| SA | 9° / 23° |
| SO | 10° / 22° |
Es ist das größte und teuerste Technologieprojekt aller Zeiten: Die Internationale Raumstation (ISS).
Am 20. November 1998 brachte eine russische Proton-Rakete das erste Bauteil mit dem russischen Namen "Sarja" ("Morgenröte") ins All.
Damit wurde der Grundstein für den ersten internationalen außerirdischen Außenposten der Menschheit gelegt.
Zwei Wochen später folgte der erste Verbindungsknoten "Unity". Er wurde mit einem US-amerikanischen Space Shuttle ins All geflogen und dort mit "Sarja" verbunden.
Bis heute folgten zahlreiche weitere Module, die an den Weltraumstützpunkt angekoppelt wurden.
Diese modulare Bauweise ist der russischen Raumstation "Mir" abgeschaut.
So wuchs der Weltraumstützpunkt bis zu seinem zehnjährigen Jubiläum auf die Größe eines Fußballfeldes an. Weitere Anbauten sind bis Ende 2010 geplant.
Insgesamt 16 Staaten sind an Finanzierung, Ausbau und Reparatur der ISS beteiligt. Vor allem die amerikanische NASA, die russische Raumfahrtagentur Roskosmos und die europäische Weltraumagentur ESA sind Initiatoren des Projekts.
Mit dem Vertrag für die Internationale Raumstation kam erstmals eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Ländern aus Ost und West zustande. Das Ende des Kalten Krieges machte das möglich.
Alle beteiligten Nationen sind wegen der immensen Kosten des Weltraumgroßprojektes darauf angewiesen, zu kooperieren.
Die derzeit 300 Tonnen schwere Raumstation kreist in fast 350 Kilometern Entfernung und ...
... mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometer pro Stunde um die Erde. Für eine Erdumrundung braucht die ISS rund 90 Minuten.
Bei klarer Sicht können Sachkundige die Spuren der Internationalen Raumstation mit bloßem Auge am Himmel entdecken.
Die Station wird ausschließlich mit Solarstrom betrieben. Dafür wurden Sonnensegel mit 80 Metern Spannweite an die Station gebaut.
Insgesamt arbeiten acht Solarpaneele unabhängig voneinander. Sie sind an Drehgelenken installiert und können dementsprechend zum Sonnenlicht ausgerichtet werden.
Ein großer Teil der gewonnenen Solarenergie wird sofort verbraucht, der Rest in Akkus gespeichert. So ist eine gleichmäßige Stromversorgung gewährleistet.
Seit November 2000 ist die Raumstation ständig mit zwei bis drei Astronauten besetzt.
Das Kommen und Gehen auf der Station ist groß. Mehr als 170 Raumfahrer aus 15 Nationen waren bisher an Bord.
Darunter auch mehrere Weltraumtouristen, die sich für je zwanzig Millionen US-Dollar das Abenteuer Weltall gegönnt hatten. (Anousheh Ansari besuchte 2006 die Crew der ISS.)
Der Deutsche Astronaut Thomas Reiter lebte und arbeitete von Juli bis Dezember 2006 als Mitglied der Langzeitbesatzung "ISS-Expedition 13" an Bord des größten Weltraumlabors.
Ein Besuch der ISS ist unter Astronauten heiß begehrt. Die Krönung ist bei aller Anstrengung ein Außeneinsatz. " Da draußen hat man ein wahnsinnig tollen Ausblick", resümierte Thomas Reiter.
Die Astronauten der verschiedenen Länder werden nach ihrer Rückkehr als moderne Helden gefeiert, die über ihre Erfahrungen im All berichten müssen.
Der Platz im Inneren der Raumstation ist begrenzt und alles andere als wohnlich. Neben zahlreichen Steuerelementen und raumfassender Labortechnik müssen sich die Astronauten oftmals monatelang in der Schwerelosigkeit zurecht finden.
Durch unvorhersehbare Pannen, wie die "Columbia"-Katastrophe 2003 ...
... oder beschädigte Kacheln am Hitzeschild 2007 liegen Astronauten und Forscher im Zeitplan des Großprojekts um Jahre zurück.
Gegner der Raumstation kritisieren vor allem die hohen Kosten für das Kooperationsprojekt, die in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden.
Wissenschaftliche Ergebnisse wie die aus der ISS seien nirgendwo sonst zu bekommen. Wissenschaftler halten dagegen und sehen in der ISS eine Außenstelle von tausenden internationalen Laboren in der Schwerelosigkeit.
Erkenntnisse über die Atmosphäre, über das All und speziell den Muskelschwund beim Menschen in der Schwerelosigkeit hätte man ohne den Einsatz der ISS nicht gewinnen können.
Die Pläne für das insgesamt 100 Milliarden US-Dollar teure Projekt sind groß.
In Zukunft soll beispielsweise die Langzeitbesatzung von drei auf sechs Astronauten aufgestockt werden.
Damit genug Platz für eine sechsköpfige Crew ist, hat die Raumfähre "Endeavour" kurz vor dem 10. Geburtstag der Raumstation 14,5 Tonnen Material zum Ausbau mitgebracht. Darunten befinden sich auch neue Schlafkabinen, ...
... eine zweite Toilette,...
... zwei neue Kochöfen,...
... ein Kühlschrank ...
... und schwerelosigkeitstaugliche Fitnessgeräte.
Außerdem soll mit Hilfe einer neuen Technik an Bord Urin wieder in Wasser umgewandelt werden. So kann Wasser gespart werden.
Die Versorgung der Besatzung der Raumstation ist aufwändig und teuer. Bis März 2008 wurde sie ausschließlich von russischen Progress-Frachtern und ...
... amerikanischen Space Shuttles sichergestellt. Sie brachten Lebensmittel, Kleidung, Frischwasser, Sauerstoff und Ersatzteile ins All.
Im April 2008 wurde die Versorgung erstmals durch den europäischen Weltraumfrachter "Jules Verne" übernommen.
Eine seiner Hauptaufgaben bestand in der Müllentsorgung, denn durch das zunehmende Gewicht verlor die Raumstation beständig an Höhe.
Nach mehr als sechs Monaten Aufenthalt im All dockte der Raumfrachter mit 2,5 Tonnen an Bord von der ISS ab und beendete seine Mission erfolgreich, indem er samt Müll beim Wiedereintritt in die Atmosphäre über dem Pazifik verglühte.
Das Gesamtgewicht der Station soll nach Anbau aller Module in zwei Jahren von 300 auf 450 steigen. Erst dann wäre die ISS in ihrem endgültigen Betriebszustand.
Allerdings warten schon neue Probleme. Die NASA will bis Ende 2010 alle Weltraum-Shuttles stilllegen. Das Nachfolgesystem "Orion" steht jedoch frühstens 2015 zur Verfügung.
Deshalb ist die größte Weltraumnation gezwungen, für ihre Astronauten Plätze auf den russischen Sojus-Flügen zu buchen. Das wiederum ist nur mit Ausnahmegenehmigung möglich.
Laut Vertrag läuft die Betriebsdauer für die ISS im Jahr 2015 ab.
Vorgesehen ist, die Station nach Vertragsende im Pazifik zu versenken.
Diese Pläne aufrechtzuerhalten finden Experten fatal, denn das größte und teuerste Weltraumlabor wäre nur fünf Jahre in seinem endgültigen Betriebszustand.
Aus diesem Grund wird schon heute über eine Verlängerung der Frist bis 2020 verhandelt.
Dann könnte die Raumstation, die ein eigenes Logo besitzt, sogar ihren 22. Geburtstag feiern. (Alle nicht gekennzeichneten Bilder: AP, dpa, NASA)
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.