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Montag, 27. August 2012

Vergiftetes Vietnam: "Agent Orange" wirkt bis heute nach

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Schwere Fehlbildungen, massenhafte Krebserkrankungen, tausende  Fehlgeburten: Auch nach über vierzig Jahren ...

Schwere Fehlbildungen, massenhafte Krebserkrankungen, tausende Fehlgeburten: Auch nach über vierzig Jahren ...

Schwere Fehlbildungen, massenhafte Krebserkrankungen, tausende Fehlgeburten: Auch nach über vierzig Jahren ...

... leiden die Menschen in Vietnam noch unter den Folgen von "Agent Orange".

Die USA sprühten das hochgiftige Entlaubungsmittel zwischen 1965 und 1970 aus Flugzeugen breitflächig über dichten Wäldern aus, ...

... ein strategischer Zug während des Vietnam-Kriegs. Der Name "Agent Orange" stammt von der orangen Markierung der Fässer, in denen das Herbizid transportiert worden war.

Nach nur wenigen Tagen waren die Bäume entlaubt und starben schließlich ab. So wollten die USA die militärischen Stellungen, Waffenlager und Transportrouten der Vietcong-Kämpfer aufdecken. Gezielt sprühten sie das Gift auch auf landwirtschaftliche Gebiete, um die Ernten zu vernichten.

So litt auch die Zivilbevölkerung unter dem militärischen Feldzug: Ganze Wälder starben, Nahrung war vernichtet und das Wasser verseucht (oben: vor "Agent Orange", unten: danach).

Bis heute wirkt das Gift nach.

Bereits die dritte Generation nach Ende des Vietnamkriegs muss unter dem Einsatz des Entlaubungsmittels leiden.

Eine hohe Zahl von Kindern kommt mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen auf die Welt. Frauen erleiden zudem wesentlich häufiger Fehlgeburten.

Menschen erkranken in außergewöhnlich hoher Zahl an Krebs oder müssen ihr Leben lang mit Immundefekten und Stoffwechselstörungen kämpfen.

Nach Angaben der vietnamesischen Regierung bekamen etwa drei Millionen Menschen die Auswirkungen von "Agent Orange" direkt zu spüren, eine Million leidet auch heute noch unter den Folgen des Gifts.

Das Vietnamesische Rote Kreuz schätzt allein die Zahl der Kinder, die mit Fehlbildungen geboren wurden, vorsichtig auf über 100.000.

In der vietnamesischen Stadt Danang war während des Vietnam-Krieges einer von mehreren US-Militärstützpunkten, an denen die Chemikalienfässer gelagert wurden. Dort starteten auch die Giftflieger.

"Während des Kriegs lebten wir an der Startbahn", erzählt eine 78-jährige Frau aus Danang. "In manchen Nächten mussten wir unsere Münder zuhalten, weil es so stark roch."

Sie wohnt bis heute in Danang. Von ihren fünf Kindern sind drei stark körperlich oder geistig behindert. Für sie ist klar, dass das dioxinhaltige "Agent Orange" dafür verantwortlich ist.

Doch die USA bezeichnen den Zusammenhang zwischen dem Gift und den Krankheitsfällen und Missbildungen als "nicht sicher".

Eine Gruppe von vietnamesischen "Agent Orange"-Opfern hatte deshalb Klage gegen die Hersteller des Mittels eingelegt, ..

... 2005 wurde sie abgewiesen mit der Begründung, es habe keine gezielte "chemische Kriegsführung" gegeben.

2009 schmetterte schließlich das Oberste Gericht in den USA die Forderung der Opfer nach einer Entschädigung ab.

Ganz anders lief es für US-Soldaten, die im Vietnamkrieg gekämpft hatten und nach dem Kontakt mit "Agent Orange" erkrankt waren. Sie reichten ebenfalls Sammelklagen gegen die Herstellerfirmen ein.

Damals wurde der Zusammenhang zwischen dem Dioxin und ihren Beschwerden anerkannt: 1984 kam es zu einem außergerichtlichen Vergleich, ...

... in den zehn nachfolgenden Jahren zahlten die Firmen insgesamt 197 Millionen Dollar an über 50.000 Veteranen und Hinterbliebene.

In den drei Gebieten Danang, Phu Cat oder Bien Hoa, wo die Giftfässer gelagert wurden, ist die Giftkonzentration immer noch rund 400 Mal höher als der erlaubte Wert. Doch Vietnam fehlt es an Geld, um die Spuren zu beseitigen.

Noch bis vor fünf Jahren badeten und fischten die Anwohner bedenkenlos in den verseuchten Gewässern. Zudem wurde auf dem vergifteten Boden in Danang Landwirtschaft betrieben.

Erst vor Kurzem wurde die Region zum Sperrgebiet erklärt.

Seit 2012 helfen die USA erstmals, die betroffenen Gegenden von der dioxinhaltigen Chemikalie zu befreien, ...

... obwohl sie den Zusammenhang von Krankheit und Gift offiziell immer noch nicht anerkennen.

Um den Boden von "Agent Orange" zu reinigen, ...

... wird er nun hohen Temperaturen ausgesetzt - ein Unternehmen, das gut 43 Millionen Dollar kosten wird (etwa 35 Millionen Euro).

Doch die Aktion kommt viel zu spät ...

... und ist für die Betroffenen keine große Hilfe, sagt Nguyen Thi Hien, Vertreter eines Opferverbands in Danang.

Die 43 Millionen Dollar, die die USA für die Bereinigung des Landes aufbringen, sind ein geringer Preis, ...

... denn Schätzungen zufolge würde es gut das Zehnfache kosten, die verseuchten Gebiete komplett zu reinigen und alle Opfer von "Agent Orange" zu entschädigen.

Die Grundlage dafür wäre jedoch, dass die USA endlich die Spätfolgen von "Agent Orange" anerkennt.

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