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Dienstag, 19. November 2013

Flugschau im heißen Wüstenwind: Die Scheichs erobern den Himmel

Von Martin Morcinek

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In diesem Jahr startet die junge Messe unter düsteren Vorzeichen: In der Region herrscht Krieg. Syrien, Irak und die umstrittenen Atomanlagen des Iran sind nur wenige Flugstunden entfernt. (Foto: Reuters)

In diesem Jahr startet die junge Messe unter düsteren Vorzeichen: In der Region herrscht Krieg. Syrien, Irak und die umstrittenen Atomanlagen des Iran sind nur wenige Flugstunden entfernt.

In diesem Jahr startet die junge Messe unter düsteren Vorzeichen: In der Region herrscht Krieg. Syrien, Irak und die umstrittenen Atomanlagen des Iran sind nur wenige Flugstunden entfernt.

Am ersten Messetag schlagen Ausstellern, Hostessen und Fachbesuchern unangenehme Witterungsverhältnisse entgegen: Ein Sandsturm fegt zu Beginn der Dubai Airshow 2013 über das Ausstellungsgelände.

Das widrige Wetter ist nur von kurzer Dauer - zum Glück für den Veranstalter.

Denn angemeldet ist zu der Veranstaltung am neuen Großflughafen "Dubai World Central" alles, was in der Luftfahrtindustrie Rang und Namen hat.

Kann die junge Messe die hochgesteckten Erwartungen erfüllen?

Die Dubai Airshow kann: Bereits am ersten der fünf Messetage verzeichnet der Veranstalter Flugzeug-Order im Gesamtvolumen von fast 200 Milliarden US-Dollar.

Die Zahl belegt einen beeindruckenden Aufstieg: Erst seit 1986 findet die Messe statt. Von Mal zu Mal lockt die regionale Leistungsschau mehr und mehr Aussteller in des ölreiche Emirat Dubai am Persischen Golf.

Der Grund liegt für Beobachter auf der Hand: Es sind die gewaltigen Expansionspläne aufstrebender Fluggesellschaften wie Emirates, Qatar Airlines und Etihad, die die Dubai Airshow zur mittlerweile wichtigsten Verkaufsmesse in der Region machen.

Treibende Kraft im Hintergrund ist Scheich Mohammed bin Rashid Al-Maktoum (r.): Der flugbegeisterte Herrscher von Dubai - zugleich und in einer Person Premier-, Verteidigungs- und Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate - steht hinter der staatlichen Fluggesellschaft Emirates und ihren massiven Ausbauplänen.

Geführt wird Emirates von einem nahen Verwandten: Scheich Achmed ibn Saed Al-Maktoum ist praktischerweise sowohl Chef der örtlichen Luftfahrtbehörde als auch Leiter des derzeit weltgrößten Flughafenprojekts. Gemeinsam wollen sie Dubai zum wichtigsten Knotenpunkt im internationalen Langstreckennetz machen.

In der Wüste unweit der Küste wächst eine riesige Freihandelszone mit Seehafenanschluss heran: Binnen weniger Jahre soll der Flughafen "Dubai World Central International" (IATA-Code: DWC) von derzeit einer auf später bis zu sechs Start- und Landebahnen erweitert werden (hier noch als Computergrafik).

Gemeinsam wollen die Scheichs das Emirat Dubai zum weltgrößten Logistik- und Luftfahrtdrehkreuz machen: In der Wüste soll eine Art Umsteigezentrale für Touristen, Fracht und Geschäftsreisende aus aller Welt entstehen.

Die Dubai Airshow fungiert dabei als maßgeschneidertes Werbe- und Marketinginstrument. Der Plan scheint zu funktionieren. Die Industrie springt auf den Zug auf.

Alle wichtigen Hersteller sind mit Neuheiten, Klassikern und Bestsellern vertreten. Das Begleitprogramm ist bombastisch: Die Scheichs scheuen weder Kosten noch Mühen.

Für Airbus-Chef Tom Enders (hier ganz rechts) hat sich der Flug in das kleine Wüstenemirat diesmal voll und ganz gelohnt: Erleichtert nimmt der europäische Flugzeugbauer eine Order über 50 Maschinen vom Typ A380 entgegen. Die Bestellung ist Teil des größten Auftragspakets in der Geschichte der zivilen Luftfahrt.

Kurz vor Jahresende kann Airbus damit nicht nur die ersten Neuaufträge in diesem Segment verbuchen. Der Großauftrag vom Golf über 50 Doppelstöcker sichert nach Unternehmensangaben auch allein in Deutschland 11.000 Arbeitsplätze.

Die Bestellung belegt, wie stark sich die Machtverhältnisse im Markt verändern. Mit ihren umfangreichen Aufträgen steigen Airlines wie Emirates zum wichtigsten Kunden der Flugzeugbauer auf.

Diese Entwicklung muss die alteingesessenen Wettbewerber in Europa und den USA das Fürchten lehren.

Den Geldströmen vom Golf haben Fluggesellschaften wie Air France-KLM, British Airways oder Deutsche Lufthansa wenig entgegenzusetzen.

Auf der Langstrecke kann Emirates bald mit insgesamt 140 Riesenjets angreifen und um Kunden auf der ertragsstarken Langstrecke zwischen Europa, Asien und den USA konkurrieren. Zum Vergleich: Die Lufthansa plant derzeit mit 14 Maschinen vom Typ A380.

"Der Nahe Osten wächst schneller als der weltweite Luftfahrt-Markt", erklärte Boeing-Verkaufschef für die Region, Marty Bentrott, im Vorfeld der Messe. "Und dieser Trend dürfte anhalten."

Der US-Flugzeugbauer feiert in Dubai einen ganz besonderen Großauftrag: Boeing-Chef James McNerney (l.) übergibt ein Modell des neuen Hoffnungsträgers "777x" - und freut sich dafür über die größte Einzelbestellung in der Boeing-Geschichte: ...

... Zusätzlich zu den 50 A380-Maschinen legt sich Emirates auf den Kauf von 150 Boeing 777X fest. Überweisen wird die Fluggesellschaft dafür eigenen Angaben zufolge insgesamt 99 Milliarden US-Dollar (derzeit rund 73,3 Milliarden Euro).

Für Boeing und Airbus ist das erst der Anfang: Zusammen mit kleineren Konkurrenten wie Embraer aus Brasilien, Suchoi aus Russland oder Bombardier aus Kanada hoffen sie auf weitere Aufträge.

Vorgespräche und Verkaufsverhandlungen kreisen dabei nicht nur um große Langstreckenjets wie die 777x oder die A380. Auf dem Außengelände stehen auch zahlreiche Regionalflugzeuge, Hubschrauber, Businessjets und Militärmaschinen zur Schau.

Airbus-Chef Enders führt Messe-Schirmherr Mohammed bin Rashid al Maktoum unter anderem auch zum neuen europäischen Militärtransporter A400M.

Airbus-Konkurrent Boeing kann in dieser Kategorie nur das bewährte, aber veraltete Modell C-17 "Globemaster" präsentieren.

In den USA steht das Programm vor dem Auslaufen. Das Pentagon, bislang wichtigster Abnehmer, muss sparen.

Der europäische Flugzeugbauer hat dagegen ein weiteres neues Modell im Angebot: Erst vor wenigen Monaten absolvierte die A350 erfolgreich seinen Erstflug. In Dubai wirbt die Fluggsellschaft Etihad aus Abu Dhabi mit dem neuen Großraumjet.

Im Begleitprogramm donnert unterdessen eine Boeing-Werksmaschine vom Typ F-18E "Super Hornet" über das Gelände. Das Getöse erinnert Besucher an ein weiteres zentrales Geschäftsgebiet: die Rüstung.

Das Interesse an militärischen Kampfflugzeugen ist groß: Angesichts der Spannungen in der Region rechnen Verteidigungsexperten mit anhaltend hohen Rüstungsausgaben.

Und anders als in den westlichen Industrienationen muss am Golf nicht unbedingt gespart werden. Gleich mehrere Staaten denken über die Modernisierung ihrer Luftstreitkräfte nach.

Ein einzelner Großauftrag könnte ein Kampfjet-Programm mitunter auf Jahre sicherstellen: Bereitwillig führt daher nicht nur der französische Hersteller Dassault die Flugkünste seiner "Mirage 2000-9" vor.

Die Mehrzweckkampflugzeuge der Franzosen - hier eine Dassault "Rafale", die ebenfalls in Dubai fliegt - sind im scharfen Einsatz erprobt, zum Beispiel in Libyen, Mali oder Afghanistan.

Am Golf könnten die Franzosen damit dem Eurofighter "Typhoon" das Wasser abgraben.

Der Typhoon, eigentlich als Luftüberlegensheitsjäger konzipiert, fliegt derzeit bereits für Saudi-Arabien. Ernsthaftes Interesse gibt es nun angeblich auch aus Bahrain und Katar - eine Entscheidung steht noch aus.

Schon eine Absichtserklärung aus dieser region wäre für das Eurofighter-Konsortium ein großer Durchbruch: Der Export stockt. Zuletzt entschieden sich mit der Schweiz und Südkorea gleich zwei mögliche Käufer gegen den Euro-Jäger mit den Entenflügeln.

In der militärischen Luftfahrt laufen die großen Trends derzeit ohnehin in ganz andere Richtungen.

Da sind zum Beispiel die Kampfhubschrauber, die billiger sind, ohne aufwändige Flughafeninfrastruktur auskommen und gerade in regional begrenzten, asymmetrischen Konflikten ihre ganze Stärke ausspielen können.

Boeing tritt in Dubai in diesem Segmet mit einem AH-64D "Apache Longbow" an.

Das US-Verteidigungsministerium schickt eine ganze Auswahl aus ihrem Arsenal: Ankündigt sind ein strategischer Langstreckenbomber B-1B "Lancer", vier Kipprotortransporter vom Typ V-22 "Osprey" und die modernisierte AH-1Z, ein extra für die US-Marines angepasster Kampfhubschrauber.

Aus Europa stammt dagegen dieser nachtschwarze Vofel: Die C-27J "Spartani" von Alenia Aermaachi aus Italien kann auf Behelfspisten starten und als fliegender Artilleriestützpunkt auch ein ungewöhnliches Geschütz aufnehmen.

Das ist das Projektil einer automatischen Kanone, die sich für Distanzschüsse aus der Luft eignet und zugleich kompakt genug ist, um in robuste Transportflugzeuge integriert zu werden.

Und dann wäre da noch das schnell wachsende Segment der unbemannten Kampfflugzeuge. Militärische Drohnen spielten bereits auf den großen Messen in Berlin, Farnborough und Le Bourget eine immer größere Rolle.

Auf der Dubai Airshow zeigt sich nun, dass die Vormachtsstellung der USA auf diesem Gebiet schwindet: Der lokale Spezialkonzern Adcom Systems enthüllt die "Global Yabhon", eine sogenannte HALE-Drohne, die in großer Höhe und mit langer Ausdauer Überwachungs-, Aufklärungs- und Kampfmissionen erfüllen soll.

Teure Kampfjets mit teuren Piloten wären damit in den meisten Einsatzszenarien leicht zu ersetzen.

Noch können Kampfjet-Hersteller wie Dassault, Saab, Lockheed Martin oder das Eurofighter-Konsortium auf Käufer für ihre Programme hoffen.

Für die kommerzielle und militärische Luftfahrt könnte sich Dubai inzwischen tatsächlich als idealer Messestandort etablieren. Schon jetzt ist die Airshow ein fester Termin im Jahresplan der Branche.

Die Berührungsängste sind in den autoritär regierten Staaten niedriger als anderswo. Die Entscheidungswege sind kurz. Und Budget ist genug vorhanden.

Damit es ein sicherer Flug in die Zukunft wird, müssen Hersteller wie Boeing oder Airbus eigentlich nur noch darauf hoffen, dass sich die Wachstumspläne am Golf auch langfristig als wirtschaftlich solide erweisen.

(Stand: 19. November 2013)

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