zwei Wochen gebannt.

In Frankfurt am Main, einer Drehscheibe der Konzernlogistik, stauen sich die Maschinen.

Die Lufthansa zeigt sich zuversichtlich, die Tarifverhandlungen mit den Piloten bis zum Ende der Friedenspflicht am 8. März abzuschließen.

Doch trotz des Vergleichs vor dem Arbeitsgericht Frankfurt bleiben die Streitpunkte ...

... zwischen Pilotengewerkschaft und Konzern im Kern bestehen.

Wie es nach der Zeit der neuerlichen Verhandlungen weitergeht, weiß damit auch die Vorsitzende Richterin Am Arbeitsgericht, Silke Kohlschitter, nicht.

Denn Lufthansa-Anwalt Thomas Uebber und die Piloten-Anwälte Stefan Brozeit, Markus Germann und Daniel Schäfer haben zunächst nur ein schnelles Ende des Streiks vereinbart.

Über die zentralen Konfliktpunkte müssen nun Konzern und Gewerkschaft verhandeln.

Der Pilotenvereinigung Cockpit geht es um mehr.

Die rund 4000 Lufthansa-Piloten kämpfen nicht nur für bessere Bezahlungen und bessere Arbeitsbedingungen, sondern ...

... vor allem für einen Erhalt der tariflich gesicherten Arbeitsplätze im Inland.

Die Piloten befürchten, dass ihr Arbeitgeber künftig mehr Strecken von Auslandstöchtern bedienen lässt.

Die Kollegen im Ausland verdienen zum Teil deutlich weniger als die Lufthansa-Piloten.

Durch die Auslandsexpansion sehen die Piloten ihre Jobs und vor allem das tariflich zugesicherte Gehaltsniveau gefährdet.

In der Tat ist die Lufthansa ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Neue Fluggesellschaften wurden gegründet oder hinzugekauft - meist im Ausland.

Beispiele sind die italienische Konzerntochter Lufthansa Italia, die Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhofer 2009 aus der Taufe hebt.

Oder der jüngst vollzogene Zukauf der österreichische Austrian Airlines.

Cockpit befürchtet nun, dass die Lufthansa künftig gezielt Strecken von solchen Tochtergesellschaften bedienen lässt, bei denen das Lohnniveau günstiger ist.

Langfristig fürchten die Piloten um ihre Position im Konzern. Und die Ängste der Kapitäne erscheinen nicht unberechtigt.

Bei der neu gegründeten Italien-Tochter will die Lufthansa etwa durchsetzen, dass dort künftig Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrages fliegen.

Im europäischen Regionalverkehr der Lufthansa schwelt seit Jahren ein Konflikt über Größe der eingesetzten Flugzeuge und die Bezahlung der Piloten, die diese Jets fliegen.

Ein Konzerntarifvertrag von 1992 schreibt fest, dass Jets mit mehr als 70 Sitzen nur von Piloten geflogen werden dürfen, die nach den Bedingungen des Mutterkonzerns bezahlt werden.

Als Ersatz für ältere Klein-Flugzeuge kauft die Lufthansa aber mittlerweile Jets mit über 70 Sitzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Konzern setzt die Maschinen bei Tochterunternehmen ein, bei denen nicht das typische Kranich-Logo die Heckflosse ziert.

Damit unterläuft die Lufthansa nach Ansicht von Cockpit den Vertrag von 1992, in dem sich die Piloten angesichts der damaligen massiven Finanzprobleme des Konzerns zu Zugeständnissen bereit erklärt hatten.

Lufthansa-Piloten gehören im Vergleich der Fluggesellschaften weltweit bereits zu den Gutverdienern.

Nach Aufstieg zum Kapitän etwa nach acht bis zwölf Jahren im Beruf winken über 110.000 Euro. Danach geht es - für die Piloten - in festgelegten Schritten weiter nach oben.

Cockpit ging vor einigen Monaten mit der Forderung nach einer Lohnerhöhung von 6,4 Prozent in in die Tarifverhandlungen.

Mittlerweile ist die Gewerkschaft aber zu einer Nullrunde bereit, wenn dafür der Erhalt der Pilotenjobs in Deutschland garantiert wird.

Neben den Piloten steht der Lufthansa auch eine Tarifauseinandersetzung mit den Kabinenpersonal ins Haus.

Die Gewerkschaft der Flugbegleiter, UFO, droht am Tag des Pilotenstreiks mit eigenen Warnstreiks.

UFO fordert für die rund 16.000 Flugbegleiter eine 40-Stunden-Woche, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub sowie einen Anspruch auf geregelte Pausen.

"Wir sind nicht bereit zu warten, bis die Tarifverhandlungen für die Piloten abgeschlossen sind", stellt ein UFO-Sprecher fest.

Vielflieger, Business-Reisende und Urlauber müssen so oder so auch nach dem Ende des Pilotenstreiks mit Beeinträchtigungen rechnen.

Die Lufthansa bemüht sich zwar, möglichst rasch zum regulären Flugbetrieb zurückzukehren.

Doch das ist gar nicht so einfach.

Die Lufthansa verweist auf die komplizierten Abläufe im weltweiten Flugnetz. Weder Maschinen noch Besatzungen seien in vielen Fällen dort, wo sie laut Flugplan sein müssten

Trotz des wohl größten Pilotenstreiks in der Unternehmensgeschichte der deutschen Lufthansa ...

... bleibt das befürchtete Chaos weitgehend aus. Die meisten Passagiere hätten sich vorab im Internet über ihre Flüge informiert, heißt es an den Flughäfen.

Dennoch drängeln sich die Lufthansa-Piloten mit ihrem Arbeitskampf in die persönliche Lebensplanung vieler Reisenden - und damit direkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

"Das ist das Dramatischste im deutschen Luftverkehr, was wir je erlebt haben", beschreibt ein Konzernsprecher die Ausmaße auf das Unternehmen.

Abgesehen vom finanziellen Schaden drohen Airline und Cockpit-Besatzung langfristig schlimme Folgen.

Zahlreiche Kunden könnten auf die Idee kommen, sich ...

... an das flexible und komfortable Reisen per Bahn zu gewöhnen, und ...

... dem Zug allen tatsächlichen oder vermeintlichen Zeitvorteilen der Fliegerei zum Trotz künftig den Vorzug gewähren.

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